Die meisten Gamer haben ein Problem: Sie hören schlecht. Was zunächst übertrieben klingt, ist in Wahrheit ein weitverbreitetes Defizit – viele Gaming-Headsets sind rein auf Spielesound getrimmt und lassen in der Klangtreue zu wünschen übrig. Wer echte Audioqualität sucht, kommt am Beyerdynamic MMX 300 Pro kaum vorbei. Wir testen die offene Variante, das MMX 330 Pro – für besten Sound, ohne dich komplett von der Außenwelt abzuschotten.
Lieferumfang und Verarbeitung
Bewährte Technik und Qualität aus Deutschland
Bei der Verpackung kommt Beyerdynamic weiterhin sehr reduziert und konsequent ohne Plastik aus. Beyerdynamic nutzt einen mattschwarzen Karton mit einfarbigem Band, der nur enthält, was wirklich nötig ist: das Headset, die Bedienungsanleitung, das Anschlusskabel mit Inline-Remote sowie der Adapter für TRS auf TRRS, sodass der Anschluss an Konsolen wie PS, Xbox oder Switch problemlos gelingt. Den kleinen Popschutz auf dem Mikrofon wollen wir natürlich nicht vergessen. Alles ist sauber eingebettet und nimmt, ohne Folien oder Kunststoffe, wenig Platz ein.

Optisch und haptisch ist das MMX 330 Pro identisch zum von uns getesteten MMX?300?Pro. Die offenen Ohrmuscheln mit dicker Polsterung aus Velours umschließen die Ohren angenehm. Der Kopfbügel nutzt Druckknöpfe zur Fixierung des austauschbaren Kopfbandes, was nicht nur komfortabler, sondern auch langlebiger ist. Zudem ist eine Fontanellenaussparung eingearbeitet, was den Tragekomfort erhöht. Die Gabeln aus Metall und der insgesamt solide Rahmen vermitteln ein Gefühl von Präzision und Stabilität. Hier hat Beyerdynamic ein robustes Design entwickelt, was keine Änderungen benötigt. Sogar die Konkurrenz hat sich hier eine Menge abgeschaut. Die Aufnahmen der verstellbaren Gabeln sind am Bügel verschraubt und bei Bedarf sogar ersetzbar. So wie auch das Kopfpolster, das Anschlusskabel oder das Mikrofon. Beyerdynamic bietet Ersatzteile für jedes seiner Geräte an. Zudem lässt sich dein Headset auch in der Manufaktur personalisieren.

Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau. Das bemerkenswerte Gewicht von etwa 318?g sorgt dafür, dass der Tragekomfort hoch bleibt. Auch über Stunden hinweg spürt man kaum Belastung. Gleiches gilt für die Druckverteilung und nur bei besonders großen Ohren könnten die Ohrmuscheln an der Innenseite etwas knapp werden. Aber generell ist das Komfortniveau sehr gut. Einziger kleiner Abstrich im Gesamtbild ist die Inline-Remote. Zwar funktional, mit Lautstärkeregler und Mute-Taste, aber im Vergleich zur hochwertigen Konstruktion wirkt sie etwas einfach und altbacken. Im Dunkeln kann man aber zumindest erfühlen, auf welcher Position der Schalter steht. Der Mikrofonarm ist nicht abnehmbar und lässt sich aber hochdrehen, wobei das Mikrofon jedoch nicht gemutet wird.

Handgefertigt und geprüft in Deutschland. Das kann kaum ein anderer Hersteller von sich behaupten. Ob das aber nach der Übernahme durch einen chinesischen Konzern so bleibt, ist fraglich.
Technische Details
Technik, die einfach abliefert
Technisch bleibt das MMX 330 Pro ein klassisches kabelgebundenes Gaming- und Streaming-Headset, das auf hohe Audioqualität und langlebige Verarbeitung setzt. Anders als das MMX 300 pro ist es offen gebaut. Die Ohrmuscheln sind also durchlässig für Luft und Schall, was für ein natürlicheres Klangbild sorgt, aber auch Umgebungsgeräusche weniger dämpft. Das ist ein spürbarer Unterschied und macht es weniger isolierend, dafür klanglich luftiger – was vor allem in ruhigen Umgebungen Vorteile bringt. Mir persönlich gefällt dies sehr gut, weil man sich und die eigene Umgebung noch gut wahrnimmt. Es ist davon auszugehen, dass es wie das MMX 300 Pro mit den STELLAR-45-Treibern ausgestattet ist, die auch in den Pro-Kopfhörern DT 700 und DT 900 zum Einsatz kommen. Der Frequenzbereich reicht laut Hersteller von 5 bis 40.000 Hz und die Impedanz liegt bei 48 Ohm. Das Headset lässt sich somit an fast allen Geräten betreiben, klingt aber am besten an einem Audiointerface oder DAC, der etwas Leistung mitbringt. Der maximale Schalldruck liegt bei 96 dB SPL, was absolut ausreicht, um auch in lauterer Umgebung alles klar zu hören.

Beim Mikrofon setzt Beyerdynamic auf eine Kondensatorkapsel mit Back-Elektret-Technologie und Nierencharakteristik. Der Frequenzbereich reicht von 20 bis 20.000 Hz. Sprachaufnahmen sollten damit präzise, klar und detailreich klingen und Hintergrundgeräusche gut ausgeblendet werden. Für den Anschluss nutzt das MMX 330 Pro ein abnehmbarer, das auf zwei separate 3,5-mm-Klinkenstecker (TRS) endet. Ideal für PC-Setups mit separatem Mikro- und Kopfhörereingang. Ein Adapter für Konsolen (TRRS-Kombibuchse) liegt bei. Die bereits erwähnte Fernbedienung am Kabel bietet eine einfache Steuerung mit Lautstärkeregler und Mute-Schieber.
Soundcheck
Hier spielt der Sound mit Bühne und Raum
Klanglich zeigt das MMX 330 Pro, dass es mehr als nur ein Gaming-Headset ist. Durch die offene Bauweise entfaltet sich der Sound mit deutlich mehr Raum und Luft. Die Stereobühne wirkt breiter, direktionale Effekte sind leichter ortbar und das gesamte Klangbild wirkt natürlich und entspannt. Gerade bei Adventures, Rollenspielen oder atmosphärischen Titeln entsteht ein Gefühl von Weite, das mit geschlossenen Headsets so kaum zu erreichen ist. Aber auch Musik sollte man sich mit dem 330 Pro nicht entgehen lassen. „Hotel California“ und „Bohemian Rhapsody“ sind Songs, die in der Qualität von Treibern deutliche Unterschiede hören lassen. Wer es moderner mag, gönnt sich „Lost In You“ von den Dirty Loops. Absolute Hörempfehlung!

Die Höhen sind klar und detailreich, ohne spitz oder anstrengend zu wirken. Stimmen und Effekte sitzen genau da, wo sie sollen – egal ob in Dialogszenen oder im Feuergefecht. Die Mitten sind präsent und sorgen dafür, dass Sprache, Geräusche oder Musik definiert bleiben. Der Bass ist etwas zurückhaltender als bei einem geschlossenen System, aber sauber, schnell und präzise. Kein übertriebener Tiefbass, sondern ein kontrollierter Tiefton, der sich gut ins Gesamtbild einfügt. Wer auf eine saubere Klangbalance und breite Bühne Wert legt, wird hier bestens bedient.
Das Mikrofon liefert ebenfalls stark ab. Es klingt voll, aber etwas bassbetont, was jedoch vielen Gaming-Headsets komplett fehlt. Genau dieser „Körper“ in der Stimme macht hier den Unterschied. Trotzdem bleibt die Wiedergabe natürlich und klar, mit einem angenehmen Nahbesprechungseffekt, der an professionelle Sprecher-Setups erinnert. Ohne jede Nachbearbeitung bekommt man schon eine sehr präsente, dichte Sprachaufnahme. Wer mit Tools wie SteelSeries Sonar oder einem anderen EQ nachregelt, holt hier echtes Broadcast-Niveau raus. Damit lassen sich problemlos Streams, Podcasts oder Videokonferenzen auf hohem Level abwickeln – ganz ohne separates Standmikrofon.

Fazit
Studioqualität für zu Hause

Das MMX 330 Pro ist kein gewöhnliches Gaming-Headset, sondern ein echtes Stück Studioqualität mit Fokus auf Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Klangtreue. Verarbeitung und Design sind klar darauf ausgelegt. Positiv ist zudem, dass man viele Teile bei Defekt ersetzen kann und das Headset sogar personalisierbar ist. Klanglich spielt das MMX 330 Pro in der Oberliga. Die offene Bauweise bringt Luft, Weite und Räumlichkeit in die Wiedergabe, wie man sie sonst nur von offenen HiFi-Kopfhörern kennt. Höhen, Mitten und Bässe sind fein abgestimmt, niemals übertrieben, sondern ehrlich und neutral. Perfekt für alle, die mehr wollen als nur stumpfes Bass-Gewummer. Besonders Musik und cineastische Spiele profitieren enorm davon. Wer bisher nur den Sound der üblichen Gaming-Headsets kennt wird seinen Ohren kaum glauben. Das Mikrofon überzeugt mit satter, bassbetonter Sprachwiedergabe, bleibt dabei aber natürlich und klar. Wer ein bisschen mit EQ nachhilft, bekommt Broadcast-Qualität, die locker mit Standmikros mithalten kann. Streamer, Podcaster und Gamer mit Anspruch an gute Kommunikation finden hier ein starkes Gesamtpaket. Mit einem Preis von rund 250 bis 299?Euro ist das MMX 330 Pro sicher kein Schnäppchen. Aber in Anbetracht der Materialwahl, Verarbeitung, Klangqualität und der Möglichkeit zur langfristigen Reparatur ist der Preis nicht nur nachvollziehbar, sondern gerechtfertigt. Wer auf Langlebigkeit, echten Klang und kein Plastik-Spielzeug steht, bekommt hier ein Headset, das viele Jahre lang genau das tut, was es soll – ganz ohne Showeffekte. Zugreifen!
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