Es war einmal, vor langer Zeit, als der Mensch große dampfende Maschinen baute. Anno 1800 ist zurück und ich habe mich in eine Welt der industriellen Revolution begeben um das Spiel für euch zu testen. Anno 1800 ist der mittlerweile 7. Teil der erfolgreichen Strategie-Städtebau-Simulation aus dem Hause Bluebyte.
Siedeln, Städte bauen, Fördern, Entwickeln, Bekriegen und Handeln – Schon seit 1998 können die Anno-Teile die Spieler in ihren Bann ziehen. Mit Anno 1800 bringt das deutsche Entwicklerstudio Bluebyte aus Düsseldorf die Serie nun in der 7. Auflage auf den Markt und begeistert Spieler aller Altersklassen. Nach einigen Ausflügen in die Zukunft, findet in Anno 1800 die industrielle Revolution statt. Wir reisen in das Jahr 1800, dem Beginn von Maschinen, Fabriken, Arbeitern, Gewerkschaften und dem ersten Wohlstand für viele Nationen.
Ersteindruck
es juckt in den Fingern
Jahre sind vergangen und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, die letzten Anno-Teile die ich gespielt habe, waren Anno 1602 und Anno 1503. Es herrscht somit ein wenig nostalgische Stimmung. Kann Anno 1800 mich so begeistern, wie damals? Als ein PC noch mit 16 Megabyte Arbeitsspeicher ausgekommen ist?

Mit einem Brief aus der alten Welt, wird mir das Ableben meines Vaters mitgeteilt. Doch der Erfolg in der neuen Welt scheint leider ausgeblieben zu sein und so muss ich mir mit Dynamitfischen meine Fahrkarte in die alte Welt erarbeiten. Der erste Schritt um sich mit den Interaktionsmöglichkeiten im Spiel vertraut zu machen. Eigentlich hat sich nicht viel verändert, es ist weiterhin ein Anno wie ich es in Erinnerung habe.
Gameplay
faszinierend, würde Spock sagen

Im unteren Abschnitt meines Bildschirms finde ich das Bau- und Schiffsmenü. Hier kann ich Gebäude auswählen oder meine Schiffe navigieren. Obwohl ich mich ganz auf die Entwicklung meines Dorfes konzentriere, reizt es mich ungemein die Karte aufdecken zu wollen. Auf meinen Fahrten über die See, treffe ich dabei auf meine Mitstreiter. Ein alte Dame mit englischen Flair, einen weiteren Eroberer, einen ganz und gar förmlich netten Asiaten und sogar auf eine blutrünstige Piratenbraut. Diese schießt, ohne große Ankündigung, mein einziges Schiff auch gleich auf den Meeresboden. Doch um mich rächen zu können, brauche ich erst eine Schiffswerft und die will mir noch nicht vergönnt sein. Diese kann ich erst bauen, wenn ich dazu von der Königin ein Patent erhalte. Mein treuer Berater steht mir dazu beiseite und leitet mich, neben meiner Schwester, durch die verschiedenen Aufgaben.
Mein Volk wächst und gedeiht und die ersten Arbeiter ziehen in die Häuser ein. Damit steht mir nun auch eine neue Schicht der Bevölkerung zur Auswahl, welche auch allesamt nach neuen Bedürfnissen es verlangt. Mit Fisch alleine sind diese Leute nicht mehr satt zu bekommen, Brot und Wurst muss auf den Tisch. Doch wie mache ich Brot und Wurst? Neue Produktionslinien müssen her. Eigentlich sehr einfach, ein Feld, eine Schweinefarm, noch eine Mühle und die Bäckerei. Die Metzgerei nicht zu vergessen. Reicht das auch oder soll ich gleich mehr produzieren? So lässt mich Anno 1800 aber nicht alleine. Alle notwendigen Bedarfsgütern wird eine Produktionskette zugrunde gelegt und alles findet wieder eine klassische Line. Die verstehe ich direkt, denn Holz, Steine, Nahrung und Alkohol zu produzieren ist eigentlich auch ganz einfach. Genügend Platz dafür bietet mir mein Inselreich und es muss nicht erst freigeschaltet werden. Ich kann mich sprichwörtlich auf der ganzen Insel breit machen und schon für die Zukunft planen.
Mein Volk wächst nicht alleine, denn trotz Dampfmaschinen und Glühlampen brauche ich für die Landwirtschaft weiterhin die Bauern und für die Produktion die Arbeiter. Ich bestimme mit einem Klick auf das Haus, ob es nun aufsteigen soll oder nicht. So beherbergt meine Stadt neben den Bauern, Arbeiter, Handwerkern, Ingenieure und letztendlich Investoren. Hier gilt es immer für eine Ausgewogenheit zu sorgen, denn ohne genügend Bauern, kann es keine Arbeiter geben. Diese neuen Arbeiter würden ohne Bauern einfach verhungern und das führt zu Unzufriedenheit und Aufständen, welche ich dann mit der Polizei niederknüppeln muss. Das ist dann aber nicht so meine Richtung und die Zeitung schreibt es auch, wenn ich nichts dagegen unternehme.

Grafik/ Sound/ Technik
sehr detailverliebt und schön anzusehen
Anno 1800 ist sicherlich kein Hardwarefresser wie so manch aktueller Shooter und so läuft das Spiel bei mir auch auf einem Laptop. Okay, darin werkelt ein Intel Core i9 samt einer GeForce Grafikkarte, kommt aber selbst bei höchster grafischer Einstellung nicht ins Ruckeln. Die Ladezeiten sind abhängig von der Festplatte und die wird nur anfänglich abgefragt. Im Spiel selber gibt es keine Ladezeiten, selbst beim Wechsel in die neue Welt.
Punkten kann Anno 1800 vor allem durch einen sehr hohen Detailreichtum und die Liebe dazu. Ich habe im Vorfeld gehört, für die Entwicklung eines Hauses brauchte ein Bluebyte-Mitarbeiter bis an die 4 Wochen. Okay, bei kleineren Häusern sicherlich weniger. Doch das spüre ich, das sehe ich. Das sind nicht nur einfach viereckige Kisten mit einem roten Dach. Das wirkt authentisch und je nach Ansicht zeigt sich ein Gebäude von einer weiteren Sonnenseite. Da gehe ich gerne in den Zoom rein, verweile trotz Notstand und Hektik der Wirtschaft, um mir dieses Gewusel des Volkes anzuschauen. Allein das Wasser, die Spiegelungen auf See, das Fahrwasser unter dem Kiel, der Rauch und der Dreck, wie er eine ganze Gegend in Staub und Dunst verwandelt. So manchen Umweltschützer würde es da gruseln. Häuser die mit jeder wachsenden Schicht im neuen Glanz erstrahlen. Hey! Ich dachte das hier ist nur ein Strategiespiel oder eine Städtebau-Simulation. Weit gefehlt!
“Wie wäre es mit einem Kaffee? Sie spielen schon 2 Stunden!” hallt es aus meinen Boxen. Huch? Meint er nun mich und woher bekomme ich nun Kaffee? Anno 1800 spricht mit mir und lässt mich den Gemütszustand meines Volkes wissen. Arbeiter teilen mir ihr Wohlbefinden mit, Bauern den es an nichts fehlt oder Handwerker denen ich kurz einen Besuch abstatte. Geräusche und Effekte bewirken eine bindende Immersion zum Spiel. Kanonen donnern während mir ein Mitstreiter verzweifelt einen Friedensvertrag andrehen will. Alles wird zudem mit einem wunderbaren Soundtrack untermalt, der wie ein seichter Bach im Hintergrund plätschert. Passend, stimmig und niemals störend. Ubisoft hat diesen Soundtrack der Sonderausgabe von Anno 1800 beigelegt und sogar auf Vinyl gepresst. Wer also nach Stunden in Anno noch nicht genug hat, der kann sich von der Musik weiter berieseln lassen.
Umfang/ Langzeitmotivation
…kein Ende in Sicht und dennoch fesselnd
Anno 1800 ist schon wie all seine Vorgänger kein Spiel für zwischendurch. So sitze ich hier Stunde um Stunde und komme eigentlich gar nicht mehr weg von meiner kleinen Welt. Nur noch die eine Produktion abschließen, nur noch die eine Insel besiedeln, nur noch schnell die Bedürfnisse des Volkes besorgen, nur noch ein bisschen, nur noch eine Stunde. Schlafen? Ein Luxus den sich der Spieler mit Anno 1800 nicht gönnt. Ist man dann doch endlich ins Bett gegangen, quälen mich die Gedanken wie ich meine Stadt besser gestalten kann, wie ich die Produktion und ihre Wege optimieren kann, wie ich endlich die Stufe zu den Ingenieuren schaffe.


Nicht eine einzige Minute in diesem Spiel sah ich als Verschwendung meiner Zeit an, immer war und bin ich gefordert worden. Immer gab es etwas Neues, immer musste ich mich neuen Aufgaben stellen. Auch wenn es hin und wieder die Diplomatie war, die mich etwas zur Weißglut gebracht hat. Ich könnte hier Stunden um Stunden weiter erzählen, Anno muss man selber erlebt haben und darum gehe ich jetzt. Es warten neue Aufgaben in meiner Stadt auf mich.
Fazit
das schönste Aufbauspiel

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