Mit Destroy all Humans landet die Neuauflage des 2005 erschienenen Klassikers endlich erneut auf der Erde. Wir haben die kuriose Alien-Invasion für euch unter die Lupe genommen.

Ersteindruck
Ich will deine Kleider, deine Stiefel und dein Hirnstamm

Menschen kaputt machen: Sowas schaffen die Menschen unter sich ja eigentlich schon ganz gut, doch als freundlicher Außerirdischer aus der Nachbarschaft greifen wir den Erdbewohnern gern unter die Arme.

Cryptosporidium-137 oder kurz Crypto landet mit seiner Untertasse auf einem blauen Planeten, den seine Bewohner Erde genannt haben. Crypto ist ein grimmiger Alien. Ständig gereizt und schlecht gelaunt erforscht er diese unsägliche Kugel, um deren Bewohnern von nun an zu erklären, dass es die Furons sind, die diesen Planeten ab sofort beherrschen.  Aber wer ist denn die intelligenteste Lebensform hier? Könnten es vielleicht Kühe sein: Denn immerhin haben die gleich mehrere Mägen und Euter.

Doch Crypto muss in seiner ganzen angewiderten Enttäuschung feststellen, dass es die Menschen sind, die hier den Hut aufhaben. Obendrein hat er sich dabei nicht irgendein Land ausgesucht, sondern ausgerechnet die USA der 1950er-Jahre. Einer Gesellschaft, die voller paranoider Furcht über den Kalten Krieg den Finger besonders nahe am Abzug hat. Doch Crypto bleibt keine Wahl, seine Spezies steht kurz vor dem Aussterben. So mächtig und technisch überlegen die Furons auch scheinen mögen. Einen signifikanten Nachteil haben sie dann doch – sie verfügen über keine Genitalien und deshalb ist das mit der Fortpflanzung auch nicht so einfach. Crypto überlebt nur, weil er sich selbst immer wieder klont. Doch auch das hat einen Haken. Die DNA dafür wird knapp – doch auf der Erde gibt es DNA im Übermaß!

Von Destroy all Humans dürfen wir keine hochkomplexe Story-Kost erwarten, vielmehr wird hier der Kalte Krieg und der völlig überzogene American Way of Life mächtig auf die Schippe genommen. Einfach alles wird in dieser Welt komplett überzeichnet dargestellt. Die Menschen im Amerika der 50er führen ein gutes Leben und dennoch schwingt in allem diese Angst vor einem übermächtigen Feind mit. Die Menschen verhalten sich nie wirklich intelligent, sondern agieren vielmehr unheimlich naiv und einfältig und das Erste, was ihnen einzufallen scheint, wenn ihnen ein Außerirdischer über den Weg läuft, ist es, die Flinte herauszuholen und das fremde Wesen aufs Korn zu nehmen.


Gameplay
alter Klassiker neu aufgelegt

Als Destroy all Humans Im Jahr 2005 zum ersten Mal für die PS2, PC und XBOX erschien, sorgte das ungewöhnliche Actionspiel sofort für Aufsehen und hat sich über viele Jahre eine Fangemeinde aufgebaut, die sich noch über weitere Fortsetzungen freuen durfte. Doch was machte das Alien-Abenteuer von THQ so außergewöhnlich? Nun, die frühen Nuller-Jahre sind die Ursprungs-Ära der Open-World-Spiele. Seitdem Blockbuster-Titel wie Grand Theft Auto Vice City die Herzen der Spieler eroberten und Verkaufsrekorde brachen, gab es mehr und mehr Titel, die auf dem Trend aufsprangen und ebenfalls auf eine offene Spielwelt setzten.

Destroy all Humans ging dabei einen Mittelweg. Die Story-Kampagne war dabei in mehrere Level aufgeteilt, die über die ganzen USA verteilt waren und im Laufe des Fortschritts mit unserer Untertasse angesteuert wurden. Vom verschlafenen Bauernhof, über den sonnigen Ferienort bis hin zur Roswell-Militärbasis und den Großstädten der Westküste wird dabei eine riesige Vielfalt an Schauplätzen geboten. Die einzelnen Orte waren dabei sehr weitläufig gestaltet und durften von uns frei erkundet werden, also quasi eine offene Spielwelt light.

Zusätzlich bekommen wir die Level gleich in zweierlei Perspektiven präsentiert. Wir dürfen uns nicht nur zu Fuß bewegen, sondern auch in unsere Untertasse steigen und den Erdbewohnern die Hölle heiß machen und ganze Wolkenkratzer nach alter Independence Day-Manier einäschern.

Das Remake Anno 2020 von THQ Nordic ändert an der Erfolgsformel von einst fast nichts und bildet das Original von vor 15 Jahren so genau nach wie möglich. Auch das Gameplay fühlt sich nahezu unverändert an. In jedem Level gibt es eine handvoll Hauptmissionen zu erledigen. Unsere HUD-Anzeige gibt dann vor, was wir für die Erreichung des Missions-Ziels zu tun haben. Aus heutiger Sicht wirkt das leicht angestaubt, da die Missionen praktisch keine Freiheiten für eigenes Vorgehen oder alternative Entscheidungen haben.

Dann heißt es: „Begebe dich zur Militärbasis ohne dabei von Menschen als Alien enttarnt zu werden.“ Mittels Cryptos mächtigen Telekinese-Fähigkeiten, scannen wir einen unbescholtenen Erdenbürger und machen uns ihm sein menschliches Aussehen zu eigen und spazieren ungesehen in die Militärbasis. Und ein weiteres Mal setzen wir auf das überlegene Hirn Cryptos und lesen die Gedanken der Soldaten und erfahren dabei von einer geheimen Forschungsstation. Dort angekommen, stehlen wir die Daten und lassen letztendlich unsere menschliche Gestalt fallen, um unser Waffenarsenal herauszuholen und jeden Erdling in ein Aschehäufchen zu verwandeln, der es wagt sich uns in den Weg zu stellen. Die Menschen lassen nicht locker und greifen mit Maschinengewehren und Panzern an. Es wird Zeit, in die Untertasse zu steigen und die ganze Basis dem Erdboden gleichzumachen.

Auf diese Weise läuft eine Mission in Destroy all Humans ab. Klingt sehr unterhaltsam und kurzweilig und das ist es auch. Auch in all den Jahren danach hat der extraterrestrische Actiontitel nichts an Charme und Spaß eingebüßt. Dennoch zwängt uns das Missions-Design in ein enges Korsett. Falls wir ein gefordertes Ziel der Mission nicht so erreichen, wie es vorgegeben ist, scheitert das Unterfangen und das Spiel katapultiert uns zurück zum letzten gespeicherten Checkpoint.


Umfang
Sehr nah am Original

Fernab von den Story-Missionen hält jedes Level auch noch eine handvoll Nebenbeschäftigungen bereit. Defekte Roboter verstecken sich in der Umgebung und wollen von uns gefunden werden. Dafür erhalten wir dann eine kleine Menge an DNA, die wir auf unserem Mutterschiff in neue Fähigkeiten im Skillbaum investieren dürfen, mit denen wir das kleine grimmige Männchen namens Crypto noch mächtiger machen. Außerdem gilt es noch einige Herausforderungen zu meistern, die uns zum Beispiel eine ganze Horde Kühe per Beamstrahl entführen oder die ganze Innenstadt vernichten lassen. Das ist immer mit einem Zeitlimit versehen. Belohnt werden wir dann mit einer großen Menge DNA.

Kleine Neuerungen gegenüber dem Original gibt es auch. Das Remake setzt auf eine Auto-Healing-Funktion, die die Gesundheit Cryptos nach kurzer Abklingzeit regenerieren lässt. Was aber den allgemeinen Schwierigkeitsgrad deutlich absenkt. Individuell einstellen lässt sich der Schwierigkeitsgrad aber leider nicht. Im späteren Spielverlauf zieht der nämlich immer stärker an und wenn uns zig Feinde ins Visier nehmen, kann es schonmal haarig werden. Einige Herausforderungen wurden ebenfalls angepasst und verändert. Genauso auch die Raketenschuhe, die im Original von 2005 noch nicht existierten und Crypto zu Fuß agiler machen.

Als das Highlight des Remakes kann wohl das Bonus-Level betrachtet werden, welches im Original seinerzeit der Schere der Entwickler zum Opfer gefallen war und es nun ins Remake geschafft hat.

Nach etwa 12 bis 15 Stunden werden wir die außerirdische Invasion abgeschlossen haben.


Grafik & Sound
Charmant und lustig

Grafisch präsentiert sich Destroy all Humans mit einer unheimlich charmanten und toll ausgestalteten Grafik, voll von übertriebener und verspielter Charakterzeichnung. Leider bietet das Spiel kein HDR. Die farbenprächtige Optik und die stimmigen Lichteffekte würden dadurch noch einmal an Intensität gewinnen. Getestet haben wir THQ Nordics Remake auf einer PS4 Pro. Auf Sonys Konsole lief der außerirdische Ausflug ohne große Probleme und ohne spürbare Framerate-Einbrüche. Nur manchmal, kurz vor und nach einer automatischen Speicherung kommt das Spielgeschehen ins Stocken.

Beim Soundtrack verlässt man sich auf die originalen Sounds der früheren Version. Die deutsche Sprachausgabe wurde vollkommen neu vertont und ist sehr gut gelungen. Besonders Crypto selbst tritt nun noch launischer und cholerischer auf.


Fazit
Crypto erobert Planeten und Spielerherzen

Mit älteren Spielen ist das so eine Sache. Häufig stellt man fest, dass die Lieblingsspiele von früher deutlich gealtert erscheinen und aus heutiger Sicht gar nicht mehr so spaßig sind, wie sie einst waren. Doch Destroy all Humans gehört zu den Abenteuern, die erstaunlich gut gealtert sind. Das Setting um den miesepetrigen Alien Crypto ist auch heute noch genauso unverbraucht und unterhaltsam wie vor 15 Jahren. Das Gameplay ist simpel und lässt nicht viel Raum für eigene Entscheidungen und dennoch bringt auch das jede Menge Spaß. Einmal nicht den moralischen Helden zu spielen, sondern vielmehr der alles zerstörende Außerirdische sein, der mit einer Analsonde kurzerhand den Hirnstamm unschuldiger Bürger entfernt – wer hätte gedacht, das das nach wie vor so motivierend sein kann.

Fans der Serie sollten sich keine Sorgen machen und können direkt zuschlagen. Destroy all Humans ist ein durch und durch gelungenes Remake, welches sich sehr treu am Original hält. Die Steuerung wirkt verfeinert, die Grafik präsentiert einen charmanten und lustigen Einblick in die USA der 1950er und das Gameplay macht noch genauso viel Laune.

Crypto is back! A great re-invasion of a beloved game


Destroy All Humans! ist ab dem 28. Juli 2020 für PC, PlayStation 4 und Xbox One erhältlich.

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