So ziemlich jeder Hersteller von Audiohardware für Gamer hat auch entsprechende Software parat, die das Klangerlebnis so einzigartig wie möglich machen soll. Die deutsche Audiohardware-Schmiede von beyerdynamic hat zusammen mit der Firma Embody eine Software im Petto, die einen interessanten Ansatz hat. Ob wir es mit einer Revolution oder heißer Luft zu tun haben, erfahrt ihr im Test.


immerse with beyerdynamic ist momentan für das MMX 300 optimiert. Weitere Headsets sollen aber folgen. / beyerdynamic
immerse with beyerdynamic ist momentan für das MMX 300 optimiert. Weitere Headsets sollen aber folgen. / beyerdynamic

Beyerdynamic ist ein 1924 gegründetes Familien-Unternehmen mit Sitz in Heilbronn. Aus dem Familienbetrieb ist längst ein Global Player geworden, mit Niederlassungen in den USA, Indien und Singapur. Beyerdynamic bietet ein breites Sortiment an hochwertigen und professionellen Audioprodukten, wie Audio-Systeme und Kopfhörer. Dazu zählen Konferenztechnik, Mikrofone und Kopfhörer, Headsets für Profi-Anwendungen, High-End-Kopfhörer, über Kopfhörerverstärker und Gaming-Headsets bis hin zu kompakten In-Ear-Modellen.  Für das gesamte Portfolio gilt: Das Streben nach Innovation und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Technologien zeichnen beyerdynamic-Produkte aus. Das ist heute noch so, wie zu Zeiten des Firmengründers Eugen Beyer vor mehr als 90 Jahren.

Einrichtung und erster Eindruck
Schnell eingerichtet und startbereit.

Bei Immerse with beyerdinamic handelt es sich um ein Software-Abo, das nach einer zweiwöchigen Testzeit, aktuell für 13,60 EUR (regulärer Preis 16,99 EUR) oder als 7-Jahres Abo für 36,00 EUR (regulärer Preis 49,99 EUR) verfügbar ist. Den Download und ein paar offizielle Infos von beyerdynamic findet ihr hier: https://www.beyerdynamic.de/immerse .

Die Installation läuft nicht anders ab, als bei jeder anderen Software und dürfte den Meisten daher keine Probleme bereiten. Nach der erfolgreichen Installation muss noch ein entsprechendes Audioprofil erstellt werden, das mittels KI individuell an euer Außenohr angepasst wird. Das Erstellen dieses Profils erfolgt mithilfe eures Smartphones. In der Immerse-Software wird dazu ein QR-Code angezeigt, den ihr mit einem entsprechenden QR-Codescanner (kostenlos erhältlich im App-Store) auf eurem Smartphone scannen müsst. Anschließend werdet ihr auf eine Webseite weitergeleitet, über die ihr ein Foto von eurem Ohr macht. Hier empfehlen wir, dass ihr euch von jemandem zur Hand gehen lasst, da es dadurch nicht so fummelig wird. Anhand des Fotos wird dann ein Profil generiert, welches der Software als Grundlage für die Optimierung des Klanges dient. Klingt im ersten Moment zwar ein wenig kompliziert, ist aber innerhalb von wenigen Minuten, ohne großen Aufwand, erledigt.

Bitte beachtet, dass Immerse with beyerdynamic aktuell NUR für das beyerdynamic MMX 300 optimiert ist. Es kann zwar auch mit anderen Headsets verwendet werden, hierbei kann aber nicht gewährleistet werden, dass die durch die Software erzielten Verbesserungen genau so ausfallen, wie mit dem MMX 300.


Bedienung und Funktionen
Schieberegler über Schieberegler.

Ihr könnt manuell zwischen stereo+, 5.1 oder 7.1 wechseln. / immerse with beyerdynamic
Ihr könnt manuell zwischen stereo+, 5.1 oder 7.1 wechseln. / immerse with beyerdynamic

Die Oberfläche von Immerse with beyerdynamic beschränkt sich auf das absolut nötigste, um übersichtlich zu bleiben und den Nutzer nicht zu überfordern. Auch bei den Menüpunkten gibts nicht mehr als unbedingt nötig. Sie beschränken sich auf „General“ für ein paar grundlegende Einstellungen, wie z.B. „Launch on Startup“ und „Shortcuts“, „Users“ für die Verwaltung der Nutzerprofile und „Audio“ für die wichtigsten Soundeinstellungen wie z.B. Automatische Kanalerkennung oder die manuelle Auswahl zwischen Stereo+, 5.1- und 7.1-Surround. Unter dem Menüpunkt „Updates“ könnt ihr zu Guter letzt prüfen, ob es Updates für die Software selbst oder HRTF (Head-Related Transfer Function) gibt. Diese Funktion stellt einen wesentlichen Bestandteil für die Funktionalität der Software dar und sollte daher möglichst immer aktuell gehalten werden.

Die wichtigsten Einstellungen findet ihr in der Hauptübersicht. Hier könnt ihr den individuellen Sound aktivieren oder deaktivieren, die simulierte Entfernung der Lautsprecher von eurer Sitzposition einstellen (eine Grafik zeigt euch hier zusätzlich eine schematische Darstellung, an der ihr erkennt, wo in etwa sich die simulierten Lautsprecher befinden), die Lautstärke an zwei separaten Reglern einstellen und einen einfachen Soundtest durchführen.


Sound und Klangbild
Wirklich individuell ist anders.

Immerse with beyerdynamic soll dafür sorgen, dass ihr Spiele mit 5.1 oder 7.1-Sound auch auf dem MMX 300, welches ein Stereo-Headset ist, besser genießen könnt, indem der Raumklang optimiert wird – wenn wir es mal einfach ausdrücken. Klingt erst mal nach einer guten Idee und macht auch durchaus Sinn. Während des Tests hat sich allerdings herausgestellt, dass der Effekt maximal mittelmäßig ist und teilweise sogar gar keinen wirklichen Sinn macht, da vieles, was die Software macht, schon vom Spiel selbst übernommen wird. In Shootern wie Call of Duty, Battlefield & Co. ist es schon seit Jahren üblich, dass z.B. Geräusche so simuliert werden, dass man sowohl Richtung als auch Entfernung halbwegs gut abschätzen kann. Wozu sollte man hier also noch eine Software zusätzlich nutzen, die genau dasselbe bewirken soll? Hier besteht sogar eher das Risiko, dass der Sound verfälscht wird und die Lokalisierung des Geräusches eben nicht mehr so genau möglich ist. Das mag vielleicht nach Erbsenzählerei klingen, spielt für ambitionierte FPS-Gamer oder gar Profis aber eine wichtige Rolle. Hier kann so etwas entscheidend sein.

Auf der Übersicht findet ihr die wichtigsten Infos und Einstellungen. / immerse with beyerdynamic
Auf der Übersicht findet ihr die wichtigsten Infos und Einstellungen. / immerse with beyerdynamic

Die einzig spürbare Änderung im Sound nimmt man wahr, wenn man die sogenannte „Presence“ verändert. Dadurch verändert man die simulierte Entfernung der Lautsprecher zu eurer Position. Hier ist tatsächlich eine deutliche Änderung des Klangbildes zu erkennen. Ihr könnt die simulierte Entfernung in sieben Stufen einstellen. Hier muss jeder für sich herausfinden, welche Einstellung für ihn die angenehmste ist. Wir empfehlen einen Wert zwischen drei und fünf. Ein niedrigerer Wert verringert die Räumlichkeit des Klangs schon enorm und auf den höheren Einstellungen klingt es teilweise seltsam blechern hallig und sogar etwas künstlich. Tatsächlich gingen bei der Einstellung der „Presence“ auf den höchsten Wert (7) einige Töne sogar komplett unter und waren gar nicht mehr wahrnehmbar. Das stört das Klangbild natürlich insgesamt mehr, als das es zur Verbesserung beiträgt.

Je nachdem, welches Genre man nun bevorzugt, kann auch das Einfluss darauf haben, welchen Wert ihr bei der „Presence“ einstellen müsst. Ein Horrorspiel braucht z.B. andere Einstellungen als ein Rennspiel oder eine Sportsimulation in der Stadionatmosphäre wichtig ist. Hier wäre es vielleicht sinnvoller, wenn die Software vorgefertigt und nachträglich anpassbare Profile für verschiedene Genres enthält. So könnte der Spieler per Mausklick den Sound optimieren und ohne viel Rumprobieren und Fummeln das bestmögliche Ergebnis für sich rausholen. Das wäre weitaus individueller als das, was Immerse with beyerdynamic momentan bietet und würde den Mehrwert der Software um einiges steigern.

Der Vollständigkeit halber haben wir das Ganze natürlich auch auf anderen Kopfhörern getestet. Auf dem beyerdynamic Custom Game war kaum eine Veränderung gegenüber dem MMX 300 wahrzunehmen, was nicht überraschend ist, da beide Headsets, bis auf den Klangkörper, technisch praktisch identisch sind. Auf einfachen In-Ear-Ohrhörern war der Klang zwar ganz OK, aber bei weitem nicht so gut, wie auf einem MMX 300. Daher raten wir für guten Klang von In-Ears ab. Auf „normalen“ Lautsprechern oder gar integrierten Monitor-Boxen braucht ihr es gar nicht erst zu versuchen. Da verpufft der räumliche Effekt praktisch vollkommen.

Für unseren Test kamen auch etwas
Für unseren Test kamen auch etwas „extremere“ Ohren zum Einsatz. / immerse with beyerdynamic

Um die Veränderung des Klangs zu testen haben wir natürlich auch Profile von unterschiedlichen Ohren ausprobiert. Dabei kam neben dem Ohr des Redakteurs und eines weiteren Lauschlappens auch ein Profil mit dem Ohr von Rennlegende Niki Lauda und um die Software etwas herauszufordern sogar das Ohr eines Schäferhundes zum Einsatz, in der Hoffnung, dass sich hier ein deutlicher verändertes Klangbild erzwingen lässt. Der einzige Unterschied war jedoch nur bei der Gesamtlautstärke wahrnehmbar. Je größer das Foto vom Ohr war, desto leiser wurde der Sound. Eine wirkliche Veränderung oder Verbesserung des Klangbildes war nicht wahrzunehmen. Wenn es denn eine gibt, ist diese so gering, dass der durchschnittliche Gamer sie kaum bewusst wahrnehmen wird. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf, wie sinnvoll das Erstellen eines solchen Profils überhaupt ist.


Fazit
Gute Idee, mit VIEL Luft nach Oben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der Klang mit Immerse with beyerdynamic zwar ändert und man mit den richtigen Einstellungen auch durchaus eine Verbesserung der Spielatmosphäre erwirken kann, speziell durch die Möglichkeit, die Entfernung der Audioquelle von eurer Position mittels der Einstellung der „Presence“ zu verändern, uns dies allerdings nicht gerade vom Hocker haut. Dafür ist der Effekt einfach zu gering. Insgesamt macht Immerse nichts, was so außergewöhnlich neu oder spektakulär wäre, dass man es unbedingt bräuchte. Wie schon erwähnt kann sogar der Effekt eintreten, dass der Klang verfälscht wird und dadurch eher ein Nachteil entsteht. Der WOW-Effekt, den man sich vielleicht erhoffen mag, bleibt vollkommen aus und selbst für leichtes Staunen reicht es nicht aus. Auch die Tatsache, dass die Software momentan nur auf ein einziges Headset optimiert ist, dürfte kein gutes Kaufargument darstellen. Auf Nachfrage hat beyerdynamic uns zwar bestätigt, dass die Optimierung zukünftig um weitere Headsets erweitert wird, aber aktuell kann uns Immerse with beyerdynamic weder mit seinen Kernfunktionen, noch mit dem für uns und viele andere Gamer so wichtigen Mehrwert überzeugen. Denn den gibt es praktisch nicht.

Der Test basiert auf der Softwareversion 1.1.2 und dem beyerdynamic MMX 300 in der 32 Ohm-Variante.

Top-Angebot
beyerdynamic MMX 300 Premium geschlossener Over-Ear Gaming-Headset (2nd Generation) mit Mikrofon, geeigneter Kopfhörer für PS4 Konsole, XBOX One, PC, Notebook
  • Klang: Maximaler Klang für Gaming und Multimedia-Anwendungen an PC und Konsole
  • Mikrofon: Hervorragende Verständlichkeit durch hochwertige Mikrofon-Kapsel
  • Tragekomfort: Sehr weiche Ohrpolster aus Velours für angenehmen Tragekomfort über viele Stunden hinweg

 

Christian Genschow
Redakteur für Web & Video bei PlayStation Experience ... & YouTuber.