[ TEST ] ELDEN RING – Episch-gefährliche Reise in ein gefallenes Königreich

Das Jahr 2022 ist erst wenige Wochen alt und bereits jetzt steht mit Elden Ring bereits das vielleicht beste Spiel des gesamten Jahres an. Wir haben das düstere Rollenspiel aus dem Dark-Souls-Universum für euch ausgiebig unter die Lupe genommen.

Ersteindruck

Dark Souls goes Open World

Elden Ring, das erste Mal, als dieser Name in unseren Ohren erklang, passierte im Zuge der E3-Präsentation im Sommer 2019. Bereits die Ankündigung samt kryptischen Teaser-Trailers sorgte für helle Begeisterung und löste einen Hype unter den Spielern aus, der die letzten zweieinhalb Jahre konstant anhielt. Diese Reaktionen kommen nicht von ungefähr. Denn hinter Elden Ring steckt mit FromSoftware eines der profiliertesten Studios der Gaming-Industrie.


Leitender Entwickler ist dabei kein Geringerer als der Rollenspiel-Mastermind Hidetaka Miyazaki, der zusammen mit FromSoftware als Erfinder der Souls-Like bekannt ist, einem Spiele-Genre, das eine tiefe Rollenspielerfahrung samt hohem Schwierigkeitsgrad kombiniert und dabei jede Menge fieser Gegner beherbergt. Auf unserer Reise werden wir mit seltenen Rüstungen belohnt, sprechen mächtige Zauber aus und werden mehr als einmal in tückische Fallen gelockt. Denn niemand kann sagen, was die Welt eines Souls-Like für uns bereithält. Jeder Schritt kann ein falscher sein, jeder Move kann einer zu viel sein – oder aber genau der richtige. Wer weiß das schon?!

Genau diese Ungewissheit und diese Gratwanderung zwischen Leben und Tod macht den Reiz von Souls-Like aus.

Die Story

Ein Ring, sie zu knechten

Der Ring der Elden ist zerbrochen und Königin Marika „die Ewige“ ist verschwunden. Marikas Halbgott-Sprösslinge haben die Scherben des einst mächtigen Rings an sich genommen, was die Zertrümmerung auslöste: ein verheerendes Ereignis, das die Zwischenländer in einen Zustand der Verzweiflung versetzt hat. Es kam zu einem Krieg, aus dem es keinen klaren Sieger gab. Lange Zeit, nachdem die Zwischenländer bereits in Ruinen liegen, kommen wir ins Spiel du. Wir sind ein einst verstorbener, aber nun zu neuem Leben erweckt. Wir werden als Befleckter beschimpft – doch wir sind mehr ein Sucher des Eldenrings und vor allem auch einer, der hofft, der neue Elden-Fürst zu werden.

Elden-Fürsten wie Renalla bewahren einen Teil des Elden RIngs und sichern sich durch ihn ihre Macht.

Wie üblich in FromSoftware-Titeln wird die Geschichte in Elden Ring hauptsächlich durch Erkundung erzählt. Es gibt nur wenige Zwischensequenzen, abgesehen von ein paar Boss-Einführungen, ansonsten erfahren wir alles durch das Lesen von Beschreibungen der Gegenstände im Spiel und durch visuelle Hinweise in den Gebieten, die wir erkunden. Manche mögen diese Form der Erzählung vielleicht nicht, aber wir haben es immer geliebt, die in der Welt versteckten Geschichten zu finden und die Hintergrundgeschichten der Feinde, denen wir begegnen, in unseren Köpfen zusammenzusetzen.

Die normalerweise kryptischen Dialoge sind jetzt viel mehr auf die Charaktere ausgerichtet: Jeder Charakter, dem wir begegnen, hat eine Art Geschichte, die er erzählen kann. Dabei wird der Erzählstil, immerzu in einem kryptischen Ansatz gehalten.

Gameplay

Fordernd, vielseitig, motivierend

Wir geben zu, dass die Skepsis durchaus groß war, als wir das erste Mal hörten, dass ein Souls-Spiel über eine offene Welt verfügen würde. Zwar konnte man in den Vorgängern oft nach Belieben auf Entdeckungsreise gehen, aber es gab immer noch einen irgendwie definierten „richtigen“ Fortschrittspfad, den man normalerweise fand, indem man in ein Gebiet stolperte und sofort starb, wenn man seinen Charakter noch nicht genug aufgebaut hatte, um zu überleben. Dann wiederholt man den Vorgang so lange, bis man in kleinen Schritten vorankommt.

Am Ort der Gnade machen wir sicher Rast und finden Marika.

Zu unserer Überraschung funktioniert Elden Ring trotz seiner riesigen offenen Welt im Wesentlichen immer noch gleich. Jeder große Bereich der Karte scheint darauf zugeschnitten zu sein, wovon die Entwickler ausgehen, dass der durchschnittliche Spieler beim Erreichen dieses Bereichs ein gewisses Niveau erreicht hat. Es gibt einfache Feinde, die zwar schwer sind und uns in großer Zahl schnell überwältigen können, aber die wir mit etwas Geduld und Bedacht relativ einfach besiegen, und eine Reihe von viel schwierigeren Gegnern, für deren Überwindung der Spieler ein paar Stunden Levelaufstieg braucht. Dank der offenen Welt können wir den meisten schweren Gegnern einen Bogen machen, ohne dass dabei der Spielspaß abreißt. Wenn wir uns zu einem späteren Zeitpunkt besser vorbereitet fühlen, fordern wir die großen Feinde noch einmal heraus und versuchen unser Glück.

Jedes Gebiet ist außerdem dicht bevölkert, mit einer großen Anzahl einzigartiger Bosskämpfe, von denen die meisten abseits der ausgetretenen Pfade zu finden sind und verschiedene wichtige Gegenstände bereithalten, darunter auch solche, mit denen wir unsere Waffen aufrüsten, neue Fertigkeiten hinzufügen und vieles mehr. Gelegentlich trifft man auf einen „Hauptboss“, der in der Regel eine kurze Zwischenszene hat und einen viel ausführlicheren Kampf bietet als die optionalen Bosse. Technisch gesehen könne wir direkt zu diesen Bossen rennen und die Erkundung der offenen Welt ganz vermeiden, aber mit solch einer Kopf-durch-die-Wand-Taktik werden wir kaum erfolgreich sein. Die Konfrontationen mit den großen Bossen verlangen wirklich unser ganzes Können ab.

Es gibt zwar große Abschnitte in der offenen Welt, aber auch die klaustrophobischen Dungeon-Bereiche, die wir von einem Souls-Spiel gewohnt sind, lockern das Spielgeschehen auf. Ein solches Maß an Freiheit hat es in einem Souls-Spiel noch nie gegeben, und zum Glück funktioniert das wirklich meisterhaft.

Nur ein Bruchteil der offenen Welt: Die offene Spielwelt ist massiv und lädt zum etndecken ein.

Elden Ring ist durch und durch ein Souls-Spiel und verfügt über die gleichen Mechaniken, die das Genre seit jeher auszeichnet. Nach einem kurzen Eröffnungsbereich, in dem wir die Grundlagen des Kampfes lernen, werden wir direkt in die offene Welt gestoßen und sind auf uns allein gestellt. Sofort finden wir einen Ort der Gnade, Elden Rings Version des Dark Souls-Lagerfeuers. Wenn wir uns an einem Ort der Gnade ausruhen, werden HP und FP wiederhergestellt und unser Charakter wird von allen Beschwerden etwaiger Status-Effekte befreit, außerdem werden unsere Flaschen (Rot und Blau für HP und FP) aufgefüllt. Wie bei früheren Souls-Titeln werden durch das Ausruhen auch die meisten Feinde wiederbelebt. Während wir an einem Gnadenort rasten, können wir uns die Zeit vertreiben, Zaubersprüche auswendig lernen, Stufen aufsteigen, unsere Inventar-Truhe sortieren, unsere Fläschchen aufrüsten, Kriegsasche ausrüsten und vieles mehr. Am wichtigsten ist, dass die Gnadenorte auf dem kritischen Pfad mit einem Licht ausgestattet sind, das uns die Richtung weist, in die ihr gehen müsst, um weiterzukommen.

Apropos Reisen: Orte der Gnade können als Schnellreisepunkte genutzt werden, und mit den schnellen Ladezeiten sowohl auf PC, der Xbox Series S/X als auch auf PS5 macht dieses Feature die Erkundung zu einer sehr angenehmen Erfahrung. Wählt man einen Gnadenort auf der Karte aus, wird man innerhalb von zwei Sekunden dorthin transportiert. Für Gebiete, die weit von einem Gnadenort entfernt sind, gibt es Pfähle von Marika, normalerweise in der Nähe von Endgegnern, die es uns ermöglichen, nach dem Tod an diesen wiederzubeleben. Zusammen mit der Möglichkeit, Leuchtfeuer auf der Karte zu setzen, um interessante Gebiete zu markieren, die man später besuchen möchte, machen diese Features das Entdecken der unzähligen interessanten Orte zu einem frustfreien Erlebnis, trotz der manchmal verwirrenden Welt.

Elden Ring bietet das bisher robusteste System zur Charaktererstellung, mit der Möglichkeit, Hautfarbe, Stimme, Alter und fast jeden Aspekt des Gesichts, der Haare und des Körpers unseres Charakters zu verändern. Dazu kommen 10 Charakter-Klassen, darunter Vagabund, Krieger, Held, Bandit, Astrologe, Prophet, Samurai, Gefangener, Bekenner und Bettler – jede Klasse hat anders festgelegte Fähigkeiten, Werte und Startwaffen und -rüstungen.
Der Mehrspielermodus von Elden Ring ist einzigartig in der Souls-Reihe, funktioniert aber im Wesentlichen genauso, obwohl wir eine Reihe von Gegenständen finden und verwenden müssen, um vollständig teilnehmen zu können.

Wir werdet keine Beschwörungszeichen sehen, wenn wir nicht vorher ein Heilmittel dafür benutzen, das wir kaufen oder herstellen können. Wenn wir diesen Gegenstand benutzen, sehen wir die Zeichen von Verbündeten und Gegnern. Goldene Zeichen stehen für Verbündete, die sich unserem Spiel unterstützend anschließen, bis wir einen Boss besiegt haben, während rote Zeichen auf Gegner hinweisen, die in unser Spiel kommen, um sich zu duellieren.
Um anderen Spielern zu helfen, mit dem richtigen Finger-Item ein goldenes Zeichen setzen, das es den Spielern ermöglicht, uns in ihr Spiel zu rufen.

Alles, was wir sehen, können wir auch bereisen! Die Zwischenländer sind riesig und vielseitig.

Umfang

Nach 50 Stunden nur ein Drittel des Spiels erlebt

Heutzutage trumpft gefühlt jedes zweite Spiel mit einer offenen Welt auf und sobald die Ingame-Karte geöffnet wird, springen uns auch schon die Frage- und Ausrufezeichen förmlich in die Augen. Nicht selten fühlten wir uns davon erschlagen und hatten plötzlich keine Lust mehr jeden Punkt einzeln abzugrasen, weil die Karte uns darauf hinweist, wo der nächste kleine Kram versteckt ist.
Dieses Gefühl, dass das Entdecken der Spielwelt eher einem Abarbeiten als vielmehr einem Entdecken gleichkommt, haben wir in Elden Ring nicht verspürt. Vielmehr gleichen die Zwischenländer einem riesigen Spielplatz, der gezielt für abenteuerlustige Spieler errichtet wurde. Ständig weckt etwas unsere Neugierde. Sei es eine verborgene Höhle, die Überreste einer alten Ruine, die Mauern einer mächtigen Burg oder sogar wandelnde Mausoleen. Die Vielfalt, mit der Elden Ring seine Spielwelt ausschmückt ist aufregend, motivierend und unheimlich schön gelungen.

Die Welt von Elden Ring beherbergt nicht nur eine große Anzahl sehr kreativ gestalteter Feindbilder, wie einen affenartigen Riesenschwertträger oder unterschiedliche untote Soldaten. Eine solche Vielzahl ist schwierig in wenige Worte zu fassen und sollte einfach selbst ein Besuch in den Zwischenländern wert sein. Zusätzlich sind auch viele harmlose Tiere unterwegs, die aber für gewisse Rohstoffe ihre Daseinsberechtigung freien. Es gibt sehr viele Pflanzen und anderes Nützliches, was wir sammeln können, um es dann mit unserem Werkzeugsatz in etwas wirklich Nützliches verwandeln.

Von den Bosskämpfen können wir auch gar nicht genug schwärmen. Hier haben sich die japanischen Entwickler wieder selbst übertroffen und bieten eine extrem reichhaltige Palette. Nicht nur sind alle Bosse und Feinde sehr schön gestalte, auch Ihre Angriffsmuster sind genauso abwechslungsreich wie gefährlich. Auch die Biotope haben immer ihr eigenes Wiedererkennungsbild und lassen uns oftmals ein schönes Panorama erblicken. Die Spielzeit lässt sich nicht genau festlegen, wird aber leicht die 100 Stunden Marke knacken.

Grafik & Sound

Art Design und Atmosphäre sind Weltklasse – trotz kleiner Grafik-Schwächen


Wie sieht es wohl bei so lobenden Worten mit der technischen Natur von Elden Ring aus? Kommen wir als Erstes zur musikalischen Untermalung. Diese sticht FromSoftware-typisch gerade in den Bosskämpfen hervor, da hier wieder ein ganzes Orchester beauftragt wurde und jeden Kampf sein eigenes Grundgerüst verpasst. Ist der Puls durch den Kampf allein noch nicht hoch genug, passiert es spätestens beim Einsetzen der Musik. In den offenen Bereichen wird auf Musik weitgehend verzichtet und die Wettereffekte und Geräusche naheliegender Kreaturen sorgen für die optimale Atmosphäre. Die Soundeffekte von den Hieben, Schlägen, Zaubersprüchen, Geschrei und was nicht noch alles eine Rolle spielt, sind sehr Souls-mäßig vertont worden und lassen uns gleich in Nostalgie schwärmen.

Wir treffen immer wieder auf skurille Personen, von denen wir nie sicher sagen können, ob sie die Wahrheit sprechen oder lügen.

Für das neue Action-Rollenspiel wird die alte Grafik-Engine verwendet, die bei Dark Souls, Bloodborne und auch Sekiro verwendet wurde. Dass diese nicht die aller schärfste Grafik auf unseren Bildschirmen zaubert, ist wohl jedem bekannt. Doch das Zepter der grafischen Opulenz wird hier vielmehr durch die kunstvolle Stimmung hochgehalten, die mit den Landschaften, den oft sakralen Bauwerken und der Schönheit des Verfalls erreicht wird. Oftmals erzählen die Umgebungen ihre eigenen Geschichten. Doch dafür muss man als Spieler mitunter zweimal hinschauen. Elden Ring birgt eine Vielzahl kleiner Geheimnisse, die über die Bildsprache vermittelt werden. Abseits der ganzen Kämpfe und der bedrohlichen Gegner ist Elden Ring durchaus auch ein leises Spiel, welches mitunter eine meditative Ruhe auszustrahlen vermag, die an den PlayStation-Klassiker Shadow of the Colossus erinnert.

Fazit

Eines der größten Highlights der letzten 10 Jahre


Elden Ring ist ein verdammt langes Spiel. Es gibt wirklich so viel zu tun, dass man als Spieler 50 Stunden in den ersten paar Gebieten verbringen kann, nur um dann die Karte erneut zu erweitern, bis sie randvoll mit neuen Dingen ist, die man in weiteren 50 Stunden entdecken kann.
Wir haben so viel von diesem Spiel gespielt, und wir wissen, dass es wahrscheinlich genauso viel gibt, dass wir noch nicht gesehen haben. Das fühlt sich unheimlich aufregend an. Ganz zu schweigen von den zahllosen Dungeons, die über die gesamte Karte verstreut sind oder den über 60 Bosskämpfen, denen wir uns auf unserer Reise gegenüberstellen können – oder auch nicht. So vieles ist optional und frei erkundbar. Elden Ring zwingt uns keine Spielweise auf, es gibt uns die maximale Freiheit in die Hände.

Selten fühlen wir uns nach einer Rezension so sehr dazu berufen, ein Spiel bis zum Ende zu erforschen, aber bei Elden Ring gibt es keine Möglichkeit zu wissen, was dieses Ende tatsächlich bedeutet. Es gibt Dinge in der Ferne, von denen wir noch nicht wissen, wie wir sie erreichen können. Es gibt wahrscheinlich Hunderte von Geheimnissen, die nur von einer kleinen Gemeinschaft von Spielern aufgedeckt werden können. Es ist ein Gefühl von Abenteuer, das in Spielen so selten ist.

Elden Ring ist ein fantastisches Spiel, das immer noch den unvergleichlichen Nervenkitzel bietet, wenn man nach einem stundenlangen Kampf einen harten Boss besiegt. Diejenigen, die sich auf dieses Abenteuer einlassen, werden ein Rollenspiel vorfinden, das im Grunde alles bietet, was sie jemals wollten. Es gibt mehr Bosse als je zuvor, mehr Gebiete zu erforschen und so viel Wissenswertes zu entdecken, dass die digitalen Archäologen der Souls-Community jahrelang beschäftigen wird.

Während kleinere technische Probleme und einige veraltete Grafiken gelegentlich auftauchen, sind die Art Direction und die Welt von Elden Ring ein absolutes Spektakel. Es ist ein durchaus schweres und forderndes Erlebnis, es markiert aber auch eines der größten Highlights der letzten zehn Jahre und belohnt jeden Spieler mit einem unvergleichlichen Spielerlebnis, welches man so schnell nicht vergessen können wird.

ELDEN RING (Launch Edition) - [PlayStation 5]
  • ELDEN RING Spiel (physischer Datenträger für PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X und Xbox One, Code in a Box für PC)
  • Poster
  • Art Cards, Sticker und Aufnäher