Als Crysis im Jahr 2007 erschien, setzte das Spiel echte Maßstäbe in Grafik, realistischer Physik und actionreichem Shooter-Gameplay. Crytek war schon mit dem grandiosen Farcry ein krasser Hit gelungen und so hat sich das Studio mit Crysis selbst ein Denkmal gesetzt. Was die hauseigene Cryengine imstande zu leisten ist, konnte man auch in weiteren Titeln unschwer erkennen. Bis jetzt. Denn was Crytek und Saber Interactive nun als Crysis Remastered abgeliefert haben, kann man eher als halbherzig und dem Titel als nicht würdig bezeichnen. Mehr dazu in unserem Bericht.

Da wir selbst kein Video produziert haben, verlinken wir an dieser Stelle das Video der Kollegen von Digital Dreams, die Crysis Remastered mit dem von Fans selbst modifizierten Original-Spiel vergleichen.

Die Crytek GmbH ist ein deutscher Spieleentwickler, der im Jahr 1999 von den türkischstämmigen Brüdern Cevat Yerli, Avni Yerli und Faruk Yerli in Coburg gegründet wurde. Im April 2006 wurde der Hauptsitz nach Frankfurt am Main verlegt. Das Unternehmen beschäftigt etwa 550 Mitarbeiter. Crytek ist eines der größten deutschen Unternehmen der Computerspiel-Branche. Das Studio ist besonders für seine CryEngine bekannt, die von Entwicklern auf der ganzen Welt lizenziert und zum höchsten Stand der Technik gezählt wird. Die erfolgreichsten Spiele des Unternehmens sind das Erstlingswerk Far Cry und die Crysis-Reihe. (Quelle Wikipedia)

„Can it run Crysis?“, das war 2007 die Frage eines grandiosen Memes, wenn es um die neuste und stärkste Hardware für Spiele-PCs ging. Stellte jemand ein neues System vor, war die erste Frage dazu klar: Läuft den Crysis auf dem System? Und wenn ja, in welchen Settings? Was man damit ausdrücken will, sollte jedem Spielefan klar sein. Crysis war als zweiter veröffentlichter Titel des Frankfurter Studios Crytek eine Grafikreferenz, ja ein Benchmark, wenn es darum ging die Hardware eines PCs quasi zum Glühen zu bringen. Wir haben das Spiel geliebt, selbst wenn wir erst einmal kräftig unseren Rechner aufrüsten mussten, um es überhaupt flüssig spielen zu können. Das war zwar nicht billig aber für die Grafik in Crysis war es jeden Pfennig wert. Grandiose Grafik in einer fast frei zugänglichen Inselwelt und actionreiches Gameplay mit dem übercoolen Nanosuit – Das ist der Stoff aus dem Spiele-Legenden gemacht sind. Und so ist es bis heute. Selbst aktuell sieht die Version des Spiels aus dem Jahre 2007 immer noch ausgesprochen gut aus und fast fragt man sich, wozu es eigentlich eine überarbeitete Version braucht. Und nachdem wir die Remastered Version gespielt haben, stellen wir uns diese Frage wirklich und ernsthaft.


Story und Gameplay

Alles beim Alten….Fast

In Crysis Remastered stehen uns viele Fahrzeuge zur Verfügung. Aber nicht alle…

Wer das erste Crysis kennt, kennt auch die Story und das Gameplay von Crysis Remastered. Grundsätzlich hat man am Gameplay und der Geschichte auf der geheimnisvollen Insel im ostchinesischen Meer nichts geändert. Wir klären trotzdem kurz auf, worum es eigentlich geht. Auf besagter Insel treiben nordkoreanische Truppen ihr Unwesen und rein zufällig hat man von Forschern die rein zufällig dort an irgendwelchen geheimen Dingen forschen seit geraumer Zeit nichts mehr gehört. Klar ist jawohl, dass wir als Teil einer ganz speziellen Spezialeinheit der Sache auf den Grund gehen müssen. Unsere Einheit besteht dabei aus uns, den man Nomad nennt und den anderen Mitgliedern ProphetPsychoJester und Aztec. Allesamt coole Haudegen, wie man es von Spezialeinheiten kennt. Also „kennt“, aus Film und Fernsehen. Die Charaktere sind dabei natürlich liebevoll überzeichnet und gerade Psycho stellt sich als besonders krasse Type heraus. Wer die anderen Teile der Serie kennt weiß, dass wir ihn und Prophet noch wiedersehen werden. Aber das sind andere Geschichten. Das Besondere an unserer Einheit ist aber der Nanosuit – ein überaus moderner Kampfanzug, der es uns erlaubt zeitweise unsichtbar zu sein, schneller zu laufen, höher zu springen oder Kugeln abzuwehren. Das war 2007 ziemlich cool und das ist es auch heute noch. Weniger cool sind allerdings die Animation der Figuren, wenn sie in einzelnen Zwischensequenzen miteinander interagieren. Dabei flutscht so manches Auge komisch herum und oft wirken die Bewegungen merkwürdig statisch oder unpassend zur Sprache oder dem gesamten Dialog. Aber das sehen wir Crysis Remastered nach. Damals war das der krasse Shit, die Oberklasse von dem was ging. Und alle waren schwer begeistert. Heute aber sieht man dem Spiel, auch mit verbesserter Grafik und Beleuchtung sein Alter an.

Eben noch eine Hütte – jetzt ein Haufen Bauschutt. Die Physik-Effekte von Crysis können sich noch immer sehen lassen.

Wo waren wir? Ach ja, wir landen also auf der Insel, nicht ohne Zwischenfall und müssen unser Team wiederfinden. Dabei stellt sich heraus, dass nicht nur die Nordkoreaner auf der Insel ihr Unwesen treiben. Eine außerirdische Lebensform scheint dort lange wartend erweckt worden zu sein. Und so legen wir uns anfangs mit Koreanern und später mit heftigen Aliens an. Dabei nutzen wir nicht nur unseren Anzug und diverse Waffen eines großen und modernen Arsenals, sondern sogar Fahrzeuge wie Panzer, Jeeps, Boote und … nee keine Flugzeuge. Nicht in diesem Crysis. Denn eine der wohl besten Missionen hat man aus dem Spiel gestrichen. Fast am Ende des Originals fliegt man eine Mission mit einem VTOL, ein krasser Senkrechtstarter, mit dem man durch Schluchten steuert und Aliens beschießt und letztendlich auf einem Flugzeugträger landet. Diese Mission hatte man auch bei den Konsolenversionen, die Jahre später erschienen aus dem Spiel entfernt, möglicherweise weil sie zu sehr die Performance beeinflusste. Da auch einige Änderungen, im Vergleich zum Original, an der grundsätzlichen Steuerung des Shooters auffallen, kann man davon ausgehen, dass Crysis Remastered auf dem Build des Spiels für die Playstation 3 und die Xbox 360 basiert. Warum das so ist, ist für uns allerdings mehr als fraglich. Eine Entscheidung, die das Spiel nicht besser macht und weit von meisterlich entfernt ist. Was fehlt, ist also eine der besten Missionen und das ist eigentlich schon ein NoGo. Sonst hat sich am fantastischen Gameplay, der wirklich krassen Action nichts geändert. Die oft strunzdummen Nordkoreaner sind meist eine leichte Beute und schauen immer ganz verdutzt, wenn wir plötzlich vor ihnen sichtbar werden. Wir bewerfen sie mit Gegenständen, zerstören ganze Siedlungen dank cooler Physikeffekte und ballern uns kreuz und quer über diese riesige Insel. Dabei nutzen wir die Fähigkeiten unseres Anzuges aus und können mit Maschinengewehr und Rakentenwerfer auch die Aliens gut in Schach halten. Wobei die auf jeden Fall massive Gegenwehr leisten und das Spiel wirklich herausfordernd machen. Wenn es denn flüssig spielbar wäre…


Grafik und Sound

Das ist doch ein Witz oder?

Wer immer entschieden hat, dass Felsen in aktuellen Spielen so aussehen sollten, muss seinen Augenarzt konsultieren.

Can ist run Crysis? Das ist eine der Grafikeinstellungen die man im Menü von Crysis Remastered wählen kann. Früher war das Spiel eine grafische Referenz und wer heute damit angeben will, sollte zumindest der Grafik im Originalspiel merklich eins draufsetzen. Das tut man mit Crysis Remastered allerdings nicht. Grundsätzlich läuft diese überarbeitete Version merklich schlecht. Mit einem Ryzen 3700X, einer RTX 2080Ti und 32 Gigabyte Speicher erleben wir auf mittleren Einstellungen in einer 2K Auflösung gerade mal so ein flüssig laufendes Spiel. Stellen wir die Grafik auf Hoch, Sehr Hoch oder eben Ultra, ist von spielbaren FPS kaum zu reden. Das ändert sich natürlich etwas, wenn wir die Auflösung herunterstellen. Dennoch sind 60 Frames in der Sekunde schwerlich zu erreichen wenn wir nicht auf mittleren Einstellungen spielen wollen. Wer jetzt aber glaubt, dass Crysis Remastered uns dann auch die absolute Prachtgrafik bietet, der wird von den „Verbesserungen“ schwer enttäuscht. Zumindest sind wir das. Ja, man hat Texturen verbessert und man hat auch die Beleuchtung optimiert aber grundsätzlich gefällt uns nicht was wir sehen und definitiv kann man die miese Performance des Spiels nicht anhand dieser Grafik rechtfertigen. Zuerst einmal läuft Crysis Remastered auf DirectX 11 und das versprochene DLSS ist auch nicht auszumachen. Das beworbene Raytracing ist nur schwerlich wahrnehmbar und könnte ebenso gut von anderen Techniken wir Screen Based Reflections ersetzt werden. Witzig ist aber das in Crysis Remastered diverse Techniken kombiniert werden. So gibt es Raytracing in Kombination mit Screen Based Reflections und sogenanntes Environment Mapping. Offensichtlich hat man versucht etwas versteckt das Raytracing softwarebasiert laufen zu lassen. Nicht nur das fällt auf. Auch wenn man sich einige Texturen ansieht, fragt man sich, was denn da optimiert wurde. Viele Felsen sehen aus, wie von Hand bemalt und wirken auf einem teilweise schön tessellierten Strand sehr fehl am Platz. Dabei gibt es heute Modelle und Texturen die realitischer kaum sein könnten. Aber vielleicht hat man bei Crytek und Saber interactive noch nichts von Fotogrammetrie und Megascans gehört.

Wer erkennt auf diesem Bild welches die „Can it run Crysis“ Einstellung ist? Richtig, Niemand!

Schaut man sich die Wälder im Indiespiel Heat oder im neuen Star Wars Battlefront an, sieht man was heute ohne einbrechende Frameraten möglich ist. Warum man bei Crytek einem Spiel das maßgeblich den Erfolg des Studios geprägt hat, in einer remasterten Version nicht mehr Liebe und Leidenschaft schenkt kann man nur schwer nachvollziehen. Natürlich muss man nicht alle Assets im Spiel tauschen aber realistische Texturen gibts quasi fast umsonst und selbst die kann man in Crysis Remastered kaum finden. Und wenn wir die Grafik umschalten, warum sieht man die Auswirkungen dann nicht oder nur kaum? An Bäumen, Fahrzeugen oder Gebäuden ändern sich beim Durchschalten der Grafiksettings weder die Polygonzahl noch die Auflösung der Texturen. Nur die Framezahl geht merklich in den Keller. Ohne wirklichen Unterschied in der Optik, wenn man die Schatten mal ausnimmt. Natürlich gibt es auch sichtbare Veränderungen. Das Wasser sieht deutlich besser aus, auch wenn es oft wie Gelee wirkt. Die Beleuchtung ist wirklich gut gelungen, auch wenn diese Nachts und in der Dämmerung schöne ist und weniger trübe und milchig wirkt. Das Spiel ist optisch also grundsätzlich teilweise schöner als das Original aber eben auch deutlich schlecht optimiert. Ohne Raytracing läuft das Spiel in 2K-Auflösung in mittleren Einstellungen mit fast 60 Frames pro Sekunde. Dennoch wird die Last der Engine nur ungleichmäßig auf moderen Mehrkernern verteilt. Und warum das Spiel auch in niedrigen Einstellungen massiv auf den Videospeicher zugreift ist uns eh ein Rätsel. Wer das zuschaltbare HDR benutzen will, sollte sich dies gut überlegen. In unserem Test stützte das Spiel ab oder blieb einfach stehen. Erst nach einem Neustart funktionierte die Option. Crytec und Saber Interactive wollen aber mit Patches für Abhilfe sorgen. Wir hoffen darauf. Der Sound in Crysis Remastered wurde offensichtlich auch nicht überarbeitet. So kann man virtuellen Surround-Sound nicht wirklich nutzen. Zu oft ist man von merkwürdigen Soundquellen und unmöglich ortbaren Geräuschen umgeben, weswegen wir zum normalen Stereobetrieb raten. Grundsätzlich klingt der Sound wie im Original bombastisch und muss sich auch heute vor einem Vergleich in anderen Spielen nicht fürchten. Eine Neuabmischung für moderne Wiedergabeformate wäre aber schön gewesen.


Multiplayer und Warhead und der Editor

Da fehlt doch noch was!

Wirkt idyllisch – eine Insel im ostchinesischen Meer

Leider sucht man im Menü von Crysis Remastered vergeblich nach einem Multiplayer. Dabei waren die Multiplayermodi Instant Action und Power Struggle des Originals sogar ziemlich gut und gar wegweisend für viele andere Multiplayertitel. Hier konnten 32 Spieler auf großen Karten mit Fahr- und Flugzeugen gegeneinander antreten. Zeitweise konnte der Crysis Multiplayer sogar viel mehr Spieler binden als ähnliche Titel. Dass dieser Teil des ersten Crysis fehlt ist daher um so schmerzhafter, weil der Multiplayer im Crysis-Spinoff Crysis Warhead sogar noch deutlich verbessert wurde und darum eine enorm große Community entstand. Und wie nicht anders zu erwarten fehlt natürlich auch Crysis Warhead in der überarbeiteten Version. Schade eigentlich, erzählt dieses damalige Standalone-SpinOff doch die Geschichte aus einer anderen Sicht. In Warhead ist Psycho nämlich der Protagonist und erlebt einen Teil der Geschichte des Hauptspiels aus einer anderen Position. Der Multiplayer Crysis Wars war dabei auf einer zusätzlichen CD enthalten und brachte enorme Verbesserungen und damit massig Spielspaß. Was ebenso in Crysis Remastered fehlt ist der Sandbox-Editor. Mit diesem mächtigen Werkzeug konnt man eigene Karten für Multiplayer und Singleplayer von Crysis erstellen und machte sogar fantastische Experimente mit der grandiosen Physik des Spiel möglich. Nichts davon gibt es in Crysis Remastered und das ist ziemlich traurig.


Fazit

Schade Crytek! Enormes Potenzial verschenkt.

Unser Fazit zu Crysis Remastered fällt leider ziemlich hart aus. Nach dem Spielen der überarbeiteten Version haben wir sogar wirklich überlegt, ob wir uns mit unserer Kritik wirklich der allgemeinen Gaming-Presse anschließen oder einfach lieber nichts schreiben sollten. Dazu sei erwähnt, dass der Autor ein wirklicher Fan der gesamten Crysis-Serie ist und sogar als deutscher Community-Manager am dritten Teil mitarbeitete. Um so mehr schmerzt es daher diesen ehemals grandiosen Titel, der die Spielindustrie und das Studio Crytek derartig prägte, in ein solch unwürdiges Remaster gepresst zu sehen. Vielleicht ist Crysis mit seinem Gameplay nicht mehr auf der Höhe der Zeit und auch die KI könnte deutliche Verbesserungen erfahren, allerdings werden weder das Gameplay, noch bekannte Fehler in unsere Bewertung einfließen. So fair muss man eben auch sein. Unserer Meinung nach ist das Gamesplay, mit seinen extrem actionreichen Passagen und dem präzisen Gunplay immer noch sehr spaßig und vielseitig. Die Physik des Spiels kann heute noch viele Titel in den Schatten stellen und die offene Welt lädt zum experimentieren ein. Zumal wir oft einfach selbst entscheiden können wie wir vorgehen wollen. Und oft erkennt man wie sehr der Titel moderne Spiele beeinflusst hat. Warum also nimmt man die abgespeckte Konsolenversion eines deratig grandiosen Referenzspiels und macht daraus eine Remastered Version, die grafisch in vielen Punkten nicht an das Original heranreicht? Echtes Raytracing findet man nur beim genauen Hinsehen, die hat massiven Optimierungsbedarf und die allgemeine Optik liefert kaum Gründe für de wenigen Frames. Wer dann mit dem damaligen Meme „Can it run Crysis?“ als Graikeinstellung angeben will, sollte auch liefern. Das haben Crytek und Saber Interactive allerdings gehörig verpasst. Fakt ist, dass man mit der aktuellen CryEngine, modernen Assets und Texturen, Surround-Sound und der Modernisierung von zusätzlichen Inhalten wie dem Multiplayer von CrysisWars, Warhead einem Crysis wirklich zu einer bisher noch nicht erreichten Größe hätte verhelfen können. Unserer Meinung hat man hier unheimlich viel Potenzial verschenkt, der Crysis und damit Crytek zu erneutem Ruhm gereichen könnte. Die Basis war vorhanden, man hat sie allerdings nur halbherzig angefasst, tolle Inhalte sogar weggelassen und enttäuscht damit nicht nur Fans sondern auch die Fachpresse. Warum Crytek, warum? Wir können den Kauf von Crysis Remastered für knapp 30 Euro im Epic Store nicht empfehlen und raten eher sich das Originalspiel zuzulegen und mit kostenlosen Modifikationen der Community aufzupumpen. Schade Crytek.