Der ikonischste Helm der Videospielgeschichte landet nach einem Vierteljahrhundert erstmals auf einer Konsole von Sony. Halo: Campaign Evolved bringt die legendäre Geburtsstunde des Master Chiefs in der Unreal Engine 5.
Wir prüfen in unserem Test, ob die Neugestaltung des Ego-Shooter-Klassikers auf der PS5 die hohen Erwartungen erfüllt oder im Schatten der eigenen Tradition stehen bleibt.
Ersteindruck
Das historische Debüt eines Giganten
Es fühlt sich beinahe surreal an, wenn wir den DualSense-Controller in den Händen halten und das ikonische Logo der Ringwelt über den Bildschirm flimmert. Jahrelang gilt die Reihe als das unumstößliche Aushängeschild der Konkurrenz, doch mit Halo: Campaign Evolved bricht eine völlig neue Ära an. Bereits im Hauptmenü empfängt uns der vertraute, epische Mönchschor, der sofort nostalgische Erinnerungen weckt.
Der Einstieg verweilt nicht lange in grauer Vorzeit, sondern wirft uns nach einer kurzen Kalibrierung der Rüstung direkt in das Geschehen.
Besonders spannend finden wir die drei völlig neuen Prolog-Missionen, die das Geschehen vor den bekannten Ereignissen der Pillar of Autumn beleuchten. Hier begleiten wir den Protagonisten gemeinsam mit dem gewohnt wortgewandten Sergeant Johnson durch frische Szenarien. Dieser Zusatz erweist sich als geschickter Schachzug, denn er bietet selbst treuen Serienveteranen spürbaren Mehrwert. Wir erleben aus nächster Nähe, wie die Bedrohung durch die Allianz spürbar wächst, bevor die eigentliche Schicksalsreise auf dem Ring ihren Lauf nimmt.
Die ersten Schritte auf der PS5 hinterlassen einen geschmeidigen Eindruck. Das Spielgefühl transportiert die unverkennbare Masse des Supersoldaten punktgenau in die Gegenwart. Allerdings fällt uns im selben Atemzug auf, dass der Titel auf einen Mehrspielermodus gegen andere menschliche Mitspieler verzichtet. Wer gehofft hat, sich auf klassischen Karten heiße Duelle zu liefern, geht leider leer aus.
Stattdessen konzentriert sich das gesamte Paket ausnahmslos auf die Kampagne, was manche Serienfans im ersten Moment enttäuschen dürfte. Dennoch überzeugt uns der Mut zur Fokussierung, da das Hauptabenteuer dadurch spürbar mehr Feinschliff erfährt.

Gameplay
Alter Klassiker im schicken neuen Gewand
Im Kern bleibt das fundamentale Spielprinzip unangetastet, fühlt sich durch moderne Stellschrauben aber erstaunlich dynamisch an. Wir bewegen uns als Master Chief durch weitläufige Areale, nutzen Deckungen und koordinieren den Einsatz unseres Energieschildes mit chirurgischer Präzision. Das Zusammenspiel aus Feuern, Granatenwerfen und Nahkampf bildet nach wie vor das Herzstück und funktioniert geschmeidiger denn je. Wir bemerken rasch, dass die Steuerung maßgeschneidert auf das Pad angepasst ist. Wenn wir den Abzug des Sturmgewehrs betätigen, spüren wir den klaren Widerstand der adaptiven Trigger. Noch beeindruckender fällt die haptische Rückkopplung aus, wenn wir mit dem Warthog über holprige Sanddünen preschen oder eine Plasma-Granate in unmittelbarer Nähe explodiert.
Eine erfreuliche Bereicherung stellt das erweiterte Waffenarsenal dar. Die Macher ergänzen das ursprüngliche Sortiment um neun legendäre Knarren aus späteren Serienablegern. Dadurch entstehen im Gefecht neue taktische Möglichkeiten, wenn wir etwa mit modifizierten Scharfschützengewehren auf Distanz gehen oder mit schweren Energiewaffen ganze Alien-Horden aufreiben. Zudem erweitert Halo: Campaign Evolved die Bewegungsfreiheit erheblich. Zum allerersten Mal im ersten Teil dürfen wir feindliche Fahrzeuge kapern. Es bereitet uns die pure Freude, einen feindlichen Sangheili aus seinem Ghost zu befördern oder die Kontrolle über einen massiven Wraith-Panzer zu übernehmen.
Trotz aller Modernisierungen stolpern wir im Testverlauf über manche Altlasten, die das ursprüngliche Leveldesign mit sich bringt. Während die Außenareale große Begeisterung wecken, wirken einige Schlauchgänge im späteren Spielverlauf drückend monoton. Das ständige Wiederholen ähnlicher Korridore erinnert manchmal etwas zu deutlich an vergangene Dekaden.

Die verbesserte Wegfindung hilft zwar dabei, dass wir uns seltener verlaufen, doch die strukturelle Eintönigkeit mancher Innenlevel lässt sich nicht gänzlich kaschieren.
Dafür entschädigt das neu gestaltete Kampagnen-Remix-System mit seinen unzähligen Skulls. Diese Modifikatoren erlauben es uns, Feindtypen, Waffenbestückungen und Umweltbedingungen frei zu mischen, was den Wiederspielwert enorm in die Höhe treibt. Auch der Koop-Modus für bis zu vier Personen im Online-Betrieb sowie der lokale Zwei-Spieler-Splitscreen sorgen für fantastische Momente.
Grafik & Sound
Ein bombastisches Fest für Augen und Ohren
Technisch zieht Halo: Campaign Evolved auf der PS5 alle Register und zeigt eindrucksvoll, was die Unreal Engine 5 zu leisten vermag. Die Lichteffekte wirken schlicht atemberaubend, wenn die Sonne durch die dichte Vegetation der Alien-Welt bricht. Partikeleffekte bei Plasma-Explosionen, feine Texturen auf den Rüstungen der Allianz-Krieger und beeindruckende Sichtweiten verwandeln den einstigen Klassiker in ein modernes optisches Spektakel. Wir genießen die flüssige Darstellung, die selbst in hektischen Schlachten mit zahlreichen Explosionen stoisch stabil bleibt.

Gleichwohl bemerken wir an einzelnen Stellen kleinere Schönheitsfehler. In extrem dicht bebauten Räumen kommt es gelegentlich zu minimalen Nachladern bei hochauflösenden Texturen, was den Gesamteindruck jedoch nur marginal trübt. Etwas auffälliger gestaltet sich die Diskussion um den visuellen Stil. Während die Umgebungsdetails extrem realistisch wirken, verlieren manche Alien-Architekturen ein wenig von ihrem ursprünglichen, minimalistischen Charme. Die Mischung aus nostalgischem Design und hochmoderner Beleuchtung gelingt meist hervorragend, wirkt an manchen Stellen aber fast schon etwas überladen.
Akustisch bewegt sich das Werk auf absolutem Referenzniveau. Der neu eingespielte Soundtrack verbindet die zeitlosen Melodien von damals mit beeindruckender Wucht und orchestraler Tiefe. Jeder Schusswechsel klingt knackig, fett und bassgewaltig.
Über ein hochwertiges Headset nutzen wir die räumliche Audio-Unterstützung der PS5, um die Schrittgeräusche herannahender unsichtbarer Eliten oder das Zischen von Plasmaladungen präzise im Raum zu orten. Die Synchronisation überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie, da die Sprecher ihre Rollen mit enormer Hingabe transportieren und der melancholisch-heroischen Grundstimmung genau das richtige Gewicht verleihen.

Fazit
Ein packendes Comeback auf unerwartetem Terrain
Am Ende unseres Ausflugs steht fest: Halo: Campaign Evolved gelingt das Kunststück, ein zeitloses Meisterwerk würdevoll in die Moderne zu hieven. Die Entscheidung, den Vorzeige-Shooter auf die PS5 zu bringen, erweist sich als voller Erfolg. Das fantastische Gunplay, die exzellente Einbindung der DualSense-Funktionen und die imposante Kulisse schnüren ein mitreißendes Gesamtpaket. Die drei frischen Prequel-Missionen und das erweiterte Waffen- und Fahrzeug-Repertoire werten die Reise spürbar auf und bieten selbst Kennern echten Mehrwert.

Gleichwohl müssen wir Abstriche bei der Abwechslung mancher Innenräume machen, deren schlauchiges Leveldesign die Herkunft aus vergangenen Tagen nicht vollends verbergen kann. Zudem wiegt der komplette Verzicht auf einen kompetitiven Mehrspielermodus schwer für all jene, die den Titel wegen packender Online-Gefechte schätzen.
Wer jedoch nach einer erstklassigen, visuell berauschenden Sci-Fi-Kampagne sucht, die im Koop-Modus mit bis zu 4 Spielern regelrechte Hochgefühle auslöst, bekommt hier ein erstklassiges Erlebnis geboten.
Der grüne Titan feiert auf der PS5 ein rundum gelungenes Debüt, das Alteingesessene wie auch Neulinge gleichermaßen in seinen Bann zieht.
Halo Campaign Evolved ist ab sofort für PS5, Xbox Series S/X und PC erhältlich.






