Bild: Techland & PE

[ TEST ] DYING LIGHT 2 – Parkourlauf auf der Schlachtbank

Auf der E3 Messe im Jahr 2018 wurde der Nachfolger des Parkour-Horror-Survival Dying Light aus dem Jahr 2015 das erste Mal angekündigt und nun ist es endlich so weit – Dying Light 2 darf ab dem 6. Februar 2022 gespielt werden. Ob der zweite Teil die Klasse des Originals halten oder sogar übertreffen kann, zeigt sich in unserem Test. Zum Zeitpunkt unseres Tests waren weder der Day-One-Patch, noch der Koop-Modus verfügbar.

Techland hat mit dem ersten Teil seines Zombie-Spiels ein Game abgeliefert, das damals sehr gute Wertungen bekam und die Spieler begeisterte. Leider war der deutsche Spielemarkt durch eine Indizierung auf Liste A mal wieder außen vor. Der Titel durfte nicht beworben werden und nur auf Nachfrage an Volljährige verkauft werden. Mit dem zweiten Teil sieht es da etwas besser aus, auch wenn man sich in der deutschen Version mit einigen Schnitten begnügen muss. So ist das Enthaupten und Zerstückeln von menschlichen Gegnern deaktiviert und es ist nicht möglich neutrale NPC`s zu töten. Wer damit leben kann, greift zur deutschen Version, die ungeschnittene Version ist nur über den ausländischen Handel zu bekommen, kann aber in Deutschland gespielt werden.

Ersteindruck
Viel Neues, das zu motivieren weiß

Mit Dying Light 2 wagen wir uns zum zweiten Mal in eine von Zombies verseuchte Welt, die 15 Jahre nach dem ersten Teil spielt. Wer diesen nicht erlebt hat, kann aufatmen, man muss nicht zwangsweise wissen worum es im ersten Teil geht, dieser wird auch nur sehr kurz erwähnt. Ein kurzer Rückblick kann aber nicht schaden: Einst wurde unser Planet von einem Virus heimgesucht, wie wir ihn heute hautnah erleben können. Der Virus wurde besiegt, doch im geheimen wurde an weiteren Varianten mit Erfolg geforscht, der die Welt letztendlich in eine Apokalypse stürzte und zu einer menschenleeren Einöde wandelte. Nur in kleinen Siedlungen gibt es Überlebende, von denen einige durch die Welt reisen. Wir schlüpfen in die Rolle von Aiden Caldwell, der grob umrissen, auf der Suche nach seiner Schwester Mia ist. Dass diese kurze Inhaltsangabe das Spiel natürlich nicht zu 100 % beschreibt, ist gewollt, denn Ihr begegnet vielen Charakteren, erlebt jede Menge Geschichten, die wir hier natürlich nicht wirklich spoilern wollen. Unser Alter Ego ist ein sogenannter Pilger, er bereist diese postapokalyptische Welt, verbinden die Enklaven, indem er Ressourcen und wertvolle Informationen transportiert.

Natürlich war Entwickler Techland nicht untätig und hat jede Menge Neuerungen in das Sequel eingebaut. Aiden benötigt zum Beispiel sogenannten Hemmstoff, da er ja infiziert ist, diesen bekommt er in sogenannten GER Zentren oder Anomalien, diese besucht man am besten Nachts. Im Gegensatz zum ersten Teil, ist es Nachts weniger gefährlich unterwegs zu sein. Aber generell verstärkt dieser Hemmstoff auch die Ausdauer und Gesundheit.
Es gibt wieder einen Fähigkeiten-Stamm, mit dem wir unsere Fähigkeiten im Laufe des Spiels ausbauen können. Dieser wurde reduziert und vereinfacht, denn es gibt jetzt nur noch zwei anstatt drei Talentbäume. Der RPG-Anteil wurde erhöht. Jetzt man kann selbst zwischen verschiedenen Entscheidungen wählen (Nebenmissionen, Hauptmissionen) und jene üben auch einen Einfluss auf die Handlung und Gameplay aus. Jetzt haben wir die Wahl sich zwischen zwei Gruppierungen zu entscheiden, den Peacekeepern und den Survivor. Mit der Möglichkeit zwischen diesen zwei Gruppen hin und herwechseln, es kommt halt darauf an wie man sich in den Gesprächen mit den Personen entscheidet, wird die Handlungsfreiheit im Game erhöht. Außerdem bekommt man im Verlauf des Spiels einen Gleiter, mit dem man, abseits der sehr guten Parcour Fähigkeiten unseres Charakters, durch die Luft gleiten kann.

Gameplay
Abwechslungsreiche Parcour und Schnetzeljagd

Wir starten in der Prolog-Misson, in der wir relativ lange in das Spiel eingeführt werden. Diese Mission empfanden wir als nicht sehr einsteigerfreundlich, da relativ wenig erklärt wird. Wie schon im ersten Teil ist auch Aiden ein wahrer Parcour-Meister. Er ist schneller, denn seine Bewegungen sind flüssiger und dynamischer. Man kann und muss im Spiel mit der Zeit auch bei diesen Fähigkeiten einiges freischalten, selbst das Rutschen über den Boden gehört nicht zum Standard-Repertoire und muss freigeschaltet werden. Die Parcour-Fähigkeit auszubauen ist wichtig, denn so kann man vielen Kämpfen oder aussichtslosen Situationen entfliehen. Auch das Kampfsystem gegen die vielfältigen Zombies und menschlichen Gegner wurde um einige Fähigkeiten, wie zum Beispiel parieren ausgebaut. Ungeübte Gamer im Parkourlauf, die selbst bei Tomb Raider ins Zweifeln kamen, könnten schnell Frust aufbauen, denn nicht jede Leiter lässt sich schnell und einfach erreichen. Etwas Fingerspitzengefühl im Gameplay ist schon notwendig, bevor wir einmal mehr in die endlosen Tiefen fallen.

In Dying Light 2 erwarten uns Story sowie Nebenquests, die wir mal mehr, mal weniger für unser Vorankommen benötigen. Auch das Sammeln und durchsuchen von Gegenständen steht an der Tagesordnung. Um diese besser zu finden, beherrscht Aiden den Überlebenssinn, was nicht mehr ist wie wichtige Orte oder Gegenstände grafisch hervorzuheben. Dass wir diesen „Sinn“ oft nutzen ist wichtig, denn nur so finden wir zum Beispiel Materialien schneller, mit denen wir Sachen fertigen können wie zum Beispiel Medizin oder Dietriche. Unsere Kampf- und Parcourfähigkeiten bauen wir aus, indem man Missionen erledigt bzw. Parcour-Einlagen in der Nacht absolviert. Aber es muss ja nicht immer gekämpft werden, auch Schleich-Missionen haben es in das Spiel geschafft, und es ist schon eine spannende und Adrenalin fördernde Sache an schlafenden? Zombies vorbeizukriechen.

Missionsorte werden uns mit einem Marker im Spiel gezeigt, mit einem Druck auf das Touchpad öffnet sich die Karte, in der wir auch einen Wegpunkt setzen können, eine Minimap gibt es in Dying Light 2 leider nicht. Die Story in Dying Light 2 ist spannend und abwechslungsreich, manchmal weiß man nicht wie oder für wen der beiden Parteien man sich entscheiden soll, da diverse Personen nicht immer mit offenen Karten spielen und man auch schnell betrogen werden kann und vielleicht dann das Nachsehen hat. Aufgrund der Dialogentscheidungen und der daraus resultierenden Storywendungen ist man motiviert das Spiel nach seinem Ende nochmals zu beginnen, und diesmal Dialoge anders anzugehen und einen anderen Weg der Geschichte um Aiden und seine Schwester Mia zu erleben. Bis es aber spannend und interessant zu gleich wird, gehen schon einige anfängliche Spielstunden dahin. Es zieht sich vom Prolog zu sehr in die Länge und der Drang die Welt zu entdecken ist auch noch nicht gegeben.

Grafik / Sound
Die Creme de la Creme

Techland hat in diesem Open World Spiel eine wahre Grafikbombe gezündet, sowohl die Personen im Spiel als auch die Umgebung können sich mehr als sehen lassen. Die Sonne lässt die Stadt, oder das was davon übrig ist strahlen, satte Farben beleben die Natur, Figuren und so mancher Ort sind sehr detailliert, ohne große Performance-Probleme. Leider erzielt Dying Light 2 aber nicht die Machbarkeit der PlayStation 5 und es wird deutlich, das Spiel begann seine Entwicklung auf der Last-Gen-Kosnole und wurde notgedrungen auf die Next-Gen-Konsolen portiert. Hier konnte uns sogar ein älteres Days Gone besser überzeugen. Wir erlauben uns sogar zu sagen, Dying Light 2 ist ein schönes Spiel für die PlayStation 4 und wirkt auch nicht viel besser auf der PlayStation 5. Zudem konnte das Spiel mit den extra Features einer PlayStation 5, wie DualSense, nicht so recht einbinden. Das haben wir in anderen Spiel schon deutlich besser erlebt.

Die Musik wird passend der jeweiligen Situation sehr gut eingesetzt, und auch die deutschen Synchronsprecher wurden gut ausgewählt und machten ihre Arbeit gut. Hervorheben müssen wir auch den Soundtrack, der jede Szene einen emotional erleben lässt. Leider mussten wir aber auch diverse technische Fehler wie Abstürze, fehlende Audiospuren oder Grafikbugs erleben. Das sind aber alles Sachen, die sich mit dem ein oder anderen Patch beheben lassen.

Umfang
Vom Sammler zum Jäger

Vor einigen Wochen wurde die Spielzeit von Techland mit bis zu 500 Stunden angegeben, dies verwunderte die Community doch und nach wenigen Tagen ruderte der Entwickler zurück und gab diese nun mit 20 Stunden für die Haupthandlung an, wenn ihr aber alle Story- und Nebenquests erleben wollt, erstreckt sich die Spielzeit auf gute 80 Stunden.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Möglichkeit, das Spiel im Coop mit bis zu drei Mitspielern zu erleben. Wichtiges Detail dazu: Nur wer das Spiel „hostet“ profitiert vom Storyfortschritt, die Mitspieler bekommen immerhin als Belohnung dann Items und man behält seinen Charakterfortschritt. Ein Problem, welches wir aus Far Cry 5 kennen und den Koop-Modus schlechthin nur als Option darstellt, wenn man in der Story einmal mehr nicht alleine weiterkommt.
Eine erste Roadmap, also was die Entwickler für die nächste Zeit an Content geplant haben gibt es auch schon, diese gibt einen kleinen Ausblick bis zum Monat Juni und beinhaltet mehrere kostenlose DLC`s, Herausforderungs-Sets, diverse Events und einen ersten Story-DLC.

Fazit
Ein Nachfolger den man gespielt haben muss

Techland hat in Dying Light 2 an den richtigen Stellschrauben gedreht. Leider zieht sich der Anfang sehr in die Länge und etwas Einöde macht sich breit. Es braucht Zeit und es braucht Skills, die alle erst erlernt werden müssen. Wer viel Geduld mit bringt, wird letztendlich aber belohnt. Die Mapgröße wurde im Gegensatz zum Vorgänger vervierfacht, die Parcour- und Kampffähigkeiten erweitert, die Story ist gut geschrieben und aufgrund der Dialogentscheidungen wird man motiviert, das Spiel mehrmals zu spielen. Man merkt Dying Light 2 die lange Entwicklungszeit an und spürt vermehrt die Leistung und Performance einer PlayStation 4, statt einer PlayStation 5. Das schadet dem Gameplay aber in keinster Form und gerade die riesige Welt – Entdecken und Sammeln – laden uns für viele Spielstunden ein. Wir können Dying Light 2 freinen Herzens empfehlen, denn der Parkourlauf auf der Schlachtbank macht einen Heidenspaß.