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[ TEST ] MEDIEVIL – Auferstanden von den Toten

Mit Medievil erweckt Sony einen echten Fan-Liebling der PS1-Ära aus dem Reich der Toten. Ob sich das PS4-Remake des über 20 Jahre alten Kult-Hits auch wacker schlägt, erfahrt ihr im Test.

Ersteindruck
Eine unwahre Legende

Der böse Zauberer Zarok greift gierig nach der Macht über das mittelalterliche Städchen Gallowmere. Nur der adelige Ritter Sir Daniel Fortesque wagt es, sich der Übermacht Zaroks entgegenzutreten. Im Heldenhaften Eifer gelingt es Sir Daniel und seine Mannen, das dämonenhafte Herr des Schwarzmagiers zurückzudrängen. Sir Daniel bezahlt seinen Mut mit dem eigenen Leben und stirbt einen rumreichen Heldentot. Aber halt! Die ganze Geschichte hat nur einen entscheidenen Haken. Denn sie hat sich nie so zugetragen. All der Ruhm um Sir Daniel ist erlogen. In Wahrheit war er ein tollpatschiger Tunichtgut, der bei der Schlacht gegen Zarock als Erster den Tod fand. Genau einhundert Jahre nach den Ereignissen kehrt der dunkle Magier wieder und spricht einen mächtigen Zauber über die Stadt, die alle Toten aus dem Schlaf erweckt. Untot steigen sie aus ihren Gräbern und überziehen Gallowmere mit Chaos. Auch dem verknöcherten Leib von Sir Daniel Fortesque wird neues Leben eingehaucht. Und so machen wir uns als nicht mehr ganz so frischer Ritter auf, die Pläne Zaroks zu durchkreuzen.


Gameplay
Getreu dem Original

Im ersten Level verschlägt es uns auf den Friedhof, auf dem wir bereits von fauligen Zombies erwartet werden. Dabei wurde die Kampfmechanik konsequent vom Originalspiel übernommen. Per Tastendruck schwingen wir unser Schwert, blocken Angriffe mit dem Schild, oder führen einen kurzen Rammangriff aus, der sich auch ideal dafür zweckentfremden lässt, schnell auszuweichen oder die Flucht zu ergreifen. Wenn alles nichts hilft, lässt sich die O-Taste gedrückt halten und unsere Waffe aufladen. Darauf entfesselt Sir Dan einen mächtigen Schwungangriff.

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So sah das Original der PS1-Ära aus – Medievil (1998)

Das Kampfsystem funktioniert dabei so simpel, wie man es aus einem Action-Adventure der späten 90er Jahre nur erwarten kann. Alteingesessene Fans werden sich darüber freuen, dass Entwickler Other Ocean penibel daran gewerkelt hat, das Gameplay aus dem Jahr 1998 zu rekonstruieren. Medievil ist dabei ein Fest für alle Nostalgiker. All jene, die hingegen ein Spiel nach heutigen Konzept erwarten, werden sich mitunter über die unübersichtlichen Kamerafahrten ärgern, sowie die etwas hakelige und ungenaue Steuerung bemängeln. Die Probleme werden vorallem bei einigen Sprungpassagen und Bosskämpfen bemerkbar, wenn wir etwa in den tödlichen Abgrund fallen, weil Sir Daniel nicht so genau abspringt, wie wir es von ihm erwarten. Oder aber, der Boss raubt uns ein Großteil unseres Energiebalkens, weil wir seinen Angriff aufgrund der wiederkehrenden Kameraprobleme nicht rechtzeitig warnehmen können und keine Chance bleibt, darauf zu reagieren. Unser Waffenarsenal wächst mit fortschreitendem Spiel immer weiter an und umfasst neben dem rostigen Schwert auch noch ein weitaus effektiveres Breitschwert, eine Axt, die sich auch werfen lässt und vieles mehr. Neben den zahlreichen Nahkampfwaffen erhalten wir auch noch einmal genauso viele Fernwaffen. Somit lassen sich Gegner auch schon aufs Korn nehmen, bevor sie die Chance auf Gegenwehr haben. Wurfmesser, Armbrust oder Brand-Bogen sind besonders in den Bosskämpfen wichtige Helfer.

 

Die Kamera- und Steuerungsprobleme wurden bereits im ´98 Original bemängelt und wurde so ins heutige Remake eingebaut. Sicherlich weil es den Entwicklern mit ihrem Remake vorallem um eine möglichst authentische Nachbildung des Originals geht. Aber dennoch hätten wir uns gewünscht, dass Other Ocean die Chance des Remakes nutzt und die Schwächen von damals ausbügelt um uns ein Medievil abzuliefern, dass nicht nur besser aussieht, sondern auch besser funktioniert als je zuvor.

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Und so sieht das PS4-Remake aus – Medievil (2019)

Das tut dem Spielspaß insgesamt aber keinen Abbruch, das Abenteuer um den knochigen Recken in strahlender Rüstung ist auch heute noch so kurzweilig und spaßig wie Anno-dazumal. Neben der simplen Hau-Drauf-Kampfmechanik erwarten uns noch einige Sprung und Rätselpassagen. Auf die Spitze getrieben werden die kleinen Kopfnüsse besonders in den Leveln Irrenanstalt, in der wir durch einen Irrgarten wandeln und die verzwickten Wort-Rätsel des verwunschenen Jack lösen müssen und im Level Zeitmessgerät, in der wir die überdimensionierten Zeiger der riesigen Uhren auf die richtige Zeit drehen.

Längst nicht immer ist das Abenteuer ein einfaches Unterfangen. Einige Level warten mit einigen kniffligen Sprung- und Rätselpassagen auf. Auch einige Kreaturen stellen sich als gefährliche Feinde heraus, die jede Menge Treffer einstecken und selbst äußert hart austeilen können. In den Leveln selbst existieren keine Checkpoints. Ist unsere Lebensleiste aufgebraucht, benötigen wir einen der seltenen Energietränke, die unser Leben wiederherrstellen. Und wenn die restlos aufgebraucht sind, bekommen wir den Game-Over-Bildschirm zu sehen. An die Hand genommen, werden wir in Medievil jedenfalls nicht und mitunter steigt der Schwierigkeitsgrad deutlich an.


Umfang
Eine Wundertüte voller schräger Einfälle

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Die Vogelscheuchen gehören zu den gefährlichsten Widersachern.

Medievil ist bereits zu einem Preis von 29,99 Euro erhältlich und bietet etwa sieben Stunden an Spielspaß pro Durchlauf. Die 21 Level sind dabei wunderbar abwechslungsreich gestaltet und bieten auch spielerisch immer wieder neue Herausforderungen und Überraschen mit immer neuen Ideen und Gegnertypen. Medievil wirkte bereits bei seinem Erscheinen im Jahr 1998 wie eine bunte Wundertüte voller schräger Kreaturen und Einfälle. Selbst nach heutigen Standarts weiss das Action-Adventure durch seine schiere Vielfalt zu gefallen.

Besonders fleißige Spieler, denen es gelingt, alle 19 verlorene Seelen zur Ruhe zu betten, dürfen sich über das Originalspiel freuen, welches daraufhin freigeschaltet im Hauptmenu angewählt werden kann.


Grafik & Sound
Cooler Artstyle mit Technikschwächen

Der Artstyle ist wohl der eigentliche Star des Spiels. Die geraden Linien der Häuserfassaden sind ins Schräge verschoben, Bäume ranken auf groteske Weise ihre Äste in die Luft und die Kreaturen wirken wie grummelige Fabelwesen. Unverkennbar scheint es, dass Medievil eine Hommage an Tim Burton Filme darstellt und seinen lustigen Horror-Look mit genauso viel Charme auf den Bildschirm transportiert. Dennoch kann man der grafischen Opulenz nicht nur lobenden Worte schenken, es gibt auch hier ein paar Störfaktoren. So sind es, neben der stoischen Kameraführung, auch immer wieder ein paar kleine Framerate-Einbrüche, die uns in einigen Spielpassagen ärgern. Insgesamt betrachtet, liefert Sir Daniel einen flüssigen Spielablauf.

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Selbst die Bewohner Gallowmeres wollen uns das Lebenslicht (wieder) auspusten.

Die Vertonung ist hervorragend und liefert deutsche Sprecher, die noch besser gelungen sind als jene, die wir in der PS1-Version zu hören bekommen haben. Auch die musikalische Seite begeistert uns immer wieder und erinnert mit seinen verspielten orchestralen Klängen an die Film-Soundtracks von Danny Elfman. Beim Soundtrack des PS1-Originals wurden alle Instrumente noch elektronisch eingespielt, auf dem Soundtrack des PS4-Remakes ist hingegen das Prager Symphonie Orchester am Werk und spielt die Musikstücke aufwendig und in nie gekannter Qualität neu ein.


Fazit
Besser als je zuvor

Medievil richtet sich vornehmlich an Fans des Originals. Other Ocean haben in penibler Kleinstarbeit Sir Daniel Fortesque wieder zurück aus dem Reich der Toten geholt und lassen das Abenteuer um den tollpatschigen Knochensack und dem gierigen Zauberer Zarok in ganz neuen Glanz erstrahlen. Ganz an die technischen Qualitäten anderer Remake-Hits wie der Crash Bandicoot Triologie oder der Spyro Reignited Trilogie reicht Medievil zwar nicht heran, doch wer das Original aus dem Jahr 1998 liebt, wird mit dem PS4-Remake eine nostalgische Traumreise erleben.

Doch auch „Nichteingeweihte“, die bisher noch nie die Chance hatten, mit Sir Dan das Schwert zu schwingen, werden im Action-Adventure einen kurzweiligen Spaß finden, der besonders mit unkomplizierten Gameplay und einer hohen Abwechslung besticht. Die Level warten dabei immer wieder mit neuen Ideen und Mechaniken auf und lassen keine Langeweile aufkommen. Die steife Kameraführung und die etwas hakelige Steuerung wirken aus heutiger Sicht unzeitgemäß und können zum Teil für Frust sorgen.

 

 

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