Endlich ist es so weit. Electronic Arts hat den ersten beiden Teilen der berühmten Command & Conquer-Reihe eine Frischzellenkur verpasst, die beide Spiele in neuer Grafik erstrahlen lässt. Was für Nostalgiker die Erfüllung ihrer Wünsche ist, könnte für Neueinsteiger aber nicht genug sein. Als alte Fans der wohl berühmtesten Serie von Strategiespielen, haben wir uns natürlich die runderneuerte Version der beiden ersten C&C-Spiele für euch angesehen und angespielt.

Command & Conquer ist eine ursprünglich von den Westwood Studios entwickelte Videospiel-Reihe aus dem Genre der Echtzeit-Strategiespiele. Das ursprüngliche Konzept stammt von Westwood-Gründer Brett W. Sperry und Designer Joseph Bostic. Wenngleich das ebenfalls von Westwood entwickelte Dune II – Kampf um Arrakis, den Grundstein für das Genre legte, gilt Command & Conquer heute neben der Warcraft-Serie als einer der Urväter der Echtzeit-Strategie, da es das Genre mit seiner unkomplizierten Steuerung, der spannenden Geschichte und seiner Mehrspielerfunktion für eine breite Kundenschicht öffnete.


Ersteindruck und Umfang

Ich bin alt, dieses Spiel aber auch

Nach der Installation wählen wir aus ob wir Teil 1 oder Teil 2 spielen wollen

25 Jahre – So lange ist es her, dass ich Command & Conquer auf einem PC spielte. Das Internet gab es quasi noch nicht und wer einen Intel Pentium Prozessor mit 100 Megahertz Taktfrequenz sein Eigen nennen wollte, musste wirklich viel Geld auf den Tisch legen. Zurück zum Spiel. Direkt nach dem Start der C&C Remastered Collection können wir aus dem ersten Teil, „Der Tiberiumkonflikt“ und dem zweiten Teil „Red Alert“ wählen. Zusätzlich steht noch ein Karteneditor bereit, um eigene Spielfelder zu kreieren. Sobald wir uns entschieden haben, beginnt die Reise in die Nostalgie. Krächzend und übersteuert klingt die Stimme des Elektronischen-Video-Assistenten. Mit einem verpixelten DOS-Setup in dem unser Spiel angeblich mit hochauflösenden Grafiken und grandiosem Sound aufgepumpt wird startet unser Spiel. Genial, wie wir finden. So kann man sich direkt noch einmal an die damals so unglaublich tolle Grafik erinnern. Die gesamte Routine läuft wie ein Intro automatisch ab und soll uns im damaligen Stil die unfassbaren Leistungen näherbringen. Heute schmunzeln wir darüber aber damals, als PCs und Grafiken dieser Art noch neu waren, staunten wir nicht schlecht. Wir lieben es jetzt schon dafür. Nach einer Menge Tamtam, werden wir mit „Welcome Back, Commander!“ begrüßt. Command & Conquer empfängt uns mit seinem, für heutige Verhältnisse, mehr als steinzeitlich anmutenden Menü. Wir schmunzeln wieder. Bevor wir uns dem Umfang widmen, spielen wir die erste Mission. „Wie geil!“ ist der erste Gedanke, der zweite aber schon: „Mann, bin ich alt!“ Egal! Nach kurzer Einweisung in den originalen Filmsequenzen, in denen schlechte Schauspieler vor noch schlechteren, virtuellen Hintergünden herumspringen, kommen wir auf dem Schlachtfeld an. Irgendwie hat sich nichts verändert. Alles voll der Pixelmatsch. Bis uns das Spiel darauf hinweist, den Zauber mit der Leertaste zu beginnen. Mit einem beherzten Druck darauf erleben wir dieses alte Spiel in neuer Pracht. Wunderschöne neu gezeichnete Karten, auf denen man endlich auch Details erkennt, lassen C&C auch auf 4K-Bildschirmen gut aussehen. Natürlich ist die Farbwahl gleich und das grundsätzliche Design nicht verändert. Wir spielen ein Remaster und kein Remake. Das spüren wir allerdings auch bei der Bedienung der Einheiten. Dazu aber später mehr.

Dank EVA wird unser Spiel elektronisch erneuert… Nett gemacht!

Die Gebäude sind ebenfalls detaillierter und schöner animiert, aber sie und die Einheiten funktionieren immer noch wie damals. Alles läuft über dieselbe Bitmap-Engine wie im alten Spiel. Wirklich eher etwas für Nostalgiker. Für jüngere Spieler könnten die eher altbackenen Bewegungen in nur 8 Richtungen der Einheiten abschreckend wirken. Man hat dem Spiel keinen neuen Antrich gegeben, um es wie ein neues Spiel wirken zu lassen, sondern wirklich nur die Optik an die Auflösungen angepasst. Das grundlegende Design ist nicht verändert. Die Sounds klingen klarer und auch der Soundtrack von Frank Klepacki wurde neu abgemischt. Im Menü können wir sogar wählen, ob wir alte, neue oder eine Bonusabmischung der Musik bevorzugen. Außerdem können wir eine angepasste, etwas modernere Steuerung wählen, die das Spiel etwas komfortabler macht. Im Gesamtpaket finden sich jedoch nicht nur der erste und der zweite Teil der C&C Serie, denn auch alle Erweiterungen sind mit am Start. So können wir neben C&C: „Der Tiberiumkonflikt“, das Addon „Der Ausnahmestand“ und sämtliche PlayStation- und Nintendo-Missionen spielen. Zu C&C Red Alert gesellen sich die Addons: „Gegenangriff“ und „Vergeltungsschlag“, sowie die geheimen Missionen von „Dinos und Ameisen“. Zusätzlich bietet die Sammlung noch einen Karteneditor, der sich allerdings sehr umständlich bedienen lässt. Neuen Content suchen wir aber vergebens. Auch ein Multiplayer-Modus ist vorhanden, zu dem wir auch noch später können. Jetzt wird gespielt.

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Grafik und Sound

Spielgeschichte in neuem Gewand

Hier ein direkter Vergleich der Grafik

Für die remasterten Versionen von „Tiberiumkonflikt“ und „Alarmstufe Rot“ hat man alle Grafiken neu gezeichnet und mit vielen schönen Details versehen. Außerdem kann man nun in das Szenario hineinzoomen, was uns sehr freut. Dadurch sehen sie Karten auch auf hochauflösenden Monitoren wirklich schön aus. Auch Explosionen und andere Effekte wurden optisch deutlich verbessert und das Spiel wirkt deutlich aufgewertet.  Wer nun aber grandioses erwartet, hat sich getäuscht. Leider bleiben wirkliche Highlights aus. Im Hintergrund werden immer noch Bitmap-Grafiken verarbeitet, die im Sprite-System getauscht werden, wenn etwa eine Einheit in eine der acht verfügbaren Richtungen läuft oder fährt. Dreidimensional ist das eben nicht. Cool ist aber, dass man im Spiel einfach zwischen alter und neuer Grafik wechseln kann. Das unterstreicht aber nochmals die klare nostalgische Ausrichtung der Spiele. Dennoch hält sich Neues wirklich in Grenzen. So sind Effekte nicht voluminös, sondern auch einfach nur als Grafik über die Karte gelegt. Ein wirkliches Staunen bleibt daher aus. In Sachen Sound hat man sich aber auch ins Zeug gelegt. So hat man die Sprecherin des ersten C&C, Kia Huntziger verpflichtet, die uns als die Stimme des Kampf-Interface alle wichtigen Ansagen macht. Dafür wurden ihre Texte extra neu eingesprochen. Auch die Musik des Originalkomponisten Frank Klepacki wurde für den Soundtrack neu gemastert und untermalt unser Spiel grandios. Außerdem haben es einige Bonustitel in die Trackliste geschafft. Wer mag, kann aber auch das gesamte Spiel mit Sounds und Klängen des Originals genießen. Auch, wenn es etwas dröhnt und scheppert…

Den CGI-Szenen sieht man ihr Alter an…
Auch Stalin war in C&C noch nie so scharf…

Die Filmsequenzen in den Spielen sind jedoch nicht neu produziert worden. Sie bestehen alle noch aus den damals aufgenommenen Videos der Schauspieler vor einem Greenscreen, der durch, für damalige Verhältnisse großartige, virtuelle Hintergründe ersetzt wurde. Auch die CGI-Szenen in den Spielen sind alle noch die Originale. Lediglich an der Auflösung hat man offensichtlich geschraubt und sie durch eine KI hochrechnen lassen. Was in „Der Tiberiumkonflikt“ ganz gut funktioniert, sieht in „Alarmstufe Rot“ allerdings etwas merkwürdig aus. Hier haben alle Protagonisten einen verwaschenen Look. In einer Bonusgalerie können wir uns alle Filmchen erneut ansehen und schalten sogar unbearbeitetes Rohmaterial frei. Auch Making-of-Fotos und unveröffentlichtes Material können wir hier freischalten. Auch das sind allerdings Inhalte, die eher für nostalgische Fans gedacht sind. Leider hat man aus dem Rohmaterial nicht mehr herausgeholt. Wer einen Schauspieler wie Joseph D. Kucan, der den Kane spielt, vor einem Greenscreen sitzen hat, der könnte zumindest auch die Hintergründe aufbessern. Leider zieht sich dies durch beide Spiele und oftmals sind die Zwischensequenzen wegen massiver Artefakte kaum zu ertragen. Fans sehen darüber hinweg. Außerdem erscheint die Remastered Collection auch in Deutschland angeschnitten. Viele Szenen die früher entfernt oder verändert wurden, sind nun mit dabei. Leider sind die deutschen Sprachaufnahmen nicht erneuert worden und so sprechen die Schauspieler in einigen Szenen immer noch von Robotern statt Menschen. Wir haben beide Spiele allerdings in englischer Sprache und mit deutschen Untertiteln gespielt.


Gameplay

Intuitiv einfach, mit (immernoch) nerviger KI

Dank des überarbeiteten Menüs behalten wir den Überblick

Das Gameplay geht in der Command & Conquer Remastered Collection sehr gut von der Hand. Kein Wunder, denn auch das Original hat sich damals schon einfach und intuitiv gespielt. Dennoch hat man einige Anpassungen vorgenommen, die den Bedienkomfort und damit das Spielerlebnis verbessern sollen. So kann man nun seine Einheiten in derselben Klasse einfach per Doppelklick markieren. Auch das Gruppieren der Einheiten ist damit einfacher. Ebenso wurde das Baumenü angepasst. Es ist durch die Anpassung an höhere Auflösungen nun übersichtlicher und etwas strukturierter aufgebaut. In den Optionen lassen sich weitere Verbesserungen auswählen, um uns das Spielen zu erleichtern. So können wir etwa Befehle standardmäßig per Rechts- statt Linksklick erteilen, Bau-Warteschlangen für Fabriken erlauben oder das Scrollen per Maustaste einschalten. Außerdem können wir uns den Status von Gebäuden und Einheiten dauerhaft anzeigen lassen. Mehr Komfort gibt es aber nicht. Auch Massenreparaturen die in „Alarmstufe Rot“ zum Standard wurden, sind nicht in die Neuauflage des ersten Teils eingebaut worden. Wir hätten uns zudem einige weitere Änderungen gewünscht, wie etwa das Setzen von Sammelpunkten für die fertig produzierten Einheiten. Interessant wird es vielleicht dennoch, wenn bald die ersten Mods der Community auftauchen. Wie Mods? Richtige Modifikationen? Ja genau. Die beiden Spiele der Remastered Collection erlauben Mods. Diese kann man einfach hinzufügen und an- oder abwählen. Nach viel Lob folgt nun aber etwas Kritik an der überholten Kollektion. Die Wegfindung und das Verhalten der KI, waren auch schon damals 1995 die größten Probleme in C&C. Und diese hat man beim Remastern nicht angepackt, verbessert oder gar behoben. Aber vielleicht gehört das auch zur Nostalgie? So finden Ernter und Einheiten oft nicht ihren Weg über eine flache Stelle im Fluss oder gar am Fluss vorbei. Oft muss man, gerade auf den größeren Karten die Einheiten stark betüdeln, weil sie sich sonst verlaufen und verfahren. Wegpunkte gibt es nicht und so rücken wir lieber Stück für Stück voran, wenn wir unseren Angriff ausführen. An Engstellen auf der Karte wird es dann auch wirklich stressig, vor allem wenn wir große Truppen bewegen wollen. Hier behindert sich die KI selbst und die rückwärtigen Einheiten rannen vor Ungeduld in alle Richtungen auseinander. Zack, Angriff im Eimer. Aber das gehört eben zu einem derart alten aber kultigen Spiel irgendwie dazu. Es macht nicht auf modern, es will nur besser aussehen.

Multiplayer-Kampf gefällig. Los gehts!

Die Command & Conquer Remastered Collection ist Strategiespiel-Geschichte und wer die (wieder)erleben will, ist hier genau richtig. Diese Geschichte merkt man dem Spiel an und Mechaniken die in heutigen Spielen zu einem Standard geworden sind, gab es damals noch nicht. Auch taktisch ist sich C&C treu geblieben. Dein wichtigste Ansatz beim Spielen ist: Du brauchst schnell, viele Einheiten – am besten Panzer! Damit gewinnst du relativ oft, weil du Gegner damit einfach überrumpelst. Es gibt aber gerade in den Kampagnen beider Spiele immer wieder Missionen, in denen wir nicht mit einer Basis starten, sondern auf Spezialeinsätze geschickt werden. Kommandomissionen mit Helden, in denen wir dann Albert Einstein befreien, oder in eine gesicherte Anlage eindringen müssen. Oft starten wir auch mit einer Einheit, die wir taktisch über die Map zu einem Zielpunkt bringen müssen. Damit bietet uns die Command & Conquer Remastered Collection eine Menge Abwechslung und, mitsamt den Addons und zusätzlichen Karten, viele Stunden Spielspaß und oft ein nostalgisches Grinsen. Der einstellbare Schwierigkeitsgrad lässt uns nun auch die Herausforderung erhöhen, wenn der Bedarf dazu besteht. Wer zusammen gegen KI oder gegen Freunde spielen will, hat im Multiplayer genug Auswahl um sich die Zeit zu vertreiben. Im Testzeitraum war leider noch nicht viel im Serverbrowser los aber das sollte sich in den nächsten Tagen ändern.


Fazit

Nostalgie mit neuer Grafik und alten Schwächen

Electronic Arts hat mit der Command & Conquer Remastered Collection einen wunderbar nostalgischen Zeitvertreib geschaffen, der aber zu großen Teilen die Fans der Serie ansprechen wird. Wer ein moderneres Spiel erwartet, wird enttäuscht. Man hat die Engine des Spiels im Grunde so belassen und lediglich Grafiken, Sound und Musik erneuert und verbessert. Und eigentlich ist das auch gut so. Da man die Community mit einbezogen hat, ist es mit Sicherheit auch genau das, was man erreichen wollte. Hier zeigt man aber auch Spielern, die neu einsteigen wirkliche Spielgeschichte. Der Beginn eines Genres, dass heute leider viel zu wenig Beachtung bei vielen Publishern findet. Der Grafikwechsel im Spiel ist grandios um uns die Entwicklung von Grafik und Auflösung zu verdeutlichen. Das Gameplay geht gut von der Hand und macht eine Menge Spaß. Die Komfortfunktionen sind schön und erleichtern das Spielen deutlich. Auch wenn man dem Spiel immer wieder sein Alter anmerkt, was auch so sein soll, haben wir jede Menge Spaß uns in die teils kniffligen Missionen zu stürzen. Leider ist die KI nicht verbessert worden aber vielleicht gehört das zum Konzept dieses Remasters. Mit mehr als 100 Missionen und über 250 Karten bietet die Command & Conquer Remastered Collection eine würdige Neuauflage für Fans und interessierte Neueinsteiger zu einem mehr als günstigen Preis von 20 Euro.

Die Stimme des Interface sagt, dass unsere Einheiten fertig sind. Dann los! Zum Angriff!

Command & Conquer Remastered Collection | PC Code - Origin
  • Command & Conquer und Alarmstufe Rot sind jetzt beide als Remaster
  • Entwickelt von ehemaligen Westwood Studios-Teammitgliedern, die jetzt bei Petroglyph Games arbeiten – in 4K-Auflösung verfügbar.
  • Enthalten sind alle drei Erweiterungen, ein überarbeiteter Mehrspielermodus, eine modernisierte Benutzeroberfläche und ein Karteneditor