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RESIDENT EVIL REQUIEM im Test – Zwischen Trauma und Vergeltung

Resident Evil Requiem wagt den ambitionierten Spagat zwischen psychologischem Trauma und bleihaltiger Überlegenheit. Wir erleben zwei völlig gegensätzliche Überlebenskämpfe um das Schicksal der Menschheit.

Ein Fest für Horrorfans, das durch seinen mutigen Rhythmuswechsel jedoch auch kleine atmosphärische Risse offenbart.

Resident Evil Requiem wählt einen erzählerisch überaus dichten Einstieg, der uns in seinen düsteren Bann zieht. Die Geschichte beginnt enorm spannend, indem wir Grace Ashcroft in ihrer Funktion als FBI-Agentin bei der Untersuchung eines mysteriösen, grausamen Mordes begleiten. 

Sie nimmt dafür ein altes, verlassenes Hotel in Augenschein, dessen modrige Wände eine sehr persönliche, schreckliche Bedeutung für unsere Protagonistin besitzen. Genau an diesem unheilvollen Ort durchlitt sie vor vielen Jahren ein traumatisches Erlebnis, dessen kalte Schatten sie bis heute unerbittlich verfolgen. Beim Betreten der Hotellobby spüren wir förmlich die erdrückende Last ihrer eigenen düsteren Vergangenheit. Die Story nimmt sich hier erfreulicherweise die nötige Zeit, um die emotionale Fallhöhe aufzubauen, bevor der eigentliche physische Überlebenskampf entbrennt. 

Grace Ashcroft ist eine junge FBI-Agentin, die sich einem alten Trauma stellen muss.

Dieser verfallene Schauplatz fungiert als Katalysator und bildet den Quell für drängende Fragen, die weit über einen gewöhnlichen Kriminalfall hinausgehen. Es geht schon bald um Graces tiefste persönliche Abgründe, um die ungewisse Zukunft ihres späteren Begleiters Leon Kennedy und letztlich um nichts Geringeres als den endgültigen Ausgang für die gesamte Menschheit.

Spielmechanisch präsentiert sich Resident Evil Requiem als faszinierendes Dualitätsexperiment, das zwei völlig unterschiedliche Philosophien des Schreckens nahtlos miteinander verschmilzt. Auf der einen Seite der Medaille steht die FBI-Analystin Grace Ashcroft, deren Abschnitte eine brillante, nervenaufreibende Hommage an den klassischen Überlebenskampf eines Horror-Survival darstellen. 

Wenn wir Grace durch die Dunkelheit steuern, spüren wir eine permanente, drückende Verletzlichkeit. Ihr Inventar bietet kaum Platz, was ein rigoroses und strategisches Ressourcenmanagement unabdingbar macht. Jeder gefundene Gegenstand, jedes rettende grüne Heilkraut besitzt einen enormen spielerischen Wert und zwingt uns, unsere gewählte Route zu planen. Wir überlegen stets dreimal, ob wir die offene Konfrontation suchen oder doch lieber den lautlosen Weg durch die von Gefahren wimmelnden Flure wählen. Oftmals retten uns nur flinke Beine vor dem sicheren Verderben, da die mitgeführten Vorräte schlichtweg niemals für jeden sabbernden Widersacher ausreichen.

Ein sichtbar gealterter Held. Noch immer sucht Leon nach Antworten.

Ihre Passagen spielen sich ungemein intensiv,  furchteinflößend und atmosphärisch derart dicht, dass wir beim Erkunden der dunklen Räume immer wieder die Luft anhalten. Grace geht weitaus defensiver vor, ihre Animationen wirken deutlich bedachter und weitaus weniger kampferprobt als die brachialen Manöver. 

Eine neue Mechanik bildet ihre grausige Spezialfähigkeit: Sie nutzt das kontaminierte Blut der besiegten Untoten als wertvollen Crafting-Gegenstand. Wir extrahieren diese makabre Ressource mithilfe spezieller Werkzeuge direkt aus den Körpern, um daraus hochwirksame toxische Abwehrmittel herzustellen, die wir den Monstern anschließend injizieren. Dieser smarte Kniff spart dringend benötigte Munition und verleiht den ansonsten rein defensiven Ausweichmanövern eine faszinierende taktische Tiefe. Diese neuartige, alchemistische Ebene fügt dem Überlebenskampf eine frische Komponente hinzu und belohnt mutiges, kalkuliertes Risiko am Feind.

Auf der exakt entgegengesetzten Seite wartet der kampferprobte Veteran Leon Kennedy auf seinen explosiven Einsatz. Sobald die Handlung den Fokus auf ihn richtet, transformiert sich das Abenteuer spürbar in ein völlig anderes Erlebnis.

Leon zeigt wieder seine Nahkampf-Skills. Auch am roten Saft wird nicht gespart.

Leons Passagen setzen massiv auf offensive Action und eine überlegene, brachiale Feuerkraft. Sein Inventar fällt deutlich geräumiger aus, er führt durchschlagskräftigere Schusswaffen ins Feld und findet in den Ruinen weitaus mehr Munitionspäckchen. Wenn die verrottenden Horden anrücken, geraten wir mit dem erfahrenen Agenten nur noch selten in echte Panik. Stattdessen packen wir routiniert das eiserne Beil aus und wehren uns in wuchtigen, blutigen Nahkämpfen. Diese physische Präsenz verleiht den Konfrontationen eine brutale, befriedigende Dynamik. Leon teilt kräftig aus, blockt gefährliche Angriffe ab und bahnt sich seinen Weg notfalls mit purer Körperkraft durch die modernden Fleischmassen.

Dieser stetige, vorgegebene Wechsel zwischen der verletzlichen Ermittlerin und dem unaufhaltsamen Agenten bringt unvermeidlich Licht- und Schattenseiten mit sich. 

Positiv hervorzuheben ist zweifellos die enorme spielerische Abwechslung, die dadurch entsteht. Ermüdende Monotonie kommt niemals auf, da wir unsere Vorgehensweise regelmäßig an die jeweilige Spielfigur anpassen müssen. 

Grace sorgt verlässlich für die nervenaufreibende Gänsehaut, während Leon die aggressive Entladung liefert. Kritikwürdig ist hingegen der manchmal zu harte Bruch im Spielfluss. Manchmal wünschen wir uns sehnlichst, länger in der bedrückenden Isolation des verlassenen Hotels verweilen zu dürfen, anstatt plötzlich wieder in rasante, laute Schusswechsel in den Straßen geworfen zu werden. Für Puristen könnte der Action-Anteil zeitweise zu dominant ausfallen, da die bedrohliche Stimmung oftmals im gleißenden Mündungsfeuer erstickt. Adrenalin-Junkies empfinden die langsamen Schleichpassagen im Gegenzug womöglich als zu zäh und hinderlich.

Unheimlicher Widersacher: Was führt Victor Gideon im Schilde?

Zudem fällt beim genauen Hinsehen positiv auf, wie unglaublich organisch die unzähligen Widersacher in dieser kaputten Welt agieren. Die Zombies verhalten sich erstaunlich unvorhersehbar und tragen faszinierende, rudimentäre Eigenschaften ihrer ehemaligen menschlichen Existenz in sich. Wir beobachten teilweise völlig verblüfft, wie ein Infizierter scheinbar ziellos einen Lichtschalter immer wieder an- und ausschaltet, gänzlich gefangen in einer endlosen motorischen Schleife aus seinem früheren Leben. 

An einer anderen, gruseligen Stelle treffen wir auf einen untoten Küchenchef, der stoisch in einer verdreckten Gastronomieküche steht und mit mechanischer, eiskalter Regelmäßigkeit sein schweres Hackmesser schwingt. Solche grotesken, fast schon tragischen Details verleihen den hirnlosen Feinden eine gespenstische Persönlichkeit und tragen massiv zur dichten Stimmung bei. Sie verkommen niemals zu reinen Zielscheiben, sondern bleiben stets tragische Relikte eines längst vergangenen, normalen Lebens.

Zombies haben keine Tischmanieren!

Optisch brennt Resident Evil Requiem auf der PS5 ein wahres, beeindruckendes Feuerwerk des Verfalls ab. Die leistungsstarke Engine zaubert fotorealistische Texturen auf den Bildschirm, die jede noch so kleine Schweißpore der Protagonisten und jeden fauligen, eitrigen Fleck der Widersacher erschreckend detailliert darstellen. Besonders die Ausleuchtung der tristen Schauplätze, allen voran das verlassene Hotel aus dem Prolog, verdient allerhöchstes Lob. Die Charaktermodelle sind zudem herausragend animiert. Wir erkennen die pure emotionale Erschöpfung in den Gesichtern, sehen den Schmutz auf der Haut und spüren die enorme Wucht der Bewegungen, wenn Leons Beil krachend auf fauliges Gewebe trifft.

Die bereits erwähnte organische Natur der Feinde wird durch die brillante visuelle Umsetzung weiter signifikant verstärkt. Achten wir genau auf die Augen der Infizierten, erkennen wir einen milchigen, toten Glanz, der dennoch einen winzigen Funken Restbewusstsein zu suggerieren scheint. 

Die abwechslungsreichen Umgebungen strotzen nur so vor liebevollen, kleinen Details. Verstreute Akten, umgestoßene Möbelstücke und hastig hinterlassene, verschmierte Blutspuren erzählen stumme, grausame Geschichten vom plötzlichen Zusammenbruch der zivilisierten Gesellschaft. Technisch läuft das Geschehen auf der aktuellen Sony-Konsole stets flüssig. 

Die akustische Untermalung steht der visuellen Pracht erfreulicherweise in nichts nach. Das Sounddesign erweist sich als ein absolutes Meisterwerk der psychologischen Kriegsführung. Die Ton-Ingenieure verstehen es exzellent, absolute Stille als drückendes Instrument des Schreckens einzusetzen. Oft hören wir minutenlang gar nichts außer unseren eigenen, schweren Atemzügen und dem leisen, verräterischen Knarzen des Holzes. Wenn dann plötzlich ein kehliges, nasses Röcheln aus dem Nichts ertönt, gefriert uns das Blut buchstäblich in den Adern. Die Waffensounds variieren hervorragend; während die kleinen Kaliber von Grace eher ein trockenes, scharfes Knallen erzeugen, dröhnen Leons Schrotflinten mit Bassgewalt. 

Die musikalische Begleitung hält sich angenehm dezent im Hintergrund und schwillt nur in dramatischen Schlüsselmomenten zu einem bedrohlichen, lauten Crescendo an. Besonders die matschigen, feuchten Geräusche der Gegner erzeugen ein wohliges Ekelgefühl, das perfekt zum morbiden Grundton des gesamten Werks passt.

Ein furchteinflößender Gegner. Da heißt es nur: Lauf!

Resident Evil Requiem ist ein überaus ambitioniertes Werk, das die etablierten Grenzen des eigenen Genres mutig auslotet und erweitert. Wir erleben ein tiefgründiges, emotionales Abenteuer, das sich nicht davor scheut, zwei völlig konträre Gameplay-Philosophien in einen gemeinsamen Ring zu schicken. 

Die bedrückenden, von panischer Angst geprägten Passagen mit Grace Ashcroft gehören zweifellos zum Besten, was der Survival-Horror in den letzten Jahren überhaupt hervorgebracht hat. Das clevere, stark fordernde Ressourcenmanagement, die makabre Mechanik der Blut-Extraktion und die persönliche Fallhöhe rund um das alte Hotel zwingen uns kontinuierlich zu einem bedachten, extrem klugen Vorgehen. Auf der anderen Seite bietet Leon Kennedy ein feuerstarkes, actiongeladenes Gegengewicht, das durch wuchtige, brutale Nahkämpfe und ein riesiges Arsenal an durchschlagskräftigen Zerstörungswerkzeugen glänzt.

Die wahre Brillanz des Titels liegt jedoch in seinen faszinierenden, organischen Details. Infizierte, die menschliche Routinen unablässig wiederholen, zeugen von einem grandiosen Gespür für subtilen, psychologischen Grusel, der  unter die Haut geht. 

Grafisch und akustisch liefert das Studio auf der PS5 eine absolute Meisterleistung ab, die uns unweigerlich und unbarmherzig in die verfallene Welt hineinzieht. Doch genau in der namensgebenden Dualität der Spielstile liegt ironischerweise auch der größte Kritikpunkt begraben. Der stetig von der linearen Erzählung diktierte Wechsel zwischen defensiver Zurückhaltung und offensiver Zerstörung zerreißt gelegentlich die emotionale Bindung zum Geschehen. Wer reinen, ungefilterten Horror sucht, wird von den bleihaltigen Exzessen sicherlich irritiert sein. Wer hingegen unkomplizierte, schnelle Action bevorzugt, verliert in den ruhigen, nervenaufreibenden Schleichpassagen vielleicht vorschnell die rettende Geduld.

Trotz dieser spürbaren Risse im narrativen Fundament überwiegen die inszenatorischen Stärken überdeutlich. Das Spiel bietet ein ungemein intensives, unvergessliches Erlebnis, das noch sehr lange nach dem finalen Abspann im Gedächtnis nachhallt. Es ist ein gewagter, bemerkenswerter Schritt für das legendäre Franchise, der Nostalgie und moderne Spielmechaniken überaus gekonnt verwebt. Wir sprechen eine klare, unbedingte Empfehlung für all jene aus, die sich auf diese wilde emotionale Achterbahnfahrt einlassen möchten und ausreichend starke Nerven mitbringen.

Resident Evil Requiem erscheint am 27. Februar 2026 für PS5, PC, Xbox Series S/X und Nintendo Switch 2.

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