Der Vorwurf, dass es in Videospielen zu viel Sexismus gibt, ist nicht neu. Schon seit Jahrzehnten wird die Darstellung von Frauen gerade auch in großen Titeln immer wieder kritisiert. Und das nicht von ungefähr: Während die Hauptrolle in der überwiegenden Mehrzahl aller Computerspiele männlich besetzt war, waren weibliche Charaktere oft hilflos und auf Rettung angewiesen. Zu allem Überfluss waren sie dabei meist auch spärlicher bekleidet, als es die Handlung erfordert hätte. Das ist nicht gerade überraschend, denn vor allem in der Anfangszeit des Videospiels war das Publikum hauptsächlich aus pubertierenden Teenagern und jungen Männern. Dies hat sich aber mit der Zeit geändert. Immer mehr Frauen spielen Videospiele und möchten natürlich auch auf dem Bildschirm mehr Repräsentation erfahren. Die Videospielindustrie hat auf diesen Trend durchaus reagiert und mittlerweile gibt es viele Games, in denen traditionelle Geschlechterrollen aufgeweicht werden. Der Sexismus ist aber nicht völlig aus der Branche verschwunden. Einige Beobachter sehen das eher gelassen und verweisen darauf, dass Videospiele oft in völlig überzeichneten Spielwelten stattfinden. Andere wünschen sich eine Null-Toleranz-Politik für Sexismus in Videospielen. Wie weit darf der Sexismus in Videospielen heutzutage gehen?

Actionspiele: Häufig nicht mehr zeitgemäß

Besonders in Actionspielen wie Ego-Shootern oder Fighting-Games ist die Darstellung von Frauen oft nicht besonders fortschrittlich – wenn sie denn überhaupt vorkommen. Gerade bei Shooter-Spielen gibt es oft keinen einzigen weiblichen Charakter, weder als spielbare Figur noch als Nebenfiguren. Bei anderen Spielen bleiben Frauen passiv, während sie vom Helden aus brenzligen Situationen befreit werden. Und in Fighter-Games wie Dead or Alive werden weibliche Figuren grundsätzlich in knappen Outfits und mit tiefem Ausschnitt dargestellt. Das mag zwar alles nicht besonders zeitgemäß sein, ist aber im Vergleich zu manchen anderen Spielen noch recht harmlos. So fehlen im beliebten Spiel GTA V nicht nur spielbare weibliche Charaktere. Als eine Art Mini-Game kann der Spieler sich auch auf die Suche nach Prostituierten machen und sie zum bezahlten Sex mit nach Hause nehmen. Außerdem kann er in einer Stripbar Tänzerinnen verführen, indem er sie ungefragt berührt. All das trägt nicht gerade dazu bei, das Gameplay spannender zu machen. Warum die Entwickler dieses höchst zweifelhafte Feature eingebaut haben, ist eher schleierhaft.

Sexismus in Slotspielen

Auch bei Online Slots gibt es einige Beispiele, die als sexistisch angesehen werden können. Dabei handelt es sich zwar nur um eine kleine Minderheit. Generell erfreuen sich Automaten wie Twin Spin im Retro-Stil mit klassischen Frucht-Symbolen nach wie vor großer Beliebtheit, und auch viele andere Slots sind in dieser Hinsicht völlig unverdächtig. Wenn die Entwickler die Grenze überschreiten, dann richtig. Es wird wohl niemanden überraschen, dass der offizielle Playboy-Slot ein Negativbeispiel darstellt. Dieses Spiel hat außer leicht bekleideten Frauen nicht viel zu bieten. Und auch bei Slots wie Bikini Party oder Soccer Babes haben die Entwickler den guten Geschmack außen vor gelassen. Die Spiele wirken wie eine billige Masche, um Männer mit aufreizenden Darstellungen zu ködern. Warum genau solche Titel überhaupt noch veröffentlicht werden, ist schleierhaft. Schließlich gibt es in jedem Online Casino hunderte von Titeln, die ohne solche Tricks auskommen.

Toxische Multiplayer-Community

Es sind aber nicht nur die Spieleentwickler selbst, die immer wieder unnötig sexistische Elemente in ihre Spiele einbauen. Auch die Spieler-Community hat daran ihren Anteil. Viele weibliche Gamer berichten davon, dass sie bei Onlinespielen angegriffen werden, nur weil sie Frauen sind. Das Verhalten reicht von Beleidigungen bis hin abfällige Bemerkungen über die Gaming-Fähigkeiten von Frauen allgemein. Und im Rahmen der Gamergate-Kontroverse wurden 2014 weibliche Persönlichkeiten aus der Videospielindustrie zum Ziel von Trollen, die eine regelrechte Hetzkampagne im Internet gegen sie veranstalteten. Es ist durchaus möglich, dass Videospiele mit ihrer Darstellung von Frauen dazu beigetragen haben, bestehende Ressentiments in der Spielergemeinde zu schüren. Auf diese Weise haben sexistische Darstellungen von Frauen womöglich auch deutliche Auswirkungen in der echten Welt und sollten daher nicht bagatellisiert werden.

Positive Beispiele

Es gibt aber durchaus auch positive Beispiele. Einer der ersten Videospielheldinnen war Samus im NES-Spiel Metroid. Die Weltraumkriegerin steht dabei vergleichbaren männlichen Figuren in nichts nach. Und auch bei der visuellen Darstellung verzichteten die Macher des Spiels auf eine sexualisierte Darstellung. In Half-Life 2 ist Alyx Vance eine unverzichtbare Hilfe für den Helden und hilft ihm aus so manch brenzliger Situation. Im neuesten Ableger der Reihe nimmt sie sogar die Hauptrolle ein. Überhaupt scheinen es vor allem Actionspiele zu sein, die ihr Verhältnis zu weiblichen Charakteren in den letzten Jahren gewandelt haben. So müssen sich die Frauen in der cartoonhaften Borderline-Welt nicht vor ihren männlichen Gegenstücken verstecken. Und auch der Zombie-Shooter The Last of Us Teil II sorgte kürzlich mit einer weiblichen Hauptfigur für Aufsehen. Allerdings stellen solche Spiele unter den Titeln großer Entwickler immer noch eine Ausnahme dar. Die echte Vorreiterrolle im Kampf gegen Sexismus in Videospielen nehmen viele Indie-Entwicklungsstudios ein, die mit vielen Traditionen der Videospielindustrie brechen. Ob das Problem aber jemals ganz aus der Welt verschwinden wird, ist zweifelhaft.

 

Yasmine Moreau
Account-Managerin und Redakteurin, liebt die Schweizer Alpen und deren Schokolade, zockt auch gerne hin und wieder mal