Bild: EA Sports

[ PS5 TEST ] F1 2021 – Mit Vollgas zum WM-Titel

Seit Dienstag können wir das neue Formel 1 Spiel aus dem Hause Codemasters nun endlich auch auf der PlayStation 5 erleben, welche natürlich auch für die PlayStation 4, Xbox One und X/S sowie den PC verfügbar ist. Wir haben uns hinter das Lenkrad der Boliden geklemmt und es für euch in Augenschein genommen.

Ersteindruck

In Top-Form auf dem Start-Grid

Noch etwas ungewohnt erscheint am Start des Spiels das bekannte EA Sports Logo, mit dem wir bei FIFA schon immer begrüßt werden, denn Electronic Arts hat in diesem Jahr das englische Entwicklerstudio Codemasters für 1,2 Millionen US-Dollar übernommen. Die Übernahme kann gerne gesehen werden, wie jeder selber vermag. Letztendlich wird EA damit sein Portfolio an Sportspielen weiter ausbauen und Codemasters wird mehr Ressourcen zur Entwicklung erhalten. In dem neuen F1 2021 werden wir davon aber noch wenig spüren, da die Übernahme erst im vollzogenen Verlauf der Entwicklung stattfand. Dass EA dennoch etwas mitgemischt hat, vermuten wir aufgrund der eingeführten Spielerkarten oder hier als Fahrerwertung bekannt, wie wir es aus der FIFA Serie kennen.

Der Download zu F1 2021 ist in 2 Gruppen unterteilt, damit wir schon nach kurzer Zeit die ersten Runden auf den Asphalt drehen können. Auf der PlayStation 5 haben wir aber weniger als eine Stunde für die komplette Installation benötigt, die dann mit der Deluxe-Edition 64,02 GB in der Version 1.003.000 auf der schnellen internen SSD der PS5 Platz beansprucht.

So schwingen wir uns in eines der Boliden und starten zugleich mit Vollgas auf die erste Kurve zu. Hier lässt sich schon erkennen, dass es oberflächlich betrachtet, kaum technische Neuerungen gibt. Denn größten Sprung erleben wir sicherlich, da wir nun auf der Next-Gen-Konsole zocken und mit den adaptiven Triggern noch mehr Fahrgefühl erhalten. Da macht dann ein Formel 1 Spiel endlich auch mal mit dem Controller Spaß, ohne den Drang nach einem Lenkrad zu verspüren. Was uns im ersten Moment noch aufgefallen ist, am Schadensmodell wurde kräftig geschraubt und verzeiht nun keine Rempler mehr.

Die ersten Meter sind durchaus positiv

Schauen wir ins Menü, so wirkt alles in den Untermenüs deutlich aufgeräumter und übersichtlicher, auch wenn zugleich mehr Komplexität den Weg in das Spiel fand. Hier können wir gerade in den Optionen unseren „Skill“ perfekt an das Spiel anpassen, was zugleich F1 2021 die Möglichkeiten eröffnet einen Einstieg auch Arcade-Gamern zu ermöglichen, über den Casual-Gamer mit der Simulation bis hin zum puren Realismus, was wohl nur E-Sportler samt Lenkrad wirklich die pure Herausforderung bieten wird. Hier haben wir in einigen Testfahrten die Traktionskontrolle uns personalisiert und auch den Grip, denn vorab sind uns die Curbs wie eine Bestrafung vorgekommen, sobald wir auch nur in ihre Nähe kamen.

Der erste Eindruck darf ruhig positive gesehen werden, denn auch wenn die Corona-Pandemie eine Entwicklung für F1 2021 schwierig gestaltete, erhalten wir eine schöne Fortsetzung der bekannten F1-Serie aus dem Hause Codemasters.

Die Menüs wirken nun farbenfroher

Gameplay

Jetzt geht endlich der Punk ab!

Wie schon angesprochen, bietet uns F1 2021 auf der PlayStation 5 adaptive Trigger und haptisches Feedback am DualSense-Controller. Das erhöht schon auf den ersten Metern bis hin zur ersten Kurve das Fahrgefühl, welches einmal mehr sehr gut spürbar ist. Wir erhalten eine durchaus positive Rückmeldung was unser Bolide so treibt und welche Einstellungen im Setup getätigt wurden oder noch verändert werden müssen.  Zu jeder Zeit wissen und spüren wir, wie sich unser Bolide auf der Strecke verhält, wie wir die Kurven gut ausreizen können und der Punkt zwischen dem „zu viel“ und „zu wenig“ beim Gas geben und Anbremsen. Dabei rumpelt der Controller mächtig und lockert wohl sämtliche Schrauben im Inneren, denn er wird bis auf das härteste gefordert – Ob der DualSense das auf eine ganze Saison aushält, können selbst wir noch nicht sagen. Da werden wir zum Ende hin einen Boxenstopp samt Controller-Wechsel durchführen müssen. Wer mag, kann die Intensität im Menü erhöhen oder reduzieren.

Zahlreiche Einstellungen zur Personalisierung

Spieler, die mit F1 2020 schon ihre Runden gedreht haben, können fast nahtlos in F1 2021 einsteigen, denn Änderungen am Schwierigkeitsgrad gibt es nicht. Es kann weiterhin der Wert aus F1 2020 übernommen werden, auch wenn wir erst einige Runden drehen müssen, um eine saubere Runde hinzubekommen. Das liegt in erster Linie sicherlich am Reglement, das in 2021 geändert wurde, aber auch am spürbaren Feintuning des Gameplays. Alles wirkt nun noch weniger nach Arcade und geht den Weg mehr hin zur realen Simulation, ohne den Einstieg zu erschweren.

Das Gameplay geht sehr gut von der Hand, was aber im Vergleich zu F1 2021 schwieriger wirkt. Das könnte sicherlich am DualSense liegen, der eine präzise Eingabe erlaubt, aber wohl auch am Spiel. Curbs sind der pure Frust, wenn der Grip wie von Geisterhand verschwindet und unseren Boliden abfliegen lässt. Kurven, die wir einst noch mit Vollgas gefahren sind, werden zum ultimativen Frustfaktor. Hier darf gerne die Kurve 13 auf dem Bahrain International Circuit genommen werden oder die Kombination der Kurven 7 und 8 auf dem spanischen Rennkurs – Beim Rausbeschleunigen wird das Heck sehr leicht und ein Abflug kann nur schwer verhindert werden, außer man sitzt natürlich in einem Mercedes oder Red Bull. Zudem scheint das Phänomen der Streckenunterschiede wiederzukehren. Fahren wir in Bahrein noch gut im hinteren Mittelfeld mit und schnuppern an den Punkten, so scheinen wir in Spanien Sekunden hinter dem Hass-Team regelrecht hinterherzuhecheln. Das verstehen wir überhaupt nicht, denn die letzten Jahre hatten wir keine Probleme auf den Strecken und waren immer gut bei der Musik dabei. Selbst, wenn wir im My-Team-Modus unseren Boliden mit neuen Komponenten ausstatten, scheint sich das Problem nicht legen zu wollen. Entweder harmoniert unser Fahrstil nicht mehr oder Codemasters hat hier Änderungen vorgenommen, die uns nicht entgegenkommen.

Grafik, Sound & Technik

Schick aber nicht vollendet

F1 2021 kann auf der PlayStation 5 optisch sehr imposant in Erscheinung treten, denn die volle Auflösung in 4K samt HDR lässt uns mehr Details erkennen, als ein F1 2020 auf der PlayStation 5. Im Performance-Modus läuft das Spiel extrem flüssig bei 60 Bildern in der Sekunde – Zu mehr Frames raten wir nicht, da die Details verloren gehen. In einigen Zwischensequenzen scheint aber nicht alles flüssig und glatt zu laufen und ein Aufbau macht sich bemerkbar. Auch wenn die Playstation 5 im Grunde uns Raytracing ermöglicht, ist das im Spiel nicht vorhanden. Raytracing tritt nur in den Wiederholungen, Zwischensequenzen sowie im Fotomodus in Erscheinung. Das schmerzt jetzt nicht unbedingt, würde aber für den visuellen Kick sorgen. F1 2021 erweckt auch den Eindruck, dass die Strecken einfach vom Vorgänger übernommen wurden und einfach den technischen Möglichkeiten entsprechend, aufgefrischt wurden. Dafür sehen die Formel 1 Wagen sehr authentisch aus und jede Lamelle oder Jalousie der Aerodynamik ist erkennbar und lässt die Wagen auch unterscheiden. Hier greift die Liebe zum Detail und muss auch lobend erwähnt werden, auch wenn zugleich im My-Team-Modus unser „Schmuckstück“ sehr mager und einfach wie der Hass aussieht, selbst nach weiteren Entwicklungen.

Schöne Lichteffekte und das hier ist nur ein Screenshot

Auch beim Sound hat Codemasters wieder alles gegeben und die unterschiedlichen Motoren perfekt in das Spiel gebracht. Gerade der Turbo des Honda pfeift uns wohlwollend in die Ohren, während ein Ferrari-Motor mit seinem Brummen für Begeisterung sorgen kann. Da kann gerne auf den modernen 3D-Sound der PlayStation 5 verzichtet werden, der beim Fahren wohl kaum Spiel-aufwertend sich in Szene setzen könnte. Etwas langweilig und nicht mehr dem Zahn der Zeit entsprechend, ist der Kommentar von Heiko Waßer vom deutschen RTL-Fernsehen. Hier sollte Codemasters sich die Stimme eines Sascha Ross (Sky F1 TV) anhören, der alles viel kraftvoller rüberbringt. Ruhen die Motoren einmal, hüllt uns die Menü-Musik in ein Ambiente, um für das nächste Rennen Kraft und Konzentration tanken zu können. Leider gibt es im Spiel einen gravierenden Soundbug, der uns den Motoren-Sound aus einer Wiederholung mitten ins Renngeschehen trägt und unseren Motor nicht mehr wahrnehmen lässt. Das Problem tauchte urplötzlich auf und konnte selbst mit einem Spielstart nicht behoben werden, denn unser Speicherstand frisst den Bug auf uns zerstört diesen – Es lässt sich aber der Spielstand laden und weitermachen. Doch das ist nicht das einzige Problem, denn wer seine Wagen im MyTeam-Hauptquartier bearbeitet, wird ebenfalls einen beschädigten Speicherstand erhalten. Ein Patch dazu ist in Arbeit und wird demnächst auch für die Xbox und PlayStation rausgehauen.

Neue Boni in den Trainings-Sitzungen

Punkten kann hingegen das Spiel bei den Ladezeiten, die nun der Vergangenheit angehören. Sicherlich sind die Ladezeiten noch spürbar, für einen Spaziergang zum Kühlschrank reicht es aber nicht mehr. Codemasters muss aber noch einige Stellschrauben festdrehen, denn technisch betrachtet läuft zwar alles, wirkt aber zu altbacken und kopiert. Seit Jahren schwätzt uns die eine Reporterin an, die Zwischensequenzen laufen auch bekannt ab und eine Siegerehrung ist auch nichts Besonderes. Hier gehört mehr rein, um dem Spiel etwas frischen Wind zu verleihen. Dazu gehören sicherlich eine bessere Charaktererstellung, denn die gesamte Auswahl ist dunkelhaarig mit braunen Augen und ein Verstappen hat sich wohl die Lippen aufspritzen lassen. Jeder Spieler in FIFA ist netter anzuschauen – Da hoffen wir mal, dass EA Codemasters die Frostbite-Engine zur Verfügung stellt.

Ach ja, wer hier gerne mit dem neuen Logitech G923 seine Runden drehen will, der muss leider auf die True-Force-Technologie verzichten, denn Codemasters hat zwar das Lenkrad integriert, aber auf das nette Feature verzichtet – Das gibt es selbst in einem alten Gran Turismo Sport.

Umfang & Langzeitmotivation

Das Mehr mit weniger

In F1 2021 gibt es auch wieder zahlreiche Spielmodi. Neu mit dabei ist der Story-Modus „Braking Point“, der uns die schillernde Welt der F1 näher bringen soll. Naja, man kann ihn spielen, sollte aber nicht in dem Glauben verfallen, die Formel 1 ist von Nettigkeiten & Streitigkeiten in der Boxengasse geprägt. Es läuft dann doch alles ein wenig anders ab! Weiter mit dabei natürlich die Weltmeisterschaft, Schnelles Rennen, Zeitfahren, E-Sport Veranstaltungen, Multiplayer und der My-Team-Modus. Neu mit dabei, eigentlich vor Jahren schon mal gehabt und einfach abgeschafft, ist der Koop-Modus einer Weltmeisterschaft. Hier kann man dann mit seinem besten Spielfreund in Ruhe eine Weltmeisterschaft bestreiten. Es spielt in allem auch keine Rolle, wie ihr alles über welche Distanz erleben wollt. Nur 5 Runden oder die komplette Distanz? F1 2021 lässt euch alles erleben! Damit ist die Motivation gegeben, solange man auch über die Kondition verfügt.

Die Entwicklungsabteilung wurde optisch aufgefrischt

Alles in allem ist das aber heute zu wenig. Gerade in F1 2021 gibt es zwar neue Modi aber es wurde auch einfach auf Features verzichtet. Die klassischen Boliden fehlen einfach! Auch muss alles besser ausgebaut werden, denn schauen wir uns die vielen Lackierungen und Looks der Boliden und Rennanzüge samt Helme an, die alle käuflich zu erwerben gibt, ist F1 2021 eher ein Kindergarten von Fortnite und Call Of Duty. Kunterbunt und mit wilden Tarnlackierungen können wir Waffen in Shootern schmücken und keinen Premium-Rennwagen. Hier eine solide und würdig auftretende Lackierung zu finden, gar nicht mal so einfach. In einem Multiplayer für einen Spaß schon, aber Gran Turismo Sport hat uns doch gezeigt, wie man seinen Wagen selber gestalten kann. Wir wären sogar bereit für eine schöne Lackierung etwas Geld im PSN-Store zu lassen, aber was derzeit da geboten wird, wohl eher nicht! Warum auch nicht automatisch unser Motorenlieferant seinen Namen auf den Boliden drucken kann, ist uns fast schon ein Dorn im Auge. Das wirkt alles etwas lieblos und vernachlässigt.

Die Lackierung sind alle eher lächerlich und kindisch anzusehen – kosten zudem extra Geld

Neue Strecken kommen noch – heißt es beim Start des Spiels. Wann aber Portugal, Imola oder Saudi-Arabien nachgereicht werden, bleibt ein Geheimnis. F1 2021 ist damit das erste Formel 1 Spiel, das nicht den authentischen Rennkalender bietet. Dafür gibt es aber Strecken wie Singapur und Australien. Da hätten die ruhig auch Vietnam mit drin lassen sollen, um dem Spiel über die WM-Jahre mehr Abwechslung verabreichen zu können, denn in F1 2020 wurde immer die gleichen Strecken gefahren – Jahr für Jahr in unserer Fahrerkarriere. Das Fehlen sollte aber respektvoll hingenommen werden, denn die Pandemie hat auch Codemasters wichtige Ressourcen gekostet.

Fazit

Spielerisch super, aber es fehlt an Patches

Mit F1 2021 liefert Codemasters wieder ein würdiges Formel 1 Spiel ab, das aber in der Entwicklung durch Corona mächtig gebeutelt wurde. Alles wirkt schön anzusehen und das Fahrgefühl ist mal wieder erste Sahne. Leider werden wir den Anschein nicht los, dass Codemasters uns hier nur ein Upgrade liefert, auch wenn es nun einen Story-Modus gibt. Kleine technische Bugs vermiesen einem die Stimmung und der einstige Wow-Faktor kommt auch nicht mehr auf. Dafür hat uns Codemasters in den letzten Jahren zu sehr verwöhnt. Da wir aber guter Dinge sind und hoffnungsvoll in die aktuelle Saison mit dem Weg eines Verstappen zum Titel gestimmt sind, reicht es diesmal nicht ganz für ein herausragend. Wir können F1 2021 aber jedem Rennfahrer an der heimischen Konsole ans Herz legen und bedenkenlos empfehlen.

F1 2021 - [Playstation 5]
  • Genießen Sie die tollen neuen Features von F1 2021, inklusive der spannenden Story „Braking Point“, der Zwei-Spieler-Karriere und mehr Intensität mit „Realer Saisonstart“
  • Tauchen Sie ein in das größte Rennspektakel der Welt und fahren Sie Rennen mit der authentischen Besetzung aus 20 Fahrern und 10 Teams der Saison 2021
Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973