In der vergangenen Woche präsentierte Sony die technische Spezifikationen der PlayStation 5 und schon wird im Netz heftig diskutiert, die PlayStation 5 sei wesentlich leistungsschwächer als die neue Konsole von Microsoft. Viele stützen ihr Aussagen dabei auf die bekanntgewordenen technischen Daten, die allen voran bei der PlayStation 5 von nur 10,3 Terraflops gegenüber der Xbox Series X mit 12 Terraflops sprechen. In dieser Diskussion scheinen sich zudem die Geister zu scheiden. Während der Kotaku-Journalist Jason Schreiner eher von den Entwicklern gehört haben will, die PlayStation 5 sei sogar leistungsstärker als die Xbox Series X, will der Ex-Sony Entwickler Chris Grannell von den Entwickler gehört haben, dass der Leistungsunterschied erschütternd sei. Es gibt aber auch Entwickler die sprechen von einem minimalen Unterschied.

Wenn wir jetzt die Präsentation von Sony, die sich sehr stark auf die Leistung konzentrierte, mit der offiziellen Bekanntgabe der Spezifikationen von Microsoft miteinander auf den Tisch legen, fallen uns einige Dinge auf: Die Xbox ist ein Monster, dass wie ein PC mit leistungsstarken Komponenten bestück wurde, während bei der PlayStation 5 alles wie bei einem Formel 1 Auto aufeinander abgestimmt wurde um so viel wie möglich an Leistung bieten zu können. Letztendlich könnte die PlayStation wesentlich leistungsstärker sein, da die Rechenleistung für Audio- und Soundeffekte nicht auf die CPU und GPU abgewälzt wird und die GPU und CPU sich gegenseitig unterstützen können. Wie es Microsoft bei der Xbox Serie X handhabt, lässt Microsoft leider im Dunkeln stehen. Die Zahlen der Xbox Series X können sich sehen lassen, doch scheint hier alles auf ein Maximum ausgelegt zu sein, die so manchen Haken mitbringt. Zum einem bietet die Xbox Series X RAM-Bausteine mit unterschiedlicher Leistung, die im Laufe der Jahre die Konsole enorm einbremsen können. 10 GB mit 560 GB/s und 6 GB mit 336 GB/s, während Sony konstante 16 GB RAM-Bausteine mit 448 GB/ s bietet. In der Summe liegt da zwar noch Microsoft mit 7616 GB/ s gegenüber Sony mit 7168 GB/s vorne, doch Konstanz scheint bei Sony wichtiger zu sein, als ein kurzer Sprint mit anschließenden langem Atem.

Sony bietet die derzeit schnellste Festplatte der Welt

Einen Punkt können wir aber dem Sony Konto gut schreiben, der die verbaute Festplatte umfasst. Sony bietet eine eigene NVMe SSD Festplatte mit einer Geschwindigkeit von 5,5 GB/s während es von Microsoft dazu keine Angaben gibt. Wir gehen aber von einer handelsüblichen NVMe SSD Festplatte bei der Xbox Series X  aus, die heute eine maximale Geschwindigkeit zwischen 3,0 – 3,5 GB/s leisten. Damit ist die Festplatte von Sony doppelt so schnell und diese kann sogar durch einen NVMe SSD Slot noch erweitert werden. Bis es aber solche Festplatten mit 5,5 GB/s auf dem Markt zu kaufen gibt, wird noch einige Zeit vergehen. Eine 1TB NVMe SSD Festplatte kostet heute, je nach Hersteller, um die 150 – 200 Euro. Festplatten mit einer Größe von 2 TB erreichen schnell die 400 Euro Marke und bieten dabei maximal 3,5 GB/ s. Bei der Xbox Series X kann die Festplatte nicht erweitert werden und Microsoft setzt eher auf ein SD-Kartenslot und wie Sony auf eine USB-HDD Erweiterung. Eine SD-Karte in der Größe von 1TB liefert lächerliche 170 MB/s und schlägt mit 400 Euro zu Buche. Da ist die USB-HDD Erweiterung schon eher ansprechend, denn hier werden uns heute schon bis zu 1GB/ s geboten.

Bei der Größe nehmen sich bei nicht viel: Microsoft bietet 1TB Speicherplatz und Sony 825 GB, was wir dann auf eins bis drei Spiele weniger auf der Festplatte beziffern können. Mehr wird bei beiden nicht drin sein, da sonst der Endpreis der Konsolen ins Unangenehme fallen würde – Wir wollen gar nicht wissen, was die Festplatte von Sony kostet.

Spiele in 8K bleiben nur die Möglichkeit

Wer heute nach Spielen in 8K Auflösung schreit, der sollte doch mal einen Schritt weiterdenken. Sicherlich preisen Microsoft und Sony ihre Next-Gen-Konsolen damit an, doch sind wir mal realistisch: Spiele mit einer Auflösung in 8K zu entwickeln, erfordern einen enormen Aufwand. Zudem können nur ein Bruchteil der Gamer diese Auflösung daheim wirklich erleben. Gerade heute verfügen nur wenige Gamer gerademal über einen 4K UHD Bildschirm und setzen vermehrt eher auf eine Full HD Auflösung – Gerade bei PC-Bildschirmen. Wer heute eine PS4 Pro oder eine Xbox One X sein eigen nennt, der wird vermehrt mit Spielen und einer Auflösung von QHD (1440p) vorlieb nehmen, den Rest auf 4K erledigt die Konsole. Mit den neuen Konsolen kann sich das ändern und Spiele werden wohl vermehrt auch mit einer Auflösung in UHD geboten. Von einer Auflösung in 8K sind wir aber noch weit entfernt, da zumal entsprechende Bildschirme sich im 5-stelligen Preisbereich bewegen. Im Fokus der neuen Konsolen werden mehr Raytracing und die Framerate stehen.

Wer macht das Rennen? 

Diese Frage lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten, da viele Faktoren auch von den Entwicklern abhängt, wie sie die neue Leistung und Technik nutzen. In unseren Augen liegen beide Konsolen auf Augenhöhe, wobei Sony wohl durch ein besseres Angebot an exklusiven Titeln die Nase vorne haben wird. Letztendlich kommt es nicht nur auf die Leistung an, sondern auch auf die Community, oder besser gesagt die Kundenschaft von Sony und Microsoft – da hat Sony einen klaren Vorteil.

Preis zu Release?

Aktuell wird davon ausgegangen, das die Xbox Series X zu einer UVP von 499,- Euro erscheinen wird. Das ist aufgrund der Spezifikationen auf vollkommen berechtigt. Beziehen wir die angegebenen 12 Terroflops mit einer aktuellen Grafikkarte, müssen wir für eine AMD Readon RX Vega an die 600 Euro auf den Tisch legen – Damit ist die Xbox Series X ein wahres Schnäppchen. Ebenso wird es bei Sony sein, wobei uns die neue SSD-Festplatte zum Nachdenken zwingt. Ganz billig ist so eine Festplatte sicherlich nicht. Analysten gehen aber weiterhin von einer UVP 349,- Euro aus, was wiederum der Aussage von Sony näher kommt: Die PlayStation 5 wird zu einem Preis angeboten, den die Käufer aufgrund der Mehrleistung auch bereit sind zu zahlen.

Schlusswort

Wer sich zum aktuellen Zeitpunkt rein auf die technischen Angaben verlässt, der sollte einmal tiefer in die IT-Branche eintauchen und sich mit der Materie intensiver beschäftigen. Microsoft hat auf Basis eines PC-Baukasten ein wahres Leistungsmonster präsentiert, das uns Spiele in voller Pracht erleben lässt. Sony hingeben hat alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt, die vor allem bei der Geschwindigkeit und der innovativen Tempest 3D Audio-Engine für Aufmerksamkeit sorgen wird. Beide werden im Grunde sich aber nicht viel nehmen, denn letztendlich kommt es weiterhin auf das Portfolio der Spiele und die Größe der bestehenden Community an. Leistung alleine spiegelt nicht das Potenzial wieder, sondern eher wie alle „Zahnräder“ ineinander greifen. Zu guter Letzt spielt der Preis sicherlich auch noch eine Rolle. Wir gehen davon aus, dass Sony aktuell seinen Vorsprung nutzen wird.

Aktuell fehlen uns noch weitere Spezifikationen bei beiden Konsolen: Welcher Bluetooth-Standard wird genutzt, können wir unsere Peripheriegeräte wie Headsets weiterhin nutzen, öffnen bei Hersteller den Bluetooth-Kanal für Kopfhörer, Maus & Tastatur? Auch machen beide keine Angaben dazu, ob die SSD-Festplatte fest verbaut ist oder wir diese nicht nur erweitern können, sondern gar komplett austauschen können? Setzen beide wieder auf lizenzierte Produkte oder können wir auch jeden Kopfhörer und Headset nutzen? Fragen über Fragen, die hoffentlich in den kommenden Wochen eine Antwort erhalten.

Microsoft und Sony haben, trotz anhaltender COVID-19 Krise, mehrmals betont, dass die Konsolen im Herbst pünktlich vor Weihnachten erscheinen werden. Wir sind gespannt.

 

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973