Bild: Ultrasone & PE

Ein Gaming-Headset aus Bayern – Ultrasone METEOR ONE im Test

Im angehenden Frühjahr des laufenden Jahres präsentiert das bayrische Unternehmen aus Wielenbach, zwischen Ammersee und Starnberger See, Ultrasone ihr neues Portfolio an mobilen Kopfhörern. Dazu zählten ein ANC-Kopfhörer, True Wireless In-Ear mit Active Noise Cancelling und der Meteor One – Ein Bluetooth-Headset. Jenes haben wir uns näher angeschaut und auf Treiber und Niere getestet. Die Tests zu den anderen beiden Kopfhörern könnt ihr hier nachlesen.

Ersteindruck & Lieferumfang

Edel und anmutig

Wenn wir normalerweise ein Headset auspacken, ziehen wir es aus dem Karton und sämtliche Ladekabel und Bedienungsanleitungen fallen uns vor die Füße. Hier läuft das etwas besser ab, denn Ultrasone präsentiert das Meteor One in einem Karton, der von einem umlaufenden roten Zierstreifen geprägt wird, während die Beschriftung sich rein auf das Logo beschränkt und das auch noch sehr zurückhaltend. Öffnen wir nun diese „Geschenkpackung“ springt uns ein Case ins Auge, welches ebenfalls mit dem Ultrasone Schriftzug samt Logo geprägt ist. Darunter befindet sich eine Dankeskarte und der User-Guide in mehreren Sprachen.

Geöffnet wird das Case mit dem umliegenden Reißverschluss, wobei sich ein annehmlicher Geruch eines neuen Produktes entfaltete. Im Innern liegt zusammengeklappt der eigentliche Kopfhörer, das zugehörige Mikrofon, welches sich über eine USB-C-Buchse anstecken lässt, ein passendes Ladekabel und ein Extra-Mikrofon samt fest-verbundenem 3,5 mm Klinkekabel für die Nutzung an weiteren Geräten. Wir vermissen ein wenig einen zugehörigen USB-Dongle, um das Headsets auch an Geräten nutzen zu können, die nicht mit Bluetooth ausgestattet sind. Dabei denken wir an die PlayStation oder gar Xbox. Gamer an den Konsolen müssen dann wohl auf das Klinke-Kabel zurückgreifen, was wir sehr schade finden.

Halten wir den Kopfhörer erstmalig in der Hand, darf der Meteor One gerne als Bruder zum ISAR Wireless Hybrid-ANC-Kopfhörer gesehen werden, da er ihm optisch sehr ähnlich sieht. Als Highlight kann der Meteor One jedoch mit einer RGB-Beleuchtung sich in Szene setzen, die das Ultrasone-Logo mit einer Umrandung in einem Farbenmeer erstrahlen lässt. Ins Auge stechen einem auch die farblich in Rot hervorgehobenen Bedientasten, die noch zusätzlich mit Plus, Minus und Play/ Pause eine Bedienung einfach gestalten. Wer noch etwas genauer hinschaut, wird die zusätzlich verbauten Mikrofone erkennen, die sich hinter einem silbernen Gitter verstecken – Damit verfügt das Meteor One Headset insgesamt über 4 verbaute Mikrofone plus die zwei abnehmbaren.

Der 238 Gramm leichte Kopfhörer präsentiert sich in einer sauberen und tadellosen Verarbeitung, die mit dem Kopfband und Ohrmuscheln aus Leder auch einen vorzüglichen Tragekomfort ermöglichen. Gerade seine Leichtigkeit und das abnehmbare Mikrofon punkten bei uns, da wir so aus dem Meteor One auch schnell einen Kopfhörer wandeln können, um uns Musik und Podcasts genießen zu können.

Technik

Ausgereift aber ausbaufähig

Der Ultrasone Meteor One verfügt über einen Pixart 1803 Bluetooth 5.0 Chip, der es uns ermöglicht, mit allerhand modernen Geräten zu verbinden. Zu den Codecs gehören AAC und SBC. Damit geht Ultrasone einen günstigen Weg, da hier auf lizenzierte Codecs von Qualcomm verzichtet wird. Bei einer Nutzung am PC spielt das weniger eine Rolle und trübt auch nicht wesentlich das Erlebnis mit mobilen Endgeräten. Interessant wäre eine App oder Software für den PC, aber wie schon beim ISAR und den LAPIS verzichten die Bayern auf diese Spielchen und lassen uns damit den Sound nicht personalisieren. Wir müssen mit den gegebenen Vorgaben leben, die uns aber wenigstens die hauseigene S-Logic-Technologie zur Seite stellt.

Nette RGB-Beleuchtung, die sich eher erübrigt und nur Akkulaufzeit kostet.

Für einen kabellosen Betrieb verbaute Ultrasone einen 550 mAh-Akku, der innerhalb von 2 Stunden vollständig aufgeladen ist und für 15 Stunden ausreicht. Das reicht eigentlich aus, ist aber für den Gamer viel zu wenig, da heutige Headset auch Laufzeiten von 100 Stunden erreichen. Hier hätte Ultrasone eher zum 900 mAh-Akku aus dem ISAR greifen sollen, der 32 Stunden Laufzeit bietet. Lässt man den Meteor One mit gehobener Lautstärke und der schicken RGB-Beleuchtung laufen, werden 10 Stunden Laufzeit wohl eher das Maximum darstellen. Positiv hervorheben müssen wir die Nutzung per Klinke an der PlayStation, die ein Einschalten und damit Akkuverbrauch nicht notwendig macht. Schalten wir die Bluetoothverbindung im kabelgebunden Betrieb hinzu, können wir sogar den Sound einer PlayStation und unsere Musik vom Smartphone gleichzeitig erleben. Das ist zwar nicht das Optimum, aber ganz nett.

Auf ein Wort:

Ultrasone bildet auf der hauseigenen Webseite einen Gamer ab, der das Meteor One träg und dazu sehr steif einen PlayStation 4 Controller in der Hand hält. Ein weiterer Dualshock-Controller liegt neben ihm, während im Hintergrund der Hauptbildschirm der PlayStation 4 leuchtet. Letztendlich lässt sich das Ultrasone Meteor One aber nicht kabellos mit der PlayStation 4 verbinden und schon gar nicht über Bluetooth. Hier wird somit etwas beworben, was technisch gar nicht möglich ist und damit gerne auch als Kundentäuschung gesehen werden kann. Da fragen wir uns doch, welcher Herr von der PR-Abteilung da mal wieder zu tief ins Weißbierglas geschaut hat? Das Bild wurde zudem als Metor_One_PlayStation-Scaled bezeichnet.

Klang & Soundbild

Ein Sound für Gamer

Das Meteor One Headset verfügt über dynamische 40 mm Neodym-Treiber, die einen Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20.000 Hertz bieten, alles bei 32 Ohm. Damit liegt das Headset im bekannten Bereich und kommt wohl seinem Bruder, dem ISAR gleich. Lassen wir das Headset nun von der Leine und die ersten Klänge durch die Treiber sausen, so zeigt sich eine Dynamik, die viel Druck und Kraft ausübt. Der Klang darf gut und gerne als ausgewogen und stark bezeichnet werden und erinnert hier mehr an ein Heimkino, statt an ein Gaming-Headset. Das kommt uns bei gewissen Spielen entgegen, verdeutlicht aber auch, dass der Bass hier einmal zu viel des guten ist, gerade wenn es in Shootern um den Höhen-lastigen E-Sport-Sound geht. Das Meteor One Headset ist mehr für Gamer gemacht, die vermehrt Adventure zocken, um mit Lara Croft oder Nathan Drake unentdeckte Schätze ausgraben wollen. Es eignet sich auch wunderbar für Rennspiele, wenn einem die Sound-starken V8-Motoren einem regelrecht anbrüllen, aber nicht um sich an Feinde anschleichen zu können, da hier ein explodierender Panzer in einem Battlefield schnell die gegnerischen Schritte übertönt.

Wer mag, kann hier mittels der Plus und Minus Taste den Tactical Mode aktivieren, der einen Gaming-Modus mit geringer Latenz bringt. Einen Einfluss auf das Soundbild scheint dieser Modus aber leider nicht zu haben, zu mindesten konnten wir keinen Unterschied heraushören. Hier hätte Ultrasone eher Soundmodi wie Shooter, Adventure, Clear oder sonstiges einbringen sollen, da es schon keine Software oder App zur Personalisierung gibt. Gamer werden aber dennoch diesen warmen und doch schon Bass-lastigen Sound lieben. Die Frage bleibt nur, ob der Gamer sich damit zufriedengeben wird, da gerade in diesem Preissegment die Auswahl enorm ist und auch vielfältiger. Anderswo wird dem Gamer für das Geld, ob nun auch etwas mehr oder weniger, der Wunsch zur Personalisierung für jedes Genre an Spielen erfüllt.

Mit insgesamt 3 verschieden Möglichkeiten, mit dem Meteor One kommunizieren zu können, bietet Ultrasone schon ein breites Spektrum. Das fängt bei den verbauten Mikrofonen in den Ohrmuscheln an, die sich aber rein nur zum Telefonieren eignen und für ein dauerhaftes Gaming nicht zu empfehlen sind. Weiter geht es mit dem ansteckbaren Mikrofon, um einen kabellosen Betrieb zu ermöglichen. Hier ist die Verständlichkeit schon besser, auch wenn wir rein zur Kommunikation in einem Spiel schon bessere Qualität erlebt haben. Die dritte Möglichkeit bietet sich mit der kabelgebunden Variante, die hier an den bekannten Schwanenhals erinnert und sogar mit einem Popschutz ausgestattet wurde. Rein von der Klangqualität wurde uns bei der kabelgebunden Möglichkeit die beste Verständlichkeit nachgesagt. Alle Mikrofone sind aber ein Mittel zum Zweck und sollten nicht mit einer wünschenswerten Studioqualität in Verbindung gebracht werden. Wer gerne und viel streamt, sollte weiterhin auf externe Mikrofone greifen, wobei wir hier dann wieder beim einfachen Kopfhörer wären.

Fazit

Das ist alles zu wenig für uns Gamer

Mit dem Meteor One bietet die bayrische Kopfhörermanufaktur ein Gaming-Headset, welches auf der Basis des ANC-Kopfhörers ISAR ohne ANC, aber mit gleich zwei zusätzlichen Mikrofonen den Gamern schmackhaft gemacht wird. Der Sound ist kräftig, warm und sehr dynamisch und einmal mehr kann Ultrasone mit der S-Logic-Technologie überzeugen. Leider hat man das Headset nicht zu Ende gedacht. Es fehlt deutlich an überzeugender Akkulaufzeit, da 15 Stunden heute eher unterer Durchschnitt ist. Eine App oder Software zur Personalisierung des Klanges für unterschiedliche Spielgenres wird ebenfalls vermisst. Alles für eine UVP von 200 Euro? Das ist eindeutig zu viel für ein reines Headset, was sich letztendlich nur am PC oder mobilen Geräten via Bluetooth nutzen lässt. Das, was das Meteor One kann, kann jeder x-beliebige Bluetooth-Kopfhörer, auch wenn hier zwei zusätzliche Mikrofone geboten werden, die maximal einen Einkaufspreis von 5 Euro im Preis veranschlagen. Hinzukommt dieser wirklich grobe Schnitzer der PR-Abteilung von Ultrasone, die hier das Headset auch für die PlayStation anpreisen, was durch die fehlende Möglichkeit eines USB-Dongles überhaupt nicht möglich ist! Wir können das Headset nur jenen empfehlen, die sich der reinen Bluetoothverbindung im Klaren sind. Alle anderen sollten sich in dieser Preisklasse woanders umschauen, da es für die breite Masse an Gamern nicht zu empfehlen ist.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973