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[ TEST ] Far Cry 6 – El espectáculo con mucho jaleo

Fette Zigarren, Autos aus den Zeiten eines Elvis Presley, Palmen und Strand erinnern uns stark an Urlaub in Lateinamerika, wäre da nicht die tyrannische Herrschaft des Anführers Antón Castillo mit seinem Sohn Diego. Far Cry 6 entführt uns in das tropische Paradies Yara im Herzen der Karibik, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint – Oder besser gesagt: Uns kubanisches Flair vermitteln will.

Ersteindruck

Viva la revolución

Far Cry, eine Spieleserie von Ubisoft seit 2004 mit zahlreichen Ablegern, ist durch sein wildes Austoben den Spielern keine unbekannte Videospielreihe. Diesmal schlüpfen wir in die Rolle von Dani Rojas, einem Ex-Militär, um von der Insel zu fliehen – Für den amerikanischen Traum am Strand von Miami. Letztendlich kommt dann doch alles anders…

Mit Far Cry 6 erhalten wir ein sehr umfangreiches und hochpoliertes Spiel, denn die Installation benötigt, inklusive des Texturpaketes für die PlayStation 5, an die 100 GB Festplattenspeicher in der Version 1.03.

Einmal im Hauptmenü angekommen werden wir direkt nach Yara entsandt, um uns dort gleich mit einem Parkour-Lauf mit der Steuerung vertraut machen zu können. Es geht hier über Dächer und Balkone, lässt uns an Seilen herunterrutschen, durch die Kanalisation kriechen, während das Blut des Volkes uns handlungsunfähig auf ein Boot verschlägt. Alleine in diesem kurzen Vorspann des Spiels sind mehr Menschen gestorben, als wir je in einem anderen Spiel erlebt haben. Auf diese Art wird uns die tyrannische und willkürliche Herrschaft auf Yara vermittelt, die uns entweder fliehen oder zur Waffe greifen lässt. Alleine die Einführung, ein Teil des Prologs, ist so gut in Szene gesetzt worden, dass vom erhofften Urlaub und Entspannung in der Karibik wohl keine Rede mehr sein dürfte. Hier lernen wir die Steuerung des Spiels kennen, die in den Optionen mit vielen Einstellungen sich sprichwörtlich so personalisieren lässt, dass Far Cry 6 von jedem Gamer erlebt werden kann. Ähnliche Aspekte sind uns aus The Last of Us 2 bekannt und könnte so manchen Gamer überfordern, während andere vor Freude an die Decke springen.

Die Revolution ist voll im Gange – anfänglich noch ganz ohne uns.

Gameplay

Todos nacen para luchar

Nach der ersten Einführung und dem Parkour-Lauf durch eine Stadt auf Yara, haben wir uns mit der Steuerung des DualSense 5 Controllers vertraut machen können, die nun wirklich jeden Gamer mitkämpfen lässt – Wir brauchen uns weder neu ausrichten, noch etwas dazulernen. Es gilt: Jeder ist zum Kampf geboren – Todos nacen para luchar.

Far Cry 6 bietet uns die bekannte Shooter-Steuerung, die uns neben dem Ballern auch die zahlreichen Fahrzeuge nicht nur auf den Straßen bewegen lässt. Auch wenn wir uns zu sehr an das haptische Feedback der PlayStation 5 gewöhnt haben, ist es auch hier ein besonderes Spielerlebnis, auf diese Art im Spiel seine Interaktionen tätigen zu können.

Also gut, wir sind Dani Rojas, der eigentlich davon träumt nach Amerika zu wandern, um dort ein freies Leben anzustreben, ohne gleich nur als Regaleinräumer in eines der Yankee-Supermärkte zu landen. So ziehen wir anfänglich gezwungenermaßen über eines der vorgelagerten Inseln von Yara und treffen dabei auf die Guerilla-Bewegung, darunter Clara Garcia, die Anführerin der revolutionären Gruppe Libertad, und Juan Cortez, ein verbitterter Ex-KGB-Spion und Guerilla-Experte. Mit dem Verlauf der Story werden uns die vielen, vielen Extras vorgeführt und in die Hand gedrückt, um den Kampf der Revolution so richtig Feuer zu geben. So zeichnet sich das typische und auch liebende Bild von Far Cry ab, um uns auch frei und unbefangen austoben zu können. Ganz zimperlich geht es dabei auch nicht zu, denn blutig gezeichnet, kennen wir kein Erbarmen! Hier darf jeder selber entscheiden, ob er sich der puren Story anschließen will, oder den Action-Modus zu Beginn des Spiels auswählt. Letzteres ist für alle Taktiker und Freunde von Solid Snake, die eher im Geheimen und unentdeckt sich durch den Dschungel bewegen wollen.

So sehr wir auch die Spiele von Ubisoft lieben und stundenlang gezockt haben, so sehr vermissen wir ein wenig die Innovationen, denn das bekannte Schema von Ubisoft zeichnet sich schon in den ersten Stunden ab. Gegner ausspähen und erkennen, welchen Rang sie haben, um taktisch agieren zu können. Kisten suchen, Waffen bauen, Material sammeln und Punkte auf der Karte einnehmen. Alles Features die gerade in einem Assassins Creed oder The Divison zu den Grundpfeilern im Gameplay gehören. Das trübt den Spielspaß jetzt nicht, lässt uns aber einer gewissen bekannten Struktur folgen.

[Achtung Spoiler – Anklicken ohne Haftung!] Zwei Wege – Hacia la libertad

Es ist eigentlich nicht unsere Art hier Spoiler im Spiel zu offenbaren, doch von einem Schritt wollen wir euch berichten: Unser Protagonist, Dani, träumt eigentlich von einem Leben in Amerika, statt Teil der Revolution zu sein – So, zu mindestens der erste Eindruck. Doch bevor wir uns versehen, steigen wir in das Boot, nicht nur um der Sonne entgegen zufahren, sondern finden uns nach nur 5 Spielstunden am Strand von Miami wieder, die Sonne ins Gesicht scheinend, während das Radio uns von der Niederschlagung der Bewegung auf Yara berichtet. Das Spiel endet an diesem Punkt und der Abstand läuft herunter – War es das jetzt? Der Freiheit entgegen: Hacia la libertad.

Wir liegen am Strand von Miami – glücklich und wohl zufrieden

Grafik & Sound

Fuegos artificiales de la revolución

Schon mit den ersten Bildern zum Spiel, lässt sich sagen, dass Far Cry 6 sich nicht verstecken muss. Die Optik ist mehr als nur ansehnlich und der einer PlayStation 5 würdig. Gerade die schönen HDR-Effekte, die untergehende Sonne in der Karibik oder das glasklare Wasser sind mehr als nur überzeugend dargestellt worden. Hier möchten wir einfach mal Urlaub machen.

Zudem läuft das Gameplay sehr sauber und flüssig und grafische Bugs müssen schon mit der Lupe gesucht werden. Alles andere sehen wir eher locker und hebt wohl den Sarkasmus im Spiel, denn allzu ernst sollte Far Cry 6 jetzt nicht genommen werden – Auch wenn dieses Far Cry sich mehr an den Realismus anlehnt. Es kann ruhig als Feuerwerk der Revolution (Fuegos artificiales de la revolución) gesehen werden, denn jede Explosion macht einfach Lust auf mehr, auf viel mehr! Wie schön alles ist, zeigt sich in den Zwischensequenzen, die punktgenaue Darstellung der Protagonisten. Hier dürfte vielen Star Wars Anhänger das Gesicht von Antón Castillo (Giancarlo Esposito), aus der Disney-Serie The Mandalorian gleich bekannt vorkommen. Aber auch die anderen Gesichter sind keine Fiktion und kommen uns bekannt vor. Gleiches zieht sich durch die deutsche Sprachausgabe und deren Synchronisation.

Lädt zum Verweilen ein

Ubisoft spendierte unserem Charakter endlich eine Stimme. Da hebt in erster Linie das Einfühlungsvermögen, statt nur ein stummer Beobachter zu sein, der einfach alles macht. Das hebt die Stimmung deutlich und auch wenn es vielleicht etwas verrückt klingt, Dani Rojas hört schon sehr nach der deutschen Stimme von Paul Walker an.

Was sich grafisch als Augenweide zeigt, bläst einem genauso kraftvoll in die Ohren. Es macht Krach und ein Wummer nach dem anderen lassen den Subwoofer nicht nur in der heimischen Kinoanlage erbeben. Egal ob nun mit dem Headset oder über eine Soundbar, Kinofeeling ist angesagt, welches wohl aus der Hand eines Michael Bay stammen könnte. Es geht nur um pure Action im Kampf, da darf dann gerne der Sinn mal Außenvorbleiben. Und wenn wir schon bei Michael Bay sind, Far Cry 6 ist ein brutal blutiges Action-Spektakel. Hier kennen die Entwickler kein Halten mehr, denn selbst vor Tieren wird kein Halt gemacht.

Erschießungskommando

So ziehen wir über die Insel, während uns Musik in die Ohren geträufelt wird, die musikalisch uns mitten nach Kuba entführt. Ob man nun diese Art der Musik mag oder nicht, hin und wieder mal das Radio im Auto auszuschalten kann auch als Beruhigung gesehenen werden. Obwohl der Soundtrack ein wahres Meisterwerk ist und uns selbst in wichtigen Missionen begleitet, kann er auch das Gameplay trüben. Zu viel des Guten lässt er uns Gegner kaum hören und überdehnt unser „Austoben“ und Schlachten.

Umfang & Langzeitmotivation

Cazadores, coleccionistas y aficionados

Geizig oder gar sparsam war Ubisoft in der Ausgestaltung der riesigen Spielewelt von Far Cry 6 nun wirklich nicht. Das Inselreich von Yara ist ein wahrer Spielplatz für alle Gamer, die sich hier als Jäger, Sammler und Bastler (Cazadores, coleccionistas y aficionados) austoben können. Es gibt trotz der betroffenen Sanktion in Yara von allem mehr, als uns lieb ist. Waffen zum Umbauen und anmalen, Autos mit Maschinengewehren, Pferde, Boote und noch vieles mehr, um an jeden Ort gelangen zu können.

Es gibt auch Panzer, wie in einem Battlefield.

Die einzelnen Gebiete sind alle in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt. So ist unser Weg im Sinne auch vorgegeben. Auch wenn der Weg in der Story vorgegeben ist, bleiben uns genügend Möglichkeiten die Gegend frei erkunden zu können. Wer mag, kann das auch mit einem Freund machen, denn einmal mehr bietet uns Far Cry den Koop-Modus. Auf lästige Nebenmission wurde verzichtet, was jetzt aber nicht unbedingt als Vor- oder Nachteil gesehen werden kann, denn so manche Mission entpuppt sich als lästige Nebenmission und hemmt den Spannungsbogen weiter nach vorne schreiten zu können.

Sammeln ist auch angesagt

Mit der Suche nach Schlüsseln, Truhen, verborgenen Schätzen oder dem notwendigen Material zum Umbau und Ausbau unserer Waffen, wird die Spielzeit erhöht. Das kann gerne als ein Abenteuer im Dschungel gesehen werden, denn viele Orte sind sehr detailverliebt gestaltet worden und laden auch zum Verweilen ein. Ein Ende lässt sich für den Gamer kaum erkennen, sondern nur erahnen. Wir müssen Antón Castillo zur Strecke bringen. Wie und wann, das wollen wir nicht enthüllen, denn auch ihr dürft gerne Stunde um Stunde im Spiel verbringen, es genießen und eine Menge Spielspaß erleben.

Es geht auch hier nicht ohne – Microtransacciones

Wie es sich aus der Sicht eines Entwicklers gehört, bietet Far Cry 6 uns auch käufliche Extras an. Hier sei aber gleich angemerkt, dass es sich um reine Kosmetik und Accessoires handelt, die keinen Einfluss auf das notwendige Fortschreiten des Spiels haben. Ganz günstig sind die netten Gadgets nicht, denn ein einzelnes Paket kann schon mal schnell 15 Euro abverlangen, nur um in einem schicken Wagen samt Kleidung das Leben auf Yara vollziehen zu können. Über das Angebot darf gerne gestritten werden, uns reicht aber das vorhandene Angebot an „Almendrones“ – Kubas nostalgische Oldtimer-Autos und wie wir herumlaufen, hängt immerhin von der Mission ab, die einen besonderen Schutz erfordert.

Fazit

El espectáculo con mucho jaleo

Mit Far Cry 6 liefert uns Ubisoft eine wahre Show mit viel Trubel (El espectáculo con mucho jaleo), die es niemals langweilig werden lassen wird. Es ist immer pure Action geboten, die sich optisch und akustisch in Szene setzen zu weiß. Die Story ist gar nicht mal so abwegig in der heutigen Zeit und nicht mehr ganz so überzogen wie sonst. Egal ob nun zu zweit oder doch alleine, Spielspaß wird für jeden Fan der Reihe geboten und lädt zugleich Neulinge mit offenen Armen ein.

Das Rezept von Far Cry beweist einmal mehr, dass trotz fehlender Innovationen es auch einfach reicht, es nur neu abschmecken zu müssen, um einen überragenden Videospiele-Hit den Gamer vorlegen zu können. Aufgewärmte Kost ist Far Cry 6 aber nicht, sondern eher ein schmackhafter Leckerbissen für alle Gamer, die ballern und dabei frei sein wollen, ohne jetzt auf weitere hunderte Spieler angewiesen zu sein.

Far Cry 6 Ultimate Edition | Uncut - [PlayStation 5]
8 Bewertungen
Far Cry 6 Ultimate Edition | Uncut - [PlayStation 5]
  • Die Ultimate Edition enthält den Season Pass sowie das Ultimate-Paket inkl. Outfits, Waffen, optischen Verbesserungen und einem tierischen Begleiter
  • Schließen Sie sich der Revolution Diktator Antón Castillo an, der von den Hollywoodstars Giancarlo Esposito (The Mandalorian, Breaking Bad) verkörpert wird
  • Wählen Sie zwischen der weiblichen oder dem männlichen Protagonisten Dani Rojas erleben Sie eine Entwicklung vom normalen Bürger zum Guerilla-Kämpfer
Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973