Bild: Turtle Beach & PE

Im schicken Design: Turtle Beach RECON 500 Headset im Test

Anfang Mai kündigte der Gaming-Headset- und Audiozubehör-Hersteller Turtle Beach seinen Neuzugang, das RECON 500, an. Das Headset ist seit 30. Mai in Nordamerika verfügbar und seit heute auch in Deutschland. Wir haben uns das Headset im Vorfeld zu Ohre geführt. Das Turtle Beach Recon 500 wird zu einer UVP von 79,99 Euro gleich in zwei farblichen Varianten angeboten – Schwarz und Arctic Camo.

Die Marke Turtle Beach ist bekannt für bahnbrechende First-to-Market-Features und patentierte Innovationen bei hochwertigen, komfortbetonten Headsets für alle Gamer-Levels, was sie zu einer bei den Fans beliebten Marke und zum Marktführer im Bereich Konsolen-Gaming-Audio für das letzte Jahrzehnt macht. Die Marke ROCCAT von Turtle Beach verbindet detailverliebte deutsche Innovation mit einer echten Leidenschaft für das Design der besten PC-Gaming-Produkte. Unter der Marke ROCCAT stellt Turtle Beach preisgekrönte Tastaturen, Mäuse, Headsets, Mousepads und anderes PC-Zubehör her. Unter der Marke Neat Microphones stellt Turtle Beach hochwertige USB- und Analogmikrofone für Gamer, Streamer und Profis her, die sich durch modernste Technologie und Design auszeichnen.

Komfort & Verarbeitung

Sauber und ordentlich aber viel zu hart

Turtle Beach präsentiert seinen Neuzugang in einem grauen Karton, der uns in englischer und französischer Sprache dessen Features samt Bildern näher bringt. Für den deutschen Markt hätten wir uns gerne eine deutsche Verpackung gewünscht, damit auch jüngere Gamer ihren Eltern von diesem Headset etwas vorschwärmen können, denn immerhin liegt das Headset mit seinen knappen 80 Euro im Taschengeldbereich.

Schon die große Darstellung des Headsets auf der Verpackung bringt uns ein neues Design näher, was in unseren Augen sehr schick wirkt und uns zugleich die riesigen 60 mm Treiber anpreist. Turtle Beach verwendet hier ganz groß den Slogan von revolutionärem Audio. Damit wir diesem Slogan folgen können, öffnen wir die Verpackung. Sehr zum Erstauen wurde das Headset in einem Presskarton eingebettet und punktet daher bei uns beim Thema Klimafreundlichkeit – Das war in der Vergangenheit noch nicht so. Aus hygienischen Gründen wurde das Headset selber aber in eine Folie gehüllt. Neben dem eigentlichen Headset finden wir noch einen kleinen Beipackzettel der Kundenzufriedenheit, einen Turtle Beach Aufkleber, den Quick-Start-Guide und das abnehmbare Mikrofon vor. Auch wenn es sich hierbei um ein Plug & Play Headset mit 3,5 mm Klinke handelt, hätte Turtle Beach die Bedienungsanleitung auch in deutscher Sprache liefern können.

Befreien wir das RECON 500 aus seiner Hülle und halten es erstmals in der Hand, macht sich ein leichter Produktionsgeruch breit, der sich nach kurzer Zeit aber legt. Erstaunt im ersten Anblick sind wir von den vielen Details, denn nicht immer konnte Turtle Beach uns mit ihrem Design überzeugen. Gerade die Schlaufen-artike Aufhängung der Ohrmuscheln in Anthrazit, gepaart mit einer sehr sauberen Verarbeitung, den mit Textil umhüllten Kabeln, die Zwei-Komponenten Ohrpolster mit Leder und Mesh sowie der wunderbare Blick auf die 60 mm Treiber sind im Gesamten schon eine Augenweide. Wäre da nicht das Kopfband, was zwar gut gepolstert ist, aber den Eindruck eines „Fenstergummis“ hinterlässt. Gleiches gilt für das Mikrofon, welches sich nicht ganz in das Design einfügen lässt – Ein Pop-Schutz wäre zudem als Zugabe ganz nett gewesen.

Das Design ist sehr ansprechend und praktisch konzipiert

Durch den verbauten Federbügel im Kopfband können wir den Komfort als passend bezeichnen, denn die in Mesh-Ohrpolster unterbinden nicht nur einen Hitzestau, sondern umschließen unsere Ohren auch komplett. Selbstverständlich lässt sie Größe im Raster verstellen und hält daher auch die Einstellung bei. Leider wirkt das RECON 500 wir eine zu hart ausgewählte Matratze, denn kuschelig und wohlwollend, gar sanft und weich, ist der Komfort nicht – Für unseren Geschmack sind die Memory-Foam-Ohrpolster einfach nicht weich genug, was sich wohl im Laufe der Nutzung erst ergeben wird.

Bedienung & Handhabung

Das Design gibt den Weg vor

Mit dem neuen Design ging Turtle Beach auch keine Kompromisse ein oder konnte das Rad neu erfinden. Das Rädchen zur Regelung der Lautstärke befindet sich sehr zugänglich auf der linken Seite, während die Stummschaltung des Mikrofons sich im Design der linken Ohrmuschel versteckt. Das Wort versteckt ist hier sicherlich nicht ganz passend gewählt, denn gefunden haben wir den Button und er ist auch gut zu erreichen. Die Stummschaltung ist groß genug und mittels einer Gummischicht auch sehr griffig – Ein sehr schönes Designelement. Eine Anzeige oder rot leuchtende LEDs bei geschaltetem Muten gibt es nicht, hier ist der Button dann einfach flächig eben mit dem Design.

Da es sich bei dem RECON 500 um ein kabelgebundenes Headset samt 3,5 mm TRRS-Stecker handelt, kann es so ziemlich an jedes Gerät, Konsole oder PC genutzt werden. Eine Erklärung ist dazu nicht notwendig. Der einzige Punkt, der in Zukunft noch geändert werden sollte ist, dass für die Nachhaltigkeit eines Produktes auch Turtle Beach weg von diesen fest-verbundene Kabeln kommen muss! Ist das Kabel einmal durch Unachtsamkeit oder die Verbindung zum Stecker verschlissen, müssen wir das komplette Headset gleich wegwerfen. Bitte ändert das und bietet austauschbare Kabel sowie Ersatz an – Gleiches gilt für die Ohrpolster!

Klang & Soundbild

Sehr klar & ausgewogen

Beim RECON 500 verbaute Turtle Beach neue 60 mm Treiber, dessen Frequenzbereich uns Turtle Beach leider nicht offenbart. Auch weitere technische Angaben konnten wir nicht zu den Treiber finden und so müssen wir vom allgemeinen Standard ausgehen, der sich wohl im Bereich von 20 Hertz bis 20.000 Hertz bewegt. Turtle Beach spricht nur von patentierten „Eclipse“ Dual-Treibern, die im Zusammenspiel mit den „Accutune“ Ohrmuscheln für das gewisse Erlebnis im Sound sorgen sollen. Hier preist Turtle Beach das Headset auch als weltweit erstes Headset mit Dual-Treibern an – Das liegt sicherlich im Auge des Betrachters, denn schlecht ist die Technologie nicht. Zugleich wissen wir aber, dass es auch andere Headsets mit dieser Technologie gibt. Gleiches lässt sich über das Mikrofon sagen, denn auch hier fanden wir keine Angaben zum Frequenzbereich oder gar deren Bauform. Auch hier spricht Turtle Beach nur von einem TruSpeak-Mikrofon mit Geräuschunterdrückung.

In unserem ersten Soundtest waren wir sehr angetan, denn Klarheit und präziser Klang machen sich breit, der zwar etwas abgeschnitten als Höhen-lastig bezeichnet werden kann, aber mit Volumen spürbar ist. Bass in Form eines Ghettoblasters bekamen wir nicht zu spüren, was gerade Zockern von Shootern sehr entgegenkommen wird. Auf das Vorhandensein der Tiefen braucht aber nicht verzichtet werden, denn ordentlich reinhauen kann das RECON 500 allemal. Der Sound kommt sehr sauber und detailliert an, auch wenn wohl das Standard-Frequenzband hier, in gewissen Bereichen den Sound einfach abreißen lässt. Es fehlt ein wenig die Abmischung und das Zusammenspiel zwischen den Höhen und Tiefen, die hin und wieder im Grenzbereich die Mitten einfach herauswerfen und übergehen. Im Gamingbereich kann das aber als gewollt und gezielt bezeichnet werden, ist aber im musikalischen Bereich nicht erwünscht und lässt damit gewisse Bereiche blechern oder gar hohl klingen. Dieser Effekt verschwindet erst mit einer zunehmenden Lautstärke wieder, aber im Dauerbetrieb immer „volle Pulle“ aufgedreht zocken zu müssen, kommt keinem Ohr gut – Das Turtle Beach RECON 500 kann mächtig laut, verliert aber bei niedriger Lautstärke deutlich an Tiefen und Mitten.

Wie schon erwähnt, macht Turtle Beach keine Angaben zur Bauform und verfügbaren Frequenz des Mikrofons und so ist ein wenig raten und probieren angesagt gewesen. In erster Linie verrichtet das Mikrofon schon mal seinen Dienst und eine gute verständliche Kommunikation in den Spielen ist gegeben. Der fehlende Pop-Schutz macht sich aber bemerkbar, denn Atem-Geräusche werden wunderbar mit übertragen. Hier sollte eventuell selber „nachgerüstet“ werden. Auch wird durch die verbauten Materialien beim RECON 500 die Handhabung mit dem Headset zu sehr mitübertragen. Die Sprachqualität darf gerne als Mittelmaß und zweckdienlich bezeichnet werden und daher sollte das Mikrofon maximal in Game-Chats verwendet werden und nicht mit beim Streaming oder Kommentieren von Videos genutzt werden. Zu hohl, zu viel Höhen und so ist das Mikrofon das Einfachste, was der Markt hergibt. Dieses Phänomen ist aber in der Preisklasse ganz normal und üblich – Ein großes Wunder haben wir jetzt nicht erwartet.

Fazit

Grundsolide und damit…

… ein weiterer Kandidat, den Gamer gerne mit in die engere Auswahl eines Headsets in der Preisklasse unter halb der 100 Euro ziehen können. Die Frage bleibt aber, ob das RECON 500 sich selbst in der eigenen Turtle-Beach-Familie durchsetzen kann, denn immerhin ist das Angebot sehr vielfältig von Roccat und Turtle Beach. Zählen wir nun die vielen weiteren Headsets auf dem Markt hinzu, wird es für das RECON 500 sehr schwierig, hier als erste Wahl in Betracht gezogen werden zu können. Das RECON 500 von Turtle Beach kann im klanglichen Bereich überzeugen, im Komfort ist es zwar flexibel aber in den Polstern zu hart, während das Mikrofon für eine reine Verständigung ausreichend ist. Wer bisher mit einem Turtle Beach sehr zufrieden war, wird auch das RECON 500 lieben. Sind wir aber ganz ehrlich, so sind wir schon besser verwöhnt worden und es lohnt sich dann doch, etwas mehr Geld in ein Headset zu investieren. Für einen Preis von 80 Euro erhalten aber gerade „Taschengeld-Jünger“ ein Headset, das sie sich näher ansehen sollten!

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973