[ TEST ] FALLOUT 76 – Die Rückeroberung von Appalachia

Wir haben Fallout 76 auf der Xbox One für euch getestet. Unsere Eindrücke bringen wir euch in diesem Artikel näher.

Ersteindruck

Fallout als MMO

Mit seinen 53 GB ist die Größe schon einmal recht durchschnittlich. Besitzer der Hardcopy dürfen sich nach der Installation allerdings erst einmal auf ein 50 GB Patch einstellen. Besitzer einer Xbox One X können sich übrigens über eine leistungsstärkere Version freuen, welche ein Bild in 4K ULTRA HD liefert und HDR fähig ist.

Fallout 76 beginnt mit dem Launch-Trailer, der bereits bekannt sein dürfte. Das Menü ist aufgeräumt und übersichtlich gehalten und erinnert ein wenig an das Menü von Fallout 4. Neben den großen Menüpunkten gibt es zusätzlich noch lustige Vault-Boys zusehen. Eine Neuerung, die gerne auch in Fallout 5 übernommen werden darf!
Nach dem großen Gemecker über die Beta und die negativen Reaktionen im Netz bin ich zunächst einmal relativ voreingenommen, aber los geht’s! Der Charakter-Editor scheint der selbe wie in Fallout 4 zu sein. Zumindest kann ich hier keine Unterschiede Feststellen. Ein wenig schade, da die Modding-Community von Fallout 4 bereits gezeigt hat, wie der Charakter-Editor massiv verbessert werden kann. Nachdem ich meinen Helden erstellt habe, mache ich erst einmal ein sexy Postkartenfoto, bei dem ich übrigens allein zwischen 24 verschiedenen Gesichtsausdrücken plus Posen, plus Filtern und Rahmen auswählen kann (jederzeit im Spiel verfügbar) und schnappe mir anschließend meinen Pip-Boy 2000. Darauf folgt eine Art Rundgang mit einzelnen Stationen die von Mr. Handy-Robotern betreut werden, an denen meine Ausrüstung zusammengestellt wird. Eine Art Starterpaket für die große, weite Welt also und eine gelungene Einführung für völlige Fallout-Neulinge. Zwischendurch erfahre ich noch, dass seit den Bomben gerade einmal 25 Jahre vergangen sind, was so einiges an verwirrten Gemecker der letzten Wochen erklären dürfte. Zum Schluss verabschiedet mich Alderton (ein Mr. Handy) noch in multiplen Sprachen und raus geht’s nach Appalachia (die Appalachen in West-Virginia). Draußen angekommen werde ich für das Verlassen der Vault mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

 


Gameplay

Ein wenig anders und seltsam…

Das gewohnte Fallout-Feeling ist sofort da, auch wenn auffällt, dass man in Fallout 76 nicht mit allem interagieren kann, wie man das eventuell aus den vorherigen Fallout-Teilen gewohnt ist. Das V.A.T.S.-System funktioniert leider mehr schlecht als recht, was nicht weiter überrascht, da Fallout 76 ein Multiplayer-Spiel ist. Eine Anpassung dieses Systems wäre wichtig gewesen. Auch das gewohnte Pausieren beim öffnen des Pip-Boys fällt natürlich weg. Was aber nicht weiter schlimm ist, da man eine Schnell-Auswahl-Funktion hat. Davon mal abgesehen müssten sich Fallout-Veteranen schnell rein finden, trotz des veränderten V.A.T.S.-Systems.
Lästig ist leider, dass man jederzeit angegriffen werden kann, wenn man an einer Werkbank, Kochstation oder einem Terminal beschäftigt ist, etwas hacken will oder ähnliches. Dabei wird das Hacken nicht einmal automatisch unterbrochen. Ausrüstungsstücke findet man zu Beginn recht zahlreich. Auch die Community ist mir während meines Tests äußerst freundlich und hilfsbereit erschienen. Eine Gruppe mit anderen Spielern zu bilden oder zu handeln ist außerdem sehr simpel gehalten.

Auffällig ist leider, dass die Spielwelt, wie bereits zahlreich im Netz erwähnt, relativ leer ist. Außer Gegnern, Robotern und anderen Spielern ist mir mit Ausnahme des Supermutanten-Händlers Graham und seiner treuen Begleiterin ‚Chally die Muh-Kuh‘ kaum ein NPC begegnet, der nicht unbedingt ein Protectron-Roboter war. Im Hinterkopf behalten sollte man allerdings auch, dass Fallout 76 nicht wie zum Beispiel Fallout 4 200 Jahre nach dem Fall der Bomben spielt, sondern 25 Jahre danach. Siedlungen und Raiderbanden konnten sich also noch gar nicht wirklich so stark ausprägen, da diese ebenfalls die Nachfahren von Vaultbewohnern zu sein scheinen. In Fallout 76 bekommt man also eher die Anfänge des amerikanischen Ödlandes mit. Auch den viel vertretenen Kritikpunkt einer nicht vorhandenen Story kann ich hier nicht bestätigen, da man von Anfang an damit konfrontiert wird. Der Unterschied zu bisherigen Fallout-Spielen ist jedoch, dass diese hier nicht direkt erzählt wird, sondern in Form von Texten und Audiologs, also in Form einer Lore wiedergegeben wird.

Das Hunger-und-Durst-System, was vielleicht der eine oder andere bereits seit dem Survival-Mode von Fallout New Vegas kennt, kann mitunter ein wenig lästig werden, da man gefühlt alle fünf Minuten etwas zu trinken benötigt. Denn wenn man nicht regelmäßig isst und trinkt, hat man mit massiven Nachteilen wie Gesundheitsverlust und Verlust der maximalen Ausdauer (AP) zu kämpfen.
Ebenso können Nahrungsmittel in Fallout 76 verderben. So ist es mir zum Beispiel passiert, dass ich einige Nahrungsmittel fand, nach 2 Stunden ein Camp aufbauen wollte, um unter anderem auch die gefundenen Nahrungsmittel zu verarbeiten, um dann wiederum festzustellen, dass sie in der Zwischenzeit verdorben sind. Also stand ich erst einmal ohne Wasser und Nahrung da und durfte wieder anfangen zu suchen, anstatt die Hauptgeschichte weiter verfolgen zu können. Dieses Feature war zuvor nur wahlweise dabei und kann zunächst etwas nerven, man gewöhnt sich allerdings daran.

Das Levelsystem arbeitet mit Perk-Karten. Bei jedem Levelaufstieg bekommt man einen S.P.E.C.I.A.L.-Punkt. Diese Punkte dienen als Kapazitätspunkte für die jeweiligen Perk-Karten. Hier sind zum Teil die Skills dabei, die man eventuell schon aus Fallout 4 kennt, wie Schnorrer oder Apotheker, aber auch neue Skills mit Bezug auf das Nahrungssystem oder das C.A.M.P.-System. Außerdem sind auch Gegner auf bestimmten Leveln. Mir sind bei meinem Test zum Beispiel relativ früh zwei Supermutanten über den Weg gelaufen, die einfach mal auf Level 28 waren. Andere Spieler in der Gegend und ich eingeschlossen waren chancenlos gegen die beiden und mussten flüchten. Dies könnte daraus resultiert sein, dass ein Spieler mit höherem Level zuvor in der Nähe war.

Bis Level 5 gibt es die Pazifismus-Einstellung. Erst ab Level 5 ist es möglich sich mit anderen Spielern zu duellieren. Ich rate aber dringend davon ab, euch mit Spielern anzulegen, deren Level höher ist. Waffen und Ausrüstung werden zwar ausgeglichen, Perks und Modifizierungen bleiben jedoch weiter aktiv.


Grafik und Sound

Fallout 4 in Farbe und Bunt

Grafisch unterscheidet sich Fallout 76 nahezu überhaupt nicht von Fallout 4, nur mit dem Unterschied, dass es insgesamt farbenfroher und dadurch lebendiger wirkt – eigentlich wie Fallout 4 mit einer Nature-Mod. Das ändert aber leider auch nicht viel an der Tatsache, dass die graphische Leistung, die Bethesda hier abliefert einfach um drei Jahre veraltet ist. Positiv anmerken muss man aber zum Beispiel die Lichteffekte. Atemberaubend wäre das Passende Wort dazu. Die hier von mir gewählten Screenshots stammen zwar aus dem Startmenü, sie zeigen jedoch die Ingame-Grafik und somit einen Anblick, der sich mir des Öfteren auch im Spiel zeigte. Mit Fallout 76 hat sich Bethesda von der tristen Farbstimmung aus Fallout 3, New Vegas oder 4 verabschiedet. Nicht unerwähnt sollte hier sein, dass Fallout 76 für Xbox One und PS4 mit einer 4k-Version verfügbar ist.

Auch der Sound unterscheidet sich kaum von Fallout 4. Der Soundtrack des Spiels ist ein wenig umfangreicher und bereits bekannte Songs aus den Vorgängern sind neben ‚Take Me Home, Country Roads‘ ebenfalls vertreten und passen wie gewohnt einfach großartig ins Spiel. Leider hat sich jedoch gezeigt, dass die vorhandene Gamesound-Konfiguration überhaupt nicht auf Multiplayer-Funktionen eingestellt ist. Ich rate euch zum Beispiel dringend dazu, kein Gaming Headset zu nutzen und den Voicechat in den Optionen abzuschalten, wenn ihr allein spielen und die Story verfolgen wollt. Andere Spieler, die euch zwangsläufig über den Weg laufen, können dann schon einmal mit bloßen Schritten oder Headset-Hintergrundgeräuschen und anderen Dingen ein Audiolog übertönen oder euch den letzten Nerv rauben, wenn ihr einen Text lesen wollt. (typisches Online-Gamezeug)


Umfang

Ziemlich große Karte

Die Größe der Spielwelt ist einer der Pluspunkte von Fallout 76. Die zahlreichen Orte und damit verbundenen Aufgaben dürften für einige Spielstunden sorgen. Auf dem Screenshot an der Seite sieht man in etwa die Hälfte der Map, weiter konnte ich leider nicht auszoomen. Andere Spieler sind übrigens  jederzeit auf der Karte sichtbar.
Gelegentliche Events, zu denen ihr für einen geringen Betrag an Kronkorken eine Schnellreise unternehmen könnt, sorgen für zusätzlichen Content. Bei diesen Events gilt es in der Regel eine Aufgabe zu lösen, für die auch meistens mehr als ein Spieler benötigt wird. Zur Belohnung winken Ausrüstung, Munition, Kronkorken und Erfahrungspunkte. Meistens sehen diese Aufgaben allerdings auch nur so aus: Sammle ein Item, gib es ab, beschütze etwas vor Gegnerwellen und töte alles was dir vor die Flinte läuft. Hoffentlich liefert Bethesda hier noch weiteren Content.
Das Levelsystem bietet, wie in anderen Spielen der Reihe auch, zahlreiche Möglichkeiten einen Charakter auszubauen. Das Perk-Kartensystem scheint bisher aber zufällig aufgebaut zu sein. Leider etwas nervig, wenn man sich zum Beispiel auf das Schlösserknacken und auf Handfeuerwaffen spezialisieren will, aber nur Nahkampf- und Gewehr-Karten bekommt. Hier wäre eine Überarbeitung eventuell nicht schlecht.
Alles in allem bietet das Spiel aber eine Menge Umfang für Coop-Spieler und der übliche Fallout-Humor ist ebenfalls vertreten (siehe Graham und Chally). Zusätzlich ist es möglich Musikinstrumente zu nutzen und mit anderen Spielern praktisch eine Band zu gründen, bzw. zusammen zu musizieren. Ein Feature, welches bisher kaum ein Spiel dieser Art bot.


Fazit

Zwar Fallout, aber irgendwie nicht so richtig…

Fallout 76 ist kein schlechtes Spiel, es hätte wahrscheinlich aber noch locker ein Jahr Entwicklungszeit und eine ausgedehnte Testphase vertragen können. Es hat viele gute Ansätze, aber leider auch ebenso viele Fehler und Aspekte, die man direkt beheben oder entfernen sollte. Als Multiplayer-Shooter fühlt sich Fallout ein wenig holprig an und an der Umsetzung muss Bethesda definitiv noch feilen. Qualitativ wird Fallout 76 seinem Namen leider nicht komplett gerecht, Spaß macht es trotzdem. Einen Kauf für den Vollpreis von knapp 70€ kann ich hier nicht guten Gewissens empfehlen, wer jedoch einen Koop-Shooter mit Funfaktor sucht, sollte Fallout 76 eine Chance geben. Da es immer noch Fallout ist, haben die 3 Sterne nämlich zumindest eine Tendenz in Richtung 4.


[amazon_link asins=’B07DDN4T65,B07DQ1NKDL,B07DQ8D8C4,B07DNBWR87,B07DJWX57Y,B07GZYH16V,B07G2GN95K‘ template=’ProductCarousel‘ store=’playstaexperi-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’f1a17249-f0b0-11e8-a5e3-513f904096c8′]

 

[amazon_link asins=’B07DCN5RPQ,B07DQ1NKDL,B07D7BNPPY,B07KBJK54D,B07DK2RN5M,B07DV95WMR,8866313300′ template=’ProductCarousel‘ store=’playstaexperi-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’3ee494e3-f0b3-11e8-9f09-cb605cc00066′]