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[ PRESS PLAY ] Warum gehen Controller, Headset & Co. so schnell kaputt?

Wer kennt das nicht: Der Controller ist keine 2 Jahre alt und schon spinnt ein Stick oder die Schultertasten wollen nicht mehr. Von der geringen Laufzeit des verbauten Akkus will man da gar nicht reden. Doch nicht nur bei Controllern ist die Ernüchterung groß, wenn auch Headsets oder gar die teure Tastatur ihren Dienst versagen, sobald die Garantie abgelaufen ist. Doch alles hat einen Grund!

Dass Hersteller an der Lebensdauer ihrer Produkte herumdoktern, ist schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt. So nahm alles im Jahr 1924 seinen Lauf, als die großen Manager von Glühlampenfabriken ein illegales Kartell gründeten, um an der Lebensdauer ihrer „Glühbirnen“ zu schrauben. Statt einem hochwertigen Glühfaden, der der Lampe eine Lebensdauer von 2.500 Stunden ermöglicht, wurde beschlossen einen minderwertigen Glühfaden einzubauen, um die Lebensdauer auf 1.000 Stunden zu reduzieren – Der Bürger ist somit gezwungen öfter und damit mehr ihrer Glühlampen zu kaufen. Obwohl das Kartell in den 40er Jahren aufgeflogen ist und die Übeltäter verurteilt wurden, hat sich an dem Prinzip bis heute nichts geändert. Auch heute lassen sich noch Produkte finden, dessen Lebensdauer „künstlich“ reduziert wird.

In unseren zahlreichen Reviews von Peripherie machen wir auf jene Punkte aufmerksam, die den Gamer letztendlich dazu zwingen ein neues Produkt zu kaufen. Da kann gerne das Grübeln angefangen werden, doch spätestens beim Controller hat der Gamer sich im Laufe einer Generation schon mehre nachkaufen müssen. Hier versagen die Sticks, die ausgeschlagen sind, Buttons, die hängen bleiben und keine Interaktion mehr ermöglichen oder die guten Schultertasten, welche einfach herausbrechen. Auch die Laufleistung der verbauten Akkus beim Wireless-Controller zeigen nach 1-2 Jahren Ermüdungserscheinungen und bieten nicht mehr die Laufleistung, die zu Anbeginn möglich war. Alles ist sicherlich eine Frage der verbauten Materialien und deren Qualität in Bezug zum Preis. Der Gamer ist zum größten Teil einfach nicht bereit, das Mehr im Preis für mehr Qualität zu bezahlen. Andersrum zieht hier der Hersteller mit, der im Laufe einer Generation (einer Konsole) so auch mehr Controller an den Gamer bringen kann.

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Doch nicht nur beim Controller zeigt sich die schwindende Lebensdauer. Jeder Gamer hat sich schon mal ein Headset gekauft, welches er im Laufe seiner Spielzeit gegen ein anderes ausgetauscht hat. Ein schönes Beispiel liefert hier das Einstiegssegment unterhalb der 100 – 70 Euro Grenze. Diese „günstigen“ Headsets dürfen gerne als zweckdienlich bezeichnet werden, dessen Lebensdauer vom Hersteller begrenzt wurde. Erkennen lässt sich das in erster Instanz an dem Support und Aufbau eines Headsets. Viele Hersteller bieten keine Ersatz-Ohrpolster an, dabei sind diese doch schneller durchgescheuert, als einem lieb ist. Mit verschlissenen Ohrpolster lässt der Komfort zu wünschen übrig und ein neues Headset muss her. Gleiches gilt für die Kabel, die zu 95 Prozent fest am Headset angebracht wurden und mit der Zeit den einen oder anderen Bruch zeigen. Auch hier muss dann gleich das komplette Headset ausgemustert werden. Nur sehr wenige Hersteller bieten hier eine gute Lösung an und ermöglichen dem Gamer sein Headset über einen langen Zeitraum nutzen zu können. Wer nun glaubt, etwas mehr Geld investieren zu können, ist ebenfalls schief gewickelt, denn gerade bei Wireless-Headsets lässt sich der Akku nie austauschen – Dass ein Hersteller hier einen entsprechenden Support anbietet, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen. Ein weiterer Faktor sind minderwertige Oberflächen, die sich in der Handhabung schnell abnutzen. Das Auge zockt mit und niemand will mit einem Headset zocken, das sehr abgegriffen aussieht und Risse im Leder offenbart. Gerade als Streamer und Youtuber vor der Kamera macht so ein „heruntergekommenes“ Headset keinen guten Eindruck bei den Zuschauern.

Die Spirale dreht sich noch weiter

Wer sich vermehrt mit dem kompletten Portfolio eines Herstellers auseinandersetzt, der wird schnell feststellen, dass ein Großteil derer Produkte im Grunde dasselbe sind. So bieten die Hersteller neben dem Einstiegsprodukt auch Premiumprodukte an, die sich eigentlich nur durch ihre Ausstattung und dem Support unterscheiden. Während das Einstiegsheadset sehr Preis-freundlich gestaltet wurde, bietet erst der Premium-Sektor abnehmbare Audiokabel und Mikrofon sowie weitere Features und das, obwohl sie sich optisch nur in Akzenten unterscheiden lassen. Klanglich unterscheiden sich die einzelnen Headsets nur selten, denn es wurde ein und derselbe Treiber verbaut. Hier setzen die Hersteller vermehrt auf eine Produktionsschiene und ein Produkt, statt unzählige Bänder im Werk für unterschiedliche Produkte laufen zu lassen. Gerade wer sich mal das Angebot von Drittanbietern und Computerzubehör-Herstellern angeschaut hat, wird zwischen deren Headsets vermehrt viel Ähnlichkeiten erkennen. Wir sprechen hier von dem berühmten „Apotheker-Schrank“, an dem sich die Hersteller gerne am breiten Angebot bedienen und ein Headset „zusammenbasteln“. Langlebigkeit steht hier weniger im Vordergrund, sondern nur das eigene Portfolio, ebenfalls von der Notwendigkeit bei den Gamern profitieren zu können.

Warum „alt“ nicht mit „neu“ und „neu“ nicht mit „alt“ funktioniert

Alle Jahre wieder preisen Hersteller im Gamingbereich ihre neusten Produkte an, die sogar besser sein sollen, als das Vorjahresprodukt und/ oder erweitern deren Features. Das klingt verlockend und animiert mit einem guten Marketing zum Neukauf einer Tastatur, welche nun statt simpler 3-farbiger Beleuchtung mithilfe einer Software über 16 Millionen Farben bietet. Für das besitzende Modell wird leider keine Software angeboten und wird durch das neue Produkt abgewertet. Das ist sicherlich nur ein Beispiel, denn das Phänomen zieht sich durch die ganze Palette an Peripherie. Viele Produkte lassen sich nicht in die moderne Software der Herstellerfamilie integrieren und verlieren so an Benutzerfreundlichkeit. Der Markt besitzt heute noch Produkte, die aufgrund ihrer Beleibtheit einfach neu aufgelegt werden und im Grunde nicht viel mehr und was anderes bieten. Ein Thema, das Gamer in Bezug zu Remaster-Games wohl zu gut kennen. Doch an der einzigen Qualität scheitern viele! Gekauft wird trotzdem.

Das schönste Beispiel zu alt und neu liefert uns Sony, die mit jeder Konsolen-Generation auch neue Peripherie liefern. Wir können aufgrund des Fortschritts der Technologie keine PSone-Controller an der PlayStation 5 nutzen. Doch auch wenn das Thema Abwärtskompatibilität in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, können wir den modernen DualSense-Controller nicht an der PlayStation 4 nutzen. Hier werden sicherlich die Gamer an der Xbox jetzt schmunzeln und gar sich ins Fäustchen lachen, doch auch sie sind Opfer der Lebensdauer ihrer Controller.

Es muss ein Umdenken stattfinden!

Wer heutzutage sich neue Peripherie gönnt, sollte sich im Vorfeld einige Gedanken machen, denn der künstlich bevorzugte Verschleiß geht nicht nur auf den eigenen Geldbeutel, sondern belastet die Umwelt zusätzlich mit unnötigem Elektroschrott. Schaut nicht nur auf den Preis, sondern auch den Support, welchen der Hersteller anbietet, an. Können wir Kabel bei Headsets, den USB-Wireless-Dongle oder gar Ohrpolster nachkaufen? Vielleicht muss man auch mal über seinen eigenen Schatten springen und seine über die Jahre geliebte Marke im Stich lassen und wechseln. Viele Hersteller sehen sich nämlich noch nicht in der Notwendigkeit etwas zu ändern, solange das Marketing funktioniert und die Gamer munter und fleißig weiterhin die Produkte kaufen.

Mit jeder Neuanschaffung müssen wir ein altes Gerät entsorgen und produzieren Elektroschrott sowie Giftmüll. Mit neuen Produkten werden zudem wertvolle Ressourcen verbraucht, die wir doch alle gut durchdacht einsetzen sollten.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973