Bild: AOC & PE

Hören statt nur sehen: AOC GH300 Gaming-Headset im Test

AOC, ein weltweit bekannter Anbieter von Monitoren für den Business- und Gamingbereich, baut mit der Vorstellung der Gaming-Headsets GH200 und GH300 sein Portfolio im Mai aus und bietet damit den Gamern auch erstmalig Peripherie an. Weitere Produkte sollen in Zukunft folgen. Wir haben uns das GH 300 Gaming-Headset angeschaut und auf die Rübe gesetzt. Der Preis für das GH300 liegt bei 55,90 Euro und kann daher schon mal als günstiger Einstieg bezeichnet werden. Ob AOC der Sprung in die audiophile Welt gelungen ist?

Komfort & Verarbeitung

Grundsolide in hochwertiger Verarbeitung

AOC präsentiert das GH300 in einem schwarzen Karton, der mit seinen roten Akzenten und in Hochglanz gehaltenen Logo und Bildern seine Zugehörigkeit zur AOC-Familie unterstreicht. Hier wird uns schon ein immersiver 7.1 Surround zugesagt und eine Klangqualität der 50 mm Treiber von 24 bit/ 96 kHz. Der erste Auftritt darf als gelungen bezeichnet werden auch, wenn wir zugleich die Einbettung in ein Kunststoffbett als nicht klimafreundlich bezeichnen müssen. Hier hätten wir uns ein Presskarton gewünscht, um auch das Interesse von AOC zur Reduzierung der aktuell laufenden Klimathematik zu spüren.

Halten wir das Headset erstmalig in der Hand spricht uns das Design zugleich an, dessen Verarbeitung grundsolide und auch hochwertig wirkt. Beim Design griff AOC auf die bekannte Y-Gabel des Federbügels – Es hat verdammt viel Ähnlichkeit mit den Headsets von HyperX. Das zeigt sich auch beim Komfort: Der Kopfbügel wurde komplett in Leder gehüllt und auf der kompletten Breite mit einer weichen Polsterung versehen. Abgerundet wird alles mit er roten Ziernaht, die dem Headset auch einen optisch ansprechenden Touch verleiht. Denselben Komfort erleben wir an den Ohrmuscheln, denn sehr sanft und weich werden unsere Ohren komplett umschlossen. Dank des bekannten Federbügels liegt das GH300 sehr angenehm auf unserem Kopf, ohne einen zu straffen Druck auszuüben oder gar von der Rübe zu rutschen.

Etwas zu groß geraten ist die Bedieneinheit.

Der erste Schritt ist AOC sicherlich gelungen, denn es wurde auf viele Faktoren geachtet, die der Gamer von einem Headset erwartet. Doch „Nobody is perfect“. Auch wenn das über 2 Meter lange USB-Kabel mit einem Textil umhüllt wurde, wirkt die Remote-Control-Einheit am Kabel fast schon klobig und schwer. Dies erzeugt einen störenden Effekt oder Anschein, dass mit unserer Bewegung das Headset GH300 vom Kopf gezogen wird. Positiv darf trotz der Größe der Remote-Control-Einheit die Bedienbarkeit hervorgehoben werden. Ein weiterer Punkt, der uns aufgefallen ist, ist das Mikrofon, welches sich nicht ganz in das schöne Design integrieren lassen will. Der silberne „Drahtarm“ erscheint uns zu locker und zu kurz. Aber dafür hat AOC an den Pop-Schutz gedacht, der bei vielen Headsets einfach weggelassen wird – Gerade in dieser Preisklasse ein Pluspunkt.

Bedienung & Handhabung

An alles gedacht, aber noch ausbaufähig

Das GH300 Gaming Headset wird mit einem USB-A-Stecker ausgeliefert und kann daher auch mit der zugehörigen Software 7.1 Surround liefern. Das geht rein theoretisch auch mit dem GH200, welches einen 3,5 mm TRRS-Klinke-Stecker bietet. Dafür wird aber eine entsprechende Soundkarte benötigt. Damit sind wir auch schon beim Thema:

Wie schon angesprochen, ist das GH300 die USB-Variante und liefert uns an den Ohrmuscheln eine RGB-Beleuchtung des AOC-Logos. In unseren Augen ist RGB bei Headsets immer eine Spielerei und keine Notwendigkeit – Schick ist es dennoch. An der Remote-Control-Einheit können wir die RGB-Beleuchtung aber einfach ausstellen. Der extrem große Drehregler ermöglicht uns eine Veränderung der Lautstärke vorzunehmen und das Mikrofon mit einem Klick stumm zu schalten. Diese Einheit hätte am GH300 aber dezenter ausfallen können – Beim GH200 gefällt uns dessen Steuerelement am Kabel, da sie wesentlich dezenter ausgefallen ist. Die zugehörige G-Tools-Software lässt sich auf der hauseigenen Internetseite einfach und schnell herunterladen. Zum Zeitpunkt des Tests stand uns die Version 1.1.3.2 zur Verfügung. Hier kamen wir etwas durcheinander, da der erste Download nicht unseren Vorstellungen entsprach. Erster Download AOC G-Tools App, zweiter Download AOC Audio Center. Die Installation beansprucht etwa 5 Minuten, denn hier werden über 12.720 Elemente kopiert – Das verspricht uns eine sehr umfangreiche Software.

Das AOC Audio Center kann gerne als umfangreich bezeichnet werden, denn hier lässt sich nicht nur die RGB-Beleuchtung in Millionen Farben definieren, sondern auch der Klang mit unterschiedlichen Profilen und XEAR-Audio in voreingestellte Modi einstellen. Leider wurde ein Equalizer vollkommen vergessen, denn die einzelnen XEAR-Audio-Profile muss man mögen. Ob es auch sinnvoll ist, hier eine Einstellung der Abtastrate vornehmen zu können, bezweifeln wir. Letztendlich lässt sich aus einer Tonquelle nicht mehr Klangqualität herausholen, wenn diese nur in 16 Bit bei 48 kHz vorliegt – Hier wird nur das Klangbild verfälscht und kommt nicht mehr ehrlich herüber. Es ändert auch nicht die Hardware-Eigenschaften von unserem USB-Anschluss! Das wird in erster Instanz deutlich, da via USB auf die Soundkarte des Mainboards zurückgegriffen wird, welche in vielen Fällen maximal nur 24 Bit bei 48 kHz liefert. Für eine Klangqualität in 24 Bit bei 96 kHz wird dann schon eine separate Soundkarte vonnöten sein und da lassen sich keine USB-Headsets anschließen. Das lässt sich am besten optisch verdeutlichen, wenn wir ein Bild mit 720p auf einem 4K Monitor hochskalieren. Das Bild wirkt einfach unscharf und pixelig.

Klang & Soundbild

Überraschend überzeugend

Bei unseren Headsets-Tests erwarten wir in der Preisklasse um die 50 Euro eigentlich sehr wenig in puncto Klangqualität. Doch beim AOC GH300 werden wir eines Besseren belehrt. Das GH300 liefert mit seinen 50 mm Drehspulen-Treibern, mit einem Frequenzbereich von 20 Hz – 20 kHz mit 32 Ohm eine Empfindlichkeit von 100 ± 3dB (at 1KH 1mW) und einer maximalen Leistung von 50 mWatt, ein sehr ausgewogenes und überzeugendes Klangbild. Ganz ohne zugehörige AOC G-Tools -Software stehen hier die Höhen und Mitten im sauberen Einklang mit den Tiefen. Sehr ehrlich und sauber offenbart sich der Sound, denn wir so nicht erwartet haben. Selbst an der PlayStation 5 weiß das AOC GH300 zu überzeugen und liefert ein überragendes Klangbild in dieser Preisklasse ab. Hier überlagert der kräftige aber dezente Bass nicht die Höhen und Schritte werden genauso gut wahrgenommen wie kraftvolle Action von Explosionen. Da darf das GH300 auch sehr gerne für das Hören von Musik oder Schauen von Trailern hinzugezogen werden. Ein derartiges schönes Klangbild kennen wir eigentlich nur von Headsets weit über der 100 Euro Preismarke. Uns liefert das AOC GH300 ein klares und ehrliches Klangbild, sodass wir die Software eher als Verschlimmbesserung angesehen haben und es wieder vom Rechner entfernt haben. Die AOC G-Tools-Software macht den Klang nicht deutlich besser, auch wenn uns hier ein 7.1 Surround ermöglicht wird. Da bleiben wir doch lieber beim reinen Stereo-Sound!

Was uns im Design schon ein wenig störend ins Auge gestoßen ist, ist das Mikrofon. Jenes ist nicht nur fest am Headset montiert, sondern auch kein Klangwunder. Es darf gerne als Mittel zum Zweck bezeichnet werden und bildet ein wenig den Widerspruch zum erlebten Klang. Unsere Gesprächspartner verwendeten Aussagen wie „russisches Funkgerät“ oder schlechter Akustik, die unsere Stimme stark verschoben in einem Raum der Kanalisation wahrnehmen lässt. Hier klingt alles ein wenig hohl und schwach. An der PlayStation macht sich zudem ein Rauschen breit, dass wir nicht abschalten oder unterbinden konnten. Rein zur Kommunikation reicht das Mikrofon aus, für Streaming oder Podcasts empfehlen wir dann doch auf ein separates Mikrofon zu setzen.

Fazit

Gelungener Start von AOC

Mit dem GH300 liefert uns AOC ihr erstes Headset ab, dessen erster Wurf ohne zu Zwinkern als gelungen bezeichnet werden kann. Das Design ist ansprechend und wird durch eine saubere Verarbeitung unterstrichen. Das Klangbild überragend, auch wenn die Software noch nicht ganz alles bietet und noch einige Extras benötigt – Ganz ohne Equalizer erübrigt sich ein Download und für das baugleiche GH200, mit 3,5 mm Klinkenstecker, greifen wir eher auf die Software unserer Soundkarte zurück – Da gibt es dann auch eine Klangqualität von 24bit/ 192kHz. Wer auf der Suche nach einem Headset unter 50 Euro ist, kann bedenkenlos zugreifen – Wir empfehlen hier aber sein Geld eher in das GH200 zu investieren und auf das schicke rote samt RGB-Beleuchtung zu verzichten. Das GH300 und auch das GH200 sind gelungene Headsets, die ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und den Gamer nicht nur mit dem wunderbaren Tragekomfort überzeugend, sondern auch mit seinem ehrlichen und sauberen Klangbild.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973