Wir steigen hinab in die klaustrophobische Welt eines deutschen U-Boots des Zweiten Weltkriegs. Es ist eine faszinierende, akribisch nachgebildete Simulation, die uns nicht nur in die Tiefe des Ozeans, sondern auch in die Komplexität menschlicher Führung entführt.
Für Veteranen von Klassikern wie Silent Hunter weckt Uboat sofort nostalgische Gefühle, doch schon der erste Blick offenbart, dass dies kein bloßer Nachfolger ist, sondern eine eigenständige Interpretation des Genres, die den Fokus auf das Crew-Management legt.
Doch wie gut ist der Sprung von der präzisen Steuerung des PCs auf die Konsole geglückt und kann die fesselnde Atmosphäre die rauen Wogen technischer Herausforderungen glätten?
Ersteindruck
Kapitän auf unsicherer See
Wir werden in eine authentisch wirkende Welt versetzt, in der sich die Detailverliebtheit der Entwickler sofort offenbart. Das Innere des U-Boots ist ein Labyrinth aus Gängen, Maschinen, Schaltern und Hebeln und dann sind da auch noch unsere Besatzungsmitglieder, was uns augenblicklich in die beklemmende Atmosphäre an Bord hineinzieht. Dieses realistische Setting weckt hohe Erwartungen an die bevorstehende Simulation.
Doch schon nach wenigen Augenblicken spüren wir die erste Hürde: Die anfängliche Einführung in die Spielmechanik. Als PC-Port steht dieser Titel vor der Herausforderung, ein ursprünglich für Maus und Tastatur konzipiertes Interface auf die Eingabemöglichkeiten eines DualSense-Controllers zu übertragen.
Das Tutorial vermittelt lediglich das absolute Minimum an Wissen, was wir benötigen, um überhaupt zu starten. Wir werden aufgefordert, viele der komplexen Systeme und der unkonventionellen Steuerung eigenständig zu entschlüsseln. Dies kann für Neulinge des Genres schnell überwältigend sein und zu Frustration führen, da die intuitiven Wege der PC-Version mit dem Gamepad schwer zu replizieren sind.

Dieser anfängliche Eindruck legt eine grundlegende Herausforderung der Portierung offen: Die Kluft zwischen der komplexen Benutzeroberfläche des Originals und der vereinfachten, aber notwendigerweise umständlicheren Konsolen-Steuerung.
Die positive Resonanz, die das Spiel auf dem PC genießt, wo eine Maus die präzise Interaktion mit jedem einzelnen Besatzungsmitglied und Gerät ermöglicht, ist auf der Konsole keine Selbstverständlichkeit. Der Übergang erfordert nicht nur eine einfache Button-Belegung, sondern eine komplette Überarbeitung der Menüführung, die in den ersten Stunden auf uns bisweilen unsauber und klobig wirkt.
Hier zeigt sich, dass eine erfolgreiche Simulation nicht nur von ihrem Inhalt, sondern auch von der Qualität ihrer Benutzeroberfläche abhängt.
Gameplay
Ein Uboot voller Leben
Das Herzstück von Uboat ist keineswegs die direkte Steuerung des Tauchschiffs, sondern das anspruchsvolle Crew-Management, das uns in die Rolle eines Kommandanten versetzt. Dies stellt einen entscheidenden Unterschied zu den reinen Simulationsansätzen der Silent Hunter-Reihe dar, die oft den Fokus auf die manuelle Steuerung und das taktische Jagen von Zielen legten.
Während wir uns in Silent Hunter primär auf die Jagd konzentrierten, befiehlt man hier seine Männer, um Manöver auszuführen und Missionen zu erfüllen. Wir müssen die physische und geistige Gesundheit unserer Matrosen im Auge behalten, denn ein erschöpftes oder demoralisiertes Team kann selbst in den harmlosesten Situationen zum Scheitern führen. Im Gegensatz zur oftmals unzuverlässigen und verbuggten KI von Silent Hunter 5, die uns zur Selbsthilfe zwang, fühlen wir uns in Uboat als echter Kommandant, auch wenn die hyperaktive Mikro-Verwaltung der Crew manchmal überfordern kann. Um die Moral zu stärken, können wir sie sogar bei einer Partie Skat antreten lassen oder Musik aus dem Radio abspielen.

Die Missionsstruktur ist erfrischend unlinear, was uns ein hohes Maß an Freiheit gewährt. Im Gegensatz zu den oft geradlinigen Kampagnen in Silent Hunter, die uns vor allem zum Versenken von Schiffen schickten , können wir in Uboat auch spontane Aufträge erhalten und Schiffswracks plündern oder Verbündete um Hilfe bitten, um unsere Ressourcen optimal zu verwalten.
Diese Sandbox-Elemente und die Möglichkeit, das U-Boot aufzurüsten , geben dem Spiel einen eigenen Charakter, auch wenn manche Veteranen die spielerischen Elemente wie das plötzliche Spawnen von Zerstörern kritisieren. Selbst Silent Hunter hatte jedoch nicht immer eine lupenreine historische Authentizität, wie etwa die Möglichkeit, Luftunterstützung herbeizurufen oder Helden-Crewmitglieder mit besonders mächtigen „magischen“ Fähigkeiten zu rekrutieren.
Ein wesentlicher Bestandteil des Überlebens ist das realistische Schadensmodell. Es kann zu unvorhergesehenen und brenzligen Situationen kommen, in denen wir unter Druck kreativ und ruhig bleiben müssen. Ob ein Schiff in zwei Hälften zerbricht oder Löcher in den Rumpf gerissen werden, die das innere des Schiffs offenbaren – jeder Treffer hat sichtbare Konsequenzen. Wir sind mit moralisch schweren Entscheidungen konfrontiert, wie etwa der Frage, ob wir ein Besatzungsmitglied zurücklassen, um das Überleben der anderen zu sichern.
Auch die Tauchtiefe ist nicht nur eine Zahl auf der Anzeige. Die Gefahr des „Crush Depth“, bei dem die Hülle des U-Boots dem Wasserdruck nachgibt, ist eine allgegenwärtige Bedrohung. Diese Mechanik vermittelt ein ungemein packendes Gefühl der Verletzbarkeit und des Risikos, dem wir jederzeit ausgesetzt sind.
Hier liegt das eigentliche Paradoxon des Spiels: Die unermüdliche Hingabe an historischen Realismus ist gleichzeitig seine größte Stärke und seine größte Schwäche. Die Entwickler haben sich entschieden, die langen, monotonen Seefahrten zu simulieren, die das tatsächliche Leben an Bord eines U-Boots oft bestimmten.
Während diese Wartezeiten in Silent Hunter oft als langwierig empfunden und mit Zeitbeschleunigung überbrückt wurden , sind sie in Uboat dank der Crew-Management-Systeme mit Leben gefüllt. Man ist permanent beschäftigt, anstatt nur auf das nächste Seegefecht zu warten. Uboat ist keine maritime Version von Call of Duty, sondern eine akribische Management-Simulation. Dieser Umstand muss uns klar sein, um das Erlebnis wirklich schätzen zu können.

Grafik und Sound
Atmosphärischer Geräuschkulisse und einige Probleme
Visuell bietet Uboat auf der PS5 eine solide Darbietung, die dem anspruchsvollen PC-Original gerecht wird. Das Spiel strebt eine Auflösung von 1080p und eine Bildrate von 60 FPS an, was in den meisten Momenten auch gut gehalten wird. Besonders die Wassereffekte wie Bugwellen und Gischt sind beeindruckend, und die detaillierte Darstellung des U-Boot-Inneren trägt maßgeblich zur Immersion bei.
Die Soundkulisse ist zweifellos ein Glanzlicht des Spiels. Die Geräuschkulisse ist exzellent und vervollständigt das klaustrophobische Gefühl auf überzeugende Weise. Wir hören das konstante Dröhnen der Dieselmotoren, das knarrende Geräusch des unter Druck stehenden Rumpfes in großer Tiefe und die mechanischen Klänge der arbeitenden Besatzung. Der Einsatz des DualSense-Controllers verstärkt diese Erfahrung spürbar. Wir fühlen Vibrationen bei Explosionen oder beim Aufprall von Wasser, was die Gefechte nicht nur auditiv, sondern auch haptisch greifbar macht.
Bedauerlicherweise ist die technische Umsetzung nicht ohne Makel. Das Spiel leidet unter einigen Fehlern, die das Eintauchen in die Welt beeinträchtigen können. Dazu gehören Besatzungsmitglieder, die an Orten feststecken, feindliche KI, die ineinanderfährt, oder unerwartet vor uns auftauchende Zerstörer, wenn wir die Zeit vorspulen. Anzeigefehler von Texturen. Noch gravierender sind die Leistungseinbrüche, die nach längeren Spielsitzungen auftreten können, wobei die Bildrate stetig abnimmt und ein Neustart der Konsole erforderlich wird, um die Performance wiederherzustellen.
Diese technischen Schwierigkeiten sind keine einfachen Schönheitsfehler, sondern zeigen, wie komplex die Optimierung eines solchen Spiels für eine feste Konsolenarchitektur ist.
Das Spiel hat eine Vielzahl von Systemen, die permanent miteinander interagieren, was die Portierung zu einer technischen Belastung macht. Die Bugs und Leistungseinbrüche deuten darauf hin, dass die Entwickler noch mit der vollen Ausschöpfung der Konsolenhardware ringen. Es liegt nahe, dass das Spiel von einem umfangreichen Patch profitieren würde, um diese Probleme zu beheben und das Spielerlebnis zu verbessern.

Fazit
Tiefenrausch der Gefühle
Uboat auf der PS5 ist ein Spiel mit zwei Gesichtern. Einerseits haben wir es mit einer der fesselndsten und detailreichsten U-Boot-Simulationen zu tun, die der Konsolenmarkt jemals gesehen hat.

Der Fokus auf das Crew-Management unterscheidet es maßgeblich von der Silent Hunter-Reihe und erfordert ein hohes Maß an strategischem Geschick. Die Liebe zum Detail, die beklemmende Atmosphäre und die herausragende Nutzung der Audio-Features erzeugen eine Immersion, die uns tief in die Welt des Spiels eintauchen lässt. Es ist kein klassischer Subsim im Silent Hunter-Stil, sondern eher eine Crew-Management-Simulation mit U-Boot-Setting, die eine eigenständige und lohnende Erfahrung bietet.
Andererseits ist die Portierung von der PC-Version nicht frei von Problemen. Die unzureichende Einweisung durch das Tutorial und die stellenweise klobige Steuerung fordern von neuen Spielern viel Geduld. Die technischen Mängel, von grafischen Fehlern bis zu spürbaren Leistungseinbrüchen, trüben das Erlebnis und könnten weniger hartgesottene Spieler abschrecken.
Wir sind der Überzeugung, dass dieser Titel für alle, die eine tiefgehende und realistische Simulation suchen und bereit sind, sich durch die anfänglichen Herausforderungen und technischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen, eine lohnende Erfahrung darstellt. Die Zielgruppe ist klar die Nische der Simulationsliebhaber, die sich nach Authentizität sehnt und die Geduld für lange Seereisen mitbringt. Wer jedoch ein schnelles, actiongeladenes Spiel erwartet, wird hier nicht glücklich werden.
Trotz der erwähnten Schwächen ist Uboat eine mutige und einzigartige Veröffentlichung auf der PS5. Wir sind zuversichtlich, dass zukünftige Updates die technischen Mängel beheben werden, aber schon jetzt ist dieser Titel ein besonderer Schatz für jeden, der das Leben unter der Wasseroberfläche mit all seinen Facetten und Herausforderungen hautnah erleben möchte.
Uboat ist ab sofort für PC, PS5 und XBOX Series S/X erhältlich.






