Bild: Bandai Namco

[ TEST ] Tales of Arise – Die Rückkehr des klassischen JRPG

1995 startete die Reihe mit Tales of Phantasia in Japan und wurde bei uns 2004 in Europa mit Tales of Symphonia so richtig bekannt. Am 10. September dieses Jahres erschien mit Tales of Arise der bis dahin 18. Teil der Reihe. Für diesem Test haben wir uns das Spiel für euch auf der Xbox One angesehen und versuchen euch möglichst spoilerfrei einen Einblick in den neusten Teil der Serie zu geben.

Ersteindruck
Ungewöhnlicher Einstieg

Nachdem wir das Spiel heruntergeladen (ca. 40 GB) und gestartet haben, geht’s erst einmal an ein paar grundlegende Einstellungen, wie Sound, Schwierigkeitsgrad und mehr. Dann folgt eine kurze Sequenz, die den Startplot von Tales of Arise anreißt und wir bekommen den Hauptprotagonisten als „Eisenmaske“ vorgestellt. Dieser hat keine Erinnerungen daran wer er ist und Schmerzen kann er auch nicht empfinden. Nachdem wir die Story noch ein bisschen weiter verfolgen, wird uns auch das Kampfsystem vorgestellt. Und gerade hier hat sich im Vergleich zu den älteren Spielen der Reihe einiges getan: In Tales of Symphonia und Vesperia sah man den Charakter, den man gerade steuerte, in der Seitenansicht. In ToA steuern wir Alphen, den Hauptprotagonisten, oder einen anderen Charakter unserer Wahl auch während der Kämpfe in einer 3rd-Person-Ansicht. In einem kurzen Tutorial werden uns die grundlegendsten Kampmechaniken wie angreifen, blocken, ausweichen und die Nutzung von Artes (Skills) erklärt. Mit der Zeit kommen immer mehr kleine Tutorials dazu, die uns die eine oder andere Spielmechanik oder die Fähigkeiten von Charakteren erklären.

Die Menüführung ist sehr aufgeräumt und Einstellungen sind leicht zu finden. Speichern ist jederzeit möglich und die Speicherpunkte wurden mit diesem Teil der Reihe komplett abgeschafft. Die Controllerbelegung für den Kampf kann auch jederzeit nach Belieben angepasst werden. Auch heruntergeladene DLCs können jederzeit über das Menü aktiviert werden. Eine kleine Besonderheit ist noch, dass sich das Hintergrundbild des Spielmenüs je nach Storyfortschritt ändert. So wird immer daran erinnert, an welchem Punkt der Geschichte man sich gerade befindet, wenn man mal für ein paar Tage eine Pause eingelegt hat.

Wie bereits erwähnt, haben wir das Spiel für die Xbox One getestet. Während unseres Tests lief Tales of Arise absolut ruckelfrei. Sogar auf dem Xbox One Basismodell lief es absolut flüssig. Das ist heutzutage tatsächlich schon eine Seltenheit und eine angenehme Überraschung.

Gameplay
Gutes Kampfsystem, eher klassisches JRPG

Zuerst einmal sollte erwähnt werden, dass Tales of Arise kein Open World RPG ist. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Map-basiertes RPG mit Städten, Gebieten, Dungeons usw.. Kämpfe sind außerdem nicht zufallsbasiert, finden aber gesondert im Spiel statt. Einfach ausgedrückt begegnet man Monstern zwar im Spiel, aber sobald sich der Gegner in Reichweite befindet, wechselt man in eine „Kampfarena“, die kreisrund ist. Von da an spielt sich Tales of Arise wie ein Prügelspiel in Echtzeit. Wer bereits mit den Vorgängern vertraut ist, kennt das Kampfsystem bereits in seinen Grundzügen. Jeder der insgesamt 6 Charaktere bringt seine eigenen Fähigkeiten, seinen eigenen Kampfstil, Artes und Stärken gegen bestimmte Gegnertypen mit. Grundsätzlich unterschieden wird hier zwischen normalen Angriffen, Boden-Artes und Luft-Artes. Es macht also einen Unterschied, ob ihr gerade in der Luft seid oder am Boden steht. Am Anfang kann man jeweils 3 Artes in der manuellen Steuerung zuteilen, später kommen jeweils drei weitere hinzu. Ein Manko am Kampfsystem ist jedoch, dass man einmal begonnene Aktionen nicht so einfach abbrechen kann. Eine Ausweichrolle mitten in eine Animation einfließen lassen zu können, würde alles perfekt abrunden. Schade.

Geldsystem

Eine kleine JRPG-Todsünde, die vor einigen Jahren Final Fantasy XIII praktisch fast ruinierte, leistet sich Tales of Arise leider auch: Keine Spielwährung als Kampfbelohnung. Die einzigen Möglichkeiten an Gald (die Spielwährung) zu kommen, ist entweder das Erledigen von Nebenaufgaben, das Verkaufen von Items an Händler oder DLCs. Nach unseren ersten Spieldurchlauf können wir schon mal sagen, dass diese Änderung das Spiel ein wenig zu grindlastig machen kann, vor allem wenn man häufig seine Ausrüstung auf den neusten Stand bringen will. (Das geht ziemlich ins Gald!)

Ausrüstung

Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Neue Waffen müssen generell bei Waffenschmieden und fahrenden Händlern geschmiedet werden, Rüstungen können in Truhen gefunden oder gekauft werden und Zubehör wird entweder wie eine Waffe hergestellt oder kann wie Rüstungen gefunden werden. Erwähnenswert ist hierbei, dass hergestelltes Zubehör besser als gefundenes ist, da ihr dieses mit zusätzlichen Eigenschaften versehen könnt, die wiederum durch Verbesserungen freigeschaltet werden. Die Materialien für all das findet ihr überall im Spiel.

Erfahrungspunkte, Fähigkeitspunkte und Wertung

Erfahrungspunkte funktionieren so wie man es erwartet: Man steigt mit ihnen im Level auf und sie können in Kämpfen verdient werden. Fähigkeitspunkte können ebenfalls im Kampf erworben werden und sind an das neue Titelsystem von Tales of Arise gekoppelt. Mit jedem Titel-Emblem können gekoppelte Passivskills oder Artes für den jeweiligen Charakter erlernt werden. Das Freischalten aller Erweiterungen für ein Emblem bringt immer noch einen zusätzlichen Boost für die Statuswerte mit sich. Es lohnt sich also definitiv, die Punkte immer wieder auszugeben. Die Wertungspunkte (Grade) nach einem Kampf bestimmen wie viel Erfahrungspunkte und vor allem wie viele Items nach einem Kampf verdient werden können. Ein Kampf-Counter, der nach einer Weile im Spiel freigeschaltet wird, kann genutzt werden, um weitere Multiplikatoren zu bekommen. Mit den Wertungspunkten erfährt Tales of Arise auch eine der elementarsten Änderungen in Hinsicht auf das New Game-Plus-System. Dazu aber später mehr.

Unterhaltungen

Serientypisch sind auch die Unterhaltungen zwischen den Charakteren, die alle voll synchronisiert und mittlerweile auch animiert mit passenden Gesichtsanimationen versehen sind. Der Stil hat sich dabei in diesem Teil der Tales of Serie drastisch verändert. Die Unterhaltungen werden mit Comic-Panels dargestellt und die Charaktere tragen dabei auch die eingestellten Outfits. Die Unterhaltungen sind immer orts- oder situationsbedingt. Manche können auch erst nach bestimmten Nebenquests ausgelöst werden. Bei einer eingelegten Rast können die Gespräche auch jederzeit erneut angesehen werden.

New Game+

Das New-Game-Plus-System funktionierte in den meisten Vorgängern komplett über das Grade-System, für das man während des Spielens Punkte ansammeln musste, um sie zum Schluss in Boni wie zehnfache Exp oder Gald investieren zu können. In Tales of Arise hingegen müssen im Spiel Artefakte gefunden oder erspielt werden. 23 Stück können insgesamt erspielt werden. Logischerweise können deren Effekte erst nach Abschluss der Hauptgeschichte auf einem neuen Spielstand genutzt werden. DLC-Artefakte, die zusätzliche Boni geben, gibt es derzeitig ebenfalls und deren Effekte können sofort genutzt werden.

Grafik & Sound
Gute Cellshading-Grafik und passende Sounds

Grafisch hat sich auch etwas im Vergleich zu den Vorgängern getan. Texturen sind feiner, der Stil von Berseria, dem direkten Vorgänger wurde aber weitestgehend beibehalten. Insgesamt ist es genau das, was man von einem Spiel dieser Art erwarten würde. Das Gegnerdesign ist auch wieder komplett anders, obwohl viele Gegnernamen wiederverwendet wurden. Auf Knuddeloptik, wie noch zu Zeiten von Tales of Vesperia wurde hier, mal abgesehen von Eulen vielleicht, komplett verzichtet. Man könnte also durchaus sagen, dass Tales of Arise grafisch wesentlich erwachsener daherkommt. Die Anime-Optik kommt allerdings auch nicht zu kurz. Mit farbenfrohen Effekten wird nicht gespart und Spezialmoves muten fast an wie Angriffe aus Shonen-Animes. Auf den Next-Gen-Konsolen wird zudem 4K unterstützt und 60 FPS sind auch möglich.

Soundmäßig unterstützt Tales of Arise Stereo- und Surround-Sound. Effekte sind passend gesetzt und die Hintergrundmusik wirkt teilweise manchmal schon fast zu episch. Kenner der Serie werden einige Stücke aus den Vorgängern wiedererkennen, wie zum Beispiel die Kampfmusik gegen Neben-Minibosse. Insgesamt ist die Musikauswahl durchaus passend gewählt und die Soundeffekte sind uns während unseres Tests nie unpassend vorgekommen. Synchronisiert ist das Spiel komplett auf Englisch oder wahlweise auch Japanisch. Texte sind dafür auch auf Deutsch verfügbar.

Umfang
Viel potenzielle Spielzeit fürs Geld

Bei unserem ersten Durchlauf haben wir uns größtenteils auf die Hauptstory konzentriert, kaum Nebenaufgaben mitgenommen, jedoch knapp 250 Gespräche zwischen Charakteren angesehen und natürlich keine Sequenz oder gar einen Kampf ausgelassen. Damit kamen wir nach dem Abspann auf etwas über 42 Spielstunden. Wenn man Sammelobjekte, Nebenquests und New-Game-Plus mit einrechnet, kann man also locker auf 80~120 Spielstunden kommen. Erwähnenswert ist dabei, dass manche Inhalte erst im New-Game-Plus absolviert und erspielt werden können. Ein Beispiel wären da zum Beispiel die serientypischen Waffen der Finsternis. Auch andere Neben-Dungeons, die uns im Spiel bereits begegneten, erfordern eher Ausrüstung und Levelfortschritt, den erst ein zweiter oder dritter Spieldurchlauf bieten kann. Es gibt also viel zu tun.

Im Vergleich zu älteren Spielen der Serie bietet Tales of Arise allerdings ein kleineres Charakter-Lineup. Während Tales of Symphonia zum Beispiel noch neun spielbare Charaktere bot und Tales of Vesperia immerhin noch acht, setzt sich das Sechs-Charakter-Lineup-Prinzip der Vorgänger hier wieder durch. Immerhin bietet jeder Charakter seine eigenen Vorzüge und zudem bekommen auch alle sechs am Ende eines Kampfes Erfahrungspunkte. Damit wird immerhin der Grind etwas reduziert. Auch auf eine Weltkarte wird in diesem Teil der Serie, wie auch bei den moderneren Versionen von Final Fantasy, komplett verzichtet. Dafür gibt es eine Schnellreisefunktion, mit der ihr fast zu jeder Zeit an frühere Orte zurückkehren könnt.

Fazit
Ein würdiger Nachfolger

Kurz gesagt: Tales of Arise ist ein gutes Spiel! Das Kampfsystem macht einfach Laune, der Umfang kann sich für das Geld wirklich sehen lassen und insgesamt kommen Fans der Serie auch auf ihre Kosten. Diejenigen unter euch, die noch nie einen Tales of Teil gespielt haben, müssen sich hier auch keine Sorgen wegen der Handlung machen, da hier keinerlei Zusammenhang mit den anderen Spielen der Reihe besteht. Jedes Spiel der Reihe hat seine eigene, in sich geschlossene Handlung. Insgesamt können wir euch Tales of Arise nur empfehlen. Dabei ist es egal, ob ihr Fans der Reihe seid, oder noch nie von Tales of Arise gehört habt.

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