Nach einem knappen Jahr, voller Gleisarbeiten und Zugausfällen, hat Unrailed die Early-Acces-Phase mit bravure hinter sich gelassen. Die Gleisbaubeauftragten von Indoor Astronaut fungieren hier als fähige Entwickler und die Herausgeber Daedalic Entertainment, Bilibili verteilen fleißig die Fahrscheine. Doch in Unrailed kann eine Fahrt mit der hiesigen Lokomotive auf ungeahnte Hindernisse stoßen. Hier erfahrt ihr, ob sich das anstehen, für eins der begehrten Zugtickets lohnt, oder ob nicht mal das Schwarzfahren die Reise erträglicher gestaltet. Der Test fand wie gewöhnlich auf Sony’s aktuell leistungsstärksten Lok statt.

Wir müssen zugeben von einem kooperativen Schienenbauerlebnis haben wir vor kurzem noch nie etwas gehört. Deswegen können wir den Fahrtwind auch ganz unvoreingenommen auf uns wirken lassen. Als erstes begrüßt uns schon im Hauptmenü eine kleine Gestalt, die mit uns auf die nächste Baustelle reisen möchte. Mit einem einfachen Tastendruck können wir unseren kleinen Freund nach verliebe aus den vorhandenen Kostümen auswählen. Danach wollten wir auch gleich mit der Story beginnen. Nur fanden wir keinen Menüpunkt, der uns zu dieser führen konnte. Den was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, Unrailed ist auf einer reinen Multiplayer-Erfahrung ausgelegt. Nach kurzer Ernüchterung, liebäugelten wir mit dem Schaffner und entschieden uns für den hervorstechenden Endlos-Modus. Hier begann eine Zugfahrt die nach 91 Metern schon wieder Ihr Ende fand.

Denn in Unrailed ist es nicht wie eventuell gedacht, dass Befahren einer vorgegebenen Strecke, nein, sondern die ganze Stecke muss in liebevoller Handarbeit sorgfältig von uns selbst entworfen werden. Klingt einfach als es in Wahrheit ausfällt. Denn nach der kurzen Einführung, die jeder der drei Modi mit sich bringt, nimmt unser Zug die Fahrt auf. Obwohl es noch keine Strecke gibt, die für einen funktionstüchtigen Fahrplan vorgesehen ist, dann heißt es einen kühlen Kopf bewahren und loslegen.

Das Bahnpersonal besteht aus mindestens zwei Leuten und kann bis zu maximal vier Kollegen aufgestockt werden. Wie schon erwähnt ist Unrailed, keine Singlepalyer-Erfahrung, sondern eine kooperativer minimalistische Bahnsimulation. Die Kommunikation ist für eine großangelegte Gleisarbeit das A und O, die Aufgabenverteilung sollte immer genaustens abgesprochen sein. Oder Ihr entscheidet euch alleine mit dem Computer zu spielen, nach kurzer Einarbeitungszeit können wir über die zuerst erreichte Stecke nur lachen. Der KI-gesteuerte Freund kann über ein simples Aktionsrad genaustens gesteuert werden, sodass wir uns in Ruhe auf die gerade wichtigsten Arbeiten konzentrieren können. Also sowohl Bahnpassagiere die Ihre Ruhe am Bahnhof möchten, als auch die Passagiere die nicht alleine Reisen können, kommen auf ihre Kosten.

Zum Arbeitstag eines jeden Unrailed-Zugführers gehören drei wichtige Arbeitsutensilien. Als Erstes wäre hier die Axt zu erwähnen, um zum einen den umliegenden Wäldern ihre Präsenz zu rauben, um die Stecke, Stück für Stück zu erweitern. Zum anderen benötigen wir das daraus gewonnene Holz, als eins von zwei wichtigen Grundressourcen, um neue Schienen zu entwerfen. Als Nächstes betritt die Pike das Schlachtfeld und verkörpert dieselbe Funktion wie die Axt. Mit dem Unterschied hier wird dem weicheren Gestein eine neue Form verpasst. Von beiden Ressourcen benötigen wir für die Dauer der Fahrt eine sehr große Menge und sollten auch nie in Verzug geraten beide abzubauen.

Als letztes benötigen wir dann noch einen Eimer. Nicht für einen kühlen Kopf, sondern um den Zug regelmäßig vor den Überhitzungstod zu bewahren. Jetzt besteht unsere Aufgabe mit dem gelernten Wissen, von der einen Bahnstation zur nächsten zu gelangen, ohne dass der Zug vorher aus den Gleisen gerät. Dort angekommen wird uns die Gelegenheit geboten unser Schwergewicht mit bis zu fünf unterschiedlichen Waggons auszustatten. Zwei davon sind für jede Strecke unerlässlich. In einem der Waggons stapeln wir die abgetragen Ressourcen, die in dem anderen zu einem benutzbaren Schienenstück automatisch zusammengebaut wird. Bei den anderen drei können wir uns nach Lust und Verfügbarkeit austoben. Hierunter gibt es unter anderem Waggons, die uns die Zugfahrerseite wechseln lassen oder auch in der Nacht den bevorstehenden Streckenabschnitt erleuchten. Auch Dynamit kann in einem der Wagen hergestellt und für die Sprengung von nicht abbaubaren Gestein seine Verwendung finden.

Unbegrenzt Auswahl wird uns jedoch nicht geboten, da auch immer eine Schraube für ein Upgrade benötigt wird. Diese finden wir teilweise in der prozentual generierten Welt oder erhalten zwei beim nächst erreichten Bahnhof. Aktuell gibt es ganze 46 freischaltbare Wagen, somit ist für genug Abwechslung auf dem Gleis gesorgt.

Das war dann auch schon alles was wir für einen erfolgreichen ersten Arbeitstag in unserem neuen Umfeld zu wissen brauchen.

Wie bereits erwähnt, gibt es drei verschiedene Modi-Varianten, um eine Strecke zu errichten. Für den erst genannten Endlos-Modus bedarf es wohl an keine weiteren Erklärungen. Entgleist der Zug oder geht in Flammen auf, ist die Reise zu Ende. Um dies zu erschweren wird der Zug von mal zumal auch ein wenig Schneller, um die Vorfreude auf den nächsten Bahnhof zu verkürzen. Unterwegs gesellen sich auch gerne mal ein paar Diebe unter die Fahrgäste, um uns bei der Arbeit wichtige Ressourcen zu entwenden. Auch andere Gestalten versperren uns regelmäßig den Weg, um einen reibungslosen Ablauf zu erschweren.

Unter den Modus-Schnell versteht es sich, den Zug in kürzester Zeit zum Zielbahnhof zu schicken. Hier war keine wirkliche Bereicherung am Gameplays festzustellen, kann aber für die ein oder andere Übungsfahrt herhalten. Der letzte Modus-Versus kann in einem wahren Rennen enden, den hier geht es darum wer den besten Gleisbauer verkörpert. Mit Freunden oder Fremden kann sich hier gemessen werden. Wer baut die beste Strecke und lässt den Zug als letztes entgleisen? Rein theoretisch gibt es auch noch einen vierten Modus namens Sandbox, allerdings ist dieser mehr wie der Endlos-Modus nur das hier alle bis dato freigeschalteten Wagen frei getestet werden können.

Zur technischen Umsetzung der Indie-Schiene können wir keine gröberen Mängel feststellen. Außer das wir ab und an bei der Generierung der nächsten Welt im Bildschirm festhingen. Die grafische Darstellung erfolgt hier in einem schönen Pixelgewandt und erfüllt Ihren Zweck zu jeder Zeit. Auch die unterschiedlichen Biome werden liebevoll immer wieder aufs Neue generiert. Unterandern findet unsere Strecke sich in einer staubtrockenen Wüste oder in schneebedeckten Landschaften wieder. Als neusten Errungenschaft der Menschheit können bereits die ersten Züge ihre Fahrt auf dem Mars absolvieren. Jedes Biom bringt nicht nur in der optischen Erscheinung Abwechslung mit sich, auch unsere Arbeitsverteilung muss immer etwas nachjustiert werden.

Die Musikalische Untermalung weiß durchaus zu überzeugen, zarte Klänge harmonieren sehr gut mit dem teilweise stressigen Aufbau und bieten so eine doch entspannte Spielerfahrung. Die Sounds der einzelnen Arbeitsschritte passen selbst gut zum gewählten grafischen Gesamteindruck und haben ab und an eine hypnotische Note.

Fazit

Dafür das wir von Unraild bis dato nicht viel mitbekommen haben, hat die Reise mit der im besten Fall unaufhaltsamen Lokomotive ihren Reiz. Eine sehr entspannte Spielerfahrung wurde uns per Zugticket zugesteckt. Sowohl alleine als auch im Team kann das simple Gameplay für mehrere Stunden unterhalten. Wie lange die Freude im taktischen Aufbau anhält, kann jeder für ein Bahnticketpreis in Höhe von runde 20 Euro im PSN-Store ergattern. Unserer Meinung nach, ist dieser Preis für das gebotene hart an der Grenze, ein paar Euro weniger würden die Fahrgäste sicher glücklicher Stimmen. Dennoch ist Unrailed für jeden ein Versuch wert, der gerne in eine verpixelte Welt abtaucht oder mit etwas taktischen Aufbau den Abend ausklingen lassen möchte. Uns hat die kleine Überraschung auf jeden Fall positiv gefallen und lässt uns beruhigt in den nächsten Bahnhof einfahren.