Bild: MMD & PE

Hat es Philips immer noch drauf? Kabelloses Gaming-Headset TAG5106 im Test

Anfang Dezember 2022 präsentierte Philips das Wireless-Gaming-Headset TAG5106, welches mit einem kabellosen Dualsystem, das sowohl 2,4 GHz als auch Bluetooth unterstützt, ausgestattet wurde und mit dem iF Design Award ausgezeichnet wurde. Angeboten wird das Headset zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 99 Euro, wodurch unser Interesse geweckt wurde. Wir haben uns das Headset auf die Rübe gesetzt. Kann uns Philips immer noch überzeugen?

Philips ist ein niederländisches Unternehmen, das 1981 in Eindhoven gegründet wurde und mit der Produktion von Glühlampen begann. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Philips weiter und wurde zu einem weltweiten Elektronikunternehmen, welches mit innovativer Technik auch den Technologie- und Unterhaltungsmarkt neugestaltet. Dazu gehören die Entwicklung der Musikkassette und in Zusammenarbeit mit Sony brachten sie die Compact Disc (CD) auf den Markt. Auch heute kennen viele noch Namen und Bezeichnungen wie die DVD, Ambilight, Philip Hue oder gar die vergessenen Plasma-Flachbildfernseher,die wir alle neben der bekannten Senseo-Kaffeepadmaschine liegen haben. Mittlerweile werden viele Produkte nur noch unter der Lizenz von Philips auf den Markt gebracht. Dazu gehört MMD, die exklusiv LCD-Displays der Marke Philips weltweit unter einer Markenlizenz von Koninklijke Philips NV vermarktet und verkauft. Das uns vorliegende TAG5106 wird ebenfalls von MMD vermarktet.

Komfort & Verarbeitung

Mehr Design, statt Wohlwollen

MMD präsentiert das Headset Philips TAG5106 in einem Hochglanz-Karton, der uns im Aufbau an die bekannten Sonicare-Zahnbürsten oder Elektrorasierer erinnert. Das liegt daran, dass der schematische Aufbau bei Philips-Produkten immer gleich gestaltet wurde, um die Zugehörigkeit ihrer Produkte dem Kunden einfacher zu gestalten. In unserm Fall halten wir ein Gaming-Headset der 5000er-Serie in der Hand, welchen sich hochglänzend auf der Verpackung präsentiert und nebenbei schon einige Features und Spezifikationen offenbart werden. Auch wenn alles noch nicht 100-prozentig den Vorstellungen der Nachhaltigkeit entspricht, wurde das Philips TAG5106 in Presskarton eingebettet. Neben dem eigentlichen Kopfhörer finden wir noch das abnehmbare Mikrofon, ein 65 cm langes USB-C zu USB-A-Ladekabel, ein 150 cm langes TRRS-Klinkenkabel. Selbstverständlich ist auch ein USB-Dongle für die 2,4 GHz Wireless-Verbindung dabei. Warum jener nochmal wie ein Bonbon mit Papier umwickelt wurde oder gar eine Bedienungsanleitung nochmal in einer Tüte mitgeliefert wird, können auch wir uns nicht erklären.

Halten wir das Headset in der Hand, zeigt sich das Design. Dominiert wird das TAG5106 von geraden Linien, einem schlichten aber funktionellen Auftritt, leicht abgerundeten Kanten und Bedientasten, die in der heutigen Zeit wohl eher als altbacken zu bezeichnen sind. Der Gesamteindruck kann aber imposant erscheinen, da hier alles wie aus einem Guss wirkt und mit der LED-Beleuchtung gar modisch interessant werden kann. Aber soweit sind wir noch nicht.

Schieben wir uns nun das Headset über die Rübe, will sich im ersten Moment kein harmonisches Gefühl manifestieren. Das Headset ist trotz verstellbaren Kopfband und einer Polsterung aus Lederimitat zu hart und zu straff. Es will sich einfach nicht anschmiegen, was wohl auch an der designbedingten eingeschränkten Flexibilität der Ohrmuscheln liegt. Jene lassen sich nur vertikal bewegen und liegen nicht frei und damit anpassend an den Ohren. Die Polsterung der Ohrmuscheln ist nicht weich und anschmiegsam genug. Es dauert alles eine Weile, bis wir den Kopfhörer passend aufgesetzt haben. Das Headset sitzt eher wie ein ›A‹ auf dem Kopf, was bei emotionalen Bewegungen ein Verrutschen verursacht. Dafür sticht die Erreichbarkeit der Bedienknöpfe positiv hervor.

Obwohl der optische Auftritt dem Philips Wireless-Gaming-Headset TAG5106 den IF Design Award eingebracht hat, empfinden wir die Verwendung der Materialien als nicht ansprechend. Dieses Empfinden resultiert aus der Dominanz der Kunststoffe, wobei die saubere Verarbeitung dann als selbstverständlich erwähnt werden muss. Hier könnte eventuell eines Tages der „Tritton-Headset-Effekt“ dem Spaß ein Ende gesetzt werden, wenn die Materialermüdung des Kunststoffs uns zwei Hälften in Hand halten lässt. Bei unserem Test zeigten sich aber keine Spuren von Ermüdung oder gar Verschleiß.

Klang & Soundbild

Viel zu wenig für das Versprochene

Dem Philips TAG5106 wurden zwei 50 mm Neodym-Treiber mit einem Frequenzband von 20 Hertz bis 20.000 Hertz spendiert. Durch die Impedanz von 32 Ohm kann das Headset an zahlreichen Plattformen ganz ohne weitere Verstärker genutzt werden. Der interne Akku soll 45 Stunden durchhalten, wobei hier die LEDs ausgeschaltet sein müssen und die Lautstärke sich bei 50 Prozent bewegt.

Das Philips TAG5106 bietet insgesamt drei Möglichkeiten den Klang erleben zum können. Das wären die Verbindung über den USB-Dongle, per Bluetooth und die unkonventionelle Art per Klinke. Der Einfachheitshalber probierten wir zuerst die Verbindung über Klinke aus. Hier zeigt sich ein erster Vorteil, da das Philips TAG5106 dazu nicht eingeschaltet werden muss. Interessant, wenn im Eifer des Gefechts der Akku schlapp macht, aber man über den Klinkenanschluß des Gaming-Controllers weiterzocken kann. Leider zeigte sich bei unserem Testgerät ein Produktionsmangel, da der Klinkenstecker nicht richtig in das Headset passte und damit nur halbherzig die Klangwiedergabe erfolgte. Schade, sollte eigentlich nicht passieren, aber wer nutzt den Klinke schon? Kann man das verschmerzen? Eine gebotene Möglichkeit der Nutzung, die nicht sauber genutzt werden kann, stellt ein Defizit dar und muss daher negativ mit in die Bewertung fließen.

Kommen wir aber zu der Verbindung, die bei vielen Gamern im Vordergrund stehen wird. Der USB-Dongle wird einfach in ein kompatibles Gerät gesteckt. Hier wird uns am PC sogar DTS: X Headphone 2.0 mit modernen 7.1 Kanal-Sound versprochen. Dazu wird beim Philips TAG5106 eine entsprechende Software notwendig, die installiert werden muss. Enttäuschenderweise finden wir auf der zugehörigen Webseite keinen Direktlink oder gar ein Download-Hinweis. Versteckt hinter dem Link der Bedienungsanleitung zeigt sich der Hinweis und Link für Treiber und Software. Bei Philips nennt sich die Software Precision Center (Version 0.6.0) und verlangt einen Download von rund 110 MB. Mit der Installation wird ein weiterer Download notwendig, der sich als DTS-Server für das DTS: X Headphone 2.0 entpuppt – Insgesamt 345 MB. Das fertige Bild zeigt sich sehr dürftig und kann sogar als mager bezeichnet werden. Hier kann nicht mehr eingestellt werden, als die DTS-Taste am Headset hergibt. Ein und aus und einige vorgefertigte Soundmodi lassen sich in der Software einstellen.

Ganz schön leer und trostlos wirkt die Software

Weder ein Equalizer noch sonstige Einstellungen zur Personalisierung werden geboten. Wir greifen dann doch lieber zur Realtek-Software der Mainboard-Soundkarte zurück und versauen uns nicht mit weiterer Software den Rechner. Zudem verunglimpfen die aktiven Klangeinstellungen von DTS, Surround, Stereo & Co. das Klangbild und lassen einem sogar das Headset vom Kopf nehmen.

Eine weitere nennenswerte Option bietet die Verbindung per Bluetooth. Hier wurde dem Headset sogar der Standard 5.2 spendiert, der uns die Kopplung mit gleich mehreren Geräten ermöglicht. In welcher Form, das Sinn ergibt, ist sicherlich die Sache des Nutzers. Tragisch hingegen ist aber, eine gleichzeitige Nutzung von Bluetooth und dem 2,4 GHz Dongle ist nicht möglich. Durch den Schiebeschalter entsteht das Entweder-oder und kein Zusammenspiel, welches die Bandbreite der Nutzung erweitern würde.

Das grundlegende Klangbild des Philips TAG5106 tritt kraftvoll und gut durchdacht in Erscheinung. Die Tiefen bieten Bass, die Mitten füllen das Klangbild und bieten einen umfassenden Sound, während die Höhen sogar Dialoge und Schritte gut hervorheben. Dennoch zieht sich eine Grenze durch die Treiber, die gerade die Höhen einbremsen und abschwächen lassen. Das absolut beste Ergebnis erreichten wir per Bluetooth, da hier das Headset sogar zu einem musikalischen Hörerlebnis führt. Die Verbindung per USB am PC bezeichnen wir ein wenig als Augenwischerei, da die kostenlose Software mit ihrer DTS-Lizenz nun wahrlich den Klang nicht in Höhe treibt, sondern eher davon abzuraten ist. Hier wirkt alles verfälscht, dumpf oder gar taub. Von einem DTS Headphone:X 2.0 mit 7.1-Kanal-Surround-Sound-Technologie der nächsten Generation für eine opulente und gleichzeitig präzise Geräuschkulisse, wie in der offiziellen Pressemitteilung, können wir indessen nicht sprechen. Lassen wir die Software und andere Spielereien mal weg, kann das Philips TAG5106 ein recht überzeugenden Klang liefern. Die Verbindung mit der PlayStation 5 ist auch möglich und bietet ein unverfälschtes Klangerlebnis, was aber eindeutig viel zu leise ausgegeben wird. Etwas unverständlich, da die Treiber doch an die 101 db liefern sollen – Da müsste uns das Trommelfell gar um das Hirn fliegen.

Bei allem hätten wir fast das Mikrofon vergessen: Da auch hier weder Einstellmöglichkeiten noch anderes geboten wird, es zwar abnehmbar ist und stumm geschaltet werden kann, ist es zweckmäßig. Das Klangbild gleich eher der Rundfunktechnik aus den 70er Jahren. Ihr werdet verstanden und das dürfte für eine Runde Battlefield auch ausreichend sein.

Fazit

Design macht keinen Sound!

Mit dem Philips TAG5106 liefert uns MMD ein Wireless-Headset, welches optisch schick auftritt, aber klanglich und technisch nicht überzeugen kann. Angefangen von der einfachen Auswahl der Materialien, hin zu dem harten Tragekomfort, bis über die magere Software und deren Sound. Das TAG5106 kann maximal als funktionell bezeichnet werden, wobei die mangelhafte Klinkenbuchse hoffentlich ein Einzelfall ist und nur bei unserem Testgerät vorliegt. Rundum passt der Ansatz, aber an die Zeiten wo Philips noch gute Soundsysteme geboten hat, reicht das hier nicht ran. Gegen eine Empfehlung spricht auch der Preis, der mit 99 Euro dem Headset nicht gerecht wird. Für das Geld bieten namhafte Gaming-Peripherie-Anbieter deutlich mehr. Schade, Philips ist vielleicht doch nur noch eine Lizenz und keine namhafte Marke mehr.

Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973
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