Bild: PE

Ein wilder Skandinavier – Deltaco Gaming DV440D Gaming-Chair im Test

Mit Deltaco Gaming drängt sich nun ein skandinavischer Anbieter von Gaming-Zubehör auf den deutschen Markt, der neben PC-Peripherie-Geräten auch Möbel im wahrsten Sinne des Wortes anbietet. Dazu gehören nicht nur die bekannten Gaming-Chairs, sondern auch Gaming-Sessel, Tische, Monitorhalter und mehr. Da die Gaming-Chairs heutzutage unabdingbar sind und in der vergangenen Home-Office-Phase sich stark etablieren konnten, haben wir uns den DV440D angeschaut – Ein Gaming-Stuhl mit Wildleder (Imitat) Bezug. Der Preis soll bei unter 200 Euro liegen. Aktuell vertreibt Deltaco Gaming ihre Produkte in Deutschland nur über Media Markt und Saturn, lässt sich aber auch bei Amazon und anderen Händlern finden.

Sieht nicht nur optisch schick aus, fühlt sich auch gut an

Ersteindruck

Handwerkliches Geschick vonnöten

Deltaco Gaming liefert den Gaming-Stuhl in einem riesigen Karton aus, der mit seinem Hochglanzaufdruck schon erste Informationen und einen Blick auf die neue Sitzgelegenheit bietet. Sicher verpackt, liegen im Inneren die notwendigen Teile, denn der DV440D muss erst noch zusammengebaut werden. Die Bedienungsanleitung muss hier aber ein wenig als Graus bezeichnet werden, denn immerhin hat uns ein ebenfalls schwedischer Anbieter von Möbeln schon über die Jahre regelrecht verwöhnt. Obwohl alles einen gut sortierten Eindruck vermittelt, muss hin und wieder alles zweimal angefasst und abgeglichen werden, denn ganz so einleuchtend gestaltet sich der Aufbau nicht. Nach 40 Minuten steht der Stuhl dann aber und kann seine Dienste anbieten.

Auch von hinten sieht er sehr schick aus.

Mit dem Aufbau können wir schon ein erstes Fazit in den Punkten Materialqualität und auch Nachhaltigkeit ziehen. Der Karton ist bedruckt und die Einzelteile sind zu sehr in Folien und Kartons verpackt, die zudem mit Klebband ein Auspacken und Entsorgen sehr aufwändig gestalten. Einen ganzen Gelben Sack haben wir alleine mit den Folien voll bekommen, während der Foto-bedruckte Karton auch unnötige Ressourcen verschlingt. Ein Punkt, an dem sich Deltaco Gaming noch viel von ihren Landsleuten abschauen muss. Auch müssen wir erwähnen, dass wir unangenehme, fast schon stechende Gerüche, Ausdünstungen von Industrieklebern und den verwendeten Kunststoffen wahrgenommen haben und den DV440D erstmal 3 Tage auf dem Balkon ausdünsten lassen mussten. Das ist wohl auf die lösungsmittelhaltigen Kleber zurückzuführen. Hier können empfindliche Menschen schnell über Kopfschmerzen klagen und daher sollte der Gaming-Chair in den ersten Tagen auf keinen Fall in Kinder- und Jugendzimmer, wo auch geschlafen wird, platziert werden.

Die Wahl der Materialien und Verarbeitung ist ein zweischneidiges Schwert, welches uns hin- und herreist. Einerseits überzeugt der Wildleder-Look der gesamten Sitzfläche samt Rückenlehne und zusätzlichen Kissen, die optisch mit einer orange-farbigen Naht versehen wurde. Andererseits wirken die 4D-Armlehen sehr günstig und zu plastisch. Zudem hinterlässt das Fußkreuz einen sehr metallisch klingenden Eindruck und offenbart auf der Unterseite sogar Schweißnähte, die heute nicht mehr zeitgemäß sind. Das gesamte Bild passt aber letztendlich und nach einigen Tagen haben auch wir ihn liebgewonnen. Man muss sich halt im Klaren sein, dass in dieser Preisklasse unterhalb von 200 Euro nicht zu viel erwartet werden sollte.

Ergonomie & Handhabung

Gemacht für große Gamer

Hohe Wangen sorgen für eine schöne Einbettung

Schon bei der Montage ist uns aufgefallen, dass der DV440D Gaming-Chair sehr breit gestaltet wurde. Dies zeigt sich bei der Sitzauflage, die hier an die 44 cm bietet und sich über die Rückenlehne bis hin zur Gurtführung erstreckt. Damit eignet sich der Gaming-Chair auch für stabil gebaute Gamer, die sich im unteren Preissektor sonst so schwer tätigen. Zugleich verdeutlicht diese breite Bauweise, dass der Gaming-Chair dann auch weniger für das jüngere Publikum gedacht ist, denn alleine die Sitzhöhe von 54 cm dürfte es Schulkindern schwer machen, hier die Füße auf dem Boden absetzen zu können. Wem das dann immer noch zu wenig ist, kann die Sitzhöhe mittels Hebel auf 62 cm anheben.

Wie es sich für einen Gaming-Chair gehört, lässt auch dieser sich in der Rückenlehne verstellen. Ob nun dringend eine Liegeposition vonnöten ist, bezweifeln wir, aber auch hier wird die Position für ein Nickerchen geboten. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit es sich bequem zu machen, denn auch die Armlehnen lassen sich verstellen. So können wir die Höhe positionieren, die Auflagen nach Innen und Außen schieben, etwas drehen und nach vorne und hinten schieben. In der letzten Funktion muss etwas auf die Finger aufgepasst werden, da von der Konstruktion her, hier schnell die Fingerkuppen eingeklemmt werden können. Ein Punkt an dem Deltaco Gaming dringen arbeiten muss, da sich Blutblasen an den Fingerkuppen jedoch nicht gut anfühlen. Wer mag, kann die komplette Sitzposition noch in die „Kippelfunktion“ schalten.

Beim Umklammern der Armlehnen können sich die Finger schnell in den Führungsschienen beim Verstellen einklemmen.

Punkten kann der DV440D Gaming-Chair auf jeden Fall mit seiner Polsterung und dem Wildleder-Imitat-Bezug. Hier fühlen wir uns sehr gut aufgehoben, da auch die hohen Seitenwangen eine wundervolle Sitzposition ermöglichen und mit den beiden Kissen unterstützt werden. Ob man nun wirklich das Kissen für den Lordosen-Bereich benötigt, bezweifeln wir, aber das Kissen für den Nacken geben wir nicht mehr her.

Fazit

Es fehlt noch etwas das Feintuning

Mit dem DV440D Gaming-Chair liefert uns Deltaco Gaming einen wunderschön anzusehenden Gaming-Stuhl, der einem mit seinem Bezug einen ganz wild machen kann, da auch die orangenen Nähte hier für einen gewissen Akzent sorgen. Preislich lässt sich der Deltaco Gaming DV440D Gaming-Chair in die Einstiegsklasse einordnen, was sich auch in der Verarbeitungsqualität zeigt. Auch wenn der optische Eindruck positiv ausfällt und wir uns sehr wohlwollend gerne niederlassen, muss Deltaco Gaming noch viel Feintuning tätigen, da es doch noch sehr böse Argumente zu erwähnen gibt. Dazugehören sicherlich der störende Geruch nach dem Auspacken, die allgemeine Materialauswahl der Anbauteile und dem Radkreuz, die Armlehnen, welche auch die Fingerkuppen in der Verstellung ruinieren können, was zu bösen Schmerzen führen kann.

Rundum ist der DV440D Gaming-Chair gar nicht mal schlecht, für eine direkte Empfehlung weist er aber zu viele Kritikpunkte auf, die bei der Klassenkonkurrenz von Snakebyte, Hama, uRage oder Trust Gaming und Speedlink schon längst nicht mehr zu finden sind – Selbst das eingestickte Logo am Kopf ist nicht gerade. Wer über die Punkte hinwegsehen kann und sich in den Wildleder-Look zu diesem Preis verliebt hat, kann aber gerne zugreifen.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973