Bild: IO Interactive

Sag niemals nie zu einem Agenten-Abenteuer: 007 First Light im PS5-Test

Mit 007 First Light wagt IO Interactive nach einer langen Durststrecke für James-Bond-Fans den mutigen Neustart des weltberühmten Geheimagenten auf der PS5.Wir schlüpfen in die Rolle eines noch ungestümen, jungen Agenten und erleben ein packendes Abenteuer, das geschickt zwischen Stealth-Freiheit und Hollywood-Action balanciert.

Ob der Spagat zwischen klassischem Agenten-Thriller und modernen Blockbuster-Elementen gelingt, klärt unser ausführlicher Testbericht.

Nach einer quälend langen, vierzehnjährigen Abwesenheit des berühmtesten Geheimagenten der Welt auf unseren Bildschirmen betreten wir mit einer Mischung aus riesiger Vorfreude und gesunder Skepsis das Parkett von 007 First Light. Die Erwartungen an das dänische Entwicklerstudio IO Interactive sind im Vorfeld gigantisch, da sie sich mit der gefeierten Hitman-Trilogie als absolute Meister des lautlosen Schleichens etabliert haben. Doch James Bond verlangt nach einer ganz eigenen filmischen Inszenierung, nach unwiderstehlichem Charisma und bombastischen Set-Pieces. 

Unser erster Kontakt mit der PS5-Version wischt viele dieser Sorgen erfreulich schnell beiseite. Das Spiel wirft uns nicht sofort in den perfekt sitzenden Smoking, sondern präsentiert uns eine erfrischende, unverbrauchte Ursprungsgeschichte. Wir begegnen einem jungen, unerfahrenen James Bond, den der Schauspieler Patrick Gibson hervorragend und mit der passenden rauen Note vertont. Dieser noch unfertige Rookie agiert impulsiv, hitzköpfig und regelrecht rücksichtslos, wodurch er seine Missionen und Kollegen wiederholt gefährdet.

Genau dieser unfertige Charakter verleiht dem Einstieg eine faszinierende erzählerische Dynamik. Wir spüren in jeder Sekunde, dass dieser Mann seine Sporen erst noch verdienen muss, während der legendäre Charme und der geschliffene Wortwitz in den Dialogen immer wieder subtil durchschimmern. Die Struktur der Erzählung erinnert uns in den ersten Spielstunden eher an eine hochkarätig produzierte Fernsehserie als an einen hektischen Kinofilm. Das Abenteuer nimmt sich viel Zeit, um seine Welt aufzubauen und führt uns frische, zeitgemäße Interpretationen bekannter Figuren wie Moneypenny, M und Q vor Augen. 

Die Handlung dreht sich um ein bedrohliches KI-Konglomerat und eine globale Verschwörung, die perfekt in unsere heutige Zeit passt, ohne das klassische Bond-Gefühl zu opfern. Wir fühlen uns von der ersten Minute an in eine absolut glaubwürdige Welt versetzt, die uns mit einer gelungenen Mischung aus ernsten Konsequenzen und den typischen trockenen Sprüchen einfängt.

In den offenen Abschnitten schlägt das Herz des Studios unverkennbar höher. Wir kundschaften Wachen aus, hacken Sicherheitssysteme mit nützlichen Gadgets aus Qs Labor und suchen alternative Routen, um lautlos an unser Ziel zu gelangen. Dabei sind die Optionen zwar etwas zugänglicher und gradliniger gestaltet als bei Agent 47, was dem Spielfluss als dynamischer Agent jedoch extrem zugutekommt.

Die Vielfalt der Schauplätze treibt uns unaufhörlich voran. Wir erkunden luxuriöse Nachtclubs, infiltrieren schwer bewachte Industrieanlagen im tiefsten Schnee oder schleichen durch das geschäftige MI6-Hauptquartier, das vor winzigen Details und versteckten Anspielungen strotzt. Abseits der zeitkritischen Fluchtsequenzen erlaubt uns das Spiel glücklicherweise immer wieder, innezuhalten und die detaillierte Umgebung aufzusaugen, sei es in Bonds Apartment in London oder in den Laboren. 

Trotz dieser Begeisterung stoßen wir im spielerischen Alltag auf einige Ecken und Kanten. Das Deckungssystem erweist sich in hektischen Schießereien leider als etwas hakelig und unpräzise. Es passiert uns gelegentlich, dass unser Charakter nicht wie gewünscht an einer Wand haftet oder sich im falschen Moment ungeschützt zeigt. Zudem stellt uns die Kamerasteuerung vor Herausforderungen: Das Zielen mit dem rechten Analogstick des PS5-Controllers fühlt sich in der Standardeinstellung spürbar zu nervös an. Selbst nach langem Justieren in den Optionen bleibt ein leicht schwammiges Gefühl zurück, das in intensiven Feuergefechten die nötige Präzision vermissen lässt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Erzähltempo in der Mitte der ungefähr vierzehn bis achtzehn Stunden langen Kampagne. Es gibt immer wieder längere Abschnitte, die fast ausschließlich aus langsamem Gehen und ausschweifenden Dialogen bestehen. Da sich diese Gespräche beim erneuten Spielen nicht überspringen lassen, zehren diese Passagen bei einem zweiten Durchgang an unseren Nerven. Wer zudem die absolute spielerische Freiheit und den unendlichen Wiederspielwert der Hitman-Reihe erwartet, dürfte enttäuscht werden, da die Missionen insgesamt linearer durchstrukturiert sind. 

Als gelungener Ausgleich dient jedoch der separate TacSim-Modus. Dieser erinnert an die Eskalations-Aufträge früherer IO-Werke und lässt uns bestimmte Schauplätze mit stetig steigendem Schwierigkeitsgrad und neuen Herausforderungen angehen, was die Langzeitmotivation spürbar anhebt.

Auf technologischer Seite setzt das Studio auf die hauseigene Glacier-Engine. Diese hinterlässt auf der PS5 einen geteilten Eindruck, da sie Licht und Schatten zwar meisterhaft inszeniert, im Jahr 2026 aber auch unverkennbare Alterserscheinungen offenbart. Besonders positiv fällt uns die grandiose Liebe zum Detail in den vielen Innenräumen auf. Die Designer platzieren Lichtquellen, volumetrische Lichtstrahlen und Spiegelungen mit enormer Sorgfalt, was dem Spiel eine dichte Atmosphäre verleiht. Überall finden wir kleine Requisiten, die Umgebungen lebendig wirken lassen.

Demgegenüber stehen jedoch die Charaktermodelle und Gesichtsanimationen, die im Vergleich zu aktuellen Titeln auf Basis der Unreal Engine 5 abfallen. Den Gesichtern fehlt es oft an Nuancierung und emotionaler Tiefe, und auch die Darstellung von Haaren wirkt bei nativer Auflösung erstaunlich grob.

Bezüglich der Performance auf der PS5 wählen wir zwischen zwei klassischen Modi. Der Qualitätsmodus liefert ein scharfes Bild mit sauberen Schattenkanten, läuft allerdings nur mit dreißig Bildern pro Sekunde, was sich für ein modernes Actionspiel schlicht zu zäh anfühlt. Wir wechseln daher in den Leistungsmodus, der flüssige sechzig Bilder pro Sekunde anvisiert. Hier läuft das Geschehen meist geschmeidig, doch in besonders effektgewaltigen Massenschießereien und bei abrupten Schnitten während der Zwischensequenzen stellen wir kleine Bildeinbrüche fest. 

Zudem fordert die flüssige Bildrate ein optisches Opfer: Die Auflösung sinkt teilweise drastisch, und das genutzte Upscaling-Verfahren sorgt auf dem Fernseher für Unschärfe und ein Flimmern an feinen Kanten. 

Akustisch hingegen liefert das Werk eine absolute Meisterleistung ab. Die Sprecher agieren auf Hollywood-Niveau, und der Soundtrack erweist sich als Lehrstück in Sachen musikalischer Zurückhaltung. Die ikonische James-Bond-Melodie wird spärlich und nur in glorreichen Schlüsselmomenten eingesetzt, was uns jedes Mal eine wohlige Gänsehaut verpasst.

Am Ende unseres ausgiebigen Testlaufs steht fest, dass 007 First Light der beste James-Bond-Titel seit vielen Jahrzehnten ist und den berühmten Agenten erfolgreich in die Moderne transportiert. 

IO Interactive beweist ein tiefes Verständnis für das Quellmaterial und liefert ein selbstbewusst geschriebenes, mitreißendes Action-Abenteuer ab, das den schmalen Grat zwischen Nostalgie und Innovation meistert. Zwar ärgern wir uns über das gelegentlich bockige Deckungssystem, die nervöse Zielerfassung und die Schwächen der alternden Grafik-Engine bei Charaktermodellen, doch diese Mängel verblassen schnell angesichts der grandiosen Atmosphäre und des tollen Missionsdesigns. 

Die Evolution vom ungestümen Rekruten zum Helden fühlt sich absolut verdient an, und das finale Kapitel lässt uns regelrecht begeistert vor dem Bildschirm jubeln. Für Fans gepflegter Spionage-Action und Anhänger des Agenten Ihrer Majestät ist dieser Blockbuster ein absoluter Pflichtkauf.

007 First Light ist ab sofort für PS5, Xbox S/X und PC erhältlich.

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