Jotunnslayer Hordes of Hel im Test – ein göttliches Gemetzel


Wir tauchen ein in ein nordisches Gemetzel, ein optisches Spektakel, das sich überraschend aktiv spielt. Jotunnslayer Hordes of Hel mischt die bewährte Formel mit neuen Ideen, doch unter der polierten Oberfläche verbergen sich Mängel, die das göttliche Chaos trüben. Ein fesselnder Ritt, der uns bei jeder Kurve herausfordert, aber nicht ohne schmerzhafte Stolpersteine.

Als wir Jotunnslayer Hordes of Hel zum ersten Mal auf der PS5 starteten, waren wir, offen gestanden, mit einer gewissen Skepsis erfüllt. Die Welt der „Survivors-like“- oder „Bullet-Heaven“-Spiele ist seit dem bahnbrechenden Erfolg von Vampire Survivors überschwemmt worden, und die Befürchtung lag nahe, dass es sich hierbei nur um eine weitere, seelenlose Kopie handeln könnte. Viele Vertreter dieses Genres setzen auf einen simplen 2D-Pixelstil, der oft an Retro-Spiele erinnert und die schiere Masse an Gegnern in den Vordergrund stellt. Wir waren daher gespannt, welchen Weg die Entwickler mit ihrem Titel einschlagen würden.

Unsere Zweifel lösten sich jedoch in den ersten Minuten rasch in Luft auf. Statt einer simplen Ästhetik präsentierte sich Jotunnslayer mit einer düsteren, isometrischen 3D-Welt und einem grafischen Stil, der frappierend an Spiele wie Diablo erinnert. Die visuelle Aufmachung wirkte von Anfang an bemerkenswert hochwertig und professionell, was dem Titel eine umgehende Aura von Gewicht und Qualität verlieh. Es ist evident, dass das Spiel von einer längeren Early-Access-Phase auf dem PC profitiert hat, denn bei seiner Veröffentlichung auf der PS5 fühlte es sich nicht wie ein unfertiges Projekt an, sondern wie ein gereiftes Werk mit einem soliden Fundament.

Die visuelle Identität ist das primäre Unterscheidungsmerkmal und zugleich die erste „Täuschung“ des Spiels. Wo andere Genre-Vertreter bewusst auf Simplizität setzen, um das chaotische Gameplay nicht zu überfordern, positioniert sich Jotunnslayer als ein visuell aufwendiges AAA-Anwärter-Erlebnis in einem ansonsten eher Indie-geprägten Genre. Dieses Design schafft eine sofortige und starke Verbindung zum Spieler, die über die reine Spielmechanik hinausgeht. Es zwingt uns, unsere vorgefertigten Meinungen über den Grafikstil des Genres zu überdenken und fesselt das Publikum, bevor die Kernmechaniken voll greifen können. Das anfängliche visuelle Schaufenster wirkt als mächtiger Köder, der die Neugier weckt und uns dazu bringt, die tieferen Schichten des Erlebnisses zu erkunden.

Das Herzstück von Jotunnslayer ist eine vertraute, doch erfrischend abgewandelte Formel. Wir wählen einen der verfügbaren Helden, wie den Berserker, die Seherin oder den Revenant, und stürzen uns in eine Arena, um uns durch endlose Horden von Kreaturen zu kämpfen. Doch anstelle eines passiven Überlebens bis zum Ablauf eines Zeitlimits stellt uns das Spiel vor dynamische Aufgaben, die während jedes Laufs erscheinen. Wir müssen bestimmte Minibosse zur Strecke bringen, Pilze sammeln oder uns in einem zeitlich begrenzten Sturm behaupten. Dieses System zwingt uns dazu, uns permanent zu bewegen und unsere Prioritäten anzupassen. Es ist eine bewusste Abkehr von dem oft passiven Ansatz, bei dem wir einfach nur an einer Stelle verharren, während unsere automatischen Angriffe die Arbeit erledigen. Stattdessen drängt uns Jotunnslayer in eine aktivere, zielgerichtete Rolle.

Jeder unserer Helden verfügt über eine eigene Spielweise und einzigartige Fähigkeiten, die ihn vom Rest der Gruppe abheben. Der Revenant, zum Beispiel, ist ein Meister der Fernkontrolle, der mit Pfeilen und Massenkontrollfähigkeiten wie Grappling Web oder Necrotic Rain Horden effizient dezimieren kann. Im Kontrast dazu entfesselt der Berserker sein volles Potenzial im Nahkampf, regeneriert Gesundheit, indem er Schaden anrichtet, und kann in einem „Rage Mode“ unaufhaltsam werden. Die wahre spielerische Vielfalt entfaltet sich jedoch im Zusammenspiel mit den göttlichen Kräften. Während eines Laufs können wir Segen von Gottheiten wie Odin, Thor, Loki und Freya erhalten, die unsere Fähigkeiten auf unzählige Arten verbessern. Es gibt sowohl automatisch ausgelöste Angriffe wie Thors Blitze als auch passive Buffs, die unsere Widerstandsfähigkeit erhöhen. Besonders hervorzuheben ist, dass die permanenten Segen der Götter für alle Charaktere gelten, was den Metaprogression enorm bereichert und uns immer das Gefühl gibt, dass jeder Lauf zu einem dauerhaften Fortschritt beiträgt.

Ein großes Plus ist die Möglichkeit, unsere investierten Skill-Punkte jederzeit und ohne Kosten neu zu verteilen. Dies fördert das Experimentieren mit verschiedenen Builds und ermutigt uns, neue Helden auszuprobieren, ohne Angst haben zu müssen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Allerdings ist der Grind, um die mächtigsten gottgleichen Fähigkeiten und die ultimativen Klassenupgrades freizuschalten, nicht von der Hand zu weisen und kann mit der Zeit eine gewisse Monotonie aufweisen. Die Arenen selbst sind visuell beeindruckend, aber bieten in ihrer Struktur leider wenig Abwechslung, was die Wiederholung der Läufe nach einigen Stunden spürbar werden lässt.

Das Spieldesign von Jotunnslayer Hordes of Hel stellt eine direkte und bewusste Reaktion auf eine der Hauptkritiken am „Vampire Survivors“-Genre dar: die Passivität der Spieler. Kritiker haben oft bemängelt, dass solche Spiele den Spieler in eine Rolle drängen, in der man im Grunde nur herumläuft und zusieht, wie die automatischen Angriffe die Arbeit verrichten. Jotunnslayer begegnet dem, indem es Missionsziele und manuelle Fähigkeiten wie einen Ausweich-Button und eine optionale manuelle Zielfunktion integriert. Diese Mechaniken sind keine Zufallsprodukte, sondern gezielte Designentscheidungen, die die Spieleragentur erhöhen sollen. Dies transformiert den Kern des Spiels von einem reinen Survival-Erlebnis zu einem aktiveren, zielgerichteten Roguelite, was die Spielerbindung spürbar erhöht und das Gefühl der Macht und des Fortschritts verstärkt. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Titel das grundlegende Konzept eines Genres aufgreifen, es aber mit gezielten Anpassungen so verändern kann, dass ein frisches und fesselndes Erlebnis entsteht.

In seiner technischen und künstlerischen Umsetzung ist Jotunnslayer Hordes of Hel zweifellos ein visuelles Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Die 3D-Grafiken sind hervorragend umgesetzt, und die Partikeleffekte, die den Bildschirm in ein echtes Feuerwerk aus Blitzen, Explosionen und magischen Auren verwandeln, sind eine der größten Stärken des Titels. Dieser Stil hebt sich deutlich vom simplen Genre-Standard ab und verstärkt das Gefühl, wahrhaft göttliche Kräfte zu entfesseln, wenn wir uns durch die Horden von Helskreaturen schneiden.

Die Leistung auf der PS5 ist dabei ambivalent. Während wir auf den normalen Schwierigkeitsgraden eine überwiegend bewundernswerte Performance feststellen konnten und Ladezeiten blitzschnell sind , leidet die Bildrate merklich und störend, sobald wir uns an die höchsten Schwierigkeitsgrade oder den Endlosmodus wagten. Die schiere Masse an konstanten Gegnern und Effekten treibt das Spiel in die Knie und führt zu spürbaren Rucklern, die das Spielerlebnis beeinträchtigen. Die Einbindung des DualSense-Controllers ist, wie eine Kritik es treffend beschreibt, „bescheiden, aber effektiv“.

Die haptischen Vibrationen vermitteln ein gutes, taktiles Gefühl für Treffer und Ausweichmanöver, doch die adaptiven Trigger kommen kaum zum Einsatz. Es handelt sich um eine solide Implementierung, die das Spielerlebnis spürbar bereichert, ohne dabei die technischen Möglichkeiten des Controllers voll auszureizen. Der Sound liefert ein gespaltenes Bild. Während die Soundeffekte, insbesondere das befriedigende Geräusch, wenn wir eine Horde vernichten, gut gelungen und passend sind , ist die musikalische Untermalung ein Schwachpunkt. Sie ist leider oft repetitiv und „schmerzhaft langweilig“ , was dem epischen Wikinger-Szenario nicht immer gerecht wird. Obwohl es einen epischen Soundtrack gibt, der separat erhältlich ist, spiegelte sich diese Qualität nicht durchgehend im Spiel selbst wider.

Die visuelle Überfrachtung, obwohl ein optischer Pluspunkt, birgt einen inhärenten Nachteil. Das Spiel ist so vollgepackt mit Effekten, dass es uns in den höheren Schwierigkeitsgraden manchmal schwerfällt, unseren eigenen Charakter in der Fülle des Geschehens auszumachen. Die Lawine aus Explosionen, Blitzen und gegnerischen Projektilen führt dazu, dass wir unter Stress geraten und die Übersicht verlieren. Dies ist etwas, das Genre-Konkurrenten von Vampire Survivors oder Army of Ruin deutlich besser hinbekommen. Es stört die Immersion und beeinträchtigt die Klarheit im Kampfgeschehen. Es ist ein klassischer Zielkonflikt im Spieldesign, bei dem die Entwickler zwischen ästhetischer Pracht und funktionaler Klarheit abwägen müssen – ein Dilemma, das hier nicht vollständig gelöst werden konnte.

Jotunnslayer Hordes of Hel ist ein solides Spiel, das sich nicht als bloße Kopie anderer Titel versteht. Seine Stärken liegen in der fesselnden Missionsstruktur, dem umfangreichen und anpassbaren Fortschrittssystem und der atemberaubenden Grafik. Die Bosskämpfe und die Vielfalt der Builds sind klare Highlights, die uns immer wieder zu einer neuen Runde verleiteten und das typische „Nur noch ein Lauf“-Gefühl hervorriefen. Die Schwächen, wie die repetitive Natur der Umgebungen und die oft eintönige Musik, sind zwar vorhanden, trüben das Gesamterlebnis jedoch nur bedingt.

Im direkten Vergleich mit Genre-Größen wie Vampire Survivors mag Jotunnslayer Hordes of Hel nicht so viel Langzeit-Content bieten. Es ist auch nicht so revolutionär wie andere Neuerscheinungen, die das Genre weiterentwickeln. Doch das Spiel ist eine sehr gut umgesetzte und visuell ansprechende Variante mit eigenen, pfiffigen Ideen, die es verdient, beachtet zu werden. Fans von Horden-Survival-Spielen, die eine grafisch aufwendige Variante mit aktivem Gameplay suchen, werden auf ihre Kosten kommen.

Jotunnslayer Hordes of Hel ist ein sehr gut umgesetzter und visuell ansprechender Vertreter seines Genres. Wer eine Roguelite-Erfahrung mit aktivem Gameplay, spannender Missionsstruktur und einem einzigartigen grafischen Stil sucht, wird hier definitiv fündig. Die Ambivalenz in der Performance und die visuelle Überfrachtung auf den höchsten Schwierigkeitsgraden trüben das Erlebnis zwar etwas, mindern aber nicht den Spielspaß. Unterm Strich ist es eine lohnende Ergänzung für die Bibliothek von PS5-Spielern.

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