Bild: Epic Games Store

[ Nintendo Switch ] SOMA – wie gut schneidet der Unterwasser-Horrortrip ab?

Gut 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung (PC, PS4 und Xbox One) hat das Survival-Horror und Sci-Fi-Storytelling – Spiel aus dem Hause Frictional Games und Abylight Studios den Sprung auf die Nintendo Switch geschafft. Ob dieser Sprung auch geglückt ist, verrät Euch unser Test.

Soma wurde bereits im Juli für die Nintendo Konsole auf den Markt gebracht, auf der Switch 2 gibt es als “Bonus” eine Auflösung von 1080p und eine Bildrate von 60fps und kürzere Ladezeiten. Selbst im Handheld-Modus profitiert ihr von einer spürbar höheren Bildschärfe, die die düstere Stimmung des Spiels noch besser zur Geltung bringt. Zudem arbeitet das Entwicklerteam weiterhin an zusätzlichen Verbesserungen.
Das Spiel katapultiert Euch in eine düstere Unterwasserstation, in der nicht nur die Monster, sondern auch Eure eigenen Entscheidungen für Gänsehaut sorgen. Survival-Horror trifft auf Sci-Fi-Storytelling – wir haben getestet, ob das Spiel nur schick gruselt oder Euch richtig in den Bann zieht.

Wir haben Soma auf der Nintendo Switch 2 in der Version 1.3.0 getestet. Nach einem Download von knackigen 16 Gigabyte und einem Festplattenverbrauch von 17,7 Gigabyte haben wir uns in die kalte und düstere Unterwelt gewagt.

Ersteindruck

In Soma spielen wir den Charakter Simon der nach einem Autounfall sich einem Genhirnexperiment unterziehen will. In der Praxis angekommen, die merkwürdigerweise komplett menschenleer ist, findet man nach einiger Zeit den behandelnden Arzt, bei der Untersuchung geht aber irgend etwas ziemlich schief und als Simon erwacht ist er nicht mehr in der Arztpraxis, sondern, wie es sich später herausstellt, in einer Unterwasser-Station. Warum, wieso und weshalb dem so ist, lässt und Entwickler Frictional Games, die mit ihrem Vorgängerspiel Amnesia einen soliden Grundstock an Rätsel/Horror gelegt haben, schön selbst herausfinden.
Es dauert nicht lange, bis der einsame Simon schließlich auf ein scheinbar menschliches Wesen trifft. Zunächst können Simon und Catherine nur über Funk miteinander sprechen. Doch das erste direkte Aufeinandertreffen wirft gleich auf mehreren Ebenen beunruhigende Fragen auf. Simon erfährt, was in PATHOS-2 wirklich passiert ist, und setzt anschließend alles daran, Catherine – und letztlich der gesamten Menschheit – zu helfen.

Schon in den ersten Spielstunden macht Soma deutlich, dass es weniger ein klassisches Horror-Spiel und mehr ein psychologischer Abstieg in existenzielle Abgründe ist. Statt Jumpscares setzt Frictional Games auf eine stetig wachsende Unruhe, die durch die beklemmende Unterwasserstation Pathos-II und ihre verfallenen Areale getragen wird. Die Umgebung erzählt ihre eigene Geschichte: flackernde Beleuchtung, verstörte Maschinenwesen und vereinzelte Audiologs lassen die Bruchstücke einer Katastrophe erahnen, ohne sofort alle Antworten zu liefern.

Spielerisch erinnert Soma zunächst an eine Mischung aus Amnesia-typischem Erkunden und vorsichtigem Schleichen. Das Tempo ist bewusst langsam gehalten, was die dichte Atmosphäre noch stärker betont. Die ersten Begegnungen mit den feindlichen Kreaturen sind weniger schockierend als vielmehr verstörend – sie wirken fremd, tragisch und unheimlich zugleich, was perfekt zum erzählerischen Fokus des Spiels passt.

Was sofort heraussticht, ist die narrative Kraft: Bereits früh stellt das Spiel Fragen nach Identität, Bewusstsein und dem Wert des menschlichen Daseins. Diese Themen werden subtil, aber eindringlich gesetzt und verleihen dem Erlebnis eine ungewöhnliche Tiefe, die man im Horror-Genre selten findet.

Insgesamt hinterlässt Soma zu Beginn einen starken Eindruck: atmosphärisch dicht, erzählerisch ambitioniert und emotional fordernd. Wer Horror mit Köpfchen statt reiner Schockmomente sucht, dürfte bereits in der Anfangsphase voll auf seine Kosten kommen.

Gameplay

Der Kern des Gameplays besteht aus dem Durchqueren der verwinkelten Bereiche der Unterwasserstation Pathos-II. Türen öffnen, Terminals aktivieren, Energie umleiten – die Interaktion mit der Umgebung fühlt sich dank des physikbasierten Systems greifbar an. Hebel müssen gezogen, Schalter manuell betätigt und Objekte realistisches bewegt werden. Diese haptische Nähe verstärkt die Immersion, ohne künstliche Komplexität zu erzeugen.

Die Rätsel im Spiel sind selten schwierig, aber stets sinnvoll in die Welt eingebettet. Man durchsucht Archive nach Passwörtern, repariert Maschinen oder bemüht sich, technische Systeme wieder in Gang zu bringen. Selten wirken diese Aufgaben wie reine Spielmechanik – vielmehr vermitteln sie das Gefühl, tatsächlich in einer zerfallenden Forschungsstation zu überleben. Die Rätsel dienen außerdem oft als erzählerisches Werkzeug, das schrittweise neue Informationen über die Welt und ihre Katastrophe preisgibt.

Die monströsen Kreaturen, die Pathos-II bewohnen, spielen eine besondere Rolle. Sie sind keine klassischen Gegner, die man besiegen könnte – vielmehr symbolisieren sie den moralischen und physischen Zerfall der Station. Ihre Anwesenheit zwingt den Spieler zu vorsichtigem Schleichen und durchdachter Bewegung: Lichtquellen vermeiden, Schritte abwägen, Verstecke nutzen. Jeder Kontakt bedeutet Gefahr, aber Soma setzt die Monster bewusst sparsam ein, um ihre Wirkung nicht zu verwässern.

Umfang, Grafik und Sound

Mit einer Spielzeit von etwa acht bis zehn Stunden gehört Soma nicht zu den längsten Horror-Abenteuern – und genau das ist einer seiner Pluspunkte. Das Pacing bleibt über weite Strecken straff, ohne unnötige Füllmomente. Jeder Abschnitt von Pathos-II trägt etwas zur Geschichte oder zur Atmosphäre bei: neue Informationen, neue Bedrohungen, neue Erkenntnisse über die Welt und Simons Rolle darin. Die kompakte Spielzeit sorgt dafür, dass die narrative Wucht des Spiels bis zum Ende erhalten bleibt und die Erfahrung ohne Leerlauf auf den Punkt gebracht wird.
Das Spiel verzichtet bewusst auf Sammelobjekte oder künstliche Spielzeitstrecker. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf eine durchgängige Dramaturgie, die ihre Wirkung gerade deswegen so nachhaltig entfalten kann.

Obwohl Soma technisch nicht zu den modernsten Titeln gehört, beeindruckt es durch sein starkes Art-Design. Pathos-II wirkt gleichermaßen glaubwürdig wie verstörend: kalte Metallgänge, flackernde Lichter, von Korallen überwucherte Versorgungsschächte und die tiefschwarze Weite des Meeres vermitteln ein intensives Gefühl der Isolation.
Die Beleuchtung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie setzt Akzente in Bereichen, in denen die Architektur allein nicht für Spannung sorgen würde, und lässt die Station jederzeit bedrohlich wirken. Besonders die Abschnitte im offenen Ozean sind atmosphärische Highlights – eingeschlossen von Dunkelheit, lediglich erleuchtet durch den eigenen Scheinwerfer oder biolumineszente Partikel.
Die Charakter- und Monsterdesigns sind hingegen bewusst grotesk gehalten: Maschinen, in denen Menschlichkeit noch schwach aufzublitzen scheint. Nicht fotorealistisch, aber passend zur Thematik. Die grafischen Stärken liegen weniger im Detailreichtum als im Zusammenspiel aus Stil, Licht und Umgebung.

Wenn Soma in einem Aspekt herausragt, dann im Sounddesign. Die akustische Gestaltung trägt wesentlich zum psychologischen Horror bei: das ferne Kreischen verbogener Metallplatten, das Summen defekter Maschinen, das unheilvolle Dröhnen aus dunklen Schächten. Jeder Raum klingt anders, und genau das macht Pathos-II so glaubwürdig.
Die Musik hält sich meist im Hintergrund, setzt aber in emotionalen oder besonders angespannten Momenten gezielt Akzente. Sound- und Geräuschkulisse unter Wasser sind ein weiteres Highlight, die Unterwasserpassagen vermitteln so schnell ein Gefühl der völligen Fremdheit.
Auch die Sprecherleistungen, insbesondere von Simon und Catherine, tragen viel zur Stimmung bei. Sie wirken glaubwürdig, emotional und transportieren die philosophischen Themen des Spiels ohne übertriebene Dramatik.

Fazit

Soma bleibt auch zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung ein Meisterwerk des psychologischen Horrors. Die Switch 2 -Umsetzung überzeugt mit höherer Auflösung, flüssigen 60 fps und kürzeren Ladezeiten – besonders im Handheld-Modus wird die düstere Atmosphäre noch intensiver spürbar.

Das Spiel punktet vor allem mit dichtem Storytelling, stimmigem Art-Design und herausragendem Sound. Rätsel und Erkundung sind sinnvoll eingebunden, während die bedrückende Unterwasserstation Pathos-II für permanente Spannung sorgt. Wer Horror mit Köpfchen sucht, findet in Soma ein kurzweiliges, aber intensives Erlebnis, das lange nachwirkt.

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