Bild: Capcom

Monster Hunter Stories 3 Twisted Reflection im Test: Taktik, Monsties und Spiegelwelten

Wir begeben uns in eine faszinierende Welt voller bekannter Kreaturen und neuer Gefahren. Mit dem neuesten Ableger beweist die Serie eindrucksvoll, warum sie sowohl Veteranen als auch Neulinge in ihren Bann zieht.

Das Hauptmenü erstrahlt in prächtigen Farben und die erste Zwischensequenz zieht uns unmittelbar in die Geschichte rund um das titelgebende Twisted Reflection Phänomen hinein. Wir übernehmen die Rolle eines Riders, der eine tiefe emotionale Bindung zu den Bestien aufbaut. Der Einstieg gestaltet sich dabei unglaublich geschmeidig. Die Entwickler machen den Titel zum bisher zugänglichsten Ableger der Marke. 

Wir werden behutsam an die grundlegenden Mechaniken herangeführt, ohne dass uns langwierige Tutorials aus dem Spielfluss reißen. Es ist ein Balanceakt, den das Spiel bravourös meistert, weshalb wir uns von der ersten Minute an willkommen fühlen. Gleichzeitig bemerken wir früh, dass die narrative Ebene düsterere Töne anschlägt als noch in der Vergangenheit. Die Bedrohung durch eine mysteriöse, spiegelbildliche Dimension, welche die Flora und Fauna der Umgebung verzerrt, verleiht der Handlung eine spannende Dringlichkeit. Diese Prämisse motiviert uns ungemein, jeden Winkel der weitläufigen Areale zu erkunden. 

Obwohl der Funke sofort überspringt, ertappen wir uns gelegentlich bei dem Gedanken, dass die allerersten Spielstunden sehr linear ausfallen. Wir beschreiten zunächst enge Pfade, bevor sich die Welt öffnet. Dennoch überwiegt die Vorfreude auf das, was uns im weiteren Verlauf dieser epischen Reise erwartet, denn das Fundament für ein großartiges Rollenspiel ist unverkennbar gelegt. Die Spannung wächst mit jedem gelösten Rätsel. 

Das erste Treffen mit unserem künftigen Begleiter ist wundervoll inszeniert. Man merkt sofort, dass hier viel Leidenschaft in das World-Building geflossen ist.

Die Charaktere, denen wir in den idyllischen Anfangsdörfern begegnen, besitzen Charme und tragen zur dichten Atmosphäre bei. Jeder Dialog wirkt durchdacht und verleiht der Umgebung eine glaubhafte Lebendigkeit. So verbringen wir gerne zusätzliche Zeit damit, mit den Dorfbewohnern zu plaudern, bevor wir uns in die unwirtlicheren Gebiete vorwagen.

Das Herzstück von Monster Hunter Stories 3 bildet zweifelsohne das tiefgreifende und gleichzeitig leicht verständliche Kampfsystem sowie die motivierende Suche nach neuen Monsties. In den rundenbasierten Kämpfen nutzen wir das Schere-Stein-Papier-Prinzip. Kraft schlägt Technik, Technik besiegt Geschwindigkeit und Geschwindigkeit triumphiert über Kraft, was strategische Tiefe entfaltet. 

Wir müssen die Verhaltensmuster unserer Kontrahenten genau studieren, um ihre Angriffe vorauszuahnen und unsere eigenen Manöver gut darauf abzustimmen. Sobald wir die Schwächen eines Feindes durchschaut haben, füllen wir unsere Bindungsanzeige und entfesseln gemeinsam mit unserem tierischen Partner verheerende Spezialattacken. Diese Manöver fühlen sich unglaublich befriedigend an und belohnen aufmerksames Vorgehen in jedem Gefecht.

Abseits der actionreichen Gefechte verbringen wir zahlreiche Stunden damit, durch zufallsgenerierte Höhlen zu schleichen. Das Ziel ist es, Eier zu stehlen, um sie später im Dorf auszubrüten. Diese Mechanik weckt unseren inneren Entdeckerdrang und sorgt für einen geradezu süchtig machenden Kreislauf. Ständig wollen wir weitere Nester plündern, um Exemplare mit starken Genen zu ergattern. 

Die Möglichkeit, das Erbgut unserer Schützlinge gezielt zu manipulieren, bietet passionierten Züchtern enormen Freiraum. Wir können Fähigkeiten kreuzen, die dem jeweiligen Wesen von Natur aus fremd sind, was zu überraschenden und äußerst schlagkräftigen Kombinationen führt. Ein flammenspeiender Lagombi oder ein eisiger Rathalos sind nur die Spitze des Eisbergs.

Leider birgt diese Medaille auch eine Schattenseite. Um die perfekten Begleiter heranzuzüchten, kommen wir nicht umhin, bestimmte Areale immer wieder abzusuchen. Dieser Vorgang kann stellenweise ermüdend wirken, besonders wenn das Glück einfach nicht auf unserer Seite ist. Hinzu kommt, dass einige der optionalen Nebenquests sehr generisch ausfallen. Oft sollen wir lediglich bestimmte Gegner besiegen oder simple Gegenstände abliefern. Hier hätten wir uns deutlich mehr Kreativität gewünscht, um die abseits des Hauptweges liegenden Aufgaben aufzuwerten.

Nichtsdestotrotz überwiegt der pure Spielspaß deutlich. Die Navigation durch die Landschaften geht dank der individuellen Reitfähigkeiten unserer Reittiere wunderbar flüssig von der Hand. Wir klettern an steilen Ranken empor, schwimmen durch reißende Flüsse oder fliegen majestätisch über weite Täler hinweg. Jedes Fortbewegungsmittel eröffnet frische Pfade und belohnt die Rückkehr in alte Gebiete mit Schätzen. Der Spielfluss bleibt dadurch angenehm dynamisch, was die genannten Schwächen bei der Missionsgestaltung oft in den Hintergrund rücken lässt.

Optisch macht Monster Hunter Stories 3 auf der PS5 einen deutlichen Sprung nach vorne. Die aktuelle Konsole zaubert eine farbenfrohe, detailreiche Optik auf den Fernseher. Wenn wir durch dichte Dschungel streifen, brechen realistische Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach, während die hochauflösenden Texturen der Flora uns ins Staunen versetzen.

Die Animationen der verschiedenen Ungeheuer sind schlichtweg fantastisch. Jedes Wesen verfügt über ein individuelles Repertoire an flüssigen Bewegungen, die ihren jeweiligen Charakter perfekt einfangen. Ob das Torkeln eines Yian Kut-Ku oder der Flug eines Rathian, wir können uns an den Details kaum sattsehen. Die Spiegelwelten der Twisted Reflection Thematik setzen zudem einen starken visuellen Kontrast zur idyllischen Natur. Hier herrschen surreale Farbpaletten und verzerrte Geometrien vor, die eine beklemmende und faszinierende Atmosphäre zugleich erschaffen.

Die akustische Untermalung steht der visuellen Pracht in kaum etwas nach. Der orchestrale Soundtrack passt sich dynamisch dem Geschehen an. In ruhigen Momenten lauschen wir sanften Flötenklängen, während in epischen Bosskämpfen wuchtige Chöre und treibende Streicher unseren Puls in die Höhe treiben. Die Umgebungsgeräusche, vom Rascheln der Blätter bis zum bedrohlichen Grollen eines fernen Drachen, ziehen uns tief in das virtuelle Geschehen hinein. 

Auch die Sprachausgabe ist auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt und haucht den Figuren authentisches Leben ein.

Allerdings bleibt die technische Umsetzung nicht gänzlich fehlerfrei. Obwohl das Abenteuer die meiste Zeit in geschmeidigen sechzig Bildern pro Sekunde läuft, bemerken wir in besonders effektreichen Kämpfen oder in dicht besiedelten Städten spürbare Einbrüche der Bildrate. Diese Ruckler stören das ansonsten flüssige Erlebnis kurzzeitig. 

Ein weiteres Manko betrifft die Kameraführung in engen Gebieten. Wenn wir uns in schmalen Höhlen aufhalten, verliert die virtuelle Linse hin und wieder die Übersicht, was zu unübersichtlichen Situationen führen kann. Dank der blitzschnellen Ladezeiten der PS5 werden solche kleinen Frustmomente jedoch abgemildert, da Gebietswechsel und Schnellreisen nahezu ohne lästige Wartezeiten vonstattengehen. Wir wechseln nahtlos zwischen den Kontinenten hin und her.

Monster Hunter Stories 3 beweist eindrucksvoll, dass dieses Spin-off längst aus dem großen Schatten der Hauptreihe herausgetreten ist und komplett auf eigenen Beinen steht. Wir haben jede Minute genossen, die wir mit dem Züchten, Kämpfen und Erkunden verbracht haben. Die herrlich erzählte Geschichte fesselt bis zum Schluss, während das eingängige, aber überraschend komplexe Kampfsystem für dauerhafte Motivation sorgt. 

Es ist zweifellos der einfachste und angenehmste Weg, um in das komplexe Universum von Monster Hunter einzutauchen, was interessierten Neulingen den Einstieg erleichtert.

Natürlich verschließen wir nicht die Augen vor den real existierenden Mängeln. Die teils repetitiven Quests, der manchmal zähe Grind nach den perfekten Eiern und die vereinzelten Performance-Schwächen auf der PS5 verhindern eine vollkommen makellose Wertung. 

Dennoch überstrahlen die grandiosen Aspekte diese Kritikpunkte bei Weitem. Die fantastische Präsentation, das herausragende Monster-Design und der süchtig machende Kreislauf machen den Titel zu einem Pflichtkauf für alle Liebhaber des Genres. Wir können es kaum erwarten, erneut auf den Sattel zu steigen und weitere mystische Geheimnisse in dieser wunderschönen Welt zu lüften. 

Wer tiefgründige Abenteuer mit Herz, viel strategischem Tiefgang und einer starken Prise Sammelwahn sucht, wird hier definitiv fündig.

Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflections ist ab sofort für Nintendo Switch 2, PS5, Xbox Series X|S, and PC/Steam erhältlich.

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