Bild: beyerdynamic &PE

Eine Klang-Klasse für sich: Beyerdynamic Free BYRD im Test

Jetzt kappt auch das deutsche Traditionsunternehmen beyerdynamic alle Kabel und bietet mit dem Modell Free BYRD ihre ersten True Wireless Bluetooth In-Ears an. Punkten möchten die Audiotechnikspezialisten aus Heilbronn mit einem umfangreichen Lieferumfang, der keine Wünsche an passenden Ear-Tips für unterschiedliche  Ohrmuschelgrößen unerfüllt lässt, aktiver Geräuschunterdrückung, extrem hoher Akkulaufzeit, hochwertigen Mikrofonen und einer herausragenden Sound-Qualität. Kann der kabellose In-Ear-Erstling im Sortiment von beyerdynamic die vollmundigen Versprechen erfüllen? Diese Frage klären wir in unserem ausgiebigen Alltagstest.

Lieferumfang & Tragekomfort

Üppige Ear-Tip-Auswahl, hochwertiger Ersteindruck

Soviel Zubehör hätten wir auf Anhieb nicht erwartet und sind nach dem Öffnen des Kartons entsprechend positiv überrascht. Zuerst nehmen wir das handliche Ladecase mit dezentem beyerdynamic-Schriftzug und Logo in Augenschein. Dieses ist zwar wie allgemein üblich aus Kunststoff gefertigt, das Scharnier für den Klappmechanismus aber aus Metall. In Anbetracht, wie oft man den Deckel mit der Zeit auf- und zuklappt, lässt uns die wertigere Materialauswahl auf eine lange Haltbarkeit hoffen. Im Case befinden sich die beiden Buds, die auf den ersten Blick wuchtiger als Konkurrenzmodelle erscheinen. Das ist zu einem guten Teil den verbauten 10 mm-Treibern zu verdanken, die nah an eurem Trommelfell für dynamischen Sound und treibende Bässe sorgen sollen.

Richtiggehend Begeisterung löst die üppige Palette an Ohrpasstücken an, die sich zusammen mit dem flexiblen USB-A auf USB-C-Ladekabel – alternativ kann auch ein induktives Qi-Ladepad genutzt werden – im Lieferumfang befindet. Aus gleich acht Paar Aufsätzen, fünf Silikon Ear-Tips in den Größen XS bis XL sowie drei aus Memory-Foam für den Einsatz bei sportlichen Aktivitäten, wählt ihr die für eure Ohrmuschel perfekt passende Größe aus. Das Anbringen der Aufsätze erfolgt erfreulich fummelfrei, sodass das Ein- und Abstecken, zum Beispiel bei einem Wechsel zwischen Silikon und Schaumstoff, schnell erledigt ist.

Zeit für den ersten Tragetest: Dazu haben wir uns richtig Zeit mit der Auswahl der Aufsätze gelassen und auch Kombinationen aus unterschiedlichen Größen für das linke und rechte Ohr ausprobiert. So angepasst, haben wir die Free BYRD dann einige Stunden bei verschiedenen Aktivitäten genutzt, um den Tragekomfort zu bestimmen. Das Ergebnis: Die mit jeweils unter 7 Gramm für ihre Größe leichten Buds sitzen auch auf Dauer und bei schnellen Bewegungen fest und bequem im Gehörgang, ein leichtes Druckgefühl ist allerdings nach einer Weile schon zu verspüren.

Funktionen, Features & MIY-App

Aktive Geräuschunterdrückung, hohe Akkulaufzeit, Sound-Personalisierung

Die Verbindung mit einem Smartphone oder anderen Wiedergabegeräten ist eine Sache von Sekunden. Die Bluetooth-Koppelung erfolgt problemlos und dank Fast Pair Technologie verbinden sich die Free BYRD automatisch mit kompatiblen Endgeräten. Multipoint wird zwar nicht explizit unterstützt, aber die Buds merken sich bis zu sechs Geräte, mit denen sie bereits verbunden waren, was einen zügigen Quellenwechsel erlaubt.

Gleich nach der Erstkoppelung mit unserem Android-Testgerät wird bereits auf den Download der MIY-App hingewiesen. Das solltet ihr auch unbedingt gleich machen und euch die Zeit für die Sound-Personalisierung nehmen. MOSAYC (Attention to Detail with Mimi Sound Personalization) nennt sich der ausführliche Hörtest, bei dem ihr schrittweise durch einige Klangmuster mit Rauschen und Pieptönen geführt werdet, die schlussendlich ein perfekt für euer Gehör abgestimmtes Klangprofil  ergeben. Weitere Funktionen der App umfassen unter anderem die Einstellungen des ANC-Modus, Aktivierung von Low Latency, Durchführung von Firmwareupdates, Anzeige von Statistiken und ein recht rudimentärer Equalizer, der  sechs Voreinstellungen bietet, aber keine individuelle Einrichtung der Frequenzen erlaubt.

Die Bedienung ist im ersten Augenblick etwas gewöhnungsbedürftig, muss beim Antippen doch ein eher schmaler Streifen an den Seiten getroffen werden. Mit ein wenig Übung und dem Auswendiglernen der Klopfbefehle, gehen Änderung der Lautstärke, Annahme von Telefonaten oder das Skippen von Musiktiteln leicht von der Hand. Schön: Nehmt ihr die Buds aus dem Ohr, wird automatisch die Wiedergabe pausiert und auf Knopfdruck wieder aufgenommen.

Die Free BYRD unterstützen Bluetooth-Version 5.2 mit den Codecs SBC, AAC, aptX sowie aptX Adaptive, was nicht nur eine hohe Kompatibilität beschert, sondern auch für eine hohe Reichweite durch Betonwände hinweg und eine sehr gute Klangqualität von bis zu 24 Bit / 48 kHz sorgt. Lobenswert auch die beachtliche Akkulaufzeit von nahezu 12 Stunden, die sich mit vollem Ladecase auf  25 bis 30 Stunden addiert. Geht euch mal der Saft aus, genügt eine Schnellladung von 10 Minuten, um etwas mehr als eine weitere Stunde Nutzungsdauer zu erreichen.

Technisch warten die Free BYRD mit der aktiven Geräuschunterdrückung ANC auf,  bei der die eingebauten Mikrofone Umgebungsgeräusche aufnehmen und neutralisieren. Das gelingt so gut, dass ihr im Straßenverkehr auf jeden Fall den Transparenz-Modus aktivieren solltet, damit ihr nicht klanglich komplett von der Umgebung abgeschnitten seid und unter Umständen wichtige Durchsagen verpasst. Gut gefallen hat uns ebenso der Gaming-Modus, in der App mit einem Bild eines Controllers versehen. Hier schalten die Buds in den Low-Latency- Modus, der Verzögerungen zwischen Bild und Ton merklich minimiert. Beim Zocken oder Anschauen von Filmen und Serien unverzichtbar.

Klang & Sprachwiedergabe

Dynamischer Sound, glasklare Stimmen

Die verbauten 10 mm-Treiber liefern bereits „Out of the Box“ ein sattes, dynamisches  Klangbild mit klar definierten Frequenzbereichen. Hier hat beyerdynamic die in Jahrzehnten erworbene Expertise aus dem Bereich der Over-Ear-Kopfhörer eingebracht und liefert auch von Haus aus gleich kraftvolle Bässe. Nun ist ja der Klang durchaus eine sehr individuelle Erfahrung, die mitunter sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Deshalb können wir nur empfehlen, eine Klang-Personalisierung über die App vorzunehmen sowie mehrere Ohrpassstücke auszuprobieren, denn mit der Optimierung auf das eigene Hörvermögen und der perfekte Sitz verbessern sich das Klangerlebnis unter Umständen noch erheblich. Als ebenso qualitativ hochwertig wie die Treiber erweisen sich die sechs Mikrofone mit Qualcomm dual 2-mic cVc-Technologie, mit der Sprache kristallklar und jederzeit deutlich zu verstehen übertragen wird.

Fazit

Herausragend

Erster Versuch und gleich ein klanglicher Volltreffer: beyerdynamic hat mit den Free BYRD ein TWS-Modell auf den Markt gebracht, dass sich nicht nur durch sehr gute Sound-Qualität auszeichnet, sondern zusätzlich mit hoher Akkulaufleistung, glasklarer  Sprachwiedergabe, einem umfangreichen Sortiment an Ear-Tips direkt im Lieferumfang sowie sinnvollen Funktionen wie ANC und Transparency Mode aufwartet. Besonders gefallen haben uns zudem die Sound-Personalisierung über die intuitiv bedienbare MIY-App und der optionale Gaming-Mode, der Latenzen zwischen Bild und Ton merklich reduziert.

Ulrich Wimmeroth
... wenn es einen Stecker hat, dann wird es getestet. Spielt aktuell die meiste Zeit Destiny 2 auf PS5 oder Gunhed auf der guten alten PC Engine.