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[ TEST ] EVIL GENIUS 2 – Der Griff nach der Weltherrschaft

Siebzehn Jahre nach dem Erstling lässt die Spieleschmiede Rebellion Evil Genius 2 auf die Welt los. Im Taktik und Aufbauspiel steigen wir auf, zum bösesten aller Bösewichte und dürfen unsere eigene Basis bauen und nebenbei von der Weltherrschaft träumen.

Ersteindruck
17 Jahre nach dem ersten Ableger

Rache, sagt man, ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Die Rache, die wir mit Evil Genius 2 suchen, hat sicherlich schon eine Weile auf sich warten lassen. Das ursprüngliche Evil Genius war in seiner Blütezeit einigermaßen angesehen – und wir können uns daran erinnern, dass wir es bereits 2004 auf dem PC erlebt haben. 17 Jahre sind also ins Land gezogen, seitdem die Spieleserie ihr Debüt feierte. 17 Jahre sind lang genug, dass die Meisten es jetzt als „Kult-Klassiker“ bezeichnen, was die höfliche Art ist, ein Spiel zu beschreiben, das nicht gut genug an den Kassen gelaufen ist, um eine schnelle Fortsetzung zu rechtfertigen.

Wir spielen das titelgebende Genie in einer Strategie-/Ressourcenmanagement-Simulation, die ein wenig – OK, sehr viel – von der Welt des James Bond der 1960er-Jahre und von Dungeon Keeper übernommen hat. Wir machen uns ans Werk und bauen uns eine eigene Festung des Bösen, in der wir ungestört unseren Plänen zur Weltherrschaft nachgehen können, wären da nicht immer wieder diese lästigen ungebetenen Gäste, die sich selbst Einlass gewähren wollen, indem sie in unsere Basis einbrechen.

Evil Genius 2: World Domination ist im Grunde genommen mehr vom Gleichen, und in vielerlei Hinsicht ist es ein gutes Stück besser, wie man es von einem Spiel erwarten sollte, das fast zwei Jahrzehnte an technischen und spielerischen Vorteilen auf dem Buckel hat.

Gameplay
Der Griff nach der Weltherrschaft

Unser Dr. Evil/Blofeld-Ersatz Maximilian kehrt als effektiver Standardcharakter zurück, aber wir können auch optional den kampforientierten Red Ivan ausweichen oder auf die wissenschaftlich orientierte Zalika auswählen, oder aber die Spionin Emma als böses Genie wählen. Jede von ihnen hat besondere Stärken, die Ihre Herangehensweise an den Management-Stil des Spiels sowie ihre eigenen Ziele für die Weltherrschaft im Kampagnenmodus des Spiels erheblich beeinflussen können.

Jeder, der schon einmal eine der anderen, eher komisch angehauchten Managementsimulationen gespielt hat – wir denken da an Spiele wie 2 Point Hospital aus jüngerer Zeit oder an Klassiker wie Dungeon Keeper oder Theme Hospital – wird sich genüsslich in das Basenbau-Segment von Evil Genius 2 stürzen, und das ist mit Sicherheit die größte Stärke des Spiels.

Wir müssen unsere Untergebenen zumindest im Wesentlichen bei Laune halten (oder in Angst und Schrecken versetzen, wenn wir uns dafür entscheiden, einige von ihnen als Exempel für die anderen zu exekutieren), während wir unsere Basis ausbauen, uns im komplexen Technologiebaum des Spiels hocharbeiten und auf der Weltbühne die Herrschaft anstreben, nach der sich unser Evil Genius so sehr sehnt.

Es ist letztendlich die Weltbühne, auf der Evil Genius 2: World Domination eher schwächelt. Jedes Gebiet ist in Zonen unterteilt. Jedes Gebiet muss zunächst erkundet werden, danach können wir Schergen aussenden, um Raubüberfälle zu begehen, Ablenkungsmanöver starten oder kritische Missionen der Neben- und Hauptkampagne ausführen. Uns gefiel die Machart rund um diese Missionen, die einige großartige komödiantische Töne anschlugen.

Sie sind alle etwas eintönig, und wir wählen einfach das aus, was gerade verfügbar ist, und warten und schauen dann, wie das Geschehen auf dem Bildschirm abläuft. Es gibt zwar von Anfang an ein Tutorial, aber es ist ein ziemlich offenes Spiel, ohne festen Ausgang, und das kann bedeuten, dass man Ziele auswählt, die uns eigentlich nur von dem abhalten, was wir später in der Mitte und am Ende des Spiels lieber tun würden, denn wenn man einmal einen Zielpfad eingeschlagen hat (der selbst viele Unterziele haben kann), gibt es kein Zurück mehr. Das Spielgeschehen gestaltet sich recht starr und lässt sich kaum flexibel auf sich verändernde Wünsche anpassen.

Allzu oft mussten wir darauf warten, dass etwas Bestimmtes passiert, sei es, dass unterstützende Flugzeuge Diener losschicken, um mehr Beute zu sammeln, oder dass feindliche Agenten auftauchen, damit wir sie gefangen nehmen und wertvolle Informationen gewinnen können, um weitere Kampagnenmissionen auf der Weltkarte zu ermöglichen… was bedeutete, dass wir wieder auf Diener und Flüge warten mussten, um das alles zu ermöglichen!

Das Spiel verfügt zwar über eine Schnellvorlauffunktion, um die Wartezeit zu verkürzen, aber diese Funktion einzusetzen, ist an sich schon ein riskanter Schritt, vor allem im späteren Spielverlauf, wenn härtere Agenten unsere Basis infiltrieren, das Gold stehlen oder alles in Brand setzen.

Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass sich Evil Genius 2 manchmal in einem Mangel an Erklärungen verzettelt, was ziemlich frustrierend sein kann. Wir haben mehr als ein paar Stunden mit Kampagnenzielen verloren, deren Beschreibungen einfach nur schräg waren, so dass wir in unserer Basis herumklicken musste, um herauszufinden, wie die Wechselwirkungen zwischen den Objekten funktionierten oder wohin das Spiel uns wirklich führen wollte.

Das ist zu verkraften, dass wir uns etwas dumm vorkommen, wenn wir etwa eine Anweisung verpassen oder ein Tutorial überspringen. Problematischer sieht es aus, wenn es Spielelemente gibt, die wirklich ein umfassendes Handbuch im Spiel gebrauchen könnten, um sie vollends verstehen zu können!

Unterm Strich ist es ein schwieriges Gleichgewicht, weil es in diesem Genre eine gewisse Freude ist, zu entdecken, was die Geräte alles können – vor allem, wenn es um die fortgeschrittenen Fallen geht, die in der Abfolge ziemlich raffiniert funktionieren können, um einen Spion auf echtem Bond-Niveau zu eliminieren, aber nicht, wenn es den Anschein hat, dass die Entwickler entweder schon zu genau wussten, was sie wollten, oder einfach nicht daran dachten, dass einige Spieler von Zeit zu Zeit ein wenig mehr Anleitung brauchen könnten.

Grafik & Sound
Bunte Hommage an James Bond und Co.

Getestet haben wir Evil Genius 2 auf Sonys PlayStation 5. Die Bildrate zeigt sich im Spielgeschehen absolut stabil und der bunte Cartoon-Look der Grafik ist ebenso charmant umgesetzt. Dabei besticht das laufende Spiel durch viele kleine Details und einen hohen Wuselfaktor, bei denen wir zahlreiche Helfer, Agenten und Eindringlinge dabei beobachten können, wie sie ihr Tagwerk verrichten.

Der Soundtrack ist genauso lustig umgesetzt, wie es der Grafikstil vermuten lässt und spielt klanglich auf viele Klassiker des Agentenfilmes an. James Bond darf natürlich nicht fehlen, aber auch Anspielungen zu Austin Powers und No One Lives Forever lassen sich erkennen. Die Sprachausgabe ist leider ausschließlich in Englisch gehalten und wird von deutschen Untertiteln unterstützt.

Umfang
Etwas weniger wäre mehr gewesen

Evil Genius 2 birgt das Potenzial für eines der besten Management-Spiele der letzten Jahre. Dennoch wirken viele Missionen und das Gameplay im Allgemeinen etwas zu sehr in die Länge gezogen. Es fühlt sich an, als könnte es ein knappes 20-Stunden-Spiel bieten – mehr als genug, wenn wir bedenken, dass man als vier verschiedene Genies spielen kann. Aber durch die überlangen Missionen und das ständige Warten, bis etwas passiert, wird das Spiel auf 30 oder 40 Stunden ausgedehnt.

Fazit
Wirtschaften, strategisch handeln und Weltherrschaftspläne schmieden

Wenn wir die Spielweise von Evil Genius 2 erst einmal verstanden haben und das Gameplay an Fahrt aufnimmt, dann macht es das richtig gut. Wenn man zu den Spielern gehört, die sich gedanklich im Ressourcenmanagement vertiefen können, während man über den absichtlich klischeehaften und übertriebenen Stil des Spiels lacht, dann wird man viele Momente finden, in denen Evil Genius 2 Spaß macht.

Die Welt zu erobern, einen aus dem Felsen gehauenen Raum nach dem anderen zu erschaffen und so zu leben, wie es ein echter Film-Bösewicht aus der Klischeekiste sich immer erträumt hat. Allerdings existieren noch ein paar Ecken und Kanten und eine unausgewogene Spielbalance, die das Spiel noch fesselnder hätte machen können, sowohl für diejenigen, die Ressourcenmanagement lieben, als auch für diejenigen, die einfach nur die Herausforderung mögen, die Welt mit Hilfe einiger glänzender neuer Weltuntergangsgeräte zu übernehmen.

# Vorschau Produkt Bewertung Preis
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