Spiele Test

[TEST] CALL OF CTHULHU– was ist Realität und was Illusion

Wer auf Horror- und Psycho-Geschichten abfährt, dem sollte der Cthulhu-Mythos nicht unbekannt sein. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts begeistert die Kurzgeschichte des Autors H.P. Lovecraft viele Leser und wurde oft in Geschichten, Filmen, Brett- und Videospielen aufgegriffen. Cthulhus Ruf knüpft an die Urangst des Menschen vor dem Unbekannten an und genau hiervon handelt nun auch das neuste Horror-Game Call of Cthulhu von Cyanide Studio, welches ab heute für die PlayStation 4 und Xbox One erhältlich ist.


Ersteindruck
Schaurig schön

In Call of Cthulhu schlüpfe ich in die Rolle von Edward Pierce, einem Privatermittler der damit beauftragt wird, den tragischen Tod der Familie Hawkins zu untersuchen. Edward Pierce ist ein Kriegsveteran. Er leidet unter Klaustrophobie, hat Angst vor der Dunkelheit und trinkt auch gerne mal einen über den Durst. Als wenn dies alles noch nicht reichen würde, wird er auch noch von Albträumen aus seiner Vergangenheit geplagt und versucht nun diese mit Tabletten zu unterdrücken. All dies sind die besten Voraussetzungen um in Call of Cthulhu immer weiter in den Wahnsinn abzudriften.

Die Geschichte spielt im Jahre 1924 auf der ehemals für den Walfang bekannten Insel Dark Water. Doch nun leben hier nur noch alte griesgrämige Seemänner und Eigenbrödler. Neulinge sind nicht gerne gesehen und erst recht nicht wenn sie herumschnüffeln. Die Insel wird dominiert von geheimen Gängen, Lagerhäusern, illegalen Bars und unheimlichen Psychiatrien, in denen merkwürdige und erschreckende Experimente an Patienten durchgeführt werden welche ich bereits ziemlich zu Beginn schon mit ansehen durfte.


Gameplay
alles hat Auswirkungen

Call of Cthulhu ist eigentlich ein klassisches Pen & Paper-Rollenspiel welches 1981 das erste mal erschien und wurde nun von Cyanide Studio zu einem Video-Rollenspiel mit First-Person-Perspektive ausgeschmückt.

Auch einige Fähigkeiten wie zum Beispiel Redegewandtheit, Psychologie oder Entdeckung wurden aus dem klassischen Pen & Paper Rollenspiel übernommen. Sie werden geskillt, indem man zuvor verdiente Charakterpunkte verteilt. Die beiden Fähigkeiten Medizinkunde und Okkultismus werden gelevelt, in dem man zum Beispiel spezielle Bücher entdeckt. Jede Fähigkeit hat Auswirkungen auf den Spielverlauf und je nachdem wie wir uns entscheiden, ändert sich der Verlauf der Geschichte.

Auch der Geisteszustand von Edward Pierce hat Auswirkungen. Je mehr schreckliche Monster er sieht oder verstörende Bücher über Okkultismus entdeckt, umso wahnsinniger wird er und es fällt ihm zunehmend schwerer zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Auch der Alkohol tut ihm da keinen Gefallen. Trinkt er auch nur ein kleines Glas Whisky kann sich seine Wahrnehmung verändern. Somit sollte man jede seiner Entscheidung genau abwägen.

In Call of Cthulhu bin ich allerdings weniger am Kämpfen sondern viel mehr am Ermitteln, Rekonstruieren, Untersuchen und Befragen. Man entdeckt kultistische Riten und versucht all dies irgendwie zu begreifen um den Tod der Familie Hawkins auf der Spur zu kommen. Immer wieder werde ich in Dialoge verwickelt und je nach dem, was man sich bereits an Wissen angeeignet und an Fähigkeiten ausgebaut hat, kann man mögliche Antworten freischalten und damit den Verlauf der Geschichte verändern.

Eigentlich gefällt mir alles in Call of Cthulhu sehr gut, wären da nicht die gefühlt ewig langen Ladezeiten nach einem abgeschlossenen Kapitel. Dies hat mich leider jedesmal aus dem Spiel und die fesselnde Stimmung herausgerissen. Vielleicht ist aber gerade dies ja auch beabsichtigt um zwischendurch einfach mal durchzuatmen, da es doch immer wieder vor Spannung zu regelrechtem Luft anhalten kommt *zwinkersmiley*.


Umfang
Gruselspaß garantiert

Call of Cthulhu hat eine ungefähre Spielzeit von 15 Stunden. 15 Stunden voller Herzrasen angespannten Muskeln und Atemstockungen. Es gibt jede Menge zu entdecken und es wird definitiv nicht langweilig. Psychiatrien, verlassene Lagerhallen, Bibliotheken, Kunstgalerien und vieles mehr, warten nur darauf von Edward Pierce unter die Lupe genommen zu werden um so den Fall immer weiter aufzudecken.  Furchteinflößende und teils verstörende Szenarien, vereint mit unheilvoller, dramatischer Musik, wechseln sich ab mit reichlich Detektivarbeit. Doch nicht immer gelingt einem alles auf Anhieb, auch scheitern ist möglich. Funktioniert das eine nicht, muss halt nach einem anderen Lösungsweg gesucht werden. Eure „grauen Gehirnzellen“ werdet ihr eindeutig anstrengen müssen!


Grafik
ein grüner Schimmer liegt in der Luft

… und dies die ganze Zeit über. Hier knüpft Cyanide Studio an das Original von H.P. Lovecraft an, denn auch in seiner Kurzgeschichte spielt die Farbe Grün eine große Rolle. Dazu ist es sehr dunkel gehalten, so dass man denken könnte, es werde nie Tag. Dies ist ja allerdings gerade für ein Horror Game wünschenswert. Call of Cthulhu besitzt keine Highend Grafik, welches es aber auch absolut nicht benötigt, denn die passende Gruselstimmung zu der fesselnden Story entsteht auf jeden Fall! Immer wieder schlug mein Herz schneller als das des Protagonisten. Die verschiedenen Locations sind detailreich gestaltet und ziehen einen förmlich in die Geschichte hinein.


Sound
Dialoge noch nicht ganz ausgereift

Der Sound in Call of Cthulhu ist eindeutig passend und unterstützt in den richtigen Momenten die unheimlichen Szenarien, so dass ich wirklich einige Male aufgeschreckt bin und eine kurze Pause einlegen musste und das obwohl ich eine bekennende Horror Film Liebhaberin bin. Zum Beispiel Im Dunkeln vor einer monströsen Gestalt davon zu laufen und sein lautes Atmen hinter mir zu hören und zu beten, dass es mich nicht erwischt, macht genau diesen Nervenkitzel aus, den ich bei einem Spiel dieser Kategorie erwarte.

Allerdings sind die Dialoge der Darsteller in den Filmsequenzen und während des Spielens meiner Meinung nach noch nicht ganz ausgereift. Mehrmals werden Untertitel schon angezeigt, obwohl man niemanden reden hört oder sieht. Hier wäre noch ein wenig Verbesserung wünschenswert und von Vorteil, da es das Gesamtbild des Spiels noch abrunden und vervollständigen würde. Die Sprachausgabe ist übrigens in Englisch mit deutschem Untertitel.

 


Fazit
Psycho-Nervenkitzel gepaart mit Detektivarbeit

Getestet habe ich Call of Cthulhu auf der PlayStation 4 und mein Fazit  ist wirklich sehr gut, denn ich war zu fast jedem Zeitpunkt gefesselt und mittendrin in der Story. Das Spiel macht wirklich Freude und ich würde es nicht nur Fans von H.P. Lovecraft sondern jedem Horror- und Psychofan ans Herz legen. Eine zu jederzeit unheimliche Atmosphäre gepaart mit einer geballten Ladung Wahnsinn, Okkultismus und Detektivarbeit zeichnen Call of Cthulhu aus.

Bis auf einige Dialogaussetzer und leider teils sehr langen Ladezeiten kann ich an diesem Horror-Game wirklich nichts aussetzen und wurde mehr als positiv überrascht!

 

 

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