Spiele Test

[ TEST ] FIA European Truck Racing Championship – mit dem Brummi über die Rennstrecke donnern

Bigben Interactive und N-Racing bringen das, auf der Kylotonn (TT Isle of Man, V-Rally 4, WRC-Serie) basierenden Engine, Lkw-Rennspiel FIA European Truck Racing Championship auf den Markt. Wir haben uns hinter das Steuer eines der 5 Tonnen Trucks geklemmt und sind über die Pisten der ETRC gedonnert.

Wir haben das Spiel auf der PlayStation 4 Pro samt Samsung 4K/ HDR Fernseher getestet. Für den Sound nahmen wir das Sennheiser GSP 670 zur Hand. Zum Zeitpunkt des Tests, stand uns die Version 1.01 zur Verfügung. Mit 12,32 GB nimmt das Spiel nur sehr wenig Platz auf der Festplatte ein.

Ersteindruck

euphorisch gestartet 

Mit FIA European Truck Racing Championship können wir endlich einen der dicken Brummis über zahlreich bekannte Rennstrecken jagen. Dabei bietet uns Bigben die offizielle Lizenz der Truckserie ETRC, sowie ein Logo, das es vom Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) unterstützt wird. Im Spiel selbst finden wir noch zusätzlich die World Series vor, die allen Anschein nach wohl eine eigene Rennserie darstellen soll.

die Cockpit-Ansicht ist nur eines der vielen Kamera-Positionen

So finden wir uns anfänglich auch gleich hinter dem Steuer einer der fetten Brummis wieder und merken schnell: das hier ist nicht die Formel 1 oder Gran Turismo Sport. Der Nürburgring in seiner kurzen Fassung hilft uns ein wenig auf dem Asphalt zu bleiben, da wir bestens mit dem Layout der Rennstrecke vertraut sind. Auch wenn wir uns als Rennprofi in diversen Racing-Games bezeichnen können, so müssen wir uns hier erst mit dem Handling der Brummis vertraut machen. Immerhin wiegt so ein Lkw an die 5 Tonnen und ist kein Vergleich zu einem Tourenwagen.

Wir sind sehr euphorisch in das Spiel gestartet aber landen schon nach wenigen Kilometern, mit schwerer Ernüchterung im Ziel. Endlich im Hauptmenü angekommen, bietet sich ein bekanntes Bild. Hier können wir eine Auswahl zwischen der Karriere, schnelles Rennen oder Zeitfahren wählen. Einen Multiplayer gibt es natürlich auch, ebenso wie eine Reiter für die Optionen. Die Optionen beschränken sich auf das Wesentliche und verdeutlicht: das Spiel wurde von einem sehr kleinen Entwicklerstudio zu uns auf die PlayStation 4 gebracht. Großartige Features oder gar technische Innovationen gibt es nicht.


Gameplay

mehr Arcade statt Simulation 

Nachdem wir mit unserem Brummi einige Runden über die Piste gedonnert sind, ist uns die Steuerung schnell vertraut. So ist das Gas geben und Bremsen kein Problem. Doch andauernd scheinen die Bremsen zu überhitzen und eine weibliche Stimme verlangt von uns, die Bremsen mit Wasser zu besprühen damit sie abkühlen. So mussten wir erst in den Optionen nachschauen wie wir das machen, denn ein Tutorial über die Besonderheiten des Truck Racing wird uns nicht geboten. Auch stehen wir etwas bei den Regeln im Walde, als uns die ersten Strafsekunden aufgedonnert werden. Wir haben wohl einen der streckenbegrenzten Pfosten überfahren und müssen die 30 Sekunden in Kauf nehmen.

es darf auch am Setup geschraubt werden

Für unsere Fahrt über eines der namentlich bekannten Strecken stehen uns verschiedene Kamerapositionen zur Auswahl. Entweder in der Totalen mit der Ansicht des kompletten Lkws oder gar in der Cockpit-Perspektive. Auch können wir zur Helmkamera wechseln, welche uns aber nicht ganz das uns gewohnte Bild liefern kann. Mit dem linken Stick können wir uns zusätzlich im Führerhaus umsehen, währen da nicht die störenden HUD-Einblendungen. Diese hätte man ruhig in der Cockpitansicht weglassen können.

Das Gameplay zeigt sich sehr Arcade-lastig und man ist weit weg von einem guten Feedback wie wir es aus F1 2019 von Codemasters kennen. Es wirkt alles viel zu halbherzig, auch wenn wir wissen, wie man einen Brummi über die Piste steuern müssen. Hin und wieder bricht das Heck unkontrolliert beim Gas geben aus oder das Gefühl des richtigen Bremspunktes will sich nicht offenbaren. So landen wir mal wieder etwas an der Bande oder gleich im Kiesbett. Auch spüren wir nicht den maximalen beherrschbaren Punkt. Es steck doch viel Arcade im Spiel und von einer uns erhofften Rennsimulation sind wir zahlreiche Runden entfernt. Das dürfte den einen freuen, wird aber wohl die Fans dieses Motorsports schwer enttäuschen.

Ganz nebenbei möchte uns eine weibliche Stimme am Funk Instruktionen geben, nervt aber wohl mehr damit, dass wir unsere Bremsen kühlen sollen. Wir machen das aber schon und kämpfen uns Brummi um Brummi an die Spitze. So ist es uns gelungen an die 3. Position zu fahren und einmal mehr will die Dame am Funk, dass wir unsere Position halten. Hey! … wir wollen gewinnen und nicht als Dritter ins Ziel kommen. Die selben Worte erhalten wir, nachdem wir auch den Zweitplatzierten überholt haben. Ein Sieg scheint wohl nicht notwendig zu sein? Ohne uns! Denn letztendlich rauschen wir in der vorletzten Kurve auch am Führenden vorbei um als Sieger die Ziellinie überqueren zu können.

das Menü ist schlicht und einfach aber übersichtlich

Das gesamte Gameplay wirkt viel zu einfach und lieblos ohne und jemals ein Feedback für das Maximum liefern zu können. Da können wir genauso mit Mario oder Luigi über die Switch donnern aber das Gefühl hier Pilot eines 5 Tonnen schweren Rennboliden zu sein, will sich nicht ergeben.


Garfik und Sound

nicht mit Ruhm bekleckert

die Grafik kann sich sehen lassen, haut einem aber nicht vom Hocker

Das Spiel basiert auf der KT-Grafik und wurde sogar mit nVidia Physics erstellt. Doch die Grafik bietet uns dabei ein Bild der breiten Masse. Ganz ohne 4K und HDR zeigt sich der Brummi-Racer bei uns und sorgt dabei für ein ordentliches Bild, das uns letztendlich nicht ganz vom Hocker gerissen hat. Die tonnenschweren Brummis sind sehr detailgetreu nachgebildet und mit zahlreichen Werbeaufklebern versehen worden. Es gibt auch schöne dampfende Effekte, wenn wir die Bremsen mit Wasser kühlen oder gar sich das Feld in die erste Kurve wirft. Aber so richtige Bremsspuren oder qualmende Rauchwolken aus den dicken Dieseln zeigen sich nicht. Das sieht im Fernsehen alles viel actionreicher aus. Mit dem einsetzenden Regen wird dann das Potenzial des kleinen Entwicklerstudios offen und ehrlich gezeigt. Der Regen zeigt sich viel zu künstlich und an ein Spiel aus dem Hause Codemasters ist man weit entfernt. Vor rund 4 Jahren wäre es interessant gewesen, heute hingegen ist das kein Augenschmaus mehr. Das muss aber nicht heißen, dass die Grafik hässlich ist. Stabil läuft das Bild und störende Aufbauten oder Ausfälle gab es bei uns nicht. Grafik ist sicherlich nicht alles.

Auch der Sound trägt zum Spiel bei und hier gibt es schon was auf die Ohren. Sicherlich könnte unser Racing-Brummi uns etwas mehr Dampf auf die Löffel hauen. Das ist aber soweit ganz okay. Die Zuschauer hören wir, auch die anderen Mitstreiter. Doch mehr als nur Mittelmaß ist auch hier nicht drin. Da brauchen wir auch nicht unser 5.0.2 Yamaha-Kraftwerk anwerfen. Rein Stereo auf dem Headset ist ausreichend, wenn uns nicht die Dame am Funk immer mit ihrem Mitleid und Anweisungen nerven würde.


Umfang und Langzeitmotivation

es ist Ehrgeiz gefordert 

FIA European Truck Racing Championship besitzt natürlich die ETRC Saison mit allen Fahrern, Renntrucks und Strecken. Wir können mit viel Geduld uns zum Meister heraufarbeiten. Doch die Saison hat einen faden Beigeschmack. Es fehlt ein wenig an Unterhaltung, trotz Karriere-Modus. Auch scheint N-Racing nicht die komplette Lizenz für alle Brummis und Strecken im Spiel erhalten zu haben. So finden wir Iveco, Mercedes Benz und Volvo wieder, müssen aber MAN erraten. Ein gleiches Bild zeigt sich bei den Rennstreken. Auf dem Nürburgring finden wir uns noch zu Hause, auch in Laguna Seca. Aber in Ungarn fühlen wir uns ganz fremd. Die ETRC fährt offiziell auf dem Hungaroring, auf der gleichen Strecke wie sie in der Formel 1 sein Bild findet. Wir kennen die Strecke in- und auswendig, aber hier scheint wohl ein Fanatsie-Layout seinen Platz im Spiel gefunden zu haben. Diese Streckenführung kennen wir überhaupt nicht und auch nach einer Recherche im Netz, können wir dieses gewählte Layout nicht finden. So trübt sich das Bild in der Meisterschaft. Das schadet dem Gameplay in erster Linie nicht, aber ein jeder Rennspiel-Freund findet das nicht gerade motivierend. Man sollte schon bei einem FIA Spiel samt ETRC Lizenz alle Dinge mit rein nehmen.

zu wenig offizielle Lizenzen fanden den Weg ins Spiel, viel zu wenig

Eigentlich gibt es in der ETRC nur 8 Rennstrecken in 4 Läufen. Damit das nicht zu wenig erscheint, packte der Entwickler weitere Rennstrecken rein, die sich in World Series wiederfinden. Ob das nun angebracht ist oder einfach nur für das gewisse Mehr sorgen soll, wissen wir natürlich nicht. Nach einer kurzen Saison haben wir dann aber den Controller beiseite gelegt, es fehlt uns eindeutig an Motivation diese Spiel erneut zu spielen.


Fazit

der erste Schritt, aber noch viel zu tun

Mit FIA European Truck Racing Championship bringen BigBen und N-Racing ein Rennspiel auf die heimischen Konsolen, das man auch loben muss: Hier wird der Mut gezeigt auch eine Rand-Rennsport-Art in die virtuelle Welt zu schicken. Dabei können sich Grafik und Sound sehen lassen, aber kaum für Aufmerksamkeit sorgen. Das Gameplay ist einsteigerfreundlich, wird aber dem einen oder anderen zu schnell zu einfach und die Herausforderung geht verloren. Zudem scheint hier nicht die komplette Lizenz seinen Weg in das Spiel gefunden zu haben, was auch ein wenig traurig ist und das Spiel halbherzig erscheinen lässt. Wir hatten für einige Stunden Spaß, werden wohl aber eher bei anderen Rennspielen weiterhin unsere Runden drehen. Warten wir mal ab, ob es weitere Ableger geben wird. Für einen Preis von 60 Euro ist das alles eindeutig viel zu wenig. 

 

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