Spiele Test

[ TEST ] STEINS;GATE:Elite – Remake der beliebten Visual Novel

Ihr wisst nicht, was eine Visual Novel ist? Ich auch nicht, aber Steins;Gate Elite soll die beste sein. Wenn das kein Grund ist um sich in dieses Genre hinein zu wagen. Wir haben es getan, Steins;Gate Elite …

Steins;Gate:Elite ist ein Remake eines älteren Spiels, welches aber eine recht große Fanbase hat. Bei Steins;Gate:Elite und auch dessen Vorgänger aus dem Jahr 2009 handelt es sich um ein Untergenre des japanischen Adventures. Dieses bezeichnet man als Visual Novel  und wird in unseren Breitengraden wenn dann als elektronischer Blättercomic für Vorbesteller bei normalen Spielen mitgeliefert. Steins;Gate aber soll der Tarantino unter den Visual Novels sein, also stürze ich mich heute in diese neue Erfahrung. 

Getestet wurde auf der PS4 Pro auf einem Sony Full HD TV. Zum Testzeitpunkt lag das Spiel in Version 1.01 vor und belegte 15 GB Speicher.

Ersteindruck
Kommt da noch mehr ?

Das Spiel empfängt uns mit einer melancholischen Musik im Hauptmenü und einem relativ langweiligen Schwarz-Weiß Hintergrund. Mit dem Start des Spieles beginnt direkt ein Monolog in japanischer Sprachausgabe und englischen Untertiteln. Durch die Stimmlage des Erzählers wird versucht Spannung aufzubauen, da er übertrieben aufgeregt spricht, wie es oft bei asiatischen Animes der Fall ist. Im Kontrast dazu ist wieder eine entspannende, fast schon atmosphärische Musik zu hören. Ich erlebe also die ersten Stunden der Story beziehungsweise versuche ich es. Man kann der Story kaum folgen und das ständige X-Gedrücke stresst meinen Controller einseitig.


Gameplay
Ein Härtetest für den X Button

Bei einer Visual Novel geht es hauptsächlich um die Story. Ihr sollt diese so intensiv, aber auch so passiv wie möglich erleben. Die Steuerung des Spiels ist daher auch sehr simpel gehalten. Im Falle von Steins;Gate:Elite reicht die Taste X, man kann Szenen aber mit L1 überspringen und die Untertitel mit der Kreis-Taste ausblenden lassen. Na, wer Japanisch kann, der darf das ruhig machen. Aber für den deutschen Markt hätte ich mir da schon ein wenig mehr Lokalisierungsarbeit gewünscht, denn nur mit englischen Untertiteln und einer Freigabe ab 12 Jahren, ist es nicht gerade einfach dem Geschehen zu folgen.  Dazu aber später mehr.

 

Das Spiel ist komplett aus animierten Szenen aufgebaut. Diese sind aus dem zugehörigen 2011er Anime entnommen und haben entsprechend diese Grafik. Das 2009er Steins;Gate kam noch mit Standbildern daher. Bei der Umsetzung ging man aber über die bekannten Szenen des Spiels hinaus und schuf neue Sequenzen. Diese wiederum fanden nun Einzug ins Remake des Games. Der Kreis hat sich geschlossen. Die Story aber ist unverändert. Alles dreht sich um…. Jetzt wird es schwierig. Grundsätzlich geht es um den etwas verrückten Professor Hououin Kyouma und seine Freunde. Zu Beginn lernt er diese nach und nach kennen, oder kannte sie bereits. Ich will nicht zu viel Spoilern, aber die Story ist voller überraschender Wendungen und dann kommt auch noch das Element der “Zeitreise” dazu. Dieses recht spezielle Element macht normalerweise Filme schon nicht unbedingt verständlicher oder logischer. Doch in Verbindung mit der abstrusen Story dieses Spiels, wirkt es umso verwirrender. Wir sind es übrigens, die den Professor “steuern”. Wir steuern nämlich nicht wirklich etwas. Jeder Dialog wird passend zur Sprachausgabe als Untertitel angezeigt. Stellt euch also ein Bilderbuch vor, dass je Seite jeweils ein bisschen Dialoge anzeigt und dann drückt ihr X um auf die nächste Seite zu gelangen. Der Standbild-Vorgänger wird im Grunde also genau sowas gewesen sein. Nun ist es halt animiert. Lebendiger könnte man noch ergänzen.

Ein weiteres Feature sind die Erklärungen zu vielen Dingen im Spiel. Zu allem ist im Spiel eine Erklärung enthalten. Sinnvoll natürlich bei Dingen, Personen und Firmen, die so nur innerhalb des Spiel-Universums existieren. Aber bei einem Spiel, dass sich klar an Japan-Fans, Manga- und Anime-Freunde, im Grunde also klare Insider, richtet, muss nicht erklärt werden was z. B. Cosplay ist. Alles mögliche zur japanischen Jugendkultur ist erklärt. Na gut, muss man ja nicht lesen. Kommen wir nun zum quasi letztem Gameplay Element. Zeitreisen habe ich bereits erwähnt. Jetzt mischen wir nämlich ein bisschen Butterfly Effect in dies Spiel und seine Story. Der Professor und seine Freunde forschen sowieso an Zeitreisen und schaffen es schlussendlich eine Mikrowelle in eben eine Zeitmaschine umzubauen. Aber nicht á la Back to the Future, sondern “Das Haus am See”. Wir reisen nämlich nicht aktiv in die Vergangenheit, sondern wir können nur Nachrichten dorthin versenden. Wir erhalten Nachrichten auf unser Smartphone und können dann Antworten. Wir können das auch lassen. Entscheiden wir uns für eine der vorgegebenen Antworten, schicken wir diese in die Vergangenheit und unser Weg wird sich verzweigen und unsere Entscheidung direkte Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft haben. Schlussendlich dann auch aufs Finale. Von diesen finalen Sequenzen gibt es mehr als eine und wer alles sehen und verstehen will, dem wird geraten sie alle freizuschalten.


Grafik / Sound
Nichts spektakuläres

Der erste Bereich in dem man hier nicht viel berichten kann., Grafisch befindet sich das Spiel auf dem Niveau eines Anime. Entsprechend der Auflösung der PS4 Pro dann je nachdem auch in 4K. Das Spiel wurde offiziell für die PS4 Pro verbessert. Aber damit handelt es sich nicht um Grafik. Die Engine macht ja nicht mehr, als ein Mediaplayer. Das Spiel wäre 1:1 genauso auch via Netflix spielbar. Klar, es wäre komplexer als das bisherige interaktive Portfolio des Streaminganbieters, aber technisch wäre es genauso umsetzbar. Von daher kann auch nicht von Grafik gesprochen werden.

Die Sprachausgabe ist komplett japanisch. Die Untertitel nur auf Englisch. Eine der beiden Sprachen sollte man also beherrschen, sonst wird das nichts mit der Story. Davon abgesehen hat das Spiel eine Altersfreigabe ab 12. In diesem Alter muss man aber erstmal solche Englischkenntnisse mitbringen.

Auch der Sound kommt unauffällig daher, meist auch sehr melancholisch und einschläfernd. 


Umfang
Lange Spielzeit, wenn man das möchte

Das Spiel hat Spielszenen für knapp 30 Stunden. Je nachdem, wie ihr das Spiel spielt, wird dies kürzer oder länger ausfallen. Das erneute Durchspielen wird allen Fans dieses Spiels dadurch schmackhaft gemacht, dass in allen Enden neue Szenen eingebaut wurden. Außerdem wird es einem vereinfacht. Durch Drücken von L1 überspringen wir ganze Szenen und verkürzen die bekannten Storyteile so. Wir landen schnell bei den Entscheidungen und können uns damit andere Wege offenlegen. Positiv hervorzuheben ist, dass wir jederzeit Pausieren und Speichern können. Die wenigstens dürften Steins;Gate Elite in einem Mal durchspielen.


Fazit
Für Anime Fans bestimmt interessant

Das Spiel ist nur etwas für Fans des Genre. Hätte ich die Wahl zwischen einem Buch und diesem Spiel, würde ich wohl das Buch wählen. Direkt zu Beginn gibt es so viele, sinnbefreite und langgezogene Dialoge. Es macht keinen Spaß. Man drückt von Anfang bis Ende nur X und muss sich auf die Untertitel konzentrieren und sich selber übersetzen. Die gedämpfte einschläfernde Hintergrundmusik erschwert dies leider sehr, da man permanent gegen die Müdigkeit ankämpft. Wäre die Story nun spannend, wäre dies zu verschmerzen. Aber das Spiel hat mich halt zu keiner Zeit mitgerissen. Man muss jedoch auch fair bleiben. Für Fans und begeisterte Manga-Leser bzw. Anime-Schauer ist Steins;Gate Elite wahrscheinlich genau das eine Spiel. Aber die haben wohl auch schon das Vorbild gespielt und der Mehrwert hält sich in Grenzen. So handelt es sich um die gleiche Story wie bisher, nur die Bilder wurden durch Animationen ersetzt. Reiner Fanservice. Das Spiel an sich hat sich somit aber zu wenig weiterentwickelt. Wer den Vorgänger mochte, muss für sich selber entscheiden ob er das so nochmal erwerben möchte. Aber als Vollpreistitel ist das Spiel zu teuer um mal ins Genre reinzuschnuppern. Visual Novels bewegen sich wohl am Umfang gemessen in diesen Preisregionen. Es handelt sich hier aber um eine überarbeitete Version des Vorgängers. Der Kauf sollte gut überlegt sein. Es ist kein Telltale Game, kein Point n’ Click Adventure und kein Interactive Movie a la Until Dawn oder Detroit. Fans der Reihe werden jedoch zweifellos glücklich.

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