[ PS5 TEST ] Tennis World Tour 2 – Next-Gen-Tennis in der Complete Edition

Was im ersten Moment sicherlich etwas erstaunlich klingt, aber stimmt: Die Tennis-Simulation auf dem PC und den heimischen Spiele-Konsolen gehört mit zu den ältesten Spielen. Im Jahre 1972 veröffentlichte Atari das Spiel Pong, welches zwar sicherlich mehr als Tischtennis gesehen wird, letztendlich aber als erstes Tennis-Game gesehen werden kann. Im Laufe der Jahre gab es diverse andere Spiele, die uns immer wieder das Gefühl der bekannten Sportart auf den heimischen Bildschirm brachte. So scheint Bigben Interactive und das Big Ant Studios diese Tradition aufrechtzuerhalten und entwickelte in den letzten Jahren Tennis Simulationen wie AO Tennis oder Tennis World Tour.

Tennis World Tour 2 ist dabei das neuste Spiel und wurde im vergangenen Herbst von Nacon und Big Ant Studios veröffentlicht. Am 25. März wurde für Tennis World Tour 2 das Next-Gen-Update veröffentlicht, welche als Complete Edition erhältlich ist. Die Complete Edition enthält auch den neuen Champions Pack-DLC, der sechs weitere Spieler enthält: Andy Murray, Maria Sharapova, Donna Vekic, Marin Cilic, Justine Henin und Diego Schwartzman. Das DLC-Paket enthält außerdem den ATP Cup, vier neue Stadien in London und Melbourne sowie neues Zubehör und Outfits. Besitzer der Ace Edition erhalten ein kostenloses Upgrade auf die neue Version, die alle bestehenden Inhalte von Tennis World Tour 2 umfasst.

Ersteindruck

Wirkt etwas altbacken

Tennis World Tour 2 wurde noch dem Release der PlayStation 5 und Xbox Series X veröffentlicht und bediente sich den technischen Möglichkeiten der Xbox One und PlayStation 4. Oberflächlich betrachtet sind im ersten Moment auch keine Änderungen im Upgrade zu erkennen. Das Spiel benötigt 11,23 GB auf der Hauptfestplatte der PlayStation 5 und kann nicht auf eine externe Festplatte ausgelagert werden. Dafür wird dem Spieler aber das Feature der neuen und schnelleren Ladezeiten geboten, die leider noch nicht ganz an das Optimum der PlayStation 5 heranreichen. Obwohl wir mit Tennis World Tour 2 für die Next-Gen-Konsolen die Complete Edition erhalten, sind dennoch weitere zusätzliche Inhalte im Store verfügbar. Hier zeigt sich das „Kostüm-Paket“ Wilson-Kit.

Starten wir das Spiel erstmalig werden wir ziemlich trocken in das Hauptmenü geworfen, denn auf ein imposantes Intro wurde leider verzichtet. Das bietet sicherlich einen schnellen Start, lässt aber den Sport an sich etwas in den Hintergrund rücken. Im Hauptmenü werden uns zahlreiche Spielmodi geboten, die uns ein schnelles Spiel ermöglichen, ein Turnier starten lassen oder gar eine Karriere bietet. Für Neueinsteiger empfehlen wir die Tennisakademie, in der wir uns mit den Grundlagen des Tennis vertraut machen können. Dieser Punkt ist sehr hilfreich, denn hier werden uns auch die Gameplay-Features gezeigt, welche letztendlich auch kräftig verinnerlicht werden können.

Wer gerne sich mit anderen Spielern messen will, dem bietet Tennis World Tour auch einen Koop-Modus an eines der Konsolen im Exhibition-Modus oder man steigt direkt Online ein.

Gameplay

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Im Fokus von Tennis World Tour 2 steht sicherlich der Karriere-Modus, der vorab die Erstellung eines eigenen Spielers erfordert. Aus vorgegeben Profilen können wir hier uns einen Spieler zusammenbasteln, was uns aber im Gesamtbild viel zu wenige Optionen bietet. Die Möglichkeiten liegen leider noch weit unter dem Machbaren, denn in der Vergangenheit boten uns Spiele schon ein Selbstbild, das mithilfe einer Kamera eingelesen wurde. Ob das einem Gamer ausreicht oder nicht, lässt so nur schwer sagen. Mehr Optionen zur Personalisierung sind immer wünschenswert.

Stehen wir das erste Mal auf dem Court, so ist das Gameplay ein Werk der alten Schule. Gespielt wird mit den PlayStation-Symbol-Tasten, die uns unterschiedliche Schläge ausführen lassen. Da diese Tasten allesamt mehr eine digitale Eingabe erzielen, haben wir so nur wenig Einfluss auf die Schlagkraft oder anderes intensives Gameplay. Erzielt wird die Schlagkraft durch eine Vorabreaktion, den Schlag schon vor der Ballannahme ausführen zu können. Auf ein haptisches Feedback des DualSense Controllers wird leider verzichtet.

Unser erstes Spiel war sicherlich keine Glanzleistung, denn wir kassierten unsere erste Klatsche. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack. Untermauert wird der Beigeschmack durch eine gewisse Trägheit, denn so richtig flüssig wirkt das Gameplay anfänglich nicht. Schnelle Bewegung für einen Seitenwechsel im eigenen Feld müssen zusätzlich über die Schultertaste erzwungen werden. Unser neuer Spieler wirkte faul in seinen Bewegungen und zu spät sind wir immer an den Ball gekommen. Die Bewegungen ganz ohne Ball sollten deutlich flotter ablaufen, so wie wir es aus einer Fußball-Simulation kenne. So gehen wir erstmal zurück ins Training und versuchen die Steuerung zu verinnerlichen. Das bringt zwar nicht viel, lässt uns aber hin und wieder auch mal einen Ballwechsel bewerkstelligen.

Der Trainingsmodus lässt uns das Gameplay erlernen.

Grafik & Sound

Trotz Upgrade keine Referenz

Optisch gesehen ist Tennis World Tour 2 sicherlich kein Referenz-Titel auf den Next-Gen-Konsolen. Obwohl uns hier nun eine native 4K-Auflösung geboten wird und Raytracing auch zum Tragen kommt, wirkt alles dennoch sehr einfach gehalten. Zum Teil stimmt zwar die Stimmung, in der Runde über ist aber alles noch sehr plastisch gehalten. Man bietet viel Leben am Rand und die Zuschauer sind keine Wand, erzielen aber den Eindruck bezahlte Animateure zu sein. Hier fehlt eindeutig der Feinschliff und eine gute Engine. Da helfen dann auch keine Verbesserungen der Partikel-Effekte und Raytracing ist sicherlich als bemerkenswert zu bezeichnen. Da wäre ein gutes HDR wesentlich besser gewesen.

Beim Sound lässt sich eine gute Stimmung vernehmen, auch wenn bedacht werden sollte, dass Tennis kein Fußball ist, wo die Zuschauer kräftig ihren Favoriten anfeuern. Hier geht es etwas anständiger zu, und klatscht wird im englischen Style. Etwas nervtötend oder gar belustigend ist das Gestöne der Tennisspieler.

Umfang & Langzeitmotivation

Tennis muss schon im Herzen stecken

Als umfangreich darf man Tennis World Tour 2 sicherlich bezeichnen, denn das Spiel bietet viele bekannte Stadien und knapp 50 bekannte Tennisspieler. Sicherlich darf auch erwähnt werden, dass die Entwickler hier auf die Legenden verzichtet haben – Die wahren Legenden! So vermissen wir eine Steffi Graf, Boris Becker oder Agassi. Das schadet dem Spiel jetzt nicht, wäre aber ein schönes Feature gewesen.

Die Langzeitmotivation ergibt sich aus der Liebe zum Sport. Man muss Tennis sicherlich mögen und etwas in der Materie stecken, um all die Turniere und Pokale gewinnen zu wollen. Der Aufbau des eigenen Spielers ist dabei ein entscheidender Faktor und eigentlich in heutigen Spielen nicht mehr wegzudenken.

Fazit

Unterhaltsam mit Spaß im Koop

Mit Tennis World Tour 2 in der Complete Edition liefert uns Nacon und das Entwicklerstudio Big Ant ein schönes Tennisspiel, welches trotz Next-Gen-Upgrade nicht die Möglichkeiten der neuen Konsole auch nur anspricht. Sicherlich läuft die Grafik sauber und ordentlich in 4K und vereinzelt bietet Raytracing schöne Lichteffekte, doch im Gesamtbild wirkt alles noch viel zu schlicht und erinnert eher an die Last-Gen-Generation.

Wer schon immer Tennis auf der Konsole spielen wollte, kann bedenkenlos zugreifen und bekommt den Sport hautnah zum Erleben und miterleben. Wer gezielt Tennis auf der PlayStation 5 oder Xbox Series X mit all seinen technischen Geschwindigkeiten haben will, sollte dann vielleicht doch auf einen Nachfolger warten und hoffen, dass Tennis die Stufe eines FIFA erreicht. Eine Empfehlung können wir nur eingefleischten Tennisfans aussprechen, alle anderen sollten auf einen günstigen Preis im passenden Store warten, denn 60 Euro ist das Spiel so nicht wert.

Tennis World Tour 2
7 Bewertungen
Tennis World Tour 2
  • Mehrere offizielle Stadien (u.a. OWL-Arena in Halle)
  • Neue Wettbewerbsform Tie-Break Tens (Kurzes Match, Sieger mit 10 Punkten)
  • 38 original nachgebildete Tennisprofis (u.a. Nadal, Federer)
Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973