Code Vein II verbindet emotionale Tiefe mit einem verfeinerten Kampfsystem und wagt den mutigen Sprung in eine offene Spielwelt. Wir erleben eine packende Geschichte über Zeitreisen und menschliche Bindungen, die trotz technischer Unebenheiten und spielerischer Längen einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Diese Fortsetzung zeigt deutlich, dass das Anime-Soulslike-Genre erwachsener geworden ist, ohne seinen markanten Kern zu verlieren.
Ersteindruck
Ein Wiedersehen in den Trümmern einer zerbrochenen Welt
Der Einstieg beginnt mit dem, was die Serie bereits beim Vorgänger auszeichnete: einem der wohl umfangreichsten Charaktereditoren im gesamten Genre. Wir verbringen lange damit, unsere Spielfigur bis ins kleinste Detail anzupassen, von den leuchtenden Augen über komplexe Accessoires bis hin zu den markanten Outfits, die den typischen Anime-Stil perfekt einfangen. Es fühlt sich sofort nach Heimkommen an, auch wenn die Welt um uns herum deutlich düsterer und weitläufiger wirkt als zuvor. Die Menüführung ist dabei intuitiv gestaltet, sodass wir uns nicht in den unzähligen Optionen verlieren, sondern zielgerichtet unseren perfekten Helden erschaffen.
Die Geschichte wirft uns mitten in ein neues Szenario, das zwar die grundlegenden Motive der Revenants beibehält, sich aber durch eine interessante Zeitreise-Thematik abhebt. Wir spüren schnell, dass Code Vein II eine stärkere erzählerische Komponente besitzt als viele seiner Genre-Kollegen. Die Charaktere, denen wir begegnen, wirken lebendig und tragen schwere Lasten aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, was durch hervorragend inszenierte Zwischensequenzen untermauert wird. Während der Vorgänger oft in engen Korridoren feststeckte, atmet die Welt hier eine neue Freiheit. Wir blicken über weite Ruinenfelder und zerfallende Stadtlandschaften, die uns neugierig auf das machen, was hinter dem nächsten Trümmerhaufen liegt.
Der Kontrast zwischen der Melancholie der sterbenden Welt und der Hoffnung, die in den Gesprächen unserer Gefährten mitschwingt, bildet ein emotionales Fundament. Wir bemerken jedoch auch, dass die Erzählweise mitunter in melodramatische Muster verfällt, was aber zum gewählten Stil passt und den Charme des Spiels eher unterstreicht als stört. Besonders die ersten Begegnungen mit den neuen Fraktionen in der Spielwelt wecken in uns den Wunsch, jedes Detail dieser zerrissenen Zeitlinie zu verstehen.

Gameplay
Blutige Tänze und die Last der Freiheit
Das Herzstück von Code Vein II bleibt das anspruchsvolle Kampfsystem, das in dieser Fortsetzung spürbar an Präzision und Geschwindigkeit gewinnt. Wir hantieren mit einer Vielzahl von Waffentypen, die von flinken Bajonetten bis hin zu massiven, überdimensionierten Schwertern reichen. Jede Waffe besitzt ein eigenes Gewicht und Momentum, das wir in den Kämpfen gegen die oft übermächtig wirkende Gegner genau kalkulieren müssen. Besonders das Management der Ichor-Ressource fordert uns ständig heraus.
Wir nutzen diese Energie für unsere Blut-Talente, die mächtigen Spezialangriffe, die wir durch erfolgreiche Treffer oder riskante Drain-Attacken wieder aufladen. Das System der Blood Codes ist so flexibel wie eh und je. Wir können unsere gesamte Spielweise jederzeit anpassen, ohne wertvolle Erfahrungspunkte zu verlieren, was uns zum ständigen Experimentieren mit neuen Fähigkeiten und Attributen einlädt. Diese Freiheit ist eine der größten Stärken des Titels, da sie uns erlaubt, auf verschiedene Bossszenarien individuell zu reagieren, ohne uns jemals in einer Sackgasse zu fühlen.
Ein zentrales Element ist das Partnersystem, das in Code Vein II weiter verfeinert wurde. Wir ziehen selten allein in die Schlacht, sondern werden von charismatischen KI-Begleitern unterstützt, die nicht nur im Kampf aushelfen, sondern auch aktiv zur Geschichte beitragen.

Neu ist die Mechanik der Assimilation, bei der wir die Kräfte unseres Partners kurzzeitig absorbieren können, um verheerende Kombinationen freizuschalten. Dies verleiht den Gefechten eine taktische Tiefe, die über das reine Ausweichen und Kontern hinausgeht.
Allerdings müssen wir auch deutliche Kritik an der Gestaltung der Spielwelt üben. Der Wechsel zu einem offeneren Welt-Design ist zwar ambitioniert, führt aber zu Abschnitten, die wir als wenig belebt empfinden. Riesige Areale wirken oft leer und dienen lediglich als mühsame Verbindung zwischen den eigentlich interessanteren Dungeons. Diese Kerkereinsätze wiederum kranken gelegentlich an einer gewissen Repetitivität. Wir finden uns oft in Wasserwerken oder Umspannwerken wieder, die optisch wenig Abwechslung bieten und das sonst so kreative Artdesign vermissen lassen. Zudem ist die feindliche KI teilweise extrem aggressiv und setzt eher auf schiere Übermacht als auf taktische Raffinesse, was in einigen Momenten frustrierend wirkt und den Spielfluss bremst.
Besonders schmerzlich vermissen wir einen echten Online-Koop-Modus, da das Zusammenspiel mit menschlichen Mitstreitern im Vorgänger für viele unvergessliche Momente gesorgt hat. Dass wir nun ausschließlich auf computergesteuerte Begleiter angewiesen sind, nimmt dem Spiel ein Stück seiner sozialen Dynamik.

Grafik & Sound
Zwischen ästhetischem Glanz und technischem Schatten
Visuell präsentiert sich Code Vein II als zweischneidiges Schwert, das uns sowohl staunen als auch den Kopf schütteln lässt. Auf der PS5 profitieren wir von deutlich verbesserten Lichteffekten und detaillierteren Materialoberflächen, die den Cel-Shading-Look der Charaktere wunderbar zur Geltung bringen. Die Charakterdesigns sind schlichtweg brillant und sprühen vor Kreativität; jedes Kleidungsstück und jede Waffe wirkt wie ein kleines Kunstwerk. Wir genießen die Art und Weise, wie die Stoffe im Wind wehen und wie die Spezialeffekte der Blut-Talente den Bildschirm in ein farbenfrohes Feuerwerk verwandeln. Die Weitsicht in der offenen Welt beeindruckt uns in den ersten Stunden sehr, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich technische Schwächen, die einer Next-Gen-Erfahrung nicht ganz würdig sind.
Wir kämpfen regelmäßig mit Textur-Nachladern und einem spürbaren Aufploppen von Objekten in der Distanz, was die Immersion in die postapokalyptische Szenerie immer wieder stört. Besonders enttäuschend ist die instabile Bildrate in den weitläufigen Gebieten. Während die Kämpfe in geschlossenen Räumen meist flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde laufen, bricht die Performance in der Oberwelt oft spürbar ein, was bei einem Spiel, das präzise Eingaben und sekundenschnelle Reaktionen verlangt, problematisch ist.
Akustisch hingegen liefert Code Vein II eine absolute Meisterleistung ab, die wir uneingeschränkt genießen. Der Soundtrack unterlegt unsere Reise mit einer meisterhaften Mischung aus melancholischen Klavierstücken, orchestralen Höhepunkten und treibenden Rock-Rhythmen während der monumentalen Bosskämpfe.

Die Musik fängt die tragische Stimmung der Handlung perfekt ein und motiviert uns selbst nach dem zehnten Bildschirmtod, es erneut zu versuchen. Auch die Vertonung verdient höchstes Lob. Sowohl die englischen als auch die japanischen Sprecher leisten hervorragende Arbeit und verleihen den Figuren die nötige emotionale Gravitas. Wir fühlen den Schmerz, die Verzweiflung und die ungebrochene Entschlossenheit unserer Gefährten in jedem gesprochenen Wort. Es ist jedoch wirklich schade, dass die technische Umsetzung auf der PS5 nicht ganz mit dieser künstlerischen Vision mithalten kann.
Die grafischen Unzulänglichkeiten trüben das ansonsten stimmige Gesamtbild immer wieder und erinnern uns daran, dass der Sprung zur Open World technisch seinen Preis fordert. Dennoch bleibt der ästhetische Reiz des Spiels durchweg hoch, da die künstlerische Leitung genau weiß, wie sie ikonische Momente und Bilder erzeugt, die im Gedächtnis bleiben.
?Fazit
Ein ambitionierter Schritt nach vorn mit Stolpergefahr
Code Vein II ist für uns eine gelungene Fortsetzung, die mutige neue Wege einschlägt, dabei aber über einige selbst aufgestellte Hürden stolpert. Der Sprung in die offene Welt gelingt nur teilweise, da die Leere vieler Areale und die technischen Probleme auf der PS5 den Spielspaß dämpfen.

Wir verbringen oft zu viel Zeit damit, durch ereignislose Landschaften zu laufen, was das eigentlich exzellente Pacing der Kämpfe unnötig unterbricht. Wir vermissen zudem schmerzlich den Online-Koop-Modus, der dem Vorgänger eine ganz eigene Dynamik verliehen hat und das gemeinsame Überwinden von Hindernissen zu einem Kernaspekt machte.
Doch trotz dieser Kritikpunkte überwiegen für uns letztlich die positiven Aspekte, die dieses Spiel so einzigartig machen. Das extrem flexible Build-System und die motivierenden, taktisch tiefen Kämpfe sorgen dafür, dass wir den Controller trotz kleinerer Frustmomente nur schwer aus der Hand legen können. Jede neue Waffe und jeder neu freigeschaltete Blood Code fühlt sich wie eine Belohnung an, die unseren Spielstil bereichert.
Die emotionale Geschichte rund um die Zeitreisen und die tiefgründigen Charaktere machen Code Vein II zu einem Erlebnis, das uns noch lange nach dem Abspann beschäftigt.
Wir fühlen uns den Figuren wirklich verbunden, was in diesem Genre keine Selbstverständlichkeit ist. Wir empfehlen das Spiel vor allem denjenigen, die bereits den ersten Teil geliebt haben oder eine Vorliebe für opulente Anime-Ästhetik in Kombination mit forderndem Gameplay besitzen.
Es ist kein perfektes Soulslike und erreicht nicht ganz die technische Brillanz oder die spielerische Geschlossenheit der absoluten Genre-Könige, aber es besitzt eine eigene, unverwechselbare Seele. Die Mischung aus melodramatischer Erzählkunst, einem fantastischen Charaktereditor und spielerischer Tiefe macht Code Vein II zu einem absolut lohnenswerten Abenteuer für Fans.
Wenn man über die technischen Unzulänglichkeiten und die gelegentlichen Längen im Leveldesign hinwegsehen kann, offenbart sich ein spielerisches Juwel, das das Genre um einige interessante Facetten bereichert. Wir verlassen diese Welt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, hoffend, dass zukünftige Updates die technischen Kanten noch glätten werden, denn das Fundament für ein wirklich großartiges Franchise ist hier definitiv gelegt.
- Ein episches Abenteuer erwartet dich, in dem du mit den Partnern deiner Wahl eine postapokalyptische Welt erkundet, hitzige Schlachten gegen mächtige Gegner schlägst und eine fesselnde Geschichte aufdeckst, die sogar die Grenzen der Zeit überschreitet.
- Eine Reise durch die Zeit – Deine Suche nach Hinweisen, wie sich der drohende Weltuntergang vielleicht noch aufhalten lässt, führt dich sowohl durch die Gegenwart als auch durch die Vergangenheit. Ändere das Schicksal wichtiger Wiedergänger in der Vergangenheit und entdecke so verlorene Geschichten und verborgene Wahrheiten deiner Welt.
- Intensive und fesselnde Kämpfe – Stürz dich mit mächtigen Fähigkeiten in mitreißende Schlachten, in denen Technik genauso wichtig ist wie Taktik. Erkenne blitzschnell die Manöver des Feindes, pass deine Angriffe an und meistere all deine Optionen, um die gnadenlosen Schrecken zu besiegen.
Code Vein II ist ab sofort für PS5 und PC erhältlich.







