[ TEST ] EDGE OF ETERNITY – Ein charmantes Oldschool-RPG

Über drei Jahre nach der Erstveröffentlichung von Edge of Eternity werden nun auch Konsolen mit dem Rollenspiel aus der Spielschmiede Midgar Studio beglückt. Die Zeit ist reif, um uns das gute Stück einmal genau anzusehen.

Ersteindruck
Die Reise beginnt

Zu Spielbeginn wird uns die Wahl gegeben, ob wir ein einfaches Spielerlebnis suchen oder doch lieber die Herausforderung im vierten Schwierigkeitsgrad Albtraum bevorzugen. Wir haben uns für Letztes entschieden, um auch gleich die maximale Fähigkeit der KI zu testen.

Die ersten 45 Minuten befinden wir uns in einem etwas zähen Tutorial und kämpfen uns einen verschneiten Gebirgspass hinauf. Wir übernehmen die Rolle von einem charismatischen Soldaten namens Daryon, der permanent mit seinem Trupp an der Front des aktuell tobenden Krieges kämpft. Am besten gefällt uns, das Daryon nicht auf den Mund gefallen ist. Eine weitere Stärke von Ihm ist, dass er sich selbst gut einschätzen kann und er sich seiner Sucht nach immer neuen Schatztruhen bewusst ist. In den ersten Tutorial-Kämpfen wird uns Schritt für Schritt das Runden basierende Kampfsystem erklärt, was wirklich keine Fragen offenlässt. Auch im späteren Verlauf wird einem alles genau anhand ausführlicher Textboxen erklärt.

Nach dem schwierigen Aufstieg wissen wir, dass wir uns in einer unbarmherzigen Welt befinden, wo Magie und handgeschmiedete Zweihänder gegen die maschinierte Streitmacht der Arch-Eliten bestehen müssen.

Gameplay
Rundenbasierte Kämpfe nach Oldschool-Manier

Haben wir erfolgreich den ganzen Ballast im verschneiten Land zurückgelassen, können wir uns nun vorerst allein in die sich nun langsam öffnenden Welt begeben. Hier erwartet uns jetzt die Aufgabe, sich mit unserer geliebten Schwester Selene zusammenzuschließen und unsere eigentliche Aufgabe anzusteuern. Die Heilung der Zersetzung, die das Land befallen hat, sowie unsere geliebte Mutter. Da wir von jetzt an als Deserteur unterwegs sind, stellen sich uns im Laufe der Geschichte immer wieder Schwierigkeiten in den Weg. Doch auf diesem Weg finden wir viele einsame oder auch gesellige NPCs, die mit uns Wortgefechte austragen möchten.

Wie wir bereits erwähnt haben, ist unser Held nicht auf den Mund gefallen und führt mit dem Großteil von ihnen interessant geschriebene Dialoge. Diese führen jedoch dennoch immer dazu, dass wir im Endeffekt der Laufbursche für unsere Gegenüber werden. Die Strecken können wir im späteren Spielverlauf auf dem Rücken unser treuen Nekaroo bestreiten. Diese hat nicht nur ein feines Näschen für versteckte Schätze, sondern lässt sich gezielt führen und kann aus dem Nichts beschworen werden, um keine Wartezeit zu generieren. 

Jedes Gebiet bietet immer eine oder mehrere Jägertafeln, wo wir Aufträge entgegennehmen können, um mit der hiesigen Fauna vertraut zu werden. Sind wir in den großflächigen Landschaften in einem Kampf verwickelt, stehen uns je weiter wir voranschreiten, immer mehr Kampfoptionen zur Verfügung, da unsere Gruppe organisch mit unserer Erfahrung heranwächst. Nur als Beispiel: unsere dritte Mitstreiterin haben wir nach der dreißigsten Spielstunde erhalten. Fünf finden wir in unserer gesamten Reise.

Die Kämpfe selbst finden dann rundenbasiert statt. Hier hat jeder sein eigenes Fachgebiet. Zum einen, unser Lippenakrobat ist mit seinem Zweihänder stets dicht am Feind und es darf kein Feld dazwischen liegen, um einen Treffer zu landen. Unser Schwesterherz ist das wohl stärkste Mitglied in der ganzen Truppe, denn mit ihren mächtigen Zaubern, verursacht Sie den größten Schaden. Später können auch bleich-behaftete Widersacher übernommen werden oder jemand vermint das Schlachtfeld, um aus der Ferne sicher zu agieren. Auch das Wetter spielt eine tragende Rolle, da, wenn es zum Beispiel gerade regnet, Blitzangriffe bei den meisten Bestien mehr Schaden verursacht. Selbst wenn das Wetter einen klaren Himmel hütet, hat jeder Widersacher den ein oder anderen wunden Punkt, den es auszumachen gilt.

Die Charaktere steigen nach den Kämpfen und Quests im Level auf und verbessern ihre Grundwerte, um besser im Gefecht zu glänzen. Die entscheidenden Veränderungen findet allerdings bei der Auswahl der Waffen statt. Während unserer gut 100-stündigen Reise finden wir immer wieder mächtige Baupläne oder verstecktes Kriegsgerät in den weit gestreckten Arealen. In den Waffen können dann immer gewaltigere Zauber eingebaut werden, die sich in Form von Edelsteinen finden lassen. Davon gibt es auch verschieden Stufen und diese kommen mit immer mehr Attributen daher.

Jeder in unserem Trupp kann zu seinem normalen Angriff, acht Zauber oder Fähigkeiten zur gleichen Zeit ausrüsten und bietet so genug Freiheiten, die Schwachstellen der einzelnen Monster anzuvisieren. Unsere beiden Geschwister besitzen außerdem noch einen verheerenden Spezialangriff, der sich aber erst später im Spielgeschehen freischaltet. Zu den Waffen gesellen sich dann auch noch Rüstungen, die viele Attribute unterstützen können. Vor allem die Geschwindigkeit ist hier entscheidend, es bringt nichts, einen starken Zauber zu besitzen, der nicht oft genug eingesetzt werden kann. Weil der Feind teilweise öfter in einem Zug angreift, ist eine taktische Platzierung der einzelnen Spielfiguren besonders wichtig. Wenn ein Zauber gewirkt wird, aber der Gegner in der Zwischenzeit einen Angriff auf diesen Charakter startet, wird dieser abgebrochen und muss neu gestartet werden.

In den Siedlungen oder Städten, die wir auf unsere Reisen betreten, finden sich immer eine Handvoll nützlicher Händler, die sich als sehr hilfreich herausstellen. Nicht nur gibt es hier neue Schriftrollen für besser Ausrüstung, sondern wir können auch alle wichtigen Rohstoffe bei diesen erwerben. Das erspart das zeitfressende Suchen, kommt allerdings auch nicht ohne Kosten daher. Finanzielle Probleme hatten wir aber nie und konnten uns immer die beste Ausrüstung leisten, ohne ewig zu Farmen. Allerdings haben wir auch so gut wie jeden Feind in Sichtweite erledigt. Den, wenn die Gegner auf demselben Level sind, können die Kämpfe unangenehm ausfallen. Um dem vorzubeugen, waren wir meistens fünf Level voraus und hatten demnach einen entspannten Aufenthalt. Die größte Herausforderung findet jedoch in den Bosskämpfen statt. Hier gibt es immer drei Missionen, die wir erfüllen können, um bei Absolvierung einen kraftvollen Gegenstand zu erhalten. Bei allen anderen Kämpfen gibt es sonst immer eine Mission, die ein kleines Extra gewährt.

Die Bosse sind abwechslungsreich gestaltet und die Kämpfe können mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Wollen wir mit einem Vorteil in den Kampf ziehen, sollten wir vorher immer ein Gasthaus aufsuchen. Denn eine Mütze voll Schlaf und eine kräftige Mahlzeit gibt einen gewaltigen Booster auf unsere Attribute. Diese Aufenthalte sollten wir in regelmäßigen Abständen vornehmen, da unser Team sich eine Erschöpfungsleiste teilt. Je niedriger der Wert, desto weniger Boni stehen uns zur Verfügung, was sich irgendwann in einen Nachteil entwickelt.

Was ein Luxusgut in Edge of Eternity darstellt, ist der Komfort, dass nach jedem Gefecht unser Trupp wieder in perfekten Zustand versetzt wird. Ausgenommen die Erschöpfungsleiste. Im Laufe der Geschichte auf dem steinigen Weg, die Zersetzung unserer Mutter zu heilen und den Krieg endlich zu beenden, finden wir häufig Teleportations-Schreine. Hier können wir unseren Spielfortschritt abspeichern und auch zu bereits bekannten Gebieten reisen, jedoch immer für einen kleinen Aufpreis.

Grafik, Sound & Technik
Charmantes Artwork trifft auf nervige Pop-Ups

Eine malerische Landschaft begrüßt unser Auge in den meisten Abschnitten des Spiels. Dennoch kommt hier unser größter Kritikpunkt an Edge of Eternity. Denn, wenn wir durch die teilweise sehr schön gestaltete Landschaft reiten, gibt es permanent aufpoppende Texturen, die dem Gesamtbild nicht grade guttun. Egal ob zu Fuß oder auf unserem Nekaroo, überall kann dieses Phänomen beobachtet werden. Es macht es nicht unerträglich zu spielen, aber so manch einer wird es vermutlich nicht gutheißen können. Eine weitere Auffälligkeit sind die Charaktere oder vielmehr die NPCs, die einfach nicht zurecht in die Umgebung passen. Etwas mehr Liebe im Detail hätte dem Gesamtbild auf jeden Fall nicht geschadet.

Unsere fünfköpfige Bande macht hier eindeutig die beste Figur, auch wenn die Gesichtsanimationen noch einen Feinschliff vertragt hätten. Die Gespräche und Dialoge der Hauptakteure sind wundervoll in Japanisch sowie in Englisch vertont und es macht einfach Spaß, dem Gesamten sein Gehör zu schenken. Jedes Biotop hat seine eigene Hintergrundmusik. Hier ist uns nichts aufgefallen, was den Ohren nicht gut gefallen würde. Einer gewissen Dame würde aber eine vernünftig klingende Pistole deutlich besser stehen.

An der gesamten technischen Umsetzung haben wir nicht viel auszusetzen, bis auf das Problem mit dem Pop-Ups. Wir hatten in unserem gesamten Test nur einen Bug, indem wir keine Ziele mehr im Kampf auswählen konnten, und dieser wurde mit einem Neustart behoben und wir konnten am letzten automatischen Speicherpunkt fortfahren.

Umfang
100 Stunden und mehr

Wie wir bereits erwähnt haben, haben wir für alles, was Edge of Eternity zu bieten hat, rund 100 Stunden benötigt. Die Zeit verging oftmals wie im Flug und wir haben uns öfter gewundert, ob die Zeitangabe bei den Speicherständen wirklich stimmen kann. Natürlich kam die Spielzeit wegen des höheren Schwierigkeitsgrades zustande, da die Gefechte immer mal etwas länger dauern konnten. Wenn die Hauptstory strickt verfolgt wird und ohne Umschweife der Rest nur geringfügige Beachtung geschenkt wird, würde unsere Einschätzung eine Spielzeit von 40 Stunden genügen, um die Story abzuschließen. Wir können uns nicht beklagen, auch von den Feinden gibt es genug Varianten, um nicht in Langeweile zugeraten.

Natürlich ist nicht jeder davon einzigartig, sondern einfach eine andere Version, bereits bekannter, biete aber andere Schwachpunkte. Die einzelnen Biotope bieten auch ausreichend Abwechslung und lassen sich viele Geheimnisse entlocken. In manchen Gebieten gibt es dann einen Tempel aus vergangenen Zeiten, der mit einem Rätseln durch mehrere Schachzüge seine Geheimnisse offenlegt. Hier gibt es dann wieder besondere Ausrüstung zu ergattern. Die Areale wechseln sich oftmals ab: von weit offenen Gebieten zu schlauchartigen, gedrungenen Arealen, die besonders reich mit Feinden bestückt sind.

Fazit
Charismatische Charaktere in einer interessanten Geschichte

Ein Rollenspiel, das auf Runden basierende Kämpfe setzt, kann heutzutage immer noch einen positiven Eindruck hinterlassen. Edge of Eternity bietet eine interessante Geschichte und vor allem das Geschwisterpaar ist eine Bereicherung für den Verlauf. Die Spielzeit flog an unseren Augen nur so vorbei und wir hatten nicht das Gefühl, dass hier irgendetwas künstlich in die Länge gezogen wird. Die größte Schwachstelle ist das erwähnte Grafikproblem und sollte noch behoben werden.

Doch selbst wenn dies nicht passiert, kann man schlecht sagen, dass deswegen kein Spielspaß aufkommt. Wir würden den Wiederspielwert hier gering ansetzen, da wir mit dem Kampfsystem bis zum Story-Ende genug Zeit verbracht haben, was uns zu einem zufriedenstellenden Abschluss gebracht hat. Wer auf Action- oder Adrenalin-geladene Schlachten steht, wird hier vermutlich nicht ein Traumspiel entdecken, denn Edge of Eternity lässt es eher ruhig angehen und gibt einem die benötigte Zeit seine Probleme aus dem Weg zu räumen.

Edge of Eternity [Playstation 5]
  • Ein fesselndes JRPG-Abenteuer, in dem es auf deine Entscheidungen ankommt
  • Eine atemberaubende Welt steht dir zur Entdeckung offen
  • Ein fantastischer Soundtrack des Komponisten von Chrono Trigger & Xenoblade Chronicles