S.T.A.L.K.E.R. 2 Hearts of Chornobyl im PS5-Test – Im Angesicht der Anomalie

Die Sperrzone ist kein Ort der Entspannung, sondern ein komplexes, feindseliges Ödland.Wir tauchen in ein brutales Survival-Epos ein, dessen anfängliche technische Schwächen nun weitgehend behoben sind.

Auf der PS5 finden wir ein reifes, kompromissloses Erlebnis, das seinesgleichen in der Welt der Open-World-Titel sucht.

Nach einer langen, von globalen Herausforderungen gezeichneten Entwicklungsreise hat S.T.A.L.K.E.R. 2 Hearts of Chornobyl endlich seinen Weg auf die PS5 gefunden. Dieser späte Eintritt in die Zone ist für uns jedoch ein großer Vorteil, denn wir erleben das Spiel nicht in seinem unfertigen Zustand zum ursprünglichen Launch vor einem Jahr, sondern in einer durch harte Arbeit der Entwickler gereiften Fassung. 

Zahlreiche Korrekturen, allen voran das umfangreiche Update 1.7, haben das Fundament gefestigt. Wir betreten eine Welt, die uns zwar immer noch feindselig gesinnt ist, uns aber nun technisch stabiler begegnet. Dieser Titel ist keine leichte Unterhaltung; er ist ein brutalistisches Survival-Abenteuer, das die Komplexität und Unbarmherzigkeit seiner Vorgänger mit einer neuen visuellen Wucht verbindet. Unsere Aufgabe war es, herauszufinden, ob die Zone auf der Sony-Konsole ein überzeugendes und in sich geschlossenes Gesamtwerk darstellt.

Der erste Kontakt mit der Sperrzone ist ein unvergesslicher Moment der Immersion, der uns sofort klarmacht: Hier gelten eigene, harte Gesetze. Das Spiel verweigert uns die vertraute Handreichung moderner Titel. Wir werden in ein chaotisches Ödland geworfen, dessen Atmosphäre die wohl größte Stärke des gesamten Erlebnisses darstellt. Schon die schiere Größe der offenen Welt – ein 64 Quadratkilometer großes Areal, das sich fast nahtlos erkunden lässt – beeindruckt uns zutiefst.

Wir sehen verlassene Siedlungen, radioaktiv verseuchte Wälder und die unheimliche Stille der post-sowjetischen Architektur, alles durchzogen von bizarrer Natur, die durch die nukleare Katastrophe verzerrt wurde. Dieses Setting ist nicht nur eine Kulisse; es ist ein lebendiger, atmender Organismus, der ständig nach unserem Leben trachtet. Das Gefühl des Abenteuers ist allgegenwärtig, aber es ist stets von einer unterschwelligen Angst begleitet. Jeder Schritt muss wohlüberlegt sein.

Die PS5-Version profitiert enorm von den getätigten Korrekturen, was den ursprünglichen, oft kritisierten Ersteindruck deutlich verbessert. Während die Launch-Version noch mit Abstürzen, Nachladefehlern von Texturen und unspielbaren Abschnitten zu kämpfen hatte, erleben wir nun eine spürbar stabilere Umgebung. 

Dennoch, wir müssen ehrlich sein: Das Spiel ist immer noch ein Gigant an Komplexität, und gelegentliche technische Probleme, besonders bei schnellen Szenenwechseln oder dem Auftreten vieler Gegner, erinnern wir uns daran, dass wir ein extrem anspruchsvolles Stück Software spielen. Es sind jedoch keine spielzerstörenden Fehler mehr, sondern eher kleine Unsauberkeiten, die den ansonsten hervorragenden Einstieg in dieses düstere Universum kaum trüben. S.T.A.L.K.E.R. 2 fordert uns heraus und belohnt uns zugleich mit einem der dichtesten und beklemmendsten Open-World-Schauplätze überhaupt.

Die Sperrzone ist voller Gefahren.

Im Kern ist S.T.A.L.K.E.R. 2 eine meisterhafte Verschmelzung aus knallhartem Ego-Shooter, Horror und immersivem Rollenspiel. Der zentrale Spielablauf dreht sich um die riskante Artefaktjagd: Wir wagen uns tief in die Zone vor, um wertvolle, oft mit gefährlichen Eigenschaften behaftete Artefakte aus den tödlichen Anomalien zu bergen und sie gegen dringend benötigte Güter oder bessere Ausrüstung zu tauschen. Dieses System, das uns ständig zur Abwägung von Nutzen und Gefahr zwingt, ist ungeheuer fesselnd. Wir nutzen unsere Detektoren, um die unsichtbaren, lebensgefährlichen physikalischen Phänomene zu umgehen, und spüren dabei einen Adrenalinschub, der durch die geringste Fehleinschätzung tödlich enden kann.

Ein kontroverser, aber essenzieller Bestandteil des Gameplays ist der kompromisslose Survival-Aspekt. Wir müssen uns permanent um Hunger, Durst, Schlaf, Strahlung und Blutverlust kümmern. Diese Mechaniken sind fordernd und tragen maßgeblich zur Immersion bei. Ein besonders kritikwürdiger Aspekt bleibt jedoch das extreme Tragesystem. Die Gewichtsgrenzen sind unserer Meinung nach zu niedrig angesetzt, was den Spielfluss massiv ausbremst. Oftmals sind wir gezwungen, Belohnungen liegen zu lassen oder quälen uns im Schneckentempo zu einem Versteck zurück, was den Entdeckerdrang merklich dämpft. Dieses Manko stört die ansonsten großartige Dynamik der Zone empfindlich.

Der Kampf selbst ist, obwohl durch die Patches verbessert, weiterhin ein Bereich, der polarisiert. Die Schusswaffen fühlen sich zwar wuchtig an, doch das Schießen ist manchmal immer noch unpräzise und wirkt etwas steif. Die Künstliche Intelligenz der Gegner weist zwei Extreme auf: Entweder sind wir menschlichen Kontrahenten ausgesetzt, die uns mit fast übermenschlicher Präzision mit Granaten und Flankierversuchen eindecken, oder wir sehen uns Mutanten gegenüber, die einfach nur auf uns zustürmen und uns zum hastigen Rückwärtslaufen zwingen.

Auch Mutanten kreuzen unseren Weg und die Munition ist knapp.

Es fehlt oftmals an einer ausgewogenen Mitte, was die Gefechte gelegentlich unfaire erscheinen lässt. Dennoch belohnt das Spiel keine wilden Schießereien; jede Auseinandersetzung erfordert strategisches Vorgehen und den überlegten Einsatz unserer knappen Ressourcen. 

Das komplexe Fraktionssystem, die sich überschneidenden Spielmechaniken und die non-lineare Haupthandlung, die uns verschiedene Wege zu mehreren Enden eröffnet, sorgen dafür, dass wir immer wieder in die Zone zurückkehren wollen, um andere Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu erleben.

Die technische Umsetzung auf der PS5 ist in ihrer aktuellen Form ein deutliches Statement. Die Entwickler nutzen die Unreal Engine 5, um die Zone mit einem Grad an grafischer Detailtreue darzustellen, den wir nur selten sehen. Die Umgebungen profitieren von modernster Photogrammetrie, was den postapokalyptischen Schauplätzen eine schockierende Authentizität verleiht. Insbesondere die Außenbereiche beeindrucken uns durch ihre Schönheit und Hässlichkeit zugleich. Wenn eine dunkle Sturmwolke über die Landschaft zieht oder die volumetrische Beleuchtung die Dämmerung in den Wäldern abbildet, sehen wir eine visuelle Opulenz, die Maßstäbe setzt.

Allerdings gibt es auch grafische Inkonsistenzen. Während die weitläufigen Panoramen und die Wettereffekte überwältigend sind, fallen uns in Innenräumen oder bei näherer Betrachtung von Modellen manchmal Texturen auf, die etwas unausgereift wirken und nicht dem hohen Niveau der restlichen Präsentation entsprechen. 

Die Atmosphäre ist eines der größten Stärken der Spielwelt.

Die PS5 bietet uns hierbei zwei Optionen: einen Qualitätsmodus, der auf 30 Bilder pro Sekunde abzielt und die visuelle Pracht maximiert, sowie einen Leistungsmodus, der die Bildrate zugunsten einer dynamischeren Auflösung erhöht, was wir für ein Spiel dieser Art dringend empfehlen. Die Ladezeiten sind dank der schnellen SSD der PS5 hervorragend und sorgen für einen flüssigen Übergang zwischen den gefährlichen Gebieten.

Einen besonderen Lob verdient die akustische Untermalung. Der Sound in S.T.A.L.K.E.R. 2 ist kein bloßes Beiwerk; er ist ein essenzielles Survival-Werkzeug und trägt maßgeblich zur Horror-Stimmung bei. 

Das stetige Knistern unseres Geigerzählers, das unheimliche Heulen entfernter Mutanten oder das beunruhigende Geräusch einer sich nähernden, unsichtbaren Anomalie – wir lernen schnell, die Zone über unsere Ohren zu „lesen“. Die Geräuschkulisse ist dicht und erschreckend detailliert. 

Leider ist die Sprachausgabe nicht immer auf dem gleichen Niveau, da die Darbietungen an einigen Stellen überraschend inkonsistent wirken. Die Implementierung der PS5-spezifischen Funktionen wie das haptische Feedback des DualSense-Controllers, das uns die Intensität von Strahlung oder den Rückstoß unserer Waffe spüren lässt, verstärkt die Immersion jedoch zusätzlich und macht die physische Härte des Überlebenskampfes fühlbar.

Banditen im Fadenkreuz. Die Schusswechsel sind fordernd.

S.T.A.L.K.E.R. 2 Hearts of Chornobyl ist ein Spiel, das trotz seiner inhärenten Komplexität und seiner gelegentlichen Umständlichkeit tief beeindruckt. Wir haben es hier mit einem Titel zu tun, der sich bewusst von den zugänglicheren Open-World-Formeln abgrenzt und uns eine brutale, aber zutiefst lohnende Erfahrung bietet. Die Zone ist ein Meisterstück der Atmosphäre, die uns mit ihrer Schönheit und ihrer ständigen Lebensgefahr in ihren Bann zieht.

Die Verzögerung bis zur PS5-Veröffentlichung hat sich für Konsolenspieler ausgezahlt. Wir steigen in eine weitaus stabilere Version ein, die uns von den schlimmsten technischen Katastrophen des Erst-Releases verschont. Das fordernde Gameplay, das uns zu strategischem Denken zwingt, das süchtig machende Artefakt-System und die beklemmende Geräuschkulisse machen diesen Titel zu einem einzigartigen Erlebnis.

Wir erkennen jedoch, dass S.T.A.L.K.E.R. 2 eine „erworbene Liebe“ ist. Das umständliche Inventar-Management und das übermäßig strenge Tragesystem bremsen den Spielfluss unnötig aus. Ebenso zeigen die Kämpfe und die Gegner-KI noch ein paar Schwächen, die in einem so immersiven Szenario stören.

Trotz dieser kritikwürdigen Punkte überwiegt der Gesamteindruck bei Weitem. S.T.A.L.K.E.R. 2 Hearts of Chornobyl ist ein würdiger Nachfolger, der die Seele der Serie aufgreift und sie mit zeitgemäßer Technologie neu interpretiert. 

Es ist ein Spiel für jene, die eine kompromisslose Herausforderung suchen und bereit sind, sich in einer dunklen, faszinierenden Welt zu verlieren. Wir verlassen die Zone zwar erschöpft, aber mit der Gewissheit, eines der atmosphärisch dichtesten Survival-Epen der letzten Jahre erlebt zu haben.

S.T.A.L.K.E.R. 2 Hearts of Chornobyl ist ab sofort für PS5, PC und Xbox Series S/X erhältlich.

Top-Angebot
S.T.A.L.K.E.R. 2 Heart of Chornobyl (PlayStation 5)
  • Ein einzigartiger Mix aus Ego-Shooter, Horror und immersiver Sim
  • Immersive Survival-Mechaniken für Hunger, Schlaf, blutende Verletzungen und die Auswirkungen von Strahlung bereichern die Spielerfahrung
  • Dynamischer Tag-und-Nacht-Zyklus und realistische Wettereffekte machen das Spiel zu einem lebensnahen Erlebnis
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