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[ TEST ] MADiSON – Manchmal musst du direkt auf die Angst zulaufen

MADiSON ist vielleicht eines der besten Horrorspiele der letzten Jahre, umso erstaunlicher ist, dass es gerade mal von zwei Personen entwickelt wurde. Es hat alles, was wir ein grausiges Horrorspiel interessant macht: gruselige Spannung, eine beunruhigende Geschichte, Jump Scares und ein Monster, dem wir lieber nicht im realen Leben über den Weg laufen möchten – schon gar nicht, wenn wir einen dunklen Gang entlanggehen.

Ersteindruck
Dunkle Räume und blutige Hände

MADiSON beginnt, wie es sich für ein gutes Horrorspiel gehört: mit einem Geheimnis, blutigen Händen und keiner Möglichkeit, sich gegen die eigenen Albträume zu wehren. Im Laufe des Spiels wird der Schleier langsam gelüftet und man bekommt einen Blick auf die Wahrheit hinter dem Terror, denen man in den dunklen Räumen immerzu ausgesetzt ist.

Die Geschichte in MADiSON ist einer der Schlüsselbereiche, in denen sich das Spiel von anderen Titeln des Genres abhebt. Sie hat alles, was eine gute Horrorgeschichte ausmacht: Mord und Brutalität, uralte Rituale und Okkultismus, zerrissene Familien, ein gequälter Geist und ein verfluchtes Haus. Während sich die Haupthandlung auf den Protagonisten Luca konzentriert, der versucht, aus dem Haus zu entkommen und herauszufinden, was mit ihm und seiner Familie geschehen ist, gibt es einen weiteren Erzählbogen, der unter der Oberfläche brodelt.

Die Mythologie der Welt, in der sich die Ereignisse des Spiels abspielen, wird fast schon folkloristisch geachtet. Die Gründe für die Entität werden umrissen und ergeben einen Sinn, was die Glaubwürdigkeit und die Angst, die sich aus dem, was wir als Spieler erleben, ergibt, noch verstärkt. Wenn wir als Spieler in diese Welt hineingesogen werden und uns ein Gefühl vermittelt wird, dass Dinge, die in dieser Geschichte passieren, auch im echten Leben passieren können, wird der Schrecken umso größer – da er greifbarer und realistischer wird.

Gameplay
Du bist nicht allein, in der Dunkelheit!

Wir können nicht über eine Horrorgeschichte sprechen, ohne das Tempo zu erwähnen. MADiSON tappt nie in die Falle einer zu schnellen oder zu offenen Auflösung der Geschichten. Der Großteil der Informationen wird über Kassetten und Anrufbeantworter-Nachrichten vermittelt, die beide gleichmäßig über das Spiel verteilt sind. Aber es gibt auch Momente, in denen unser Protagonist Luca Dinge sieht oder hört und sie kommentiert. Die Erzählung des Spiels ist so gleichmäßig und konsequent gut dosiert, dass wir uns nie nach mehr sehnen oder wir uns weniger wünschen.

Wir hatten nicht nur Angst vor der zutiefst beunruhigenden Geschichte, sondern auch vor dem Gameplay, das uns ständig den Atem raubt. Obwohl es auch immer wieder Jump-Scares gibt, herrscht in Teilen des Spiels eine bedrohliche Stille. Der Genre-Hit Amnesia: The Dark Descent wird oft für seinen Einsatz von Atmosphäre und Stille in der Dunkelheit als Mittel des Schreckens gelobt und dasselbe kann man auch über MADiSON sagen. Wenn wir nicht gerade vom Horror unmittelbar erschreckt werden, erzeugen die atmosphärischen Geräusche ein schleichendes Grauen, das uns im Nacken kitzelt. Die Sound-Kulisse baut den Spannungsbogen sehr gekonnt auf und wir fühlen uns nervös und unbehagen und warten auf einen Schreck, der letztlich nicht kommt und wir wiederum völlig überraschend an andere Stelle erschreckt werden.

Was das Monster in MADiSON angeht, hat das Team von Bloodious die Aufgabe verstanden. Ein Monster entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Horrorspiels oder -films. Wenn es nicht richtig gemacht ist, wirkt es billig oder schlecht durchdacht. Noch schlimmer ist es, wenn die Erklärung des Monsters nicht passt oder man sich einfach nicht die Mühe macht, dem Monster eine Geschichte zu geben und es zu würdigen. In MADiSON macht die reichhaltige Mythologie, die das Team in das Monster eingewoben hat, es zu einer wirklich furchteinflößenden Bestie, die auch noch gut in die Umgebung passt.

Visuell ist das Spiel tadellos. Die Umgebungen strahlen eine verlassene Traurigkeit aus, die gleichzeitig ihre Geheimnisse verbergen. Allein schon, wie ein Raum gestaltet und eingerichtet ist, gibt oft Aufschluss darüber, wer hier gelebt hat und was hier vorgefallen sein könnte. Um die Sache noch schlimmer zu machen, zwingt das Spiel uns manchmal dazu, auf die Angst zuzulaufen, weil das der einzige Weg ist, den wir gehen können. Uns umgibt eine bedrückende Dunkelheit, die die Grenzen der Räume verschlingt und selbst wenn es Licht gibt, dann bietet dieses nur einen schwachen Schimmer, der wenig Gefühl auf Sicherheit verheißt.

Was das Gameplay angeht, so konzentriert sich MADiSON ganz auf das Lösen von Rätseln und das Erkunden des verfluchten Hauses. Die Kameraführung ist zwar manchmal übertrieben wakelig, aber zumindest stilisiert und trägt zu dem nervösen Stress bei, den man beim Lösen der Rätsel empfindet.

Für mich ist das Gameplay-Element in Horrortiteln, das ich am attraktivsten finde, die Suche. Ob es sich um die Suche nach einem Schlüssel für eine verschlossene Tür, die Entdeckung der Kombination eines Safes oder die Lösung eines Rätsels mit Gegenständen handelt, das sind die Teile, die mir Spaß machen. All diese Elemente sind in MADiSON vorhanden und ziehen sich durch das gesamte Spiel. Selbst gegen Ende des Spiels, wenn die Dinge etwas konfrontativer werden, liegt der Fokus weiterhin in der eigenen Kopfarbeit.

Was den Aspekt der Herausforderung angeht, so gab es nur wenige Male, in denen die Lösung von Rätseln nicht so klar war, wie ich es mir gewünscht hätte. Dieses Problem wurde durch das ständige Hin- und Herlaufen zwischen verschiedenen Orten noch verstärkt.

An manchen Stellen habe ich das ganze Haus durchkämmt, um den nächsten Ort zu finden, an dem die Geschichte fortgesetzt werden kann, nur um dann zufällig auf etwas zu stoßen, das ich zu Beginn des Spiels gefunden hatte und das den Fortschritt der Geschichte einleiten würde.

Abgesehen von diesen kleinen Ausreißern hatten die übrigen Rätsel einen logischen Ablauf. Ein Schlüssel, der gefunden wurde, musste eindeutig zu einer Tür gehören, an der man vorbeigegangen war. Eine Kerze musste zu dem entsprechenden Gemälde passen. Bilder mussten in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Es war gerade schwierig genug, um mich zu fordern, ohne in mir Frustration auszulösen.

Die wichtigste Spielmechanik möchte auch noch erwähnt werden: die Polaroidkamera. Dieses Gerät ist unser wichtigstes Mittel, um mit der Umgebung zu interagieren. Sie dient nicht nur zum Lösen von Rätseln, sondern kann auch dazu verwendet werden, die Dunkelheit zu erhellen. Es ist äußerst beunruhigend, sie als Mittel zur Beleuchtung der Wege zu benutzen. Wobei wir uns in ständiger Angst befanden, davor, was der Kamera-Blitz bei seinem kurzen aufleuchten alles enthüllen würde.

Fazit
Horror, der wirklich erschreckt; eine Story, die wirklich packt und Rätsel, die wirklich fesseln

MADiSON hält seine Qualitäten konsistent auf einem hohen Niveau und das ist einer der Schlüsselfaktoren für ein gutes Horrorspiel. Viele Spiele neigen dazu, nach einem unglaublich intensiven Auftakt mit einem schleppenden zweiten Akt zu kämpfen oder im letzten Akt erzählerisch abzufallen, aber das passiert hier nicht. Die Rätsel sind nach wie vor ein Vergnügen, die Spannung lässt nie nach und gerade, wenn wir uns in Sicherheit wähnen, flackert ein Licht auf und wir erhaschen einen Blick auf das Monster und müssen die Hose wechseln. Abgesehen davon sind die Geschichte und die Überlieferungen auf der Ebene eines wahren Verbrechens verstörend und schaffen es, das Tempo beizubehalten. Es genügt zu sagen, dass MADiSON ein nervenaufreibendes, beunruhigendes und wirklich erschreckendes Erlebnis ist, dass noch lange nachwirkt.

MADiSON ist wohl einer der Überraschungs-Hits des Jahres 2022 und ein echtes Highlight für wirklich gruselige Abende.

MADiSON - PS4 [Blu-ray]
  • Erleide die brutale Qual eines Dämons, der dich dazu zwingt, ein blutiges Ritual fortzusetzen
  • Phycological und Survival Horror verschmelzen zu einem, während du versuchst zu überleben
  • Verliere dich dank hochwertiger Grafik und 3D-Sounds in diesem immersiven und furchteinflößenden Erlebnis