Bild: Egret & PE

Egret One – Der neue E-Scooter im Test

Wir haben hier ja schon viele unterschiedliche Produkte getestet und vorgestellt – Ein E-Scooter war aber bisher noch nicht dabei. Darum ist dieser Bericht nicht nur für uns eine Premiere. Auch der neue Egret One feiert sein Debüt im September 2023. Und weil wir neugierig auf diesen tollen Premium-Roller waren, haben wir ihn direkt zum Test angefragt. Was der Roller kann, was ihn auszeichnet und ob sich der Kauf lohnt, haben wir für euch herausgefunden.

They see me rollin’

Man kennt sie, die Roller, die in jeder Stadt am Straßenrand stehen oder auch mal lieblos irgendwo herumliegen. Um diese Leihroller zu nutzen, muss man meist bei einem der vielen Anbieter einen Account einrichten und bezahlt dann je nach Nutzungsdauer. An sich sind sie ein praktischer Helfer für die sogenannte „letzte Meile“ und wir waren immer neugierig, wie sich so ein Teil wohl fährt. Immerhin kann man damit schnell kurze Strecken überbrücken und so eignen sich die Roller ideal für den kleinen Einkauf, den Weg zur Paketbox oder, wie in unserem Fall, für die tägliche Strecke bis zur S-Bahn. Da die öffentlichen Roller größtenteils schon ziemlich verschlissen oder gar mit leerem Akku auf uns warten, macht der Kauf eines eigenen Fahrzeugs vielleicht wirklich Sinn. Also, Antritt und los!

Lieferumfang und Verarbeitung

Magnesium und dicke Reifen

Foto:Egret

Der Egret One hinterlässt direkt bei seiner Lieferung schon Eindruck – bei unseren Muskeln. Die junge Dame vom Lieferdienst hat zwar eine Sackkarre dabei, spannt uns aber kurzerhand direkt beim Tragen des großen, schweren Kartons mit ein. Wir sind überrascht, wie stabil der Roller verpackt ist. Egret hat sich eine überaus sinnvolle und praktische Verpackung ausgedacht. Nachdem wir den großen Deckel entfernt haben, liegt der 23,8 Kilogramm schwere Roller im zusammengeklappten Zustand vor uns. Der Lenker ist noch nicht montiert und so finden wir zuerst in einem zusätzlichen Karton das nötige Werkzeug, die umfangreiche Betriebsanleitung und einen Quick-Start-Guide. Zum weiteren Zubehör gehören das Ladegerät mit HIGO-Z624-Winkelstecker, sowie ein kurzer Schlauch zum besseren Aufpumpen der Luftreifen und eine Metallöse, samt Schlüssel, für das im Rahmen integrierte Schlosssystem. Um Letzteres sinnvoll zu testen, hat man uns das zusätzliche Schloss „Mate“ von tex-lock gleich mitgeliefert. Die gesamte Verpackung besteht hauptsächlich aus Papier und Pappe, Kunststoff ist nur in Form von Folie zum Schutz vor Kratzern am Roller angebracht. Top!

Foto:Egret

Nachdem wir sämtliche Verpackung entfernt haben, wird uns klar: Ohne etwas handwerkliches Geschick rollen wir nicht gleich los. Um so besser können wir aber auch die Einzelteile noch vor der Montage begutachten. Fast alle Teile des Egret One sind präzise aus Metall gefertigt und wirken durchweg sehr robust. Einige Einzelteile, wie die Abdeckung des Akkufachs oder die Lenkstange sind sogar aus ultraleichtem Magnesium gefertigt, was das Gewicht des Rollers deutlich reduziert.

Immerhin können wir ihn zusammengeklappt aus der Verpackung heben. Die graue Lackierung wirkt im ersten Eindruck etwas langweilig, durch das moderne Design und die weichen Übergänge verleiht sie dem Roller aber auch eine gewisse Eleganz. Das große, gummierte Trittbrett hat einen integrierten Mittelständer und ist gleichzeitig die Aufbewahrungsbox für den Samsung-Wechselakku, den wir aber nur mit dem beiliegenden Schlüssel zu Gesicht bekommen. Der Schlüssel passt übrigens auch in ein weiteres Schloss, das sich etwas über dem Trittbett im vorderen Rahmen befindet. Hier ist eine Öffnung, für die bereits erwähnte Schloss-Öse oder das erwähnte extra-erhältliche Schloss. So lässt sich der Roller perfekt vor Diebstahl sichern.

Das Schloss ist im übrigen 1,2 Meter lang, textil-ummantelt und zählt zu den sichersten am Markt. Schon auf den ersten Bildern fiel uns das schicke Rücklicht des Egret One in Auge. Es ist ins hintere Schutzblech integriert und bildet den Rahmen der Kennzeichenhalterung.

Ein ebenfalls besonders markantes Merkmal sind die beiden dicken, luftgefüllten Pirelli-Reifen mit einem Maß von 11 Zoll (ca. 28 cm), die auf einer zweiteiligen Felge mit integrierten Felgenbremsen sitzen. Ihr Profil ist zwar minimalistisch, leitet dennoch gut Wasser ab und sorgt für den nötigen Grip bei viel Laufruhe. Den Lenker mitsamt dem Cockpit müssen wir gleich noch montieren, bevor wir zur ersten Probefahrt starten. Das 3,5 Zoll großes Farbdisplay sitzt elegant in der Mitte und die beiden ergonomischen Griffe bieten an den Lenkerenden von Gummikappen geschützte Blinker. Zusätzlich gibt es zwei Bremshebel, links eine Steuereinheit mit diversen Tasten und auf der anderen Seite, den von Egret patentierten Daumengasgriff. Zur Aktivierung findet sich unterhalb des Displays der Hauptschalter sowie ein USB-A-Anschluss, der sich zum Laden unseres Smartphones anbietet. Um jederzeit sicher zu fahren, befinden sich vorn am Lenker eine Lampe und eine Hupe samt Reflektor. Alle Teile machen einen absolut hochwertigen Eindruck und das Design wirkt stimmig und sehr modern.

Foto:Egret

Aufbau und Betrieb

Aufklappen, laden und los!

Der Aufbau des Egret One ist mit wenigen Handgriffen erledigt: Zuerst müssen wir den Lenker, samt Cockpit noch an der Lenkstange befestigen. Dazu nutzen wir einen der beiliegenden Inbusschlüssel. Drei Schrauben sind damit schnell gelöst und der Lenker in die Lenkstange eingeschoben und befestigt. Leider fehlt im aktuellen Quickstart-Guide ein wichtiger Schritt, den wir zum Umklappen des gesamten Lenkers machen müssen. Dank der umfangreichen Betriebsanleitung und eines Unboxing-Videos des Herstellers, haben wir aber schnell den Dreh raus. Hier sind einige Sicherheitsmechaniken eingebaut. So müssen wir erst seitlich einen Drehriegel lösen und arretieren und dann den Entriegelungshebel am Fuß der Lenkstange öffnen. Nun lässt sich der Lenker klappen und dann auch wieder festsetzen und absichern. Ein versehentliches Umklappen während der Fahrt ist also nicht möglich. Mit einem Schnellspanner an der Lenkstange justieren wir nun noch die ideale Höhe des Lenkers und sind dann bereit zur ersten Probefahrt.

Foto:Egret

Fast – denn erst wollen wir unseren Roller noch in der dazugehörigen App anmelden. Das funktioniert über eine Bluetoothverbindung, die wir im Menü des Rollers einrichten. Dazu aktivieren wir den Egret One mit einem langen Druck auf die Powertaste unterm Display. Mit dem gleichzeitigen Drücken der Plus- und Minus-Taste am Steuerelement gelangen wir ins Menü und können diverse Punkte wie die Displayhelligkeit, die Maßeinheiten für Geschwindigkeit und Strecke oder eben die Bluetoothfunktion einstellen. Auch die Zugangspin legen wir hier fest.

Mit den schon genannten beiden Tasten können wir im normalen Fahrbetrieb zwischen den drei Fahrmodi wechseln. Mit den beiden „Pfeil“-Tasten werden die Blinker aktiviert, sie müssen auch wieder selbst deaktiviert werden. Drücken wir den Powerknopf nur kurz, schalten wir das Licht ein oder wieder aus. Nutzen wir einen der Bremshebel, leuchtet ein zusätzliches Bremslicht auf. Eine weitere Taste am Bedienteil ist für die Hupe gedacht, die aber leider irgendwie unfreundlich und blechern klingt. Vielleicht bietet ja die App zukünftig die Möglichkeit dafür noch andere Töne auszuwählen. Ungünstigerweise war es nämlich bei unserem Testfahrzeug noch nicht möglich die App umfänglich zu nutzen, mit ihr ist es jedoch möglich alle Fahrten zu überwachen, die Fahrmodi anzupassen, Reichweiten zu überwachen, zu vergleichen und auch den Tagestrip hat man dort im Blick.

Foto:Egret

Fahrtest und technische Einzelheiten

Wir sind flott unterwegs

Foto:Egret

Beim Start des Egret One ist direkt der „Eco“-Modus aktiv, der spart am Akku und bietet die längste Fahrtzeit. Mit einem vollen Akku wird uns in diesem Modus eine Reichweite von 50 Kilometern angezeigt. Beim finalen Produkt sollen es sogar bis zu 65 Kilometer sein. Natürlich ist im „Eco“-Modus auch die Leistung beim Anfahren reduziert, dennoch eignet sich dieser Modus gut für gerade Strecken und zum einfachen Manövrieren an Engstellen. Der „Tour“-Modus geht dann schon etwas flotter ab, und hier wird erstmals die Power des 500 Watt Motors mit den 35 Nm Drehmoment spürbar. Richtig sportlich wirds dann aber erst im „Sport“-Modus, der perfekt für einen kleinen Spurt, Steigungen oder unwegsames Gelände ist.

Selbst mit der erreichten Maximallast von 125 Kilogramm, zieht uns der Egret One mühelos eine Steigung von 10 % hoch. Mit diesen drei Fahrmodi macht der Egret One wirklich Spaß und man kann so ideal seine Fahrt anpassen. Der Gashebel wird dabei mit dem rechten Daumen seitlich gezogen, bietet aber leider kaum Möglichkeiten des „Gasspiels“. Hier würden wir uns ein je nach Zug angepassten Schub wünschen. Auch ein spürbares „Halbgas“ wäre toll, also ein fühlbarer Punkt an dem man nur den halben Schub gibt. Den gibt es zwar, aber er ist schwer zu finden.

Die Bremsleistung des Egret One ist ordentlich. Aus voller Fahrt mit knapp 21 km/h beträgt unser Bremsweg etwa 2,5 Meter. Glücklicherweise blockieren die hydraulischen Schaeffler-B-Safe-Felgenbremsen nicht direkt, sondern bieten ein sehr weiches Bremsen – Das gibt es nur bei Egret, denn die Bremsen sind patentiert und damit eine Weltneuheit, die dazu auch noch bis zu 5000 Kilometer mit einem Satz Belägen auskommt.

Was uns bei den eher schlechten Rad- und Gehwegen in unserer Heimatstadt fehlte, war eine Dämpfung. Durch die fehlende Federung war es manchmal etwas anstrengend zu fahren. Im Grunde wäre aber auch einfach mal eine sinnvolle Investition des Staates in bessere Wege notwendig. Was uns allerdings bei E-Rollern allgemein etwas verunsichert, sind die generellen Fahreigenschaften. Da die Lenkstange mitsamt dem Vorderrad fast eine gerade Linie bildet, ist der sogenannte Nachlauf im Grunde nicht vorhanden. Beim Fahrrad sorgt er für einen stabilen Lauf und eine automatische Ausrichtung in die Radflucht. Die Lenkachse eines Rollers ist im Gegenteil dazu aber sehr instabil und nur eine Hand kurz vom Lenker zu nehmen fast unmöglich, weil zu gefährlich. Wir hatten mit dem Egret One dennoch eine Menge Spaß. So bleibt uns zu sagen: Fahren Sie vorsichtig!

Foto:Egret

Fazit

Gute Fahrt auf allen Wegen

Egret hat mit dem neuen One ein weiteres Spitzenmodell in seine aktuelle Produktpalette aufgenommen. Der Roller ist in Sachen Design, Materialauswahl und Verarbeitung ein absolutes Premiumfahrzeug. Das Design ist minimalistisch und elegant, aber auch sehr zweckmäßig. Sämtliche Schläuche und Kabel sind im Rahmen verbaut, Cockpit und Steuereinheit am Lenker vollintegriert. Alles wirkt wie aus einem Guss und ist definitiv speziell für diesen Roller entworfen. Schön ist der Klappmechanismus, der den Roller platzsparend minimiert, aber unsere Highlights sind definitiv das Rücklicht im Rahmen des Kennzeichenhalters und das integrierte Schlosssystem.

Die Verarbeitung ist absolut hochwertig und die Pulverbeschichtung aller Teile zeugt von robuster Qualität. Aufbau und Inbetriebnahme sind auch für Laien gut erklärt und dank einer umfangreichen Betriebsanleitung und Videos einfach umsetzbar. Die Bedienung erfolgt über ein einfaches Menü für diverse Grundeinstellungen und eine zusätzliche App bietet weitere Komfortfunktionen. Mit den drei Fahrmodi sind wir dynamisch und flott unterwegs, selbst auf etwas rauen Wegen. Auch mit maximaler Zuladung zieht uns der Motor auf einer Steigung von 10 % mühelos voran. Auf schlechten Wegen ist allerdings ein wenig Beinarbeit nötig, denn eine Federung bietet der Egret One leider nicht. Die war aber auch das Einzige, was wir vermissten.

Die Schaeffler-Bremsen stoppen uns aus voller Fahrt zuverlässig, ohne dabei ruckartig zu blockieren. Wir fühlten aus auf dem One stets sicher und in voller Kontrolle. Mit einem Preis von 1799,00 Euro ist der Egret One sicher kein Schnäppchen. Dennoch würden wir den Preis in Bezug auf Design und Qualität als angemessen und fair bezeichnen. Wer das zusätzliche Schloss nutzen will, legt dann zwar noch einmal 139 Euro obendrauf, aber diese Sicherheit sollte es uns durchaus wert sein. Wir wünschen allzeit gute Fahrt und sprechen eine deutliche Empfehlung aus.