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[ TEST ] SOULSTICE – Unzertrennliche Schwestern

Soulstice klingt zuerst wie ein weiterer Soulslike-Ableger, doch das ist das eindrucksvolle Hack & Slay gar nicht. Stattdessen steht das Spiel für rasante und actionreiche Kämpfe, die uns das ein oder andere Mal unseren Siegeswillen herausfordern.

Ersteindruck
Hack & Slay nach alter God of War Manier

In Soulstice werden wir gleich zu Beginn, nach einer kurzen geschichtlichen Erzählung, in einen chaotischen Kampf geschmissen. Zuerst ist uns gar nicht bewusst, welche Optionen uns als Angriff zu Verfügung stehen, dies ist allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht wichtig, da einfaches Tastendrücken uns zum Ziel führt. Das Spiel knüpft später wieder an dieser Stelle an. Was uns als Erstes ins Auge fällt, ist unsere Heldin Briar, diese könnte unserer Meinung auch die Schwester von Guts aus der Anime-Serie Berserker sein. Sie teilen sich viele Ähnlichkeiten, wie zum Beispiel die Augenklappe über dem rechten Auge, die körperbetonte schwarze Rüstung, oder dem massiven Schwert, was beide auf dem Rücken tragen und die größer als sie selbst sind. Ob diese Parallelen gewollt waren, wissen wir nicht, wir finden diese jedoch sehr erfreulich und erhielten so einen guten Ersteindruck. Wenn wir auf die Parallelen zu Guts bleiben, könnte man auch Lute, die Schwester von Briar und den Elf Puck vergleichen. Hier ist natürlich etwas Fantasie gefragt. Da Lute deutlich hilfreicher im Kampf agiert und mit dem Geist ihrer Schwerster verbunden ist. Hierzu später etwas mehr.

Was uns sonst gleich zu Beginn bei dem Spiel aus der Entwicklerschmiede Reply Game Studio aufgefallen ist, wäre die Kameraführung. Hier mussten wir stark an die ersten drei God of War Teile denken, in denen die Kamera stark fixiert gewesen ist und sich nur veränderte, wenn Kratos voranschritt. Das kann natürlich nicht jeden Spieler erfreuen, bei uns war das aber eine willkommene Abwechslung zu der sonst freien Kamera, wie bei fast jedem größeren Spiel auf dem derzeitigen Spielemarkt.

Gameplay
Zwei Schwestern gegen ein ganzes Königreich

Zwei Charaktere in einem, die beiden Schwestern sind unzertrennlich und darauf baut auch die ganze Spielmechanik auf. Deshalb werden Sie auch als Chimäre bezeichnet, weil in einem Körper, dem von Briar, zwei Seelen stecken. Ihre Aufgabe als Chimäre, oder auch bekannt als Ashen Knight ist es, das Heilige Königreich Keidas zu retten. Besser gesagt hat sich ein Riss im Himmel über der Stadt Ilden aufgetan und diesen müssen wir so schnell wie möglich versiegeln. Leichter gesagt als getan, ein schweißtreibender Aufstieg erwartet uns. Denn aus diesem steigen mächtige Geister, die als Gespenster bekannt sind und verwandeln die Bewohner in schreckliche Geschöpfe. Je weiter sich die Schwestern dem Riss nähern, desto stärker fallen die Kreaturen aus und auch das Wetter schlägt einen eisigen Ton an.

Dieser Weg ist auf jeden Fall ein steiniger. zum Anfang stehen nur drei von fünf Schwierigkeitsgraden zur Verfügung. Wir würden uns schon als relativ erfahren mit dem Hack & Slay Genre bezeichnen, wurden aber in Soulstice oft eines Besseren belehrt. Es gibt drei unterschiedliche Feindklassen, die wären in Gespenster, Verderbte und Besessene unterteilt. 

Die Verderbten könnten wir als die einfachste Klasse einstufen, jedoch sollte man sich hier nicht täuschen lassen. Nachdem der dritte Feind angekündigt wurde, fingen die Probleme auch schon an. Dies ist ein besonders stark gepanzerter verdorbener Soldat und gerade zum Anfang, wenn Lute noch schwach in der Verteidigung ist, konnten wir hier schon ordentlich einstecken. Das richtige Problem beginnt allerdings erst dann, wenn alle drei Feindklassen gleichzeitig bekämpft werden wollen. Denn die Gespenster können wir nur verletzen, wenn sie in Lute’s Aura, dem Beschwörungsfeld, getränkt sind, ansonsten fliegen die Schläge von Briar einfach hindurch. Bei den übelsten Kreaturen, die zu den Besessenen zählen, kommt Lute’s andere Aura dem Verbannungsfeld zum Einsatz, denn wenn wir diese nicht benutzen, prallen unsere Hiebe einfach wieder ab. Das Schöne an den Besessenen ist, sollten wir diese endlich besiegt haben, tauchen bis zu drei Gespenster aus diesen aus. Besiegen wir sie nicht schnell genug, erlagt der Besessene wieder neue Stärke. Die Kämpfe können also je nach Zusammenstellung der Feindklassen, zu einem richtigen Alptraum werden, da auch in besonderen harten Kämpfen, mehrere Fallen installiert sind, die auf Lute’s Auren reagieren. Die Auren von Lute halten auch nicht ewig, sollten Ihr durch unbedachten Einsatz die Kräfte ausgehen, verschwindet sie für ca. fünf Sekunden – wichtige Zeit, die oft von entscheidendem Charakter sind.

Es gibt noch eine Handvoll an Story-Bosskämpfen, die eine besondere transzendierte Form aufweisen. Die sind vom Design her am ausgefallensten und auch die Kämpfe bleiben einem gut in Erinnerung. Unnötig zu erwähnen, dass wir hier von allen Fähigkeiten Gebrauch machen sollten. Ein klares Highlight, da hierdurch auch die Geschichte der beiden Schwestern immer weiter vorangetrieben wird und was unsere Mission eigentlich wirklich für eine Bedeutung hat.

Um es noch einmal etwas herunterzubrechen. Briar ist im Kampf für den Hauptschaden verantwortlich und hat neben ihren riesigen Zweihänder, noch sechs weitere Waffen im Arsenal. Die werden uns im Laufe des Spiels von unseren Beobachter Zayton ausgehändigt. Lute dagegen hat einen großen Fähigkeitenbaum, der sich in Offensive, Defensive und den Auren (Feld) unterteilt. Für die Erkundung der Umgebung reichen die normalen zwei Auren aus, diese bestehen aus dem blauen Beschwörungsfeld und dem roten Verbannungsfeld. Im Kampf werden allerdings alle drei Aspekte benötigt, wo die Defensive mit am wichtigsten ausfällt. Da Briar sonst nur ihren Ausweichschritt hätte, kann Lute beispielsweise den Gegner einfrieren oder Tretminen platzieren. Unsere Optionen werden immer vielseitiger, um alle Fähigkeiten von Lute zu benutzen, benötigen wir nur drei Tasten. Der restliche Teil des Controllers geht in Briar’s Besitz über, wie auch zum Beispiel das fließende Wechseln der Waffen, in einer Combo. Wenn wir genug Schaden austeilen und nicht währenddessen selbst welchen erleiden, gelangt unser Geschwisterpaar auch in einen Rausch. Hier können wir besonders viel Schaden verursachen und jeden Feind, egal welcher Klasse verletzen. Sollten wir den Rausch mit wenig Leben erlangen, gibt es auch noch den Berserker Modus. Dieser spiegelt unsere halb transzendierte Form wider und kann auch, wenn wir uns nicht unter Kontrolle bringen, zum Game Over führen.

Im gesamten Spieldurchlauf sammeln wir für Briar’s Waffenupdates rote Orbs ein und für Lute sind es die Blauen. Diese können wir dann während der Mission bei unseren vertrauten Beobachter Zayton eintauschen, oder auch beim Start jedes Kapitels. Um mehr Fähigkeiten zu erlangen, gibt es auch besonders mächtige Objekte im Shop unseres Beobachters zu erwerben.

Befinden wir uns nicht gerade in einem Kampf, die auch nicht an jeder Ecke stattfinden, sind wir meistens am Erkunden und am Rätsel lösen. Die Rätsel beziehen sich vorwiegend auf Kristalle, die durch den Riss entstanden sind und die wir aus dem Weg räumen müssen. Hier sind Lute’s beiden Auren wieder sehr wichtig, um die roten Kristalle zu zertrümmern oder beispielsweise die blauen Plattformen zu erreichen. Immer wenn neue Mechaniken ins Spiel kommen, wird ein kurzes Tutorial eingeblendet und wir wissen sofort, was zu tun ist. Auch wenn die Rätsel zum Schluss ausgefallener werden, ist das Ziel immer am Horizont zu erkennen.

Grafik, Sound & Technik
Leider nur in Englisch

In Soulstice kommt wie so oft auch hier die Unreal Engine zum Einsatz. Das ganze Potenzial konnte jedoch nicht ins Spiel einfließen. Öfters müssen wir mit matschigen Texturen kämpfen oder auch in den Zwischenfrequenzen lädt die Grafik vereinzelt etwas verspätet nach. Wir denken, die gebotene Grafikpracht wäre auch einfach auf der PlayStation 4 darzustellen, es schlägt jetzt kein neues Grafikzeitalter ein. Jedoch hat es einen gewissen Charme, da wir uns auch schon durch die Kameraführung an ältere Spiele erinnert fühlten. In Schlachten, wo die Gegner an Überhand nehmen, kam es auch zu gelegentlichen Rucklern.

Die englische Vertonung der beiden Schwestern und der anderen wichtigen Charaktere können wir ihre Qualität nicht abstreiten. Die Sounds in den Gefechten sind besonders wuchtig und lassen nichts zu wünschen übrig. Da es aber oft sehr chaotisch zugehen kann, sind nicht nur die Augen mit einem Bildgewitter beschäftigt, sondern auch die Ohren. Da sind die Abschnitte, wo wir ohne Feindkontakt durch die schön gestaltete Stadt, auch wenn verwüstet, besonders erholsam.

Die Steuerung von Briar und Lute zeigt nicht viele Schwächen auf. Das größte Problem wäre jedoch mit der Zielerfassung.  Gerade in den Kämpfen gegen die Besessenen, wenn die Gespenster aus der Leiche steigen und wir Probleme haben den gewünschten Gegner anzuvisieren, gehen kostbare Schläge ins Leere. Hier kann die Kameraführung dann auch zum Übeltäter werden, ändert nichts daran das nicht immer das begehrte Ziel die Hiebe einsteckt. Wir können aber auch ganz ohne Zielerfassung die Kämpfe erfolgreich bestreiten. Sonst reagiert die Steuerung nach unserem Wunsch, auch wenn der dreifache Ausfallschritt eine größere Reichweite gebrauchen könnte. Gelegentlich sind auch manche Sprünge schwer abzuschätzen, da wir aber keinen Fallschaden erleiden, ist das verkraftbar.

Fazit
Knackige Herausforderungen, flüssige Kämpfe und jede Menge Spaß

Es ist lange her, wo wir auf dem dritten Schwierigkeitsgrad in einem Spiel so gefordert wurden. Vielleicht sind wir auch nur eingerostet, aber von dem Hafen der Stadt Ilden bis zum Riss im Himmel am weit entfernten Horizont, in der Kathedrale, hatten wir eine Menge Spaß, mit etwas Frust. Die Mission der beiden Schwestern, wurde in 25 Kapitel unterteilt, die beim ersten Durchgang, auf knapp 15 Stunden Spielzeit hinausläuft. Dazu gibt es noch 20 knackige Herausforderungen, die in den einzelnen Kapiteln verstecken sind. Jedes Kapitel schließen wir mit einer Bewertung ab, von Eisen – Diamant gilt es zu erreichen. Je besser die Endbewertung, desto höher fallen die Roten und Blauen Orbs zur Verbesserung aus. Natürlich wird jeder Kampf im Kapitel auch einzeln bewertet. Dies ist sicher ein guter Anreiz, beim nächsten Durchgang eine bessere Leistung abzuliefern. Hier kann man aber nicht auf dem bekannten aus dem ersten Durchlauf vertrauen. Die anstehenden Gefechte wurden nicht nur mit mehr Lebenspunkten versorgt, sondern auch die ganzen Kampfformationen der Feinde wurde gründlich umgestellt. Wir können also viel früher in Verzweiflung geraten.

Aber genug der langen Worte. Unserer Meinung ist Soulstice ein Spiel, das sich von der aktuellen Masse etwas abhebt. Der Bund, den die Schwestern teilen, ist interessant mitzuverfolgen und auch was den Riss im Ende wirklich verursacht hat, ist das Spielen wert. Die Kämpfe sind fordernd, gerade wegen der zwei wechselnden Auren, die einem auch nicht ewig beistehen. Vermutlich liegt es aber daran, dass wir an die alten God of War Zeiten erinnert wurden, und uns das gesamte Spielkonzept erfreut. Wer nicht bei dem geringsten Widerstand den Kontroller gegen die Wand schmeißt, sollte sich mal mit den beiden Chimären Schwestern auseinandersetzen. Das Ende ist vielversprechend, wir erwarten einen anstehenden zweiten Teil.

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