Bild: Blizzard

[ TEST ] DIABLO II RESSURECTED – Die Höllenforte öffnet sich erneut

Erneut öffnen sich die Höllentore. Der Fürst der Unterwelt schickt seine Diener los, die Menschenwelt zu unterjochen. Wer könnte die verdorbene Armee Diablos jetzt noch aufhalten? Vielleicht ich, vielleicht du oder wir beide? Wir testen ob der 20 Jahre alte Titel noch rockt.

Ersteindruck

Kultspiel neu aufgelegt

Es brodelt die Lava der Unterwelt, es lodern die Flammen der Hölle. Als Diablo 2 vor zwanzig Jahren für den PC erschien, war der Hype riesig. Praktisch niemand konnte sich der Faszination entziehen, die von Blizzards Action-Rollenspiel ausging.

Das Jahr 2001 markiert dabei gleichzeitig wohl eines der wichtigsten und denkwürdigsten Spielejahre überhaupt. Zahlreiche Titel erschienen in diesem Jahr, die wir noch heute als absolute Klassiker der gesamten Branche betrachten.

Es war das Jahr, in der Rockstar Games mit GTA III die Serie zum Mega-Hit revolutionierte, es war das Jahr, in dem Final Fanatsy X die Grenzen der brandneuen PlayStation 2 auslot, außerdem erschien mit Halo einer der wegweisendsten Shooter aller Zeiten. Remedy sorgte mit dem melancholischen Action-Hit Max Payne für Furore, Silent Hill 2 entführte uns in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele, Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty schlich sich mühelos in die Herzen der Fans. Naughty Dog sorgte mit Jak & Dexter für verzücktes Staunen und mit ICO erschien wohl der größte Geheimtipp des Jahres.

Gameplay

Altes Spiel in neuem Gewand

In Diablo 2 verkriechen wir uns als eingefleischte Abenteurer mit einer Gruppe von Schurken in einem Lager in der Wildnis. Sie alle sind dem Herrn des Schreckens, Diablo, auf der Spur, einem Dämon, der zuletzt in einem Seelenstein gefangen war und nun im Körper des Kriegers steckt, der ihn besiegt hat (der Handlungsverlauf aus Diablo 1). Der Krieger verliert jedoch den Kampf gegen den Dämon und hinterlässt eine Spur des Grauens und der Zerstörung. Überall, wo wir hinkommen, war Diablo schon, und so drängen sich Monster und Unholde in Scharen auf unserem Weg. Und das ist gut so, denn je mehr wir töten desto stärker wirst wir.

Während Diablo 3 weitreichende Änderungen am Stufenaufstiegssystem vornahm, gibt sich Teil 2 mit simpleren Fertigkeitenbäumen zufrieden. Diablo 2: Resurrected kehren dieselben Fertigkeitsbäume zurück, die wir aus dem Originalspiel kennen.

Änderungen und Neuerungen sucht man im Remake mit der Lupe. Die Entwickler wollten das Original nur mit großer Vorsicht anfassen und dessen Essenz beibehalten. Wir haben die Wahl aus einem Reigen sieben tapferer Helden (Amazone, Assassine, Druide, Barbar, Totenbeschwörer, Paladin oder Zauberin). Für einen Charakter müssen wir uns entscheiden, mit dem wir die gesamte Reise bestreiten wollen.

Das Spiel stammt aus einer Zeit, in der Nebenquests noch nicht so verbreitet waren. Der größte Teil der Nebeninhalte besteht darin, Karten gründlich zu erforschen und erneut zu spielen, um Beute zu finden. Die Endspielinhalte sind lediglich eine Sammlung von New Game + Modi. Und doch ist es ein unglaublich spielbares und unterhaltsames Abenteuer. Diablo 2 hat etwas sehr Nüchternes an sich, selbst wenn man das letzte Gebiet jenseits der ursprünglichen Geschichte erreicht und gegen Dibalos Bruder Baal in einem Gebiet antritt, das ursprünglich als Add-On-Erweiterung separat erschienen war.

Man tötet allerlei Kreaturen und wird mit Beute belohnt. Die verdorbenen Unholde lassen oftmals Gold fallen, Heiltränke, Manatränke. Manchmal auch nützliche Waffen und Rüstungsteile, Juwelen und Ringe ebenso. Und selten belohnt uns das Glück mit enzigartigen Gegenständen. Etwa einer Waffe mit ganz besonderen Eigenschaften. Unsere Beute macht uns stärker, die Erfahrungspunkte schalten Fertigkeiten und Fähigkeiten frei und wir verbessern uns stetig. Es ist ein schier endloser Kreislauf von Gewalt und Looting, mit ein paar Dingen wie sockelbare Edelsteine und Runen als Zugabe. Diablo 2 hat die Faszination fürs Loot-sammeln richtig populär gemacht. Selbst Ego-Shooter wie Borderlands oder Fallout haben sich dieses Erfolgsprinzip von Blizzards Serie abgeschaut.

Das Original-Feeling trifft das Remake also vorzüglich. Schade ist hingegen, dass bestimmte Lebensqualitätselemente nicht eingebaut werden konnten. Das Inventar ist viel zu klein, und da man nichts stapeln kann, muss man entweder ständig Sachen umschmeißen oder immer wieder zum Basislager zurück telepotieren um Beute zu verkaufen. Und wenn wir vergessen, eine Schriftrolle oder einen Folianten des Stadtportals mitzunehmen, müssen wir zuerst zum nächsten Wegpunkt wandern, um in die Stadt zurückzukehren. Ebenso müssen wir alle magischen Gegenstände identifizieren, bevor wir sie benutzen können.

Das kleine Inventar wird noch schlimmer, wenn wir anfangen, Amulette zu tragen, d. h. Gegenstände, die wir in unserem Inventar aufbewahren, um in den Genuss ihrer Stärkungseffekte zu kommen. Vielleicht wäre es zu viel Arbeit oder sogar unmöglich gewesen, diese Elemente zu ändern, aber es wäre willkommen gewesen. Es gibt allerdings auch einige, die die 2021er-Version angenehmer macht. Zum Beispiel können wir jetzt Gold einsammeln, indem wir einfach darüber laufen und mit einem Tastendruck kann man die Gegenstände im Inventar mit den ausgerüsteten vergleichen.

Unter den sieben Klassen findet sich für jeden Spielertypen ein passender Spielstil. Vom nahkampforientierten Barbaren oder der Fernkampf-Amazone über die Assassine mit ihren Fallen, bis hin zum gestaltwandelnden Druiden – jeder Charakter fühlt sich ganz anders an. Das sorgt für interessante Koop-Sitzungen mit bis zu 8 Spielern, vor allem, weil es so viele Build-Optionen für jede Klasse gibt. Tanks, Heiler, Beschwörer, Nah- und Fernkämpfer, hier gibt es Raum für alle Spielweisen. Dabei können wir wählen, ob wir im Permadeath-Hardcore-Modus spielen oder wir uns den Bestenlisten anschließen, und wir dürfen mit Online- oder Offline-Charakteren spielen, wobei ersterer für den Koop-Modus erforderlich ist.

Grafik & Sound

Zwanzig Jahre machen sich bemerkbar

Das Alter des Spiels unter der glänzenden neuen Rüstung des Remakes wird dadurch deutlich, wie klobig sich die Bewegungen anfühlen. Die Entwickler haben jedoch gute Arbeit mit der neuen Ästhetik geleistet. So gut, dass unser Verstand uns vorgaukelte, es sähe immer noch genauso aus wie das Original. Dem ist aber nicht so. Es gibt viel mehr Details, mehr Abwechslung bei Rüstungen und Waffen, bessere Effekte für Zauber und Fähigkeiten, stärkere und detailliertere Designs für alte Feinde. Aber davon sollten wir uns nicht täuschen lassen, unter der Oberfläche ist es ein 20 Jahre altes Spiel, das auch auf 20 Jahre alten Beinen läuft.

Fazit

Zeitlos guter Meilenstein

Für all jene, die das Original noch nie gespielt haben, ist Diablo 2: Resurrected ein guter Einstieg in die Welt der Action-Rollenspiele und in die Diablo-Serie. Blizzards Kultspiel bleibt auch nach zwanzig Jahren noch ein übersichtliches und unkompliziertes Spiel mit einer großartigen Auswahl an Klassen und einer großen Vielfalt an Biomen, in denen man die prozedural generierten Karten bewältigen kann. Besonders das Gameplay aus Multiplayer-orientiertem Gegnerhorden töten, looten und verbessern ist heute immer noch genauso fesselnd wie Anno 2001.

Zwar vermissen wir im Remake einige sinnvolle Verbesserungen, wie ein größeres Inventar, flüssigere Animationen der Charaktere oder eine Menüführung mit modernerem Aufbau – unter der sehr schicken Hochglanz-Grafik steckt nun mal noch immer das Gerüst eines 20 Jahren alten Spiels. Unterm Strich ist Diablo 2 aber noch immer ein verdammt gutes Spiel, das seine größten Stärken im Koop-Modus ausspielt.

# Vorschau Produkt Bewertung Preis
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