Lange Zeit galt im Sim-Racing die einfache Gleichung: Wer Qualität will, muss zahlen. Wer sparen will, greift zum zahnradgetriebenen Logitech oder Thrustmaster. Doch diese Zeiten sind vorbei. Mit dem VD4 Racing Bundle bläst der chinesische Peripherie-Hersteller PXN zum Angriff auf den Einsteiger-Markt und verspricht echte Direct-Drive-Technologie zum Sparpreis. Wir haben das Set auf den Prüfstand gestellt.

Sim-Racing ist teuer. Wer diesen Satz schon einmal gehört hat, nickt meist wissend. Jahrelang war der Einstieg in die Königsklasse der Lenkräder – genauer gesagt in die Direct-Drive-Technologie (DD) – durch eine hohe Preisbarriere von oft über 1.000 Euro versperrt. Moza Racing und Fanatec begannen vor einigen Jahren, diese Mauer einzureißen, doch PXN will sie mit dem VD4 Bundle nun endgültig pulverisieren.
Für einen Straßenpreis, der häufig unter 350 Euro liegt, verspricht das Paket alles, was das Herz begehrt: eine Wheelbase mit 4 Newtonmeter Direktantrieb, ein Lenkrad mit magnetischen Schaltwippen und ein Pedalset mit Hall-Sensoren. Auf dem Papier klingt das fast zu gut, um wahr zu sein. Wir haben das VD4 Bundle über mehrere Wochen in Titeln wie Assetto Corsa Competizione, iRacing und F1 25 getestet, um herauszufinden, wo der Haken ist – und ob es überhaupt einen gibt.
Unboxing und erster Eindruck
Überraschend erwachsen
Wer PXN bisher nur von günstigen Plastik-Lenkrädern wie dem V9 oder V900 kannte, die eher in die Kategorie „Arcade-Spielzeug“ fielen, wird beim Auspacken des VD4 Augen machen. Der Hersteller hat sich sichtlich bemüht, das Image des Billiganbieters abzustreifen.
Die Verpackung ist schlicht gehalten, der Inhalt sicher verstaut. Sobald man die VD4 Wheelbase aus dem Karton hebt, fällt das Gewicht auf. Das Gehäuse besteht größtenteils aus Metall, fühlt sich kühl und massiv an. Mit ihren kompakten Maßen erinnert sie stark an die R5 von Moza, wirkt durch das kantige Industriedesign aber beinahe noch robuster. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern: keine scharfen Kanten, kein Klappern.
Das beiliegende Lenkrad (Modell W AS) misst 280 mm im Durchmesser (11 Zoll) und entspricht damit dem klassischen Standard für GT- und Sportwagen-Simulationen. Der Kranz ist mit einem Mikrofaser-Material bezogen, das sich angenehm griffig anfühlt, auch wenn es nicht ganz an das Alcantara teurerer Konkurrenten heranreicht. Die Rückseite offenbart jedoch das erste Highlight: Schaltwippen aus Aluminium. Kein billiges Plastik-Klicken, sondern ein satter, magnetischer Widerstand, der bei jedem Schaltvorgang ein befriedigendes taktiles Feedback liefert.
Auch die Pedale (PD HM Gen2) überraschen positiv. Sie bestehen aus Stahl, sind schwer genug, um nicht sofort wegzurutschen – auch wenn eine feste Montage grundsätzlich empfohlen wird – und setzen auf Hall-Sensoren statt auf verschleißanfällige Potentiometer. Das ist in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich.

Die Technik
Was steckt unter der Haube
Bevor es auf die Strecke geht, lohnt ein Blick auf die technischen Daten, die dieses Bundle so interessant machen.
Die Direct-Drive-Revolution
Herzstück ist der Servomotor. Anders als bei Riemen- oder Zahnradantrieben, wie etwa beim Logitech G29 oder G923, ist das Lenkrad hier direkt auf der Motorwelle montiert. Das bedeutet: keine Reibungsverluste, kein Spiel in der Lenkung und eine extrem schnelle Übertragung von Kräften und Details. PXN gibt das Drehmoment mit konstanten 4 Nm (Spitzen bis 5 Nm) an. Das reicht aus, um einem ungeübten Fahrer bei einem Unfall das Lenkrad aus der Hand zu reißen, bleibt aber im sicheren Bereich für den Einsatz am Schreibtisch – ein sinnvoller Sweet Spot für Einsteiger.
Das Quick-Release-System
Ein weiteres Feature, das in dieser Preisklasse positiv auffällt, ist der Quick Release (QR). PXN setzt auf ein System, das stark an die NRG-Style-QRs erinnert, wie sie auch Moza verwendet. Das Lenkrad lässt sich innerhalb von Sekunden abnehmen und wieder aufsetzen. Die Verbindung sitzt bombenfest; im Test war keinerlei Flex oder Spiel zwischen Base und Lenkrad feststellbar. Dass die Stromversorgung für Tasten und LEDs drahtlos über die Nabe erfolgt, verhindert zusätzlichen Kabelsalat und wirkt entsprechend hochwertig.
Montage und Einrichtung
Der erste Stolperstein?
Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Die Montage der Base am Schreibtisch erfolgt über eine mitgelieferte Tischklemme. Diese besteht aus Metallplatten und erfüllt ihren Zweck, wirkt aber etwas fummeliger als die ausgeklügelten Lösungen von Fanatec. Wer ein Sim-Rig besitzt, kann die Base dank standardisierter Bohrlöcher problemlos fest verschrauben.
Die Installation am PC – das System ist primär für Windows ausgelegt – erfordert den Download der Treiber sowie der „PXN SimRacing Software“. Hier zeigt sich der Abstand zu den Marktführern am deutlichsten. Die Benutzeroberfläche wirkt funktional, aber etwas altbacken, und die Übersetzungen sind teilweise holprig.
Positiv ist der Funktionsumfang: Das Force Feedback lässt sich detailliert konfigurieren – von der Gesamtkraft über Dämpfung bis hin zu Reibungseffekten. Auch die Pedalkurven sind anpassbar. Für Einsteiger kann die Vielzahl an Optionen zunächst überfordernd sein, da passende Presets für einzelne Spiele oft manuell gesucht oder ausprobiert werden müssen. Hat man sich jedoch eingearbeitet, läuft die Software stabil.

Auf der Strecke
Das Fahrerlebnis
Kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wie fährt sich das PXN VD4? Kurz gesagt: Wer von einem Logitech G29 oder einem Thrustmaster T300 umsteigt, erlebt einen deutlichen Qualitätssprung.
Force Feedback und Detailreichtum
In Assetto Corsa Competizione zeigt die Base ihr Potenzial. Die 4 Nm wirken auf dem Papier unspektakulär – High-End-Bases liefern 20 Nm und mehr – sind für ein immersives Erlebnis jedoch vollkommen ausreichend. Der Unterschied zu einem Zahnradantrieb ist deutlich. Man spürt nicht nur, dass das Auto ausbricht, sondern auch wann und wie.
Die feinen Details sind die große Stärke des Direktantriebs. Curbs werden nicht einfach nur grob durchgerüttelt, sondern als differenzierte Vibration übertragen, die je nach Art variiert. Auch das Nachlassen der Lenkkräfte bei Untersteuern ist präzise nachvollziehbar. Der von PXN beworbene „Sense+“-Algorithmus scheint die Spielsignale sauber in nachvollziehbares Feedback zu übersetzen.
Im direkten Vergleich zur Moza R3 oder R5 wirkt das Force Feedback in der Standardeinstellung teilweise etwas gröber oder leicht „robotisch“. Die letzte Nuance an organischer Glätte, wie man sie von teureren Bases kennt, fehlt. Angesichts des Preises bewegt sich diese Kritik jedoch auf hohem Niveau.
Die Pedale: Solide, aber ohne Loadcell-Zauber
Die PD HM Pedale sind der schwächste Teil des Bundles, jedoch keineswegs schlecht. Gas und Bremse arbeiten dank Hall-Sensoren linear und präzise. Das Bremspedal nutzt eine Feder zur Simulation des Widerstands. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber einfachen Kunststoffpedalen, erreicht aber nicht das progressive Gefühl einer Loadcell-Bremse, bei der der Bremsdruck statt des Pedalwegs gemessen wird.

Für konstantes Fahren am Limit erfordert die Bremse etwas Eingewöhnung, da man sich die Pedalposition merken muss, statt den Druck intuitiv zu dosieren. Dennoch überzeugen Materialqualität und Stabilität: Die Pedale sind aus Metall, verwindungssteif und in Neigung sowie Abstand anpassbar. Für ein Einsteiger-Set ist das absolut angemessen.

Das Lenkrad im Einsatz
Das W AS Wheel liegt gut in der Hand. Die Tasten sind gut erreichbar, fühlen sich jedoch etwas einfacher an als die Base selbst. Die beiden Drehregler (Encoder) sind insbesondere in Titeln wie F1 25 praktisch, um während der Fahrt Bremsbalance oder Traktionskontrolle anzupassen. Die magnetischen Schaltwippen arbeiten laut, aber präzise. Ungewollte Doppelschaltungen traten im Test nicht auf.

Kritikpunkte
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Ganz ohne Schwächen kommt das VD4 nicht aus.
Ökosystem: Während sich bei Fanatec oder Moza zahlreiche Lenkräder, Handbremsen und Shifter kombinieren lassen, ist das PXN-Ökosystem noch überschaubar. Es wächst zwar, bleibt jedoch eine Nische.
Support: PXN ist ein chinesischer Hersteller ohne flächendeckendes Händlernetz in Europa. Im Garantiefall könnte die Abwicklung komplizierter sein als bei etablierten Marken mit starker Präsenz im Einzelhandel.
Nur PC: Das VD4 ist primär für den PC konzipiert. Wer auf PlayStation oder Xbox fahren möchte, muss auf Adapterlösungen zurückgreifen, die nicht immer optimal funktionieren und mitunter zu Einschränkungen beim Force Feedback führen.
Fazit
Der neue Preis-Leistungs-König?

Das PXN VD4 Racing Bundle ist eine klare Kampfansage. Es demokratisiert die Direct-Drive-Technologie in einem Preisbereich, der vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Für rund 330 Euro erhält man ein Paket, das technisch deutlich über klassischen Einsteiger-Lenkrädern von Logitech oder Thrustmaster angesiedelt ist.
Die Verarbeitung der Base überzeugt, das Force Feedback ist kräftig und detailliert, das Lenkrad wirkt wertig. Die Kompromisse – eine etwas altmodische Software, keine Loadcell-Bremse und ein noch begrenztes Ökosystem – sind angesichts des Preises vertretbar.
Für wen ist das VD4 geeignet?
Es ist das ideale Set für PC-Gamer, die bisher mit Gamepad oder einem älteren Zahnrad-Lenkrad unterwegs waren und nun echtes Sim-Racing erleben möchten, ohne ein Vermögen zu investieren. Als Einstieg in die Welt des Direct Drive setzt das VD4 aktuell einen neuen Maßstab im Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Direct-Drive Sim-Racing-Set – Enthält die PXN VD4 Direct-Drive-Basis (4 Nm Drehmoment), das W AS Gaming Lenkrad (28 cm, 19 programmierbare Tasten, LED-Drehzahlanzeige), die PD HM Bremse & Gaspedale (Hall-Sensor) und die Tischklemme. Entwickelt für präzise Kontrolle und ein immersives Fahrerlebnis.
- VD4 Direct-Drive-Lenkrad-Basis – Hochpräziser Servo-Motor – Ausgestattet mit einem hochpräzisen Servo-Motor für 4 Nm Force Feedback. Verzichtet auf herkömmliche Riemen- und Zahnradübertragungen, liefert dadurch stabiles, reaktionsschnelles Force Feedback. Unterstützt Zubehör-Erweiterungen für ein ausbaufähiges Sim-Racing-Setup.
- W AS Gaming-Lenkrad – Präzisionssteuerung – Mit Mikrofaser-Leder umwickelt und Aluminiumrahmen. Ausgestattet mit 19 programmierbaren Tasten, 2 Drehreglern, 2 magnetischen + 2 linear-geladenen Paddles, LED-Drehzahlanzeige und PXN Schnellverschluss-Hub für schnelle und sichere Lenkradwechsel. Optimale Kombination aus Rennatmosphäre und Bedienkomfort.







