Wer auf Twitch oder anderen Plattformen streamt oder Videos produziert, benötigt logischerweise eine Kamera. Herkömmliche Webcams stoßen allerdings oft an ihre Grenzen. Logitech hat nun die neue Streamcam veröffentlicht, die sich explizit an Videokünstler richtet. Wir haben die Streamcam für euch getestet.

Logitech ist ein Schweizer Peripherie- und Computerzubehörhersteller und bei Spielern mit ihren Mäusen und Tastaturen bekannt geworden und das schon seit 1981. Dabei lieferte Logitech sogar Pionierarbeit ab und brachte 2004 die erste Lasermaus auf den Markt. Das Angebot bei Logitech umfasst heute neben den Tastaturen und Mäusen auch Webcams, Joysticks, Universalfernbedienungen, sowie, für Fans von Rennspielen, die bekannten Lenkräder. Heute widmet sich Logitech sogar dem Bereich rund um die mobilen Lautsprecher, die auch als BOOM bekannt sind.


Lieferumfang und Verarbeitung

Schicke neue Webcam

Das Zubehör der Streamcam ist übersichtlich

Im handlichen Karton, in aktuellem grauen Logitech-Design gehalten, steckt neben der eigentlichen Kamera mit Monitorhalterung nicht viel. Eine Kurzanleitung, ein Garantieheft und eine zusätzliche Halterung für Stative sind noch zu finden. Außerdem findet sich ein Gutscheincode für eine 3-monatige Premium-Lizenz für X-Split.  Zumindest wird die Kamera nur in Pappe gehalten und es wird auf unnötigen Verpackungsmüll aus Kunststoff verzichtet. Die Kamera selbst ist natürlich aus Kunststoff, der uns hier in der grauen Variante vorliegt. Die Kamera gibt es allerdings auch in einem weißen Gehäuse. Die Verarbeitung ist, wie man es von Logitech-Produkten kennt, sehr hochwertig. Die Haptik ist sehr angenehm und der Kunststoff wirkt fast handschmeichelnd. Die Kamera hat ein konisch geformtes Gehäuse und ähnelt damit fast einem Kamera-Piktogramm. Das Gehäuse ist deutlich größer als die der bisherigen Webcams von Logitech. Es misst stolze 66 mm in der Höhe, 58 mm in der Breite und 48 mm in der Länge. Mit 150 Gramm, ist die Streamcam auch nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Das etwa 1,5 Meter lange Kabel mit Gummiummantelung, endet an einem USB-C Stecker und unterstützt damit USB-C 3.1. Die Frontblende der Kamera ziert ein Full-HD Glasobjektiv in Blende f/2.0 mit einer Brennweite von 3,7 mm. Umrandet wird das Objektiv mit einer Textiloberfläche, hinter der die zwei Mikrofone und eine weiße Status-LED ihren Platz haben. Die schon erwähnten Halterungen kann man zur Befestigung auf der Kante eines Monitors oder aber für die Montage auf einem Stativ nutzen. In der Verpackung der Streamcam+ ist sogar ein kleines Stativ enthalten. Die Monitorhalterung ist aufklappbar und funktioniert nach demselben Prinzip wie bei anderen Webcams. Wir klemmen die Kamera damit sozusagen an der Monitorkante fest. Die zweite Halterung ist für die Montage auf Stativen gedacht und verfügt lediglich über ein Gewinde. Die Kamera selbst wird in die Halterungen eingeklickt, was sogar einen doppelten Sinn hat. Wir können damit durch eine 90 Grad-Drehung auch im Hochkant Format für Social-Media-Apps wie Instagram filmen. Leider verfügt die Stativ-Halterung nicht über ein Kugelgelenk, was die Ausrichtung an einer Halterung damit etwas erschwert. Warum man nicht wie früher auch, das Stativgewinde nicht im Bodenteil der Monitorhalterung verbaut hat ist uns unklar. Allgemein machen Kamera, Kabel und die Halterungen aber einen sehr hochwertigen Eindruck.


 Montage und Installation

Schnell mal gedreht

Die Installation der Streamcam ist unproblematisch, wenn man denn über einen USB-C Port am Rechner verfügt. Leider liegt der Kamera kein Adapter bei, den man für die Nutzung an älteren Rechnern benötigt. Da unser aktuelles Testsystem noch keinen USB-C Port bietet, bestellten wir uns kurzerhand einen passenden Adapter. Ein interessantes Feature ist, dass man die Kamera drehen kann, also sie ins Hochkantformat dreht. Das tut man nicht per Software sondern indem man die Kamera selbst in der Halterung dreht. Ein Neigungssensor signalisiert dann der Software die Drehung und wir können so für Soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook filmen. Ob diese Funktion einen echten Mehrwert hat, kann nur der Anwender entscheiden. Die Kamera montieren wir fürs Erste mit der Klemmhalterung an die obere Kante unseres Monitors, wo sie sich dank der Gelenke auch wunderbar ausrichten lässt. Das Kabel, samt Adapter stecken wir in einen freien USB 3.0 Port und im Grunde wäre die Kamera schon Einsatzbereit. Grundsätzlich wird sie von OBS und anderen Applikationen direkt als Kamera erkannt und genutzt. Logitech bietet zur neuen Streamcam auch eine neue Software namens „Capture“ an, welche die bisherige Webcam-Software ersetzt. Diese laden wir fix von der Herstellerseite herunter und nach kurzer Installation klicken wir erwartungsvoll auf ein freundliches lilafarbenes Kamerasymbol auf unserem Desktop.


 Die Software

Umfangreiche Spielerei

In der „Capture“Software lassen sich viele Einstellungen vornehmen

Kaum gestartet öffnet sich eine freundliche helle Benutzeroberfläche, die LED der Streamcam beginnt zu leuchten und wir sehen uns im Videobild. Soweit so gut und nicht viel anders als bei der üblichen Webcam-Software. Logitech Capture kann aber mehr. Unter anderem können wir zwei Quellszenen definieren, etwa die Erste von der Kamera und die Zweite vom unserem Desktop, einer anderen Webcam oder von uns definierte Fenster. Diese Szenen können wir durch diverse Presets miteinander kombinieren, etwa Bild in Bild, großes Kamerabild, kleiner Screen oder umgekehrt. Möglich sind auch Kombinationen von Bild-in-Bild oder Bild-neben-Bild. Alle Szenen sind aber auch freu editierbar und erinnern etwas an die Funktionen von Streaming Software wie OBS. Zusätzlich können wir natürlich auch diverse Features der Streamcam bedienen und zuschalten.  Die Auflösung lässt sich dabei in drei Modi, Breitbild, Hochformat und Viereckig, einstellen und zwischen 360p und 1080p wählen. Dabei können wir außerdem wählen ob wir mit 24, 25, 30, 50 oder gar 60 Bildern in der Sekunde filmen wollen. Filmen? Ja, denn das geht mit der Software ebenso. Unter dem Videobild wartet ein großer Roter Knopf auf unseren Klick um die Videobilder zu speichern. In den Szenen-Einstellungen wählen wir außerdem zusätzliche Features wie die Priorisierung auf Bildfrequenz oder Belichtung, wobei Ersteres darauf abzielt die Bildwiederholfrequenz stabil zu halten und Zweiteres für eine Anpassung der Belichtung bei wechselnden Lichtverhältnissen sorgt. Eigentlich würden wir allerdings eine stabile FPS erwarten, wenn wir diese festlegen und für Streamer und Videokünstler wäre eine festgesetzte Belichtung viel sinnvoller. In weiteren Einstellungen legen wir fest ob die Mikrofone in Stereo oder Dual-Mono aufnehmen, wobei wir diese Mikrofone eher kaum empfehlen können. Sie klingen nicht wirklich gut und sind eher überflüssig. Eine zuschaltbare Bildstabilisierung soll Stöße kompensieren und das Autoframing unser Gesicht immer in den Mittelpunkt bringen. Beides funktioniert eher mittelmäßig und ist auch für die meisten Streamer kaum notwendig.

Warum die Kamera aber mit Bildern beworben wird, die man damit nicht erzeugen kann, verstehen wir nicht so ganz

Das Autoframing funktioniert bei uns eigentlich gar nicht, da man dafür die Kamera definitiv an einem USB-C Port betreiben muss. Der Autofokus funktioniert schnell, aber der Fokusbereich ist eher suboptimal. Eine kürzeste Scharfstellung von 5 Zentimetern vor der Linse benötigt niemand. Leider ist es auch nicht möglich einen unscharfen Hintergrund, auch Bokeh genannt, zu erzeugen. Dafür musste man etwa 30 Zentimeter vor der Kamera sitzen. Das geben Objektiv und mit Belichtung und Blende leider nicht her. Merkwürdig sind allerdings die Bilder und Videos mit denen Logitech die Streamcam bewirbt. Diese zeigen fast durchweg Menschen mit schönem unscharfem Hintergrund. Weitere Einstellungen bieten uns einen Flimmerfilter, eine Gegenlichtkorrektur und einen automatischen Weißabgleich. Zusätzlich bietet die Software kleine Spielereien wie bunte Rahmen oder Texteinblendungen und Videofilter. Damit ist die Logitech Capture Software eine umfangreiche Neuauflage der bewährten Webcam-Software und kann mit guten Features punkten.


 Fazit

Da geht definitiv mehr…

Die Logitech Streamcam kann mit einen schicken Design punkten und auch ihre Haptik und die Verarbeitung überzeugen. Tolle Features sind der Drehmechanismus und die Möglichkeit damit direkt Aufnahmen für soziale Medien zu erstellen. Leider kann man diese aber nicht direkt in der Software dort hochladen. Auch das beworbene Live-Streaming-Feature der Software steht nicht zur Verfügung. Zu Technik und Design müssen wir auch einige Fragen stellen: Warum kombiniert man die Klemmhalterung nicht mit dem Stativgewinde, wie bei bisherigen Kameras? Warum hat die Stativhalterung kein Gelenk? Eigentlich könnte man aus beiden Halterungen eine einzige machen. Warum die eingebauten Mikrofone, die kaum wirklich gute Aufnahmen zulassen? Warum bewirbt man die Kamera mit Werbe-Bildern, die man damit nicht erzeugen kann? Wozu der merkwürdige Fokusbereich und warum dann nicht ein Objektiv verbauen, welches diesen sinnvoll nutzbar macht? Fragen über Fragen, die uns eine Bewertung eher schwer machen. Die Software kann mit sinnvollen Features punkten und kann Kreativen sicher gut als Aufnahmetool dienen. Ein Streamer wird aber sicher andere Tools nutzen, denn er hat auch andere Ansprüche. Leider kommt es uns so vor, als hätte man bei Logitech zwar eine neue Webcam entwickelt aber nicht wirklich nach den Bedürfnissen von Streamern gefragt. Natürlich ist die Streamcam keine schlechte Kamera, sie ist eine hervorragende Webcam, die auch ein deutlich besseres Bild bietet als es bisherige Webcams von Logitech tun. Dennoch wäre sicher mehr drin gewesen, zumal die Kamera mit etwa 160 Euro keinen geringen Preis hat. Wir hoffen auf mögliche Updates der Software, die möglicherweise einige Features verbessern oder sogar hinzufügen. Gerne werden wir ein Update dazu liefern.


Logitech Streamcam Webcam für Live Streaming und Inhaltserstellung, Vertikales Video in Full HD 1080p bei 60 fps, Smart-autofokus, USB-C, für YouTube, Gaming Twitch, PC/Mac - schwarz
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