Das Wort zum Sonntag – …wie der einzelne Gamer zum Entwickler wird

Die Games-Branche befindet sich seit einigen Jahren in einem unaufhörlichen Hoch. Spiele, Spiele kommen Monat für Monat und jede noch so gute Idee braucht seine Zeit und bei den heutigen Ansprüchen und der abnehmenden Geduld, werden Spiele voreilig auf den Markt geworfen und der eigentliche Gamer wird zum Entwickler.

Erinnern wir uns einige Jahrzehnte zurück, als ein Spiel angekündigt wurde und erst zu haben war als es fertig war. Es waren die Zeiten, wo AOL das Internet mit seinem Zugang beflügelte und große Internethändler wie z.B. Amazon nur Bücher verkauften. Damals gab es Spiele nur im Laden auf Disks in schicken Kartons mit dicken Handbüchern zu kaufen. Patches? Dafür musste die Presse mit ihren Magazinen herhalten um diese auf der beiliegenden CD zu liefern. Da war die Welt noch in Ordnung und unfertige Spiele wohl weniger ein Thema. Aber auch das Angebot an Spiele hielt sich für heutige Verhältnisse stark in Grenzen.

Heute ist das leider alles anders. Kaum verkündet ein aus dem Boden entsprungenes Entwicklerteam ein Spiel, schon gibt es die ersten Alphas und Betas dank flotten Download für die Spieler zum Zocken. Dabei löhnt so manch einer eine ordentliche Summe auf den Tisch, mit dem er sich auch locker ein fertiges Spiel hätte leisten können. Die Hauptsache ist wohl, man ist dabei ohne dabei zu merken, dass der zahlende Kunde vorab als kostenfreier Tester in die Reihen der Entwickler tritt.

So nehme man ein Spiel wie PUBG (PlayerUnknown´s BattleGrounds) als es auf den Markt in einer „Früh-Anspielbaren-Version“ erschien. So richtig fertig ist das Spiel bis heute nicht und gerade nach knapp 2 Jahren auf dem Markt hat es mit Ach und Krach es auf die PlayStation 4 geschafft. Dabei gibt es gerade mal 4-5 spielbare Locations bei nur einem Spielmodus. Schauen wir uns das Spiel an, so kraust es einem. Ruckelige und schwammige Grafik die es selbst auf einer leistungsstarken Konsole kaum schafft die Bildrate konstant stabil zu halten. Aber es wird laut gebrüllt, wir wollen auch und zahlen sogar dafür. Oder nehmen wir doch die neue Art der Spiele, diese in Episoden auf den Markt zu bringen, wo wir mit kleinen Häppchen ein Spiel über einen längeren Zeitraum Stück für Stück erhalten und dafür noch den vollen Preis bezahlen. Kaum sind alle Episoden veröffentlicht, sinkt der Preis und einmal mehr ist der zahlende Gamer in Geduld gefordert worden und um sein hart verdientes Geld gebracht. Oder der andere Weg ist das Unterstützen von Studios, das Crowdfunding. Das ist das wo jemand eine Idee hat und jetzt schon ohne nur eine Zeile der Programmierung geschrieben zu haben, Geld von den Gamern sammelt, damit diese als erstes das Game zocken können. Aber auch hier können Jahre vergehen bis es eine spielbare Version gibt.

Es ist ein wenig wie bei Harry Potter und dem Schnatz : Ich öffne mich zum Schluss 

Schauen wir dann einmal zurück, so zeigen uns die Entwickler mit Spielen wie No Man´s Sky, Battlefield, The Division oder gar einem aktuellen Fallout 76, dass diese sich erst im Laufe der Zeit zu einem wahren und würdigen Spiel entwickelt haben/ werden. Dank den zahlreichen Gamern, die hier auf noch so jeden kleinen Fehler den Entwickler hingewiesen haben, die Schnitzer beseitigt wurden und im eigentlichen Sinne die Gamer die Entwicklungsarbeit übernommen haben. Nun jetzt erst ist ein Game spielbar und sein Geld wert. Doch da steht schon der nächste angekündigte Titel ins Haus. Selbst wenn sich in einer Beta zeigt, dass noch viel getan werden muss, so erscheint das Spiel pünktlich zum angegebenen Termin, der Rest wird mit Patches poliert, Hauptsache die Kasse klingelt und die Entwicklungskosten können beglichen werden. Halbherzig, so darf es gerne bezeichnet werden, da es nun neue Möglichkeiten gibt schnell und diskret Fehler zu beheben.

Sind wir doch mal ehrlich, wer heute ein Spiel am Releasetag kauft, ist immer der dumme und zahlt dafür den höchsten Preis für ein Produkt, das gar nicht fertig ist. So kaufen wir doch zu gerne die Katze im Sack, umworben mit sagenhaften Trailern und zahlreichen Versprechungen. Mit einem guten Marketing kaufen die Gamer den Entwicklern und Publisher alles aus der Hand. Dabei ist der Gamer doch der Depp, denn ein Umtauschrecht wie bei einer ganz normalen Socke, Jacke, Auto oder gar Marmelade gibt es bei Software nicht, in digitaler Form schon gar nicht.

Die schlimmste Form ist dabei die Ausnutzung der Gamer diese zur Vorbestellung zu zwingen um im eigentlichen Sinne dem Entwickler in einer Beta-Phase unter die Arme zu greifen damit dieser weitere Erfahrungswerte sammeln kann. Oder doch nicht? Nur reines Gehabe und Marketing! Braucht dieser keine Stress- und Servertests und nutzt uns nur aus? Anders ist sowas leider nicht zu erklären und da steht Activision mit einem Call Of Duty an vorderster Front. Im Grunde verkauft sich das Spiel jedes Jahr erfolgreich.  Aber sie stehen nicht alleine da und das Thema Beta ist zu einer wahren Verkaufsstrategie geworden. Schade.

In diesem Sinne, alle einen schönen Sonntag.

es wurden hier einige namentlich genannt, es diente nur als Beispiel und jeder darf sich angesprochen fühlen

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973