Der 4. Teil der historisch angelehnten Strategie-Simulationsreihe Port Royale ist da! Wir haben für euch die Segel gehisst und einen Blick auf mehrere Versionen geworfen. Was euch bei diesem Spiel erwartet, erfahrt ihr in diesem Test.


Ersteindruck
Ein Fass voll Rum

Eingeleitet wird das Spiel mit einer kleinen Geschichte eines Rumfasses, begleitet von einem Seemannslied über, wie passend, ein Fass Rum. Das Video seht ihr übrigens weiter oben. Danach erwartet uns ein aufgeräumtes Hauptmenü, welches leider schon mal das größte Manko des Spiels verrät: Die Sprachausgabe ist komplett auf Englisch. Die PC-Version bietet dafür eine deutschsprachige Oberfläche. Dafür werden wir durch das Tutorial von diesem alten Seebären geleitet, den ihr hier rechts sehen könnt.
Ein weiteres Manko fällt uns leider auch beim Auswählen im Menü auf: Das Digipad funktioniert im Menü nicht. Auswahlen sind nur mit dem linken Stick möglich.
Atmosphärisch trifft Port Royale 4 das Karibik-Piraten-Thema des 16. und 17. Jahrhunderts hervorragend. Von Sammy mit seinem Papageien auf der Schulter bis hin zur Karte, welche ein halbwegs maßstabsgetreues Model der tatsächlichen Karibik ist, stimmt hier schon mal alles. Die einzeln auswählbaren Tutorial-Einheiten sind mit einer zusammengerechneten Zeitangabe von ca. 56 Minuten zwar ziemlich lang, decken dafür aber jeden Aspekt des Spiels ab. Und nach dem Abschluss aller Tutorials belohnt uns das Spiel zudem mit einem Schiff, der Queen Anne. Der Name des Schiffes ist anscheinend eine Anlehnung an die „Queen Anne’s Revenge“, dem Flaggschiff des berühmten Piraten Edward Thatch, alias Blackbeard.


Gameplay
Typische Strategie-Simulation

In erster Linie ist Port Royale eine Wirtschaftssimulation. Kämpfe sind zwar auch ein Aspekt des Spiels, in erster Linie geht es aber darum seine eigene Fraktion wirtschaftlich an die Spitze zu bringen. Jede Stadt produziert bestimmte Ressourcen, welche andere wieder nicht produzieren. So baut das Spiel darauf auf, dass ihr eine bestimmte Ressource an einem Hafen kauft und an einem anderen teurer verkauft, also Nachfragen befriedigt. Das wiederum könnt ihr nutzen, um größere Flotten und Kriegsflotten zu bauen und zu kaufen. Jede Stadt kann bis zu sieben Güter Produzieren und es gibt insgesamt 25 im Spiel, mit denen gehandelt werden kann.

In den Kampagnen könnt ihr zunächst nur Spanien spielen, schaltet aber nach Abschluss dessen Kampagne noch England, die Niederlande und Frankreich nach und nach frei. Die Kampagne kann jeweils mit verschiedenen Charakterarten durchgespielt werden, die jeweils verschiedene Vor- und Nachteile mit sich bringen. Wählbar sind hier: Der Abenteurer, Händler, Freibeuter oder Pirat. Piraten werden zum Beispiel nicht von anderen Piraten angegriffen und Händler brauchen keine Handelslizenzen.

Im Freien Spiel bringen die unterschiedlichen Nationen noch einmal gesonderte Eigenschaften mit: Spanier bekommen leichter Siedler, Franzosen haben geringere Baukosten, Niederländer haben geringere Baukosten für Handelsschiffe und sind generell mehr auf den Handel spezialisiert und Engländer haben weniger Baukosten für Kriegsschiffe. Daraus ergeben sich verschiedene Kombinationen, mit denen Port Royale 4 immer wieder neu erlebt werden kann.

Die Kämpfe im Spiel können entweder ausgewürfelt werden, was in einigen Fällen ziemlich viel Zeit ersparen kann oder sie werden in einem rundenbasierten Kampf ausgefochten. In dem Runden basierenden Kampf ist es wichtig darauf zu achten, dass man sich seitlich vom Gegner positioniert, da Segelschiffe natürlich nur Breitseiten feuern können. Darüber hinaus können Taktiken und Strategien angewendet werden.

Mit einem Multiplayer ist keine der Versionen, welche uns zur Verfügung gestellt wurden, ausgestattet.


Grafik und Sound
Super Sound und die Grafik…naja

Die Hintergrundmusik und die Soundeffekte sind wirklich gut für ein Spiel seiner Kategorie, die Musik passt wirklich immer zur Stimmung, welche vermittelt werden soll und sonstige Sounds sind definitiv auf heutigem Standard. Lediglich die Grafik, lässt eher weniger Nostalgie in Richtung 1670 aufkommen, sondern eher in Richtung 1999. Weshalb die Grafik auf der Xbox One im Vergleich zur PC-Version so heruntergeschraubt wurde, ist uns ehrlich gesagt ein Rätsel. Bei unserem Test haben wir zum Beispiel bei der Steam-Version einzelne Leute in den Städten erkennen können und die Texturen der Häuser waren sehr viel feiner. Auf der Xbox-Version laufen dafür verpixelte Schatten durch die Städte und Kanten flimmern was das Zeug hält. Auch Schiffe sind auf hohen Grafikeinstellungen sehr viel ansehnlicher als auf der Xbox. Das irritiert vor allem deshalb, da die Xbox One locker in der Lage sein sollte, die hohen Grafikeinstellungen der PC-Version wiederzugeben. Erwähnenswert ist jedoch, dass grafisch alles dargestellt wird, was dargestellt werden sollte. Man könnte hier also einen eher pragmatischen Grund für die Darstellung sehen, als einen rein ästhetischen.


Umfang
Viel Rum im Fass

Die bislang vier Spielbaren Kampagnen, sowie der Freie Spielmodus mit den zahlreichen Kombinationen und Möglichkeiten des Spiels lassen Raum für einige Spielstunden. Zudem bietet Port Rayale 4 eine ziemlich steile Lernkurve. Zahlreiche Güter, welche hergestellt und gehandelt oder erbeutet werden können bieten entsprechend viele Möglichkeiten. Und natürlich können auch einige Seeschlachten geschlagen werden, die je nach gewählter Kombination aus Nation und Charakter anders geführt werden. Einen Dämpfer gibt es hier nur in der Form, dass kein Multiplayer vorhanden ist. Eventuell wird das ja noch nachgeliefert. Fans von Wirtschaftssimulationen, Echtzeitstrategie und rundenbasierten Kämpfen, kommen hier definitiv auf ihre Kosten und können eine Menge Zeit mit diesem Spiel verbringen.


FAZIT
Guter Rum, aber…

…leider einiges auf den Konsolenfassungen nachzubessern. Bei dem derzeitigen Stand empfehlen wir euch, falls die Möglichkeit besteht, eher die Steam-Version zu spielen. Sowohl die Grafik, als auch die deutsche Sprachversion sprechen eher für die Steam-Version. Die Konsolenfassungen (Xbox One) sind grafisch leider von vorgestern und komplett auf Englisch. Auch die Menüführung bedarf einer Verbesserung auf den Konsolen. Wir würden uns entsprechende Patches für die Konsolenversionen wünschen, da Port Royale 4 hier deutlich unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Chris (Redakteur) sagt:
Wer die Vorgänger liebt, der kann über die kleinen Defizite in der Optik wahrscheinlich ein wenig hinwegsehen. Obwohl man zugeben muss, dass die Atmosphäre mit besserer Optik sicher auch etwas besser wäre. Inhaltlich kann man Port Royale 4 allerdings nichts vorwerfen. Das Wirtschafts- und Handelssystem scheint im ersten Moment komplexer zu sein, als es letztendlich ist. Ich persönlich begrüße das, da zu komplexe System oft eher abschreckend als anziehend auf mich wirken. In Port Royale 4 kann man viele Dinge zusätzlich automatisieren und den Dingen ein wenig ihren Lauf lassen, ohne ständig über die Karte zu wetzen, um in einer der Kolonien für Nachschub oder Ordnung zu sorgen. Das erleichtert die Arbeit und den Aufbau weiterer Handelsrouten und Kolonien enorm. Was allerdings nicht heißen soll, dass man die Beine hochlegen kann. Wer eine florierende Wirtschaft aufbauen will, muss dafür schon etwas tun. Alles in Allem ist Port Royale 4 zwar kein Meilenstein, aber durchaus ein würdiger Vertreter für das Genre der Wirtschafts- und Handelssimulationen.