Eine Reise ins feudale Japan, die große Ambitionen hegt, aber noch einen weiten Weg vor sich hat. Sengoku Dynasty verspricht einen einzigartigen Mix aus Survival, Städtebau und Rollenspiel. Ob die PS5-Version dieses Versprechen einlösen kann, klären wir in unserem ausführlichen Test.
Wir schreiben das Zeitalter der streitenden Reiche, eine Ära voller Umbrüche und Konflikte in Japan. Genau in dieses faszinierende Setting wirft uns Sengoku Dynasty. Als einfacher Flüchtling, der dem Krieg entkommen ist, stranden wir im sogenannten „Tal der Bauern“ und müssen uns ein neues Leben aufbauen. Die Prämisse ist reizvoll und weckt sofort Assoziationen mit anderen Genre-Vertretern wie Kingdom Come: Deliverance oder dem hauseigenen Vorgänger Medieval Dynasty.
Die Entwickler von Superkami und der Publisher Toplitz Productions versprechen uns nicht weniger als eine tiefgreifende Simulation des Lebens im mittelalterlichen Japan, angereichert mit Elementen aus Survival-Spielen, komplexen Aufbau-Strategien und tiefgehenden Rollenspielen. Die Erwartungen an die Konsolenumsetzung für die PS5 waren entsprechend hoch, insbesondere nach der bereits eine Weile laufenden Early-Access-Phase auf dem PC, die einiges an Feedback zutage gefördert hat.
Wir haben uns also voller Tatendrang in das Abenteuer gestürzt, um herauszufinden, ob aus der vielversprechenden Vision ein überzeugendes Spielerlebnis auf der Konsole geworden ist.
Ersteindruck
Ein holpriger Start ins neue Leben
Unser erster Kontakt mit der Welt von Sengoku Dynasty auf der PS5 gestaltet sich leider als ernüchternd. Schon der Einstieg in das Spielgeschehen fühlt sich zäh und ungeschliffen an. Nachdem wir unseren Charakter erstellt haben, finden wir uns an einem malerischen Strand wieder, doch die anfängliche Idylle wird schnell von technischen Unzulänglichkeiten getrübt.
Die ersten Schritte im Tal der Bauern offenbaren eine Welt, die zwar in ihren Grundzügen wunderschön gestaltet ist, jedoch unter spürbaren Leistungsproblemen leidet. Die Bildrate ist inkonstant und bricht vor allem in dichter bewachsenen Arealen oder bei schnellen Kamerabewegungen immer wieder ein. Dies trübt den visuellen Genuss erheblich und sorgt für ein unrundes Spielgefühl. Auch die Steuerung mit dem DualSense-Controller wirkt noch nicht vollständig ausgereift. Die Menüführung ist verschachtelt und oft unnötig kompliziert, was den Einstieg zusätzlich erschwert.

Die ersten Quests, die uns die grundlegenden Spielmechaniken wie das Sammeln von Ressourcen und das Herstellen von Werkzeugen näherbringen sollen, präsentieren sich als langatmige Laufwege von A nach B. Hier fehlt es an inszenatorischer Finesse, um uns wirklich in die Geschichte hineinzuziehen. Der Funke will anfangs einfach nicht überspringen, da uns technische Hürden und ein sperriges Interface immer wieder aus der ansonsten stimmungsvollen Atmosphäre reißen.
Gameplay
Zwischen mühsamer Arbeit und kreativer Freiheit
Hat man sich erst einmal durch den beschwerlichen Einstieg gekämpft, entfaltet Sengoku Dynasty nach und nach sein wahres Potenzial. Das Kern-Gameplay ist eine faszinierende Mischung aus verschiedenen Genres, die im späteren Verlauf eine enorme Sogwirkung entwickeln kann. Der Kreislauf aus Ressourcensammlung, Handwerk und dem Aufbau des eigenen Dorfes sind das Herzstück des Erlebnisses. Wir fällen Bäume, klopfen Steine, jagen Wild und sammeln Kräuter, um daraus Werkzeuge, Waffen und Baumaterialien herzustellen.
Das Crafting-System ist dabei angenehm tief und bietet eine Vielzahl an Rezepten, die wir nach und nach freischalten. Der wohl motivierendste Aspekt ist der Aufbau unserer eigenen Siedlung. Wir platzieren nicht nur vorgefertigte Gebäude, sondern errichten jedes Haus Balken für Balken selbst. Diese fast schon meditative Tätigkeit verleiht unserem Dorf eine sehr persönliche Note und es ist ein erhabenes Gefühl, dabei zuzusehen, wie aus einer kleinen Hütte langsam eine florierende Gemeinschaft wird. Später können wir sogar Dorfbewohner anwerben, ihnen Aufgaben zuweisen und so die Produktion von Gütern automatisieren. Dieser Aspekt des Managements verleiht dem Spiel eine zusätzliche strategische Tiefe.

Allerdings kämpft auch das Gameplay mit einigen Problemen. Die Survival-Aspekte fühlen sich oft eher wie lästige Pflichten als wie eine spannende Herausforderung an. Ständig müssen wir auf unsere Hunger- und Durstanzeigen achten, was gerade in der Anfangsphase in repetitives Jagen und Sammeln ausartet. Auch das Kampfsystem ist bestenfalls zweckmäßig. Die Auseinandersetzungen mit Banditen oder wilden Tieren fühlen sich hölzern und unpräzise an, es mangelt an Trefferfeedback und taktischem Tiefgang.
Hier merkt man deutlich, dass der Fokus der Entwickler auf dem Aufbau- und Simulationsstiel lag. Die Quests, die uns durch die Welt führen, bleiben über weite Strecken generisch und beschränken sich auf simple Botengänge oder Sammelaufgaben. Zwar erfahren wir durch sie mehr über die Spielwelt und ihre Bewohner, doch fehlt es an emotionalen Höhepunkten und erinnerungswürdigen Charakteren.
Ein weiteres Ärgernis ist die künstliche Intelligenz der NPCs. Unsere Dorfbewohner bleiben oft an Hindernissen hängen oder gehen ihren zugewiesenen Aufgaben nur unzuverlässig nach, was den Management-Aspekt mitunter frustrierend gestalten kann. Trotz dieser Schwächen liegt im Kern von Sengoku Dynasty eine ungemein befriedigende Gameplay-Schleife, die vor allem kreative Baumeister und geduldige Strategen für viele Stunden fesseln kann.
Grafik & Sound
Eine malerische Kulisse mit technischen Flecken
Die audiovisuelle Präsentation von Sengoku Dynasty auf der PS5 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite fängt das Spiel die Schönheit der japanischen Landschaft wunderbar ein. Dichte Bambuswälder, sanft geschwungene Hügel, plätschernde Bäche und detailreich gestaltete Tempel schaffen eine dichte und glaubwürdige Atmosphäre. Besonders bei Sonnenauf- und -untergängen entfaltet die Welt ihren ganzen Zauber, wenn die Lichtstrahlen durch die Blätterdächer brechen und die Umgebung in ein warmes Licht tauchen.

Das Artdesign ist stimmig und die Architektur der Gebäude wirkt authentisch. Man spürt die Liebe zum Detail, die in die Gestaltung der Spielwelt geflossen ist. Auch die Soundkulisse trägt zur Immersion bei. Das Zirpen der Zikaden, das Rauschen des Windes in den Bäumen und die unaufdringliche, japanisch inspirierte Musik untermalen das Geschehen passend und schaffen eine beruhigende, fast schon meditative Stimmung.
Auf der anderen Seite stehen die bereits erwähnten technischen Unzulänglichkeiten. Die instabile Bildrate ist das größte Problem und beeinträchtigt das Spielerlebnis nachhaltig. Hinzu kommen matschige Texturen, die vor allem bei näherer Betrachtung negativ auffallen, und ein sichtbares Aufploppen von Objekten in der Ferne. Die Charaktermodelle wirken zudem etwas steif und ihre Animationen hölzern, was den Dialogen einiges an Lebendigkeit nimmt. Auch die Lippensynchronität in der englischen Sprachausgabe ist nicht immer gegeben, was in Zwischensequenzen irritierend wirkt.
Die deutsche Übersetzung der Texte ist zwar vorhanden, weist aber an einigen Stellen noch Fehler auf. Man merkt dem Titel an, dass er technisch noch nicht vollständig optimiert ist. Das Potenzial für eine atemberaubende Präsentation ist zweifellos vorhanden, doch die Umsetzung auf der PS5 wird diesem aktuell noch nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier mit zukünftigen Patches nachbessern, um der wunderschönen Welt den technischen Feinschliff zu verpassen, den sie verdient.

Fazit
Ein vielversprechendes Fundament für die Zukunft

Nach zahlreichen Stunden im virtuellen Japan fällt unser Fazit zu Sengoku Dynasty auf der PS5 gemischt aus. Das Spiel ist ein ungeschliffener Diamant mit enormem Potenzial. Die einzigartige Mischung aus Survival, Städtebau und Rollenspiel vor einer faszinierenden historischen Kulisse ist äußerst reizvoll. Der Aufbau des eigenen Dorfes, das Management der Bewohner und das Erkunden der malerischen Welt können eine ungemeine Faszination ausüben und für viele Stunden an den Bildschirm fesseln. Es ist ein Spiel für geduldige Naturen, die Freude daran haben, sich aus dem Nichts ein eigenes kleines Reich zu erschaffen und dabei über kleinere und größere Unzulänglichkeiten hinwegsehen können.
Gegenwärtig wird die Spielerfahrung jedoch von einer ganzen Reihe an Problemen getrübt. Die mangelhafte technische Performance auf der PS5, die sperrige Steuerung, das unausgereifte Kampfsystem und die teils repetitiven Quests stehen dem Spielspaß im Weg. Sengoku Dynasty fühlt sich in seinem aktuellen Zustand eher wie eine fortgeschrittene Beta-Version als wie ein fertiges Produkt an. Man spürt an jeder Ecke die ambitionierte Vision der Entwickler, doch die Umsetzung leidet unter einem Mangel an Feinschliff. Wir können den Titel daher momentan nur eingeschränkt empfehlen.
Wer über eine hohe Frusttoleranz verfügt und sich auf das Kern-Gameplay des Bauens und Verwaltens konzentrieren kann, wird hier durchaus seine Freude haben. Allen anderen sei geraten, die weitere Entwicklung und kommende Updates abzuwarten. Wenn die Entwickler es schaffen, die technischen Probleme in den Griff zu bekommen und die spielerischen Schwächen auszumerzen, könnte aus Sengoku Dynasty noch ein wahres Genre-Highlight werden. Das Fundament dafür ist bereits gelegt.
Sengoku Dynasty ist seit dem 21. August 2025 für die PS5, Xbox Series S/X und PC erhältlich.
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