Die Medal of Honor Spielereihe wurde in diesem Jahr um einen erstmal reinen VR-Titel erweitert. Wie Entwickler Respawn Entertainment (Titanfall, Star Wars Jedi: Fallen Order) diese traditionsreiche Marke mit Medal of Honor:Above and Beyond umgesetzt haben, verrät euch unser Test.

Die Wurzeln der Medal of Honor Reihe findet sich mit dem ersten Teil der Serie im Jahr 1999, umgesetzt von der Firma Dreamworks und ihrem „Chef“ Steven Spielberg, wohl inspiriert aufgrund seines Filmes „Der Soldat James Ryan“, den er ein Jahr zuvor produzierte. Die Medal of Honor Spielereihe kann mittlerweile auf insgesamt 15 Teile zurückschauen. 2012 endete die Reihe mit Medal of Honor: Warfighter, der erstmals in der Gegenwart spielte.
Im Oktober 2019 wurde dann der neueste Teil der Serie mit dem Zusatz „Above and Beyond“ angekündigt und dies als reiner Virtual-Reality-Titel, erst nur für die Oculus-Brillen. Mittlerweile ist der Titel nicht nur im Oculus-Store, sondern auch über Steam für alle Arten von VR-Brillen erhältlich. Eine PlayStation-VR-Version gibt es leider noch nicht.

Ersteindruck
Mittendrin statt nur dabei

Wir starten in einem Bunker, hier können wir mit der Kampagne beginnen, Multiplayer-Matches bestreiten, oder den „Überleben“-Modus spielen, ein aus andern Spielen bekannter Modus mit Wellen an Gegnern, die es zu bezwingen gilt – Das Hauptmenü! Außerdem, und sowas finden wir immer interessant, gibt es die „Galerie“. Hier dürfen wir Interviews von US-Veteranen und ihren Geschichten zuhören und zu guter Letzt gibt es natürlich noch die Optionen, was man dort findet sollte, ist allgemein bekannt sein. In diesem Bunker haben wir auch die Möglichkeit ein wenig herumzulaufen, unsinnige Texte auf einer Schreibmaschine zu tippen, mit Gegenständen zu interagieren und sogar einen weiteren Raum zu betreten, der uns bereits erledigte Missionen zeigt.

Starten wir die Kampagne das erste Mal kommen wir nach einem kurzen Prolog auf eine Krankenstation inklusive Arzt, der uns durch die Steuerungs- und Spieloptionen des Spieles führt (das alles kann aber später noch in den Optionen wieder geändert werden). Nachdem wir genesen sind und einen kleinen Exkurs auf dem Übungsplatz absolviert haben, in dem uns die Handhabung der Waffen erklärt wird und wir das natürlich aus ausgiebig testen können, werden wir auch schon als neuestes Mitglied des Geheimdienstes OSS verpflichtet und bekommen unseren ersten Auftrag. Wir stecken wieder mittendrin im bekannten Medal-Of-Honor-Feeling.


Gameplay
Es steigert sich immer mehr

Nachdem wir auf dem Übungsplatz schon die allgemeine Handhabung der Waffen, inklusive des Nachladens der Waffe (Magazin auswerfen, neues Magazin einlegen und Hahn spannen), gelernt haben, so werden wir, bevor es dann wirklich zu unserem ersten Auftrag geht, erst noch einmal zur Quartiermeisterin geschickt. Hier bekommen wir Erklärungen zu all den Waffen, die ihre Verwendung im Spiel finden (können). Für interessierte Spieler auf jeden Fall einen Blick wert. Wir können hier auch nochmal den „Ernstfall“ proben, also in einer Art Simulation die Waffen gegen Feinde einsetzen und kleine Missionen erledigen.

Haben wir genug geübt und sind der Waffenkunde überdrüssig, startet unsere erste Mission, in der wir dem französischen Widerstand im Kampf gegen die Deutschen helfen. Uns erwarten insgesamt 6 Missionen die in 56 Kapitel unterteilt sind, dabei kann es aber auch vorkommen, dass manche Kapitel nur als Storyträger dienen, in dem wir nur Zuhörer sind oder uns nur kurze Scharmützel mit dem Feind erwarten. Die ersten 2 Spielstunden tröpfeln so vor sich hin, was aber vielleicht auch gewollt ist, denn danach merkt man gut, dass die „Actionschraube“ immer mehr fest gedreht wird. Sind uns unsere KI-Kollegen am Anfang noch recht egal, entwickelt sich mit der Zeit die Geschichte so gut das uns die diversen Charaktere, man kann es fast behaupten, ans Herz wachsen.

Auch spielerisch wird uns einiges geboten, von Railshooter-Passagen auf einem Panzer, über das langsame Annähern und von Deckung zu Deckung, um uns an diverse Orte heranzuarbeiten, bis zu diversen Schleicheinlagen. Die Spielpalette deckt viele Facetten ab und wird nicht langweilig – Getragen von einer guten Story. Was leider ein wenig negativ ins Gewicht fällt, ist die KI der Gegner, die nicht immer so agieren, wie man es eigentlich denken sollte. Sie ist so ein Mittelding zwischen nicht allzu schlau aber doch noch annehmbar.

Zu guter Letzt müssen wir natürlich noch den Multiplayer-Part erwähnen, der es zum Glück auch in das Spiel geschafft hat. Hier dürfen wir 6 vs. 6 Matches auf 12 verschiedenen Karten in 6 verschiedenen Spielmodi wie zum Beispiel Herrschaft oder Team Deathmatch bestreiten. Da das Spiel sowohl auf Steam als auch im Oculus Store zu finden ist, kann man davon ausgehen immer genug Mitspieler zu finden – Man kann sich aber auch Bots mit ins Spiel holen.

Hat sich der Schritt von 2D zu VR gelohnt?
Unserer Meinung auf jeden Fall, die virtuelle Realität mit ihrer Immersion ist wie geschaffen für solche Spiele. Es ist halt ein deutlicher Unterschied, ob man das Geschehen nur auf dem Bildschirm sieht oder doch mitten im Geschehen ist und einem die Kugeln und das Kriegsgeschrei mit dessen infernalischen Geräuschen um die Ohren gehauen werden.
Natürlich bedarf es ein wenig Einarbeitung gerade was die Steuerung und die Handhabung der Waffen anbelangt, aber dies lernt man in Medal of Honor: Above and Beyond relativ schnell, auch gerade deshalb, da man zu Beginn des Spieles genug Möglichkeiten hat sich diese zu verinnerlichen. Wir können uns gut vorstellen, dass so mancher Spieler ohne Zugang zu einer VR-Brille etwas neidisch auf diesen Titel und dessen Spieler schauen wird.


Grafik / Sound
Etwas fürs Auge, viel für das Ohr

Will man Above and Beyond spielen, setzt das schon einen „potenten“ PC voraus, denn laut den offiziellen Systemvoraussetzungen sollte mindestens eine Geforce RTX 2080 und ein Intel-Achtkerner Core-i7 9700K in eurem System werkeln (natürlich darf es auch etwas von AMD sein). Aus eigener Erfahrung können wir aber bestätigen, dass auch ein etwas schwächeres System seine Arbeit gut verrichtet, man muss dann aber Abstriche in der Grafikqualität machen, die nicht wirklich auffallen.
Apropos Grafik, diese ist auf jeden Fall gelungen, ok, die Animationen der Gegner im Kampf könnte flüssiger sein, aber wer hat da schon Zeit diese ständig zu beobachten und zu analysieren. Die abwechslungsreiche Kampagne führt uns auch an viele schön detaillierte Umgebungen und Orte, das könnte auch den immens hohen Festplattenplatzverbrauch erklären. In Sachen Sound und Musik kann man nur gratulieren. Sowohl die Soundkulisse (Waffen, Umgebung etc) kann man nur als gelungen bezeichnen. Das Gleiche gilt für die musikalische, orchestrale Untermalung, die das Geschehen bestens begleitet.


Umfang
Geht voll in Ordnung

Nimmt man allein den Singleplayer-Part, so kommen wir schon auf eine ungefähre Spielzeit von 10 Stunden, manche schaffen das auch bestimmt schneller, aber dadurch, dass wir dank VR im Geschehen selbst sind, geht man doch das Ganze manchmal etwas langsamer an, als bei einem 2D-Spiel. Und da VR-Spiele mit der Immersion und dem Mittendrin-Gefühl eh etwas mehr an der Ausdauer der Spieler zehrt, so sind wir mit dieser Spielzeit gut bedient.
Aber da ist ja noch der Multiplayer-Part, der uns, vorausgesetzt er wird von den Spielern auch gut besucht, noch lange beschäftigen wird, denn die zuschaltbaren Bots sind auf Dauer keine Herausforderung wegen der „schmalen“ KI.


Fazit
Wieder ein gutes MoH

Auch wenn in der offiziellen Ankünding man uns die „Gräuel des Krieges“ zeigen wollte, so wird uns mit dem Spiel doch eher Popcorn-Kino-Unterhaltung präsentiert. Respawn Entertainment haben es geschafft, nach dem schwachen letzten Serienableger, mit dem neuesten Medal of Honor-Teil einen Triple-A-Titel zu veröffentlichen, der sich gewaschen hat. Gerade deswegen, da der Titel nur als VR-Spiel veröffentlicht wurde und man dadurch dieses Mittendrin-Gefühl so hautnah spürt, macht Medal of Honor: Above and Beyond zu etwas Besonderen.