Mit dem Tour One M2 präsentierte JBL ein ambitioniertes Kopfhörermodell, das gezielt für das Premium-Segment entwickelt wurde. Ausgestattet mit fortschrittlichen Technologien wie „True Adaptive Noise Cancelling“ und dem Versprechen des „Legendary Pro Sound“, positionierte sich der Kopfhörer als ernstzunehmende Alternative zu den etablierten Modellen von Marken wie Sony und Bose. Eine Fülle intelligenter Funktionen, darunter Personi-Fi 2.0 und Smart Talk, unterstrich diesen Anspruch.
Interessanterweise hat sich die Marktposition des Tour One M2 seit seiner Einführung jedoch grundlegend gewandelt. Eine deutliche Preisreduktion von der ursprünglichen unverbindlichen Preisempfehlung von rund 330 € auf einen Straßenpreis, der heute oft unter 170 € liegt, hat die Bewertungsgrundlage verschoben.
Diese Entwicklung führt zur zentralen Frage dieses Tests: Wie schlägt sich der JBL Tour One M2 unter diesen neuen preislichen Rahmenbedingungen? Ein Kopfhörer, der ursprünglich als Premium-Anwärter konzipiert war, konkurriert nun preislich eher mit Mittelklasse-Modellen, bringt aber weiterhin die Ausstattung der Oberklasse mit. Dieser Test analysiert, ob der JBL Tour One M2 durch diesen Wandel zu einer der attraktivsten Kaufentscheidungen auf dem Markt geworden ist und seine Stärke vor allem im herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis liegt.

Design, Verarbeitung und Tragekomfort: Eleganz für den Dauerlauf?
Materialien und Haptik
Der erste Eindruck des JBL Tour One M2 ist unmissverständlich premium. Die Materialwahl zeugt von Sorgfalt und einem Auge für Ästhetik. Die Ohrmuscheln und der Bügel sind mit einem matten Kunststoff überzogen, der sich nicht nur angenehm und hochwertig anfühlt, sondern auch unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken ist. Kombiniert wird dies mit weichem, geschmeidigem Kunstleder an den Ohrpolstern und der Innenseite des Kopfbügels. Dezente, glänzende Akzente aus Metall an den Gelenken verleihen dem Kopfhörer, der in Schwarz und Champagner erhältlich ist, ein elegantes und zeitloses Finish. Die Gesamtverarbeitung ist erstklassig: Der Kopfhörer fühlt sich robust und stabil an, die Gelenke sind präzise, und es gibt keinerlei Anzeichen von Knarzen oder Quietschen, selbst bei Bewegung.
Ergonomie und Langzeittauglichkeit
Beim ersten Aufsetzen überzeugt der Tour One M2 auf ganzer Linie. Mit einem Gewicht von rund 278 Gramm ist er angenehm leicht. Die Ohrpolster sind butterweich und umschließen die Ohren vollständig, ohne unangenehmen Druck auszuüben. Der Anpressdruck ist perfekt ausbalanciert: sicher genug für den Alltag, aber niemals zu fest.
Bei längeren Hörsessions von über einer Stunde zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Dann kann das Gewicht des Kopfhörers spürbar werden und ein leichter Druckpunkt am Scheitel des Kopfes entstehen. Dies deutet darauf hin, dass die Polsterung des Kopfbügels für eine perfekte Gewichtsverteilung über viele Stunden hinweg etwas dicker sein könnte. Für den täglichen Pendelverkehr oder eine zweistündige Filmsession ist der Komfort exzellent. Wer jedoch einen Kopfhörer für einen achtstündigen Arbeitstag sucht, könnte dies als leichten Nachteil empfinden. Wie bei allen geschlossenen Over-Ear-Modellen ist zudem mit einer leichten Wärmeentwicklung an den Ohren zu rechnen.
Praxistauglichkeit im Alltag
Für den mobilen Einsatz ist der Tour One M2 bestens gerüstet. Er lässt sich flach zusammenfalten und die Ohrmuscheln sind schwenkbar, was ihn angenehm kompakt für den Transport macht. Das mitgelieferte Hartschalen-Etui ist nicht nur schick, sondern auch äußerst robust und schützt den Kopfhörer zuverlässig. Im Inneren befindet sich eine kleine, mit Klettverschluss gesicherte Tasche, die Platz für das Zubehör bietet: ein USB-C-Ladekabel, ein 3,5-mm-Audiokabel und ein Flugzeugadapter sind im Lieferumfang enthalten.

Klangqualität: Der „Legendary Pro Sound“ auf dem Prüfstand
Die Klangperformance des JBL Tour One M2 ist facettenreich und muss in zwei klar getrennten Szenarien bewertet werden: dem kabellosen Bluetooth-Betrieb und der kabelgebundenen Wiedergabe.
Tonalität und Grundcharakter (Bluetooth)
Im kabellosen Betrieb liefert der Tour One M2 ein Klangbild, das unverkennbar die Handschrift von JBL trägt: spaßig, druckvoll und auf die breite Masse zugeschnitten.
- Bass: Der Tieftonbereich ist das Fundament des Klangs. Der Bass ist kräftig, reicht tief hinab und erzeugt einen spürbaren „Rumble“, ohne jedoch die Kontrolle zu verlieren. Im wichtigen Mid-Bass-Bereich bleibt er sauber und präzise, sodass kein matschiges Dröhnen entsteht. Der Gesamtklang ist dadurch leicht warm und füllig, was zu einem angenehmen, einhüllenden Hörerlebnis führt.
- Mitten: Die Mitten treten im Vergleich zu den Bässen und Höhen etwas in den Hintergrund, was auf eine leichte V-förmige Abstimmung hindeutet. Stimmen können dadurch manchmal etwas kühl oder distanziert wirken. Dennoch bleibt die Instrumententrennung sauber und die Mitten sind präsent genug, um nicht unterzugehen.
- Höhen: Der Hochtonbereich ist klar und knackig, ohne jemals scharf oder anstrengend zu werden. Er wirkt sanft und gut ausgedehnt, was zu einem ermüdungsfreien Hören auch bei längeren Sessions beiträgt.
Die räumliche Darstellung (Soundstage) ist für einen kabellosen Kopfhörer bemerkenswert breit und bietet eine gute Tiefenstaffelung, was die Musik offen und nicht eingeengt klingen lässt.
Digitale Klangformung
Ein zentrales Merkmal des Tour One M2 ist die umfangreiche Anpassbarkeit über die JBL Headphones App. Der integrierte 10-Band-Equalizer ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem sich der Klang präzise an den persönlichen Geschmack anpassen lässt. Voreinstellungen wie „Studio“ reduzieren die leichte Bassbetonung und sorgen für ein strafferes Klangbild.
Die Funktion Personi-Fi 2.0 verspricht eine noch tiefere Personalisierung durch einen Hörtest. In der Praxis erweist sich der Prozess als etwas umständlich und das Ergebnis bringt nicht für jeden eine deutlich hörbare Verbesserung, teilweise scheint es sogar klangliche Artefakte zu erzeugen.
Das ebenfalls beworbene JBL Spatial Sound ist eine virtuelle Surround-Funktion. Für Musikwiedergabe ist es als Gimmick zu betrachten, da es den Klang oft unnatürlich und metallisch verfälscht. Bei Filmen oder Spielen kann es die Immersion jedoch leicht steigern, ohne das Niveau von dedizierten Formaten wie Dolby Atmos zu erreichen.

Kabelgebundener Betrieb vs. Bluetooth
Hier offenbart sich die gespaltene Persönlichkeit des Tour One M2. Kabellos unterstützt er lediglich die Standard-Codecs SBC und AAC. Auf höherauflösende Codecs wie LDAC oder aptX wurde verzichtet. Das auf der Verpackung prangende „Hi-Res Audio“-Logo bezieht sich daher ausschließlich auf den passiven, kabelgebundenen Betrieb.
Es lässt sich bestätigen, dass der Klang über Kabel deutlich an Klarheit, Kraft und Detailreichtum gewinnt. Der Tour One M2 ist somit ein sehr guter kabelgebundener Kopfhörer und ein guter kabelloser Kopfhörer – ein entscheidender Unterschied.
Active Noise Cancelling (ANC): Die Kunst der Stille
Die aktive Geräuschunterdrückung des Tour One M2 zählt zu den Kernfunktionen. In der Praxis erweist sich das ANC als sehr effektiv. Es reduziert tieffrequente, monotone Geräusche wie das Dröhnen von Flugzeugtriebwerken oder das Rumpeln eines Zuges zuverlässig und schafft eine spürbare Oase der Ruhe.
Im direkten Vergleich mit den absoluten Marktführern von Sony und Bose muss sich der JBL jedoch geschlagen geben. Die Konkurrenz ist bei der Unterdrückung von unregelmäßigen, mittleren Frequenzen, wie beispielsweise Stimmen im Büro, noch eine Stufe effektiver. Die adaptive Funktion des JBL, die das ANC-Niveau in Echtzeit an die Umgebung anpasst, arbeitet zwar, doch die Änderungen der Isolationsstufe sind gelegentlich hörbar.
Neben der Geräuschunterdrückung bietet der Tour One M2 auch exzellente Transparenzmodi:
- Ambient Aware: Dieser Modus lässt Umgebungsgeräusche klar und relativ natürlich durch, ohne die Musiklautstärke zu beeinflussen. Ideal, um im Stadtverkehr aufmerksam zu bleiben.
- TalkThru: Dieser Modus senkt die Musik auf ein Flüstern ab und hebt Stimmen hervor, um kurze Gespräche zu ermöglichen, ohne den Kopfhörer abnehmen zu müssen.
- Personal Sound Amplification: Als zusätzliche Funktion in der App kann dieser Modus Umgebungsgeräusche und insbesondere Stimmen verstärken, was einer Hörhilfe ähnelt. Für manche mag das nützlich sein, der Klang wirkt aber etwas künstlich.
Für seinen aktuellen Preisbereich bietet der Tour One M2 eine ANC-Leistung, die weit über dem Durchschnitt liegt.

Bedienung, Akku und Konnektivität: Das smarte Fundament
Bedienkonzept
JBL setzt beim Tour One M2 auf eine Mischung aus physischen Tasten und einer Touch-Oberfläche. An der rechten Ohrmuschel finden sich ein praktischer Schiebeschalter für Ein/Aus und Bluetooth-Pairing sowie eine Lautstärkewippe. Die gesamte Außenseite dieser Ohrmuschel fungiert als Touch-Panel. An der linken Ohrmuschel ist eine Taste zum Durchschalten der ANC-Modi platziert. Während die physischen Tasten einen klaren Druckpunkt haben, erweist sich die Touch-Fläche als überempfindlich, was zu versehentlichen Eingaben führen kann.
Akkulaufzeit und Ladeleistung
Die Akkulaufzeit ist eine der herausragendsten Stärken. Die offiziellen Angaben von bis zu 30 Stunden mit ANC und 50 Stunden ohne ANC werden in unabhängigen Tests nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen. So wurden in einem Testlabor knapp 45 Stunden mit ANC und fast 80 Stunden ohne ANC gemessen. Damit ist der Kopfhörer ein echter Dauerläufer. Die Schnellladefunktion ist ebenfalls exzellent: 10 Minuten am Ladekabel genügen für weitere 5 Stunden Wiedergabezeit.
Konnektivität und die JBL Headphones App
Der Tour One M2 ist mit Bluetooth 5.3 ausgestattet, was eine stabile Verbindung gewährleistet. Die Bluetooth-Multipoint-Funktion, die eine gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten ermöglicht, funktioniert in der Praxis zuverlässig. Das wahre Herzstück ist jedoch die JBL Headphones App. Sie ist außergewöhnlich umfangreich und gilt als eine der besten Begleit-Apps auf dem Markt. Hier lassen sich sämtliche Einstellungen vornehmen: von der Feinjustierung des ANC über den 10-Band-Equalizer bis hin zur Anpassung der Gestensteuerung.
Sprachqualität und intelligente Alltagshelfer
Mikrofon-Performance für Anrufe
Die Qualität der verbauten Mikrofone ist der wohl umstrittenste Aspekt des Tour One M2. Die Leistung erweist sich als inkonsistent. In ruhigen Umgebungen wird die Stimme des Sprechers klar und deutlich übertragen. In lauteren oder windigen Situationen wirkt die Stimme jedoch verzerrt und unnatürlich.
Für Nutzer, die ihre Kopfhörer primär für geschäftliche Telefonate benötigen, stellt dies ein Risiko dar. Eine nützliche Funktion ist VoiceAware, mit der sich die Lautstärke der eigenen Stimme im Kopfhörer regeln lässt.
Die „Smart Talk“-Funktion erkennt, wenn der Nutzer zu sprechen beginnt, pausiert automatisch die Musik und aktiviert den Transparenzmodus. In der Praxis erweist sich dieser Mechanismus jedoch oft als zu empfindlich. Ein kurzes Räuspern oder Husten kann die Funktion unbeabsichtigt auslösen, was schnell störend werden kann. Obwohl die Empfindlichkeit in der App justierbar ist, bleibt die Funktion in ihrer jetzigen Form für den Alltagsgebrauch eher unausgereift.
Fazit: Der smarte Angriff auf die Oberklasse

Der JBL Tour One M2 ist ein Kopfhörer, dessen Geschichte eine Lektion über Preis und Leistung ist. Zum vollen Preis war er ein solider Konkurrent. Zum aktuellen Marktpreis jedoch verwandelt er sich in einen der überzeugendsten Kopfhörer, die man für Geld kaufen kann. Er ist ein Paradebeispiel für ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Der JBL Tour One M2 ist die perfekte Wahl für den pragmatischen Genießer. Er ist für all jene, die verstehen, dass man für 80% der Leistung der Spitzenmodelle nicht 100% des Preises zahlen muss. Wer einen ausdauernden, gut klingenden und komfortablen Begleiter für Reisen und den Alltag sucht und bereit ist, geringfügige Kompromisse bei Mikrofon und ANC einzugehen, macht mit dem JBL Tour One M2 einen herausragenden Kauf.
Er ist vielleicht nicht der unangefochtene König der Performance, aber er ist ein starker Anwärter auf den Thron des Preis-Leistungs-Champions.
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