Pacific Drive von Ironwood Studios ist weit mehr als ein gewöhnliches Survival-Spiel. Es ist eine faszinierende Mischung aus Fahr-Abenteuer, Rogue-lite und Werkstatt-Management, bei dem der eigene Kombi zum Dreh- und Angelpunkt des Überlebens wird. Die Reise durch die gefährliche, von paranormalen Phänomenen verseuchte Olympic Exclusion Zone (OEZ), ist ein einzigartiges, oft beklemmendes Erlebnis.
Ersteindruck
Rost, Radio und das Unbekannte
Der erste Kontakt mit Pacific Drive fesselt sofort durch sein einzigartiges Setting. Anstatt eines herkömmlichen Basiscamps findet man sich in einer unscheinbaren Garage wieder, die als einziger sicherer Hafen und Hightech-Werkstatt dient. Wir, die unfreiwillig in die Zone geraten sind, müssen mit einem klapprigen, rostigen Kombi die Geheimnisse der OEZ ergründen.
Die Atmosphäre ist von Anfang an dicht, unheimlich und melancholisch, inspiriert vom pazifischen Nordwesten der USA. Das Spiel vermittelt perfekt das Gefühl der Isolation. Begleitet wird man lediglich vom Rauschen des Autoradios und den gespenstischen Funksprüchen einiger weniger Charaktere. Dieses Konzept weckt sofort die Neugier und verspricht ein Survival-Erlebnis der etwas anderen Art.

Gameplay
Schrauben, Fahren, Fliehen
Das Gameplay von Pacific Drive besteht aus einem motivierenden Kreislauf aus Expedition, Sammlung und Reparatur, der aber auch seine Tücken hat:
- Expedition: Man bricht von der Garage in neu generierte Level der Zone auf (die aus verschiedenen Kartensegmenten zusammengesetzt werden).
- Sammeln & Upgraden: Das Ziel ist die Beschaffung von Ressourcen, die für das umfangreiche Crafting- und Upgradesystem des Kombis benötigt werden.
- Flucht: Sobald genügend Energie gesammelt wurde, muss man durch ein instabiles Portal zur Garage zurückkehren, während ein gefährlicher Sturm die Zone um einen herum zusammenzieht. Ein intensiver Zeitdruck-Moment.
Der Kombi ist der wahre Protagonist des Spiels. Er fungiert nicht nur als Transportmittel, sondern auch als überlebenswichtige Rüstung. Fast alles in der Zone fügt dem Wagen Schaden zu, was zu platten Reifen, flackernden Lichtern oder ausfallenden Türen führen kann.
Die detaillierte Wartung ist das Herzstück: Man repariert einzelne Panels, wechselt Reifen, und rüstet von normalen Karosserieteilen auf widerstandsfähige Stahlplatten oder spezielle Offroad-Reifen auf. Der spürbare Fortschritt, wie aus einer trägen Seifenkiste ein geländegängiges Bollwerk wird, ist enorm motivierend.
Trotz der genialen Grundidee plagen Pacific Drive einige Schwächen. Da wäre zum einen die Steuerung: Das Fahren fühlt sich realistisch „schwer“ an, doch die Menüführung, das Inventar- und Crafting-Management sind, besonders mit dem PS5-Controller, teils umständlich und benötigen viel Eingewöhnungszeit, bis man die Steuerung verinnerlicht hat.
Die Expeditionen in die zufällig generierten Level tendieren dazu, sich auf Dauer zu wiederholen und monoton zu werden. Eine abwechslungsreichere Levelstruktur hätte hier gutgetan. Außerdem kann die ständige Sorge, nach einer missglückten Mission mit schlechteren Teilen dazustehen als zuvor, auf die Motivation drücken. Spieler mit Durchhaltevermögen und Geduld sind hier klar im Vorteil.

Grafik und Sound
Surrealer Charme und Gänsehaut-Garantie
Grafisch setzt Pacific Drive auf einen stilisierten und leicht comicartigen Artstyle, der dem surrealen Charakter der Zone gut steht. Die Texturen sind zwar nicht immer hochauflösend, doch die dichten Wettereffekte und die dynamische Beleuchtung, insbesondere bei Nachtfahrten, tragen maßgeblich zur beklemmenden Stimmung bei. Allerdings kann die Framerate bei schnellen Aktionen oder plötzlich einsetzenden Anomalien auf der PS5 ins Stocken geraten, und die Menü-Elemente sind mitunter sehr klein.
Der Sound ist eine der größten Stärken des Spiels. Der Original-Soundtrack (u.a. von Wilbert Roget II) und die lizenzierten Radio-Songs schaffen eine perfekte, oft melancholische Stimmung, die den Roadtrip-Charakter unterstreicht. Das Sounddesign ist ebenso brillant. Die Geräusche der Anomalien, das Knistern des Funkverkehrs und die oft beabsichtigte Stille steigern das Gefühl des Unerwarteten und des Horrors.
DLC „Whispers in the Woods“
Wenn der Wald zurückflüstert
Die neu erschienene Erweiterung „Whispers in the Woods“ ist der mutige Schritt, Pacific Drive in eine deutlich dunklere und reifere Richtung zu lenken, indem sie den Horrorfokus verstärkt.
Der DLC führt uns in einen neuen, mysteriösen Teil der OEZ-Wälder. Hier trifft man auf eine Gruppe Anomaliefanatiker, deren Einfluss die Umgebung tiefgreifend verändert hat. Eine etwa 12-stündige, voll vertonte Story mit neuen Charakteren und Nebenhandlungen baut die Welt und deren Mythologie erheblich aus und ergänzt das Grundspiel auf eine sehr stimmige Weise.
Die Wälder sind zudem gespickt mit kryptischen Symbolen, Altären und mysteriösen Figuren. Hartnäckig verharrt der Nebel. Die ohnehin schon dichte Atmosphäre wird noch eindringlicher und unheimlicher.

Das neue Artefakt-System ist das zentrale Gameplay-Element der Erweiterung. Die Artefakte sind Objekte, die bizarre und unvorhersehbare Effekte auf uns, den Kombi und die Umgebung haben. Sie können unsere Wahrnehmung verzerren oder Anomalien in unerklärlicher Weise beeinflussen.
Obwohl sie für den Fortschritt notwendig sind, erhöht das Mitführen dieser Relikte die Gefahr drastisch und kann unerwünschte Gäste anlocken. Dieses neue System schafft einen faszinierenden Balanceakt zwischen Risiko und Entdeckerdrang.
Fazit
Ein unvergleichlicher Roadtrip

Pacific Drive ist ein Spiel mit einem einzigartigen Charme, der polarisiert. Das nervenaufreibende Überleben, die ständige Gefahr durch die Anomalien und das mit viel Liebe gestaltete Kombi-Tuning sind die größten Stärken des Spiels.
Der DLC „Whispers in the Woods“ perfektioniert die Formel: Er fügt nicht nur einfach Inhalt hinzu, sondern vertieft die Mythologie, verschärft den Horror und bereichert das Gameplay mit dem reizvollen Artefakt-System.
Er macht das gesamte Paket dunkler, größer und ausgefeilter. Während einige Schwächen des Hauptspiels, wie das umständliche Menü bestehen bleiben, ist die Ritual Edition mit dem DLC die definitive und reichhaltigste Version dieses unvergleichlichen Roadtrips. Survival-Fans, die eine Affinität zu Crafting und Mystery haben, können hier bedenkenlos zugreifen.
Pacific Drive und der DLC „Whispers in the Woods“ sind ab sofort für PS5 und PC erhältlich.
- Eine einzigartige Mischung aus Fahrsimulation und Überleben in einer surrealen Neuinterpretation des pazifischen Nordwestens
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- Überlaufen Sie den Sturm, während Sie seltsamen Gefahren in einer Welt gegenüberstehen, die sich mit jeder Reise in die Zone verändert






